Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Undrlbtrger Zrilung.

KreisverkAndigungsblatt für den Kreis Heidclberg und aintliches Berkündigungsblatt für die Anits- und Aints-
Gerichtsbczirkc Heidelbcrg und Wicsloch und den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünd.



Samstag, 18 August


18«S

* Politische Umschau.

* König Wilhelm At die Eisen- und Blut-
Politik seines Ministers glücklich bei Seite ge-
legt, und aus guten Gründen.. Preußen ist,
gleichwie Oesterreich, nicht in der Lage, ohne
europaischen Rückhalt Krieg zu führen. Preu-
ßen mit seinem eigenen Volke in einem schnei-
denden Widerspruche, wäro einer Krisis ohne
euroMsche Nachhilfe, einem Kriege mit dem
von der materiellen und moralischen Macht der
Mittelstaaten getragenen Oesterreich durchaus
nicht gewachsen gcwesen. Aber auch Oesterreich
ist durch.den Ttand seiner Finanzen, seiner
halbseitigen Verfassungsentwicklung und seiner
gespanntcn Beziehungen zu Jtalien auf eine
Politik des Friedens angewiesen. Und noch
eine Rücksicht ist es, von welcher die Cabinete
von Berlin und Wicn bei ihrer Friedenspolitik
geleitet wurden: es ist dies die sreie Hand,
die das Ausland, zumal Frankreich und Ztalien
bekämen, um aus einem etwaigen kriegerischen
Durcheinander sich die schönsten Eroberungs-
brocken herauszulesen. Die französische Presse
nimmt theilweise jetzt schon eine drohende Hal-
tung gegen Preußen an, gestützt ausidas eigene
Gutachten von bessen Kronsyndici, welches
thörlchterweise von einem ursprüngliche n
Rechte Dänemarks an die Elbherzogthümer
spricht, einem Nechte, welchcs jetzt angeblich auf
Preußen übertragen sei.

Der würtembergische Landtag wird am 18. d.
geschlossen werden.

Zum 27. Augnst wird nach Flensburg eine
Versammlung von Abgeordneten sämmtlicher
schleswig - holsteinischen Kampfgenossenvereine
projectirt.

Der Napoleonslag ist in ganz Frankreich
vorschriftsmäßig gefeiert worden. Der Regen
hat aber namentlich den Parisern das Schau-
spiel der, Beleuchtung verdorben.

Wie der „Abendmoniteur" angibt, hat die
spanische Regierung auf Bemerkungen Oester-
reichs wegen der Anerkennung Jtaliens geanh-
wortet, sie habe niemals angenommen, daß ihre
Politik durch dynastische Jnteressen definitiv ge-
bunden würde, — durch Jnteressen, welche
von jenen der Krone Spaniens selbst unab-
hängig seien.

Jm Ministerium zu Florenz wnrde beschlos-
sen, die Wahlen zum Parlamente nicht srüher
sestzusetzen, als bis die Cholera und nament-

Jena, 15. Aug. Den ersten Tag der blkjähri-
gen Iubelfeter der deutschen Burschen-
schaft schloß ein bewegtes geselliges Treiben in
der Festhalle und ein wtrklich übcrraschend schöneS

von magischer Wirkung, tas lebcndige jugendliche
Fackelträger bildeten. Ueber den heutigen Haupt-
tag hatte der Himmel seine Gunst ausgegossen,
und wie hebt solche Feste erfreuender Sonnenschein!
Vom frühsten Morgen an belebten sich die Straßen.
Von 8 bis 9 Uhr suchten die Festgenoffen in dem
Gebäude der Bürgerschule ihre Jahrgänger zu fin-
den; man hatte zu dem Ende die Zimmer den
verschiedenen Zeiträumen des vcrgangenen halben
Iahrhunderts bestimmt. Hierauf Sammlung auf
dem schönen weiten Platze vor der neuen Biblio-
thek zum Festzugr. 24 Festjungfrauen verthcilten
Eichenzweige unter die Burschenschaftcr. Alles geht
in musterhafter Ordnung vor sich. Nach 10 Uhr
erscheint die alte, durch die Stürme der Zeit ge-
rettete Wartburgsfahne und wird von tausendstim-
migem Hoch und Tusch der Mufikcorps begrüßt.

lich die durch dieselbe in den Bevölkerungen
hervorgebrachte Unruhe und Furcht sich wieder
vollständig gelegt hat.

Der Neuyorker Correspoudent der „Times"
versichert auf Grund einer ihm von einer hohcn
Autorität gewordenen Mittheilung, die nord-
amerikanische Regierung werde auf dem Abzuge
der Franzosen aus Mexico bestehen.

