Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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zingeln; es war unterdeß Mittwoch (26. d.),
Morgens zwei Uhr, gewordcn. Der Oberst
klopfte dann an das Thor und Booth fragte
von innen: „Wer seid Jhr, Freund oder Feind?
Seid Jhr Conföderirte? Jch habe fünf Leute
hier bei mir nnd wir können uns unserer Haut
rvehren!" Oberst Baker antwortete ihm: „Jch
habe 50 Mann hier; Ihr seid umzingelt und
thätet am besten herauszukommen und Euch zu
ergeben." Booth darauf: „Jch werde mich nie
und nimmermehr ergeben. Jch will nicht leben-
dig in Eure Hände fallen."

Da die Jnstructionen dahin lauteten, daß
Alles aufzubieten sei, Booth lebcndig gefangen
zu nehmen, hielt Oberst Bakcr mit seinen zwei
Lieutenants eine Consultation. Jnzwischen hörte
rnan, wie in dcr Scheune Booth seinen Gc-
sährten Harrold verfluchle und eine feige Memme
schalt, die sich erbärmlich ergcbcn wolle. Einc
Stundc und mehr wurde darauf in Hin- und
Herreden zwischen dem Obersteu und Booth
vcrloren, und da Booth hartnäckig blieb, Jeden
zu erschießen drohcnd, der sich ihm nahe, ließen
die Officicre einige Bündel Reißig an der
Scheune in Brand stecken, um ihn so aus
seincm Versteck hervorzuzwingen. Booth suchte
im Jnnern der Scheune die Flammc zu löschen,
doch ohne Erfolg; sein Genosse Harrold hattc
sich bereits den Händen der Verfolger über-
liefert. Jn der Mitte der Scheune stehend,
weigertc Booth sich noch standhaft, herauszu-
treten; da richtete der Sergeant Corbett seine
Büchse auf ihn durch eine Oeffnung in dem
Thor und schoß ihn nieder. Oberst Baker, nicht'
bemerkend, aus welcher Nichtung der Schuß
kam, rief aus: „Er hat sich erschossen!" eilte
in die Scheunc und fand Booth noch aufrecht
stehend, eiucn Carabiner in der Hand. Baker
umschloß ihn mit den Armcn, und die Uebri-
gen folgten in die Scheunc, Corbett ausrufend:
„Jch habe ihn erschvssen!" Wasser ward her-
beigeholt und die Wundc gebadet; die Kugel
war durch Hals und Rückgrat gegangen. Von
Zeit zu Zeit kam Booth zum Bewußtscin und
drückte scine Zufriedenheit mit Allem, was er
gethan, aus. Einmal crhob er, aus einer Ohn-
macht erwachend, seine Händc vor die Augen

Großh. bad. Kreisgericht Hpidelberg.

Bekanntmachung.

Nr. 1220. Jn Sachen der Ehcfrau des Iacob
Kraft in Doffenheim gegen ibren Ghemann, Ver-
mögensabsondernng bclreffend, hat Herr Rechts-
anwalt Fürst Namens der Klägerin das Gesuch
geslellt, daß durch llrtheil zu Recht crkannt werde,
cs sei das Vermögen der Klägerin von dem ihres
Ehemanncs abzusondern. Tagfahrt zur Verhand-
lung auf die Klagc in diesseitigem Gerichtslokal
ist auf Samstag, den 17. Juni d. Z., Dormit-
tags 9 Uhr, anberaumt. Dieß^wirdbzur ^nnt-

Heibelberg, den 11. Mai 1865.

Großh. bad. KrciSgrricht als Eivilkammer:

M ü ll e r.

Gehwege (Trottoirs) längs drrselben nach Vor-
schrift des Satz 56 der Bauordnung binnen vier
Wochen herzustcllen, widrigenfalls dies auf deren
Kosten angeordnet würde.

Heidelberg, den 13. Mai 1865.

Großh. Bezirksamt.

Großh. Amtsgericht Heidelberg.

Jn Sachen

der Großh. Amtskasse Heidelberg

Friedrich Wilh. s^eiher von Heidelberg.

Nr. 10364. Wird das durch Beschluß vom 10.
v- 6194 mit Beschlag belegte Guthaben

des Beklagten bei Ztmmermeister Friedrich Reiher
hter der Klagerin an Zahlungsstatt zugewiesen.

Dies wird dem Beklaglen, dessen Aufenthalts-
ort unbekannt tst, hlermtt eröffnet.

Heidelberg, den 12. Mai 1865.

H. Süpfle.


Großh. Amtsgericht Heidelberg.

