Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Vkidktbrrger Zrilung.

KreislieMiidigungsblatt für den Kreis Hcidelberg und mntliches Berkündignngsblatt für die Amts^ und AmtS-
Gerichtsbczirke Heidelbcrg und Wicsloch md den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünd.

M 136


Dienstag, I» Juni

* Politische Nmschan.

Die Nachricht von dem Nücktritte deS preuß.
Justizministers Grafen zur Lippe wird jctzt
officiös entschieden in Abrede gestcllt.

Wid die „Post-Ztg." vernimmt, unterzeichnete
d'er Kaiser vor sciner Abreise von Ofen-Pesth,
den Act der Aufhebung der Militargerichte.

Zu Pesth beim. Empfange des Adels erwi-
dcrte dcr Kaiser die Ansprache des Primas,
welcher Namens Aller die Versicherung der
Treue und inniger Anhänglichkeit abgab, mit
fvlgenden Worten: „Es freut mich, so viele
ausgczcichnete Söhne der ritterlichen Nation
vor mir zu sehen. Der Stand, dessen Mit-
glicder Sie sind, hat sich stolz durch hervor-
ragende politische Tugenden, Treue und An-
hänglichkeit an den Monarchen. ausgezeichnet.
Diese Tugenden leben öhne Zweifel in Zhnen
fort. Jch erwarte daher von Zhrer Treue und
Anhänglichkeit zuversichtlich, daß Sie an der
Durchführung mciner demnächstigcn, das Wohl
des Landes bezweckenden Verfügungen mitwirken
werden. Seien Sie öon meiner herzlichen Zu-
neigung und meincm aufrichtigen Vertrauen
überzeugt, halten Sic sich dessen bei dieser Ge-
legenheit wie jederzeit versichert."

Aus dem Haag wird gemcldet, die zwcite
Kammer habc die vollständige Abschaffnng der
Gemcinde-Accisen beschlossen. , Die Vorberei-
tungen zur Waterlvofeicr sind im besten Gange;
zu Leyden werden 1200 Veteranen zusammen-
kommcn.

Wie die Hrance meldet, hätten mehrere Mit-
glieder der Linken des französischen gesetzgebcn-
den Körpers beschlossen, eine Adresse an den
Prasidenten Johnson zu richten, in welcher
daran erinnert werden soll, daß die erste Haud-
lung der französischen Repubsik von 1848 die
Aufhcbung der Todessträfe in politischen Din-
geN war; und daß es eines großen VolkeS,
wie das dcr Vereinigten Staaten, würdig sein
würde, dieS Princip auch in diesem Augeublick
anzuwenden.

Deutschland

Karlsruhe, 10. Juni. Se. Kön. Hoheit
der Großherzog haben Sich gnädigst bewogen
Hefunden: den Zollverwalter Leers in Baden
zum Hauptcontroleur bei dem Hauptsteueramt
Karlsruhe zu ernennen; den Studienfonds-

Verwalter Zoseph Oberle in Rastatt wegen
vorgerückten Altcrs und geschwächter Gesund-
heit seinem unterthänigsten Ansuchen gcmäß in
den Ruhestand zu versetzcn; deu Professor
Rauch am Lyceum zu Rastatt an das Lyceum
in Freiburg zu versctzen.

Karlsruhe, 10. Zuni. Das heute erschie-
nene Regierungsblatt Nr. 26 enthält (außer
Personalnachrichten):

I. Verfügungen und Bekanntmachungen der
Ministerien. 1) Bekanntmachung des großherz.
Ministeriums des großh. Hauses und der aus-
wärtigen Angelegenheiten: Die Wiederbesetzung
des erledigten ConsulatS iu Odessa betreffend.
Dasselbe wurde dem dortigen Hcmdelsmann
Karl Culman, unter Ernennung desielben zum
großh. Consul, übertragen, dem Seitcns der
kaiserl. ruffischen Regierung unter dem 7. Mai
d. I. das Exequatur ertheilt worden ist. 2) Be-
kanntmachung des großh. Ministeriums des
Znnern: a) Die gesundheitspolizeilichen Maß-
regeln zum Schutze gegen die Meuschenblattern
betreffend. 6) Die Ertheilung der Apotheker-
licenz an Bernhard Eisenlohr in Lörrach be-
treffcnd. v) Die Zulassung auswärtiger Feuer-
vcrsicherungS-Gesellschaften zum Geschäftsbetrieb
im Großherzogthum betreffcnd. Daruach ist der
Versicherungsgesellschaft „Moguntia" in Mainz
die nachgesuchte Erlaubniß zur Uebernahme von
Versicherungen gegen Feuersgefahr von Fahr-
nisien und vom fünften Theil der Versicherungs-
summe der bei der Staatsanstalt versicherten
Gebäude ertheilt worden. 3) Bekanntmachung
des großh. Minifteriums der Finanzen. Die
Sericnzichung für die 78. Gewinnziehung dcs
Lotterieaulehens von 14 Millionen Guldcn in
35-fl.-Loosen vom Jahr 1845 bctreffenv,

