Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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die Zdce» dcs KiüscrS a»s dic gezenwärtigc
Zeit anwcndcn zu könncn, muß mau die har-
ten Prüfungen der Berantwortlichkcit dcr Gc-
walt bestanden haben. Und können übrigenS
wir Pygmäcn dic große geichichtliche Figur
NapoleonS wirklich nach ihrcm wahrcn Werthe
schätzcn? Wie vor cincr kolosfalen Statue, stnd
wir unmächtig, deren Ganzes aus eiumal zu
fassen. Wir sehen stets nur dic Seite, wclche
unssrc Blickc anf stch zieht; daher die Unzu-
länglichkcit der Rcproduktion und die Ver-
schiedenhcit der Mcinungen, W»s aber sür
Zedcrmann klar dalicgt, das ist, daß der Kai-
scr, um dic Anarchie der Geister, dicse furcht-
barc Feindin der wahrcn Freiheit zu verhin-
dern, vor Allem i» seiner Familic und dann
in seiner Rcgierung jcne strenge Disciplin cin-
sührte, dic »nr Einen Willcn und Einc Aktion
zuließ; von nun an werde auch ich mich von
der glcichen Verhaltungsregcl nicht cntsernen
dürfen, Hicrnach, mein Hcrr und liebcr
Vetter, bitte ich Gott, daß er Sie in seincn
heiligen Schutz nehmc, Napolcon,"

E I! g l a >l d

London, 26, Mai, Jm Unterhaus cr-
widert Lord Palmerston anf cine Anfrage dcS
Sir John Walsh, die Corrcspondenz mit den
Vercinigten Staaten wegen der conföderirten
Krcuzer dauerc in beiderseitig freundlichsteni
Tonc fort; cinc neue Depesche sei kürzlich ein-
gclaufen, Dersclbc antwortcte auf cine An-
fragc dcs Herrn Baxter: daS Zusammcnwir-
ken Englands und Amerikas gegen dcn Skla-
vcnhandel sei dnrch den Bürgerkrieg gehindert
gewescn, würde aber hoffentlich chestens statt-
finden,

A m e r i k a.

Auf dem Mississippidainpfer „Sultana",
dessen Kesscl cxplodirtcn und in Folge dessen
das Schist in Brand gcricth, befanden stch 2158
Pcrsvnen, darunter gcgen 2000 aus der Ge-
fangenschast ausgcwechselte Unionssoldaten, Einc
große Menge der Ncisenden warf sich in die j
Fluthen und suchte daS Ufer zu crreichcn, waS

jedoch nnr eincr kleincn Anzahl gclang, Jm
Ganzen wcrden 600 — 700 Personen gerettet
worden sein, die Uebrigen verbrannten oder er-
tranken, Der Capitän wurde zuletzt gesehen,
als er Thüren u»d Läden in's Wasscr wars,
damit stch die Schwiinmenden leichter retten
könnten; er sclbst ist in Ausübung seincr Pslicht
umgekommcn,

Newyork, 16, Mai. Es heißt, Präsident
Johnson wcrde in Kurzeni cine nene Amnestie-
proclamation erlassen, — Die aufgcregtc Stim-
mung betrcffs deS mcricanischcn Emigrations-
planeS hat sich cinigcrmaßen grlegt. Der
„Hcrald" hat in Erfahrnng gebracht, daß keiner
dcr Agcntcn irgcnd eine Bevollmächtigung von
Ortega empfangen werde, Doch dauern dic
Einzeichnungen fort,

Newyork, 17, Mai, Man crfährt Nach-
trägliches übcr den Verschwörungs-Proceß, Die
öffentliche Anklagc lautct auf Verschwörung
von Surratt, Booth, Davis und Anderen zur
Ermordung des Präsidentcn Lincoln, deS Vice-
präsidcntcn Zohnson, deS StaatSsekrctärS Se-
ward und dcs General Grant Behufs Unter-
stützung der Empörung. — AuS Merico wiro
gcincldct, daß die Republicancr dic Uebergabc
von Matamoros gefordert hättcn nnd die
kaiserlicheu Truppc» auf dem Rückzuge be-
griffen scien,