I. U. S. gegen Hoboist Franz Larl
Reidel von Nußloch wegcn Desertion
wird durch Urtheil zu Rccht crkannt:

Nr. 10516. Hoboist Franz Carl Reidel von
Nußloch sei der Desertion schuldig zu erklären und
deßhalb in die gesetzliche Strafe von ZwölfhuNdert
Gulden, so wir zur Tragung der Kosten des Ver-
fahrens undderllrtheilsvollstreckungzu verurtheilen.

V. R. W.

Dieß wird dem flüchtigen Angeklagten hiermit
eröffnet.

So geschehen Heidelberg, den 10. Mai 1865.
Großh. AmtSgfricbt:

H. Süpfle.

und rief in unzusammenhängenden Lauten:
„Nutzlos! nutzlos! Blut! Blut!" Seine letzten
Worte waren: „Sagt meiner Mutter, ich sci
für mcin Land gestorben!" Um7^/^UHr, drei
Stunden, nachdem die Kugcl ihn getroffen,
verschied cr. Sein Leichnam ivard nach Washing-
ton gebracht und dort der Form halber amtlich
identificirt. Man fand bei ihm cin Tagebuch,
in wclchem cr die Erlebnisse eines jeden Tages
seit dcr Ermordung des Präsidenten ausge-
zeichnet hatte; fcrner zwei Revolver und einen
Dolch. Das linkc Bcin war gebrochen, und
zwar war dies (wie er wahrend seines Parla-
mentirens mit dcn Officieren gesagt hatte) ge-
schehen, als er von ves Präsidenten Loge auf
die Bühne herabsprang. Zu dem Zwangmittel,
welches Obcrst Baker anwandte, der Anzündung
der Scheune, sah die Truppc sich genöthigt, da
sie crfahren hattc, daß mehrere ihr überlegene
Abtheilungen feindlicher Reiterei in der Nähe
herumschwärmten, daß also keine Zeit zu ver-
licren war. Sergeant Corbett versicherte, es sei
seine Absicht gewesen, Booth nur in der Schul-
ter zu verwunden, nicht ihn tödtlich zu treffen.
— Jn Washington ist der Vorschlag gemacht
worden, das Ford'sche Theater, in welchem Pra-
sident Lincoln von der Hand des Meuchelmör-
ders fiel, abzureißen und aus der Stätle ein
Monument zum Andenken an den Märtyrer-
Präsidenten zu errichten.

Neueste NarHxjchten.

Newyork. 3. Mai, Morgeus. Dcr Gou-
verneur von Süd-Carolina ist verhaftet und
nach Washington abgesandt wordcn. — Man
meldet aus Pensacola, daß der südstaatliche
Marine-Secretär sich ergeben hat. — Die Un-
terwerfung Dick-Taylor's ist bestätigt worden.
Der Prozeß der Mitschuldigen des Mörders
Booth wird nächste Woche ii: Washington be-
ginnen. Eine große Anzahl von Individuen
sind verhaftet worden. Man versichert von
Neuem, daß das Complot in Canada orga-
nisirt und in Richmond gebilligl worden ist.
— Hr. Seward der Vater ist geheilt. Sein
Sohn stellt sich nach und nach wieder her.

Berlin, 15. Mai. Dic österreichische Ant-

wort auf die preußische Depesche vom 7. Mai
ist hier übergeben worden. — Die Commission
des Abgeordnetenhauses nahm den Zollvertrag
des Zollvereins mit Oesterreich mit 13 gegen
6 Stimmen an.

Aus Baden. Am 10. Mai wurde der
105. Geburtstag I. P. Hebel's in Hausen,
seiner Hcimath, in festlicher Weise begangen.
Zahlreiche Verehrer des Dichters nnd Beschützer
der Hebelstiftung hatten sich aus diesem Anlaß
dort eingefunden und wohnten dcr Preisver-
theilung aus dem dortigen Rathhause bei. —
Der Vorstand der großh. Taubstummenanstalt
in Pforzheim, Hr. Professor Joseph Adolf
Bach, ist am 14. d. nach längerem Lciden ge---
storben.

Vermischte Nachrichten.

^.^Mai^S c ü^10

so heflig, daßmehrere eineViertelmeile hinttt der Stadt

Kolomea, 13. Mai. Der Brand hat am östlichen
Randc der Sladr gcstern Abends endlich die Grenze er-
reichl. 450—500 Häuser sind eingeäscherl Alle Vor-
sichtsmaßregeln sind^getroffen, um eincn Wiederausbruch

baudenen Glulh alle Gefahr noch nicht vorüber ist. Das

der ärmste Theil üer Jsraelüen — ^1^800 bis 1000

Vnrseitberrcht.