D e u t sch l a » S

Karlsruhe, 17. August. Se. Königl. Hoheit der
d^e i^ ^l 4. ^ ^u l i ^

des Ordens Philipps deS Großmülhigen anzunehmen

Karlsrube, 17. Aug. DaS heute erschienene Regbl.
Nr. 39 enlhäll (außer Pcrsonalnachrichleu):

im Amksgerichl Pfullendorf belr. Darnach wird Nola-
nnl ^dm

Fahne, auf beiden Seiten je'kin Burschenschafter
zu Pferd; ein Musikcorps; die 24 Festjungfraucn,
wcißgckleidet mit schwarz-roth-goldenen Scbärpen

zur Burschenschaft gegeben, und Riemann, einer
der Stifter. Nun folgten die „Alten" von 1815
bis 1819, verbältnißmäßig zahlreicker als^-ie spä-
terrn Jahrgänge; Ehrengäste und Festcomite; die
alten Burschenschafter bis 1860 nach den Iahr-

Heidelberg, Tübingen, Bonn, Halle, Leipzig hat-
ten ihre Contingente geschickt — eine ziemlich bunte
Masse iu Farben und Abzeichen, überwallt von
circa 20 Fahnen verschiedener Bursckenschaften. Der
stattliche Zug, zuerst an den Reihen der salutiren-
den Lhargen und jungen Burschenschaft vorüber,

16. October d. I.)

Darmftadt, 14. August. Das heute er-
schieneue großh. Regierungsblatt euthält eiue
Bckanntmachung des Ministeriums des Hauses
uud des Aeußern vom 29. Juii, welche Fol-
geudes zur öffentlichen Kenntniß bringt: „Die
Regierungen der zu dem süddeutschen Münz-
vereine verbundenen Staaten: Großherzogthum
Hessen, Preußen, Bayern, Württemberg, Badcn,
Sachsen-Meiningen, Sachsen-Coburg und Gotha,
Nassau, Schwarzburg-Rudolstadt, Hessen-Hom- ,
burg und Frankfurt habcn im Hinblick auf
Art. 20 des Vertrags über das Münzwesen
des süddeutscheu Münzvereins vom 7. August
1858 für angemessen erachtet, unbeschadet einer
späteren erschöpfenden Vereinbarung bezüglich
der Iahre 1864, 1865 und 1866, nachstehende

jedes der Jahre 1864, 1865 und 1866 sollen
an Kronenthalern vier Millionen Gulden, ver-
theilt unter die alteren Vereinsstaaten nach
Maßgabe des Scparatartikels IV. zu dem Ver-
trage vom 7. Aug. 1858, dann noch 18,952 fl.,
treffend aus Coburg — somit in Summe
4,018,952 fl. eingezogen werden. 2) An Sechs-
und Dreikrcuzerstücken sollen für jedes der ge-
nauntcn drei Iahre 100,000 fl., vertheilt un-
ter die älteren Vereinsstaaten nach dcm im
Separatartikel IV. zu dem Vertrage yom
7. August 1858 aufgestellten Maßstabe, somit
zu je einem Viertel der für die einzelnen Re-
gierungcn daselbst benannten/Summen, dann
noch 476 fl.,. treffend auf Coburg — somit in
Tumme 100,476 fl. eingezogen werden —
wobei, wo thunlich, mindestcns die Hälfte des
Einzuziehenden in nicht mehr kursfähigen Drei-
kreuzerstücken zu bestehen hat. 3) Den einzelnen
Vereinsregierungen soll die Befugniß zustehen,
in demselben Betrage, in welchem sie nach der
neuen Vereinbarung, over darübcr hinaus,
Scheidemüuze einziehen werden, neue Sechs-
und Dreikreuzerstücke auszuprägen, vorausge-
setzt, daß von denselben der aus dem Vertrage
vom 7. Aug. 1858 für die Periode 1859/63
obliegenden Einziehungspflicht vollständig ent-
sprochen wurde. Die Regierung von Schwarz-
burg-Rudolstadt, welche von der Pflicht der
Einziehung von Scheidemünze vertragsmäßig
befreit ist, soll befugt sein, Scchs- und Drei-
krcuzerstücke bis zu jencm Betrage auszuprägen,
bis zu.welchem sie bei gegenwärtiger Verein-

bewegte sich zwischeir einer gedrängten Mcnschen--

füllenden Znschauern, nach dem Eichplatze, wo
Horn einige Worte begeisterter Erinnerung und
ernster Mahnung an dte Versammelten richtcte.
Nach Absingung eines Liedes zog man auf den
Marktplatz, wo vor der Statue des Churfürsten
Iohann Friedrichs des Großmüthigen, des Stifters
der Universität, das Podium für das Mufikcorps
und den Fcstredner aufgrschlagen war. Die Fest-
ouvertüre bildete ein schön gebundcner Strauß va-
tcrländischer Lieder. Zhr solgte Venedey's Festrede,
die vielfach das zustimmende Hoch der vor der Tri-
büne malerisch gruppirtcn Versammlung hervorrief.
Diesen Act schloß das von Fricdr. Hofmann ge-
dichtete Iubelfestlied nach cer Melodie: „Wenn
einft ein Gcist rc." Tauscnde kräftiger Stimmen
trugen es über die dichtgeschaarte Menschenmenge
hinweg. Gegcn 1 Uhr setzte sich der Zug wieder in
Bcwegung hinaus zum Festplatze. Kanonendonner
begrüßte ihn beim Nahen und Einzuge in vie Fest-
yalle, wo um 2 Uhr das Festessrn begann. Fafi»
hätte fich in diesem Augenblicke die Gunst des Him-
mels wandelbar erwiesen. Finstere Wolken drohten
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