Newyvrk, 17. Mai. Hr. v, Montholon
sprach, indcm cr dcm Präsidenten ieine Kredi-
tivc überrecchte, den Wunsch des Kaiscrs auS
für vollkommenc Wicderherstcllung des Friedens
anf dem amerikanischc» Kontincnt, Er sagte,
Frankreich wcrdc stets mit Genugthuung die
Befcstigung deS WohlergehcnS und der Größe
der Vereinigtcn Staatcn sehen, Hr. v. Mon-
tholon fügtc hinzu: „Von einem tiefcn Ge-
fühle der Sympathie für die amerikanische
Union bcscelt, nchmcn Jhre Majestätcn und
Frankreich in Gcmeinschaft mit den andern
Nationen Antheil am Schmerz, den ein ab-
scheulicheS Vcrbrechen der Rcgierung und dem
Volke der Bercinigten Staatcn bereitet hat,"
— Hr, Johnson antworteec: DaS Vertrancn,
dessen Sie bei dem Oberhaupt Jhrcr Regierung

genießen, kann nicht bcrfehlcn, Zutraucn zu
Zhren Wortcn ibczüglich dcr Politik zu er-
wecken, welchc dcr Kaiser beabfichtigt, den Ver-
einigtcn Staaten gegenüber zu verfolgen, Die
Vereinigten Staaten hegen sür Frankreich eine
lraditioncllc Sympathie, dic nur fortfahren
kann sich zu verbessern und mehr anSzudehneu,
denn es könnc ihr nicht andcrS Einhalt gcthan
wcrden, als durch ganz außergewöhnliche Zn-
fälle, die außerhalb der gcwöhnlichen Berech-
nung liegen. — Hr. Zohnson sprach schließlich
seine Hoffnung ans, die Mijsion des Hrn, v.
Montholon wcrde das gnte Einverständniß,
welches zwischen den beiden Regierungen be-
steht, stärken und danerhafter machen.

Neueste Rachrichten.

Paris, 27. Mai, Abends. D!e „Prcffe"
verösscntlicht den nachstchenden Bricf des Prin-
zen Napoleon: „Sire! Jn Folgc des BriefS
Ew, Majestät vom 23, Mai und dcr Veröf-
fentlichung dcssclben im „Moniteur" gebe ich
mcinc Dcmission als Mcepräsident deS Geh.
Rathcs und als Präsident der Commission sür
dic Weltausstellung von 1,867, Genehmigen
Sic, Sire, die Vcrstchernng der tiefen Huldi-
gung und der ehrerbietigcn Anhänglichkeit, mit
welchcr ich bin Ew, Majestät ergcbcnster Vetter:
Napolcon,"

AuS Baden. Major v. Frey dorf vom
Artillcricregiinent wnrde ziim Flügcladjudantcn
ernannt und gleichzeitig zur Dicnstleistung auf
der Generaladjutantur bcfehligt, — Dcr Be-
schluß dcr Ersten Kammer der Ständcversanim-
lung, durch wclchen Ministerialrevisor Alcp,
Scrger als Archivar dieser Kammcr ange-
stellt wuide, wurde von S. K, H, dem Groß-
herzog bestätigt, — DaS Gewitter am 27. d.
brachte der Gcmcindc und Gcmarkung Gam-
burg großen Schaden. Dcr dasselbc beglei-
tendc Hagcl war so heftig, daß unsere hcrr-
lichcn Flnren in wenigen Minute» gänzlich zcr-
schmettcrt und vom Waffer »ollends vernichtet
wurdcn.

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

Großh. Amtsgericht Heidelberg.

10105. b ^n ^as^ O.^.

^ Heidelberg^ den 5. Mai 1865.

Junghanns.

Mechler.

Waarenversteigerung.

Jn Folge richterlicher Verfügung werden aus
der Gantmasse bes -j- Kaufmann Ioseph Kraus-
mann dahier

Mittwoch, den 31. Mai,

Donnerstag, den l. Juni,

jeweils Na^mittags ^ Uhr anfangend,
irn Pf«ndlocale Plöckstraße Nr. 44, Nähseide, leine
Zwirn n. Baumwollfaden, Spitzen, Litzen, Tüll,
gebleichte und ungebieichte Lstkemsltura,

- Strickbaumwolle, eine Parthie Schachteln,
vOchveme, Fenfterstramin und verschiedene andere
Gcgenftande gegen Baarzahlung versteigrrt.

Herdelberg, ven 29. Mai 1865.

GerichtSvollzieher:
_ Frey.

Verkauf von Grassaamen.

Pv,den Distrikte» Herzogkrcnz und Hirschrauf
diesseitigrr D-mancnwatdungkn wird der ErwachS
an GraSsaamen aus -iner Klzch, yon gg Morafn
!n 3 Lovsen am Dvnnerftag, d-n I, ->uni, Nach.