Frankfurt, 15. Mai. Die Börse war vorzugsweise
mit der Liquidalion beschäftigl und die Notirungen nur

Nat. 68^/8. neue englische Metall. 78Vr. 4^/rproc.
Melall. 5?Vz Br., Silbermetalliq. 752/., Amerikaner
von 1862 69'r/ie, 70 Br., 4 pCl. Nassauer 99'/.. 4'/- -
pCt. dto. 102'/., 3'/r pCt. Frankfurter 94^. Schweden
90»/s G.

Frankiurter Bankaclien 150, österr. Bankactien 870
G., österreich. Creditactien 201 — 200'/, bez., Darm-
städter 230.

6'/» Uhr. (Schlußcurse.) Credit 2002/g G., Loose
87 G., 1882er Amerikaner 69"/^—"/^. Geschäftslos.

Großh. Amtsgericht Wiesloch.

Balzseld betr.

Beschluß.

^ Nr.^ 3868. ^Auf Antrag^der Dani^ Epp'schcn

seither kcrne Nachrickt von sich^gegcben hat, auf-
gefordert, binnen Iahresfrist zurückzukehren,
oder ^über sistn zurückgelassei>cö^Vermögen^ zu ver-

^WtÄ°°ch" '

Großh. AmrSgericht:

Hördt. Beck.

l ten des Voranschlaas gestellt und mit entsprechen-
der Aufschrift versehen ' " '

Großh. Amtsgericht Heidelberg.

Nr. 10464. Corporal Johann Friedrich Hoffmann

waltschaft mit Bezug anf § 4 oes Ges. v. 5. Oktober
1820 weg^E^

Auch biltcn wir um Fahndung auf Johann Friedrich

^Signalement: Alter: 25 Jahre, Größe: 5'6"1'",
Statur: kräftig, Gesichtsform: rund, GesichtSfarbe:

braun, Augtn: braun, Nase: stark, Mund:" gewöhn-

^Heidelberg, den ^2?Ma?1865.

H. Süpfle.

H. Sauter.

22. d Mrs., Voruiittags L« Uhr,

versiegclt und portofret auf dem technischen Bureau
der unterfertigten Stellc cinreichen, woselbst in-
zwischen auch Pläne, Voranschläge und Bedingun-
gen zur Einsickt ausliegen.

Heibclberg, den 13. Mai 1865.

Der Vorstand: Der Bezirks-Ingenieur:

Sacks. s2j Iost.

Arbeiten-Vergebung.

Die Arbeiten bei Erbauung cines zweistöckigen
Bahnwartshauses bei dem Speyerer-Wegübergang
an der Verbindungscurve vor hiesigem Bahnhos,
bestehcnd in

Erdarbeiten, veranscklagt zu .

Maurerarbeit^

Glaserarbeit . - -

Gußwaaren und Schlosserarbert

so§n"?m^ Soumissionswege vergeben werden und
zwar sämmtlichc Arbeiten im Gesammtkostenvoran-
schlag zu 6375 fl. 46 kr. an einen Unternehmer.
Lusttragende wollen rhre Angebvte nach Prozen-

95 fl. 32 kr.
2712 fl. 16 kr.
987 fi. 33 kr.
1260 fl. 42 kr.
556 fl. 10 kr.
137 fl. 53 kr.
338 fl. 49 kr.
10 fi. 43 kr.
109 fl. 24 kr.
166 fi. 44 kr.

Großh. Badisches

Eisenbahn-Ämt Heidelbcrg.

Nr 2597 Höherer Anordining
zufolge Ivird aus Anlaß der Thea-
tervorstellung in Mannheim am
Mittwoch, den 17. Mai l. Z,
gleichivie an Sonntagcn Nachts
I« Uhr ein Loealzug von Mann
heim hieher abgehen.

Zm Zusammenhange damit steht
ein Loealzug von hicr nach Mann-
heim AbcndS 8°.

Heidelverg, den 1S. Mai 1866.

Lach s

Main-Neckar-Bahn.

Jabr 1864 bier noch lagcrnden herrenlosen Ge-
päckstücke in unsrrem Wartsaal UI. Classe
Mittlvoch, den 17. d. M., Dormittags 8 Uhr,

Es kommen dabei zum Verkauf: Stöcke, Schirme,.
Hüte, Mützen, Kleidungsstücke u. Hemden, Shawls,
Hals- nnd Taschentücher, Etuis, Retsetaschen und

Heidelberg, den 12. Mai 1865.

Die Bahnverwaltung.

(2) Thome.

Zn vermiethen Ä

Straße Nro. 27 eine hübsche Familienwohnung
mit allem Zugehör und Garten.

Auszuleihen 6-8000 fl. gegen erstes Unter-
pfand. Brrgbeimer Straße 53, 1 Treppe hoch.
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