II. Diensterledigungcn. Die Stelle des Ge-
richtsnotars bei großh. Amtsgericht Jestettcn,
womit ein Gehalt von 500 bis 600 fl., und
die Verwaltung des Notariatsdiftricts I. ver-
bunden ist. Die Notariatsdistricte Philipps-
burg II. und Eberbach, Amtsgerichts - Bezirk
Eberbach. Eine Lehrstelle für Mathematik und
Naturwisicnschaften an der höhern Bürzcrschule
in Freiburg, mit einer Bcsoldung von 800 bis
1000 fl, die durch cinen wissenfchaftlich gebil-
deten Lehrer zu besetzen ist.

Karlsruhe, 9. Zuni. Heute fand vor der
Recurskammer die Vcrhandlung deS Recurses
statt, welchen der Nedactcur der Bad. Landes-
zeitung, C. Macklot, gegen ein Urtheil des

Das atlantische Kabel,

mit deffen Legung in den ersten Julttagen der An-
sang grmacht wrrden soll, ist bis auf die massiven
Userstücke am 29. Mai fertig grworden. Gegrn
Ende des näcksten Monats wlrd der„Great Eastern",
der unablässig mit deffen Aufnahme beschästigt lst,
vom Medwar, wo er vor Anker licgt, nach Va-
lentia (Westkuste Jrlands) absegeln, und dann
beglnnt die liritte, gefährliche und entscheidende
Arbeit: dte Legung von Valcntia nach der Bay of
Hearths Contrnt tn Nrufundlanb. Die ganze Lä»ge
des Kabels beträgt 3300 engttsche Meilcn, und da
die Leitung nicht etnem elnzig^n, sondern sieben
aneinander licgenven dünnen Kupfrrkrähten an-
vertraut ist, folgt daraus, daß bei der Hrrstellung
16,000 Meilen KupferdrahteS verbraucht worden
sind. Um dtefe Kupferdrähte zu isollren, find fie
mit einer auS 8 Lagcn bestehenden M-schung von
Kautschuk und Gnttapercha vedsehm, unv von dte-
seM IsolirungSstoffe wurden an 18,000 Meilen ver-
braucht. Dann kommt dte äußere schutzende Hülle,
drstehend auS Iutegarn, tn der Länge oon 23,000
Meilen, und zunachst dtrfer dte allerLußerste Be-

stcckt. Die Länge der Eisendrädte ist 23,000 M.ei-
len, die des getheerten Wergs 135,000 Meklen.
Es wurden demnach im Ganzen zur Herstellung
des 23,000 Meilen laNgen Kabels 215,500 Meilen

Marte Antoinetten'S Schreibtisch aus dem Schloffe
von Vcrsailles eristirt noch ebcnso gUt erhalten, wie
der vor kurzem von der Kais rtn Eugenie ange-
kaufte aus den Tuilerien, und befindet fich in Bkan-
kenburg am Harz. Derselbe ist in der Schreckenszctt
mttHapkeren eincr treuen Fr.undin übergebrn und
von bieser dci der Emigration nach Braunschweig
gestücktet, dort später in den B.sitz des 1820 ge-
storbrnrn HcrzogS Aügust gekommen, von khm einem
Eavaliere geschenkt und in deffen Familie sett längrr
als 40 Iahrrn «eiter vererbt und als hoheS Kleinod