E°ersteig^rt''wkrd"n^^'"" ^ »tk-nt-

Schwetzingen, 26. Mai 1865.

Großherzogl.iche Bezirksforstei:

A. Cron.

Stammholzversteigernng.

Jm hiesigen Gemeindewald, District Astlinge
in der Nähe des hiesigen Orts, beginnt am Mitt-
woch, den 7. Juni d. I., früh 9 Uhr, die Ver-
steigerung von 190 Stamm eichen und 27 Stamm
forlen, sowie 300 eichene Stangen für Wagner,

ReichartShausen,^>en 27. Mai 1865.

(1) Gaulich, Rathschr.

Fahrniß-Bersteigerung.

Nächsten Dienstag, den 30. d. M.,
Nachmittags 2 Uhr,
unv Mittwoch, den 3l. d. M.,
Morgens 9 Uhr,

läßt Frau Oberst Eichrodt, Wittwe, östliche
Hauptstraße Nr. 77, nachstebende Fahrniffe, als:
1 Kanapce, Schränke, vcrsckiedene andere Möbel,
1 großen Spiegel, 1 gutc Guitarre, etwas Weiß-
zeug, Küchengcschirr und sonstigcn Hausrath gcgen
Baa^ahlung

Arbeiter-Bildungs-Verein.

Dienstag, dcn 30. Mai, >/^ 9 Uhr: Vcrsamm-
lnug in Eisenhardt'S Bierkeller. Vereinsange-
legenheiten. Hierauf: Geschichtlicher Vortrag
von. Herrn Dr. Onckcn.

Der Vorskanb.

Hilusverkauf.

Ein zweistöckiges Wohnhaus mit Werkstatt, gc-
wölbtem Kellcr und Hofraum, im westlichcn Theil
der Stadt, ist um den schr billigen Preis von
Dreitausend fünfhundert Gulden känflich
abzugcben, durch das Commissions-Bureau von

A M. Abarbanell, östl. Hauplstr. 49.

OK'erte.

auswärts becndigt hat, gegen freie Kost und
Logis zu seiner wcitern Ausbrldung in einer sehr
frequenten Colonialwaaren-Handlung in H e i-
delberg sogleich Aufnahrne finden. Näheres

Zu vermiethen A

ander gehenden Zimmern nebst Zugehör auf
Zohanni an eine stille Familic. Haspelgasse 3.

Näheres bei Zoseph Bamberger, Heu-
markt Nr. 3. s22j

Lehrlingsgesuch. k.7

kenntnissen versehen, kann sogleich unter sehr gün-
stigen Bedingungen in einem sehr gangbaren Lo-
lonialwaarengeschäft in die Lehre anfgenommen
werden. NähereS bei der Erp- d. Ztg.

Ein gcwöibtcr Liellcr mit Platten ge-
legt ist sogleich zu vermiethen bei Frau Neberle,
GoldarbciterS Wittwe, östl. Hauptstraße 73.

Für Liebhaber einer seinen Cigarre. 1000 St.

(fl. 90) gekostet. werden um fi. 48.; )lOO St. um fl. g;

Hauptstraße 31, 2 Tr^

am letzten Sonntag von Herrn
^5^44ll4^» Farber Klrcher bis zur großen
Mandelgasse, von da auf Schloß und wiedcr zu-
rück ein golbener Armring, in der innern Seite
den Namen „Anna Kreckel" eingravirt. Der red-
lickc Findcr wird gebeten, denselbcn gegen gutc Be-
lohnung bei Louis Müller. Wittwe westlicke
Hauptstraße Nr. 93, abzugeben.

Aiif einen Handplan
als Theil eines im
Jahr 1805 ausgefer-
tiglen Kaufbriefs, Käufer Stephan Land-
fried, über ein Almendplätzlein am Klingen-
thor — an seinem Hause, — aufgenommen
von Heller, habe ich Werth zu setzen. Der-
selbe findet sich eben nicht bei meinen Hand-
acten, auch soll er nicht auf der Gemeinde-
registratur gefunden werden, ich setze deßhalb
fünfzig Gulden Belohnung demjenigen,
der mir den Fundort sicher nachweisen kann.

Heidelbcrg, den 22. Mai 1865. ^

Fran; Jac. Landsried.

^ Ellen blauen Kattun auf der
Hauptstraße. Abzugeben gegen
Belohnung Jngrimstraße 26.
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