großh. Amtsgerichts Karlsruhe vom 19. April
d. I. ergriffen hatte, das ihn wegcn Ehrcn-
kränkung dcs Kirchenfondrechncrs Fr. Scholl-
hammcr tn Möhringen durch die Presie zu
einer Geldstrafe von 25 fi. verurtheilte. Der
Gerichtshof bestätigte das unterrichterliche Er-
kenntniß, weil aus dem Jnhalte des Artikels
klar hcrvorgehe, daß defsen Vcrfasier sich nicht
auf das bloße Referiren eines Vorkommnisies,
welchcs allerdings in der Regel die Absicht, zu
beleidigen, ausschließe, beschränkt, sondern daß
er vielmehr die Handlungsweise der Stiftungs-
commisiionsmitgliedcr gebilligt. und sich die von
ihnen dem Obcrstiftungsrath gegenüber erho-
bcncn Vorwürfe dem Publikum gegenüber zu
eigen gemacht habe; hiermit sei die Absicht des
Verfassers dahin gegangen, die Diensttreue des
Rechners zu verdächtigen, und diese Absicht
werde dadurch nicht aufgehoben, daß etwa noch
eine zweite, nämlich der Zweck, die Aufmerk-
samteit deS Oberstiftnngsrathes rege zu machen,
hinzugetreten sei. Die B. L.-Z. bemerkt dazu:
Seitdem ist durch Erlaß großh. Minifteriums
dcs Znncrn, in Uebereinstimmung mit dem
erzbischöfiichen Ordinariat, die Nröhringer Stif-
tungscommisiion für berechtigt erklärt worden,
den Rechner Sch. jcderzeit zu entlassen, und
ist diese Entlasiung, wie man uns mittheilte,
wirklich bereits unler dem 16. Mai d. I.
erfolgt.

Heidelberg 9. Juni. Die Leser dieses
Blattes werden fich wohl noch erinnern, daß
vor etwa 2 Zahren der Wirth eines geselligen
Vereins in Karlsruhe das gesammte Silber-
zeug desselben im Leihhause dahier versetzte und
mit dem Geld das Weite suchte. Auf ange-
stellte Klage erkannte das Kreis- und Hofge-
richt, daß die Leihhausbeamten, beziehw. die
Stadt Heidelberg, als Besitzerin der Anstalt,
schuldig seien, der bestohlenen Gesellschaft das
Silberzeug nnentgeltlich. zurückzugeben, oder
derselben desien Werth zu ersetzen, auch den
durch die Entbehrung der Beftecke ihr zuge-
gangenen Schaden zu bezahlen. Dieser Tage
traf nun das oberhofgerichlliche Urtheil hier
ein, wodurch die Kläger mit ihrer Klage ab-
gewiesen sind. Die Gründe, wäche für letztere
Entscheidung geltend gemacht werden, sind so
einleuchtend und durchschlagend, daß nicht nur
der Richter, sondern jeder Laie das Nichtige
der für das größere Pnblikum ebenfalls wich-
tigen Entscheidung zu erkennen vermag. (B.L.-Z.)

werth gehalten worden. Der Schreibtisch ist von
Rosenholz zterlich gearbettet und mit vielen Bronce-
Einlagen verziert; ringS um denselben lauft eine
Reihe von Porzellanfließen mit ben geschmackvollsten
BlumeiibonquetS, wahrschcinltch auS dkr Fabrik von
Sevres, an ihrem Zusammenstoß mit Bronceleisten
verbunden, und ebenso ist die Platte mit einer
Bronce-Einfassung versrhen. Zu demselbcn gehört
ein massives Bronce-Ttntenfaß, an allen Seiten
mit Porzellanplatten, in gleicker Weise bemalt,
umgrben, sowie ein Bronceleuckter zum Einstecken
in die eine Seite. Abgrsehen von dem historischen
Werth, zeichuet sich der ganze Schreibtisch durch
pracktige Eleganz aus, die besonders in den zirr-
lich von Rosenholz gearbriteten Beinen hervortritt,
und wird schon dadurch allein zu einrm seltenen
Kunstwerk und Cabinetsstück.

(Eiue kleine Geschichte von einem ge-
bornen Kreenhatostetter.) Patrr Abraham
a Santa Klara begrgnete eineS TageS einrm jun-
gen Irsuiten, der ihn ir vornrhm-herablassender
Weise fragte, welchem Orden er denn angrhöre?
Der um einen dcrben Witz nie verlegene Rellen-
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