Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Uei-rlbrrger Zeilung.

Kreisverküiiaigungsblatt siir den Kreis Heiüelberg und amtliches Perkündigungsblatt für üic Amls- und Amts-
Gerichtsbezirke Heiüelbcrg unü Wiesloch uuü den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünü.

M 2L«. Donnerstag, 7. September L8LL

* PolitisiHe Nmschan.

* Jn Oesterreich ist ein weiterer gewichtiger
Act zur Spaltung der Monarchie in 2 Hälftcn
vollzogen worden. Der siebenbürgische Landtag
nämlich ist aufgelöst worden, und der neu ein-
zuberufende soll sich nur mit der Nevision des
Gesetzes über die Union mil Ungarn beschäf-
tigen. Dies heißt geradezu: Die Februarver-
fassung, auf Grund welchcr die Siebenbürgen,
Sachscn und Numänen im österreichischen Ge-
sammtreichsrathe saßen, ist ausgehoben, und die
Abgeordneten Siebenbürgens werden fortan in
Pesth, inmitten eines an sich achtbaren, aber
gegen Nicht-Magyaren schroffen und rücksichts-
losen, Ungarthums magyarisch sprechen, und
ihre eigenen Sonderinteressen, sowie die Ge-
sammtinteressen des Neiches verläugnen müssen.
Und warum wurde diescr, dem österreichischeu
Gesammtstaate so ergebene Landtag, dessen Be-
schlüsse von der Negierung selbst hervorgerufen,
und als Gesetze an höchster Stelle genehmigt
worden waren, aufgelöst! Weil es in Oesterreich
einem abermaligen neuen Expcrimente und einem
neuen Regierungssystem gilt, einem Experi-
mente, welches schlicßlich nicht nur das Deutsch-
thum in Ungarn, sondern auch jenes in Böh-
men, Kroatien und andern Nronländern mit
der größten Gefahr einer ungerechten Schmäle-
rung bedroht. — Jn solchen Augenblicken müs-
scn wir Deutsche überhaupt es recht fühlen, wie
ohnmächtig wir bei der Zerrissenheit unseres
nationalen Lebens sind, und wie fort und fort
die Einheit des Vaterlandes uns über Alles
stehen sollte.

Nach dem „Hamb. Corrcsp." bestätigt es sich,
daß thatsächlich ehemals dänisch Gestnnte als
Oberbeamte im Schleswig'schen eingesetzt wür-
den, nnter Anderen auch Arthur Reventlow.
Die „Flensb. Nordd. Ztg." bedauert, dasselbe
meloen zu müssen.

Der Regierungspräsident des Herzogthums
Lauenburg, Gras Kielmannsegge, ist am 3. Sept.
auf tclegraphische Weisung nach Baden-Baden
zum König von Prcußen abgereist. -

Nach der „Mitt. Z." ist von Seite des Ne-
gierungspräsidenten ein Rescript an alle nas-
sauischen Vcrwaltungsbeamten ergangen, wo-
nach sie ermahnt werden, sich einzig ihren ümt-
lichen Pflichten, aber keinesfalls dem Partei-
leden zu ergeben.

Jn Gastcin wurde außer der schleswig-hol-

steinischeu Conveution auch noch ein Schiff-
fahrtsvertrag zwischen Preußen und Großbri-
tannien von den Bevollmächtigten beider Staa-
ten, Hrn. v. Bismarck und Lord Napier, dem
Gesandten Englands in Berlin, abgeschlossen
und unterzeichnet.

Jn Schwerin ist am 1. Sept. der deutsch-
öfterreichische Telegraphen - Congreß eröffnet
worden.

Am Jahrestag von Aspromonte haben die
Mazzinisten in Flvrenz Ruhestörungen verübt
und die Nationalgarde mit Steinen angegriffen.
D.ie Cavaüerie hat die Haufen zersprengt, das
Volk zeigle sich ganz theilnahmlos.

Zn Lyon ist es wegen des Theaterdirectors,
Felix Nachel, der eine Schauspielerin, ohne sie
zuvor dem Publikum vorzustellen, angestellt
hatte, zu unruhigen Scenen gekommen; es wur-
den. Fenster eingeworfen, Straßenpslaster auf-
gerissen, Omnibusse umgestürzt, bis Dragoner
sich zeigten und Miene zum Einhauen machten;
sofort zerstreuten sich die Haufen.

D e u t s ch l a n d

Karlsruhe, 5. Sept. Das heute erschie-
nene Regierungsblatt Nr. 44 enthält Bekannt-
machungen des großh. Ministeriums des Jn-
nern: a) Verordnung, die Ausübung dcr Thier-
heilkunde betreffend. b) Verordnung, die Be-
stellung von Bezirks-Thierärzten betr. e) Ver-
ordnuug zuni Schutz gcgen Weiterverbreitung
ansteckender Thierkrankheiten. el) Verordnung,
die Behandlung gefallener oder auf polizeiliche
Anordnung getödteter Thiere betr. e) Verord-
nung, die Fleischbeschau betr.

* Karlsruhe, 5. Sept. Jch beeile mich,
Jhnen die Mitthcilnng zu machell, daß das
Ergebniß der gestrigen Wahlen mit Sicher-
hcit dahin angegeben werden kann, daß neun
Zehntheile der Wahlen in liberalem Sinne
ausgefallen sind.

(:) Heidelberg, 6. Sept. Von allen Sei-
ten laufen Nachrichten ein über das Ergebniß
der am 4. d. M. abgehaltenen Wahlen für
die Kreisversammlung. Fast überall hat die
Sache des Fortschritts gesiegt, auch an vielen
Orteu, wo die Casinopartei stark vertreten ist,
wie z. B. in Bruchsal; die Liberalen haben
auch dorl den größten Theil ihrer Wahlmän-
ner durchgesctzt. — Durchaus günstige Berichte
liegen ferner vor aus Bretten, Hüfingen, A.

Donaueschingen, Mahlberg, A. Ettenheim,
Mühlburg, A. Karlsruhe, Wilferdingen, A.
Durlach. Der „Bad. Beobachter". macht Mit-
theilung von nur wenigen Orten, wo die Ul-
tramontancn gesicgt haben, ein Beweis, daß es
um ihre Sache schlecht steht.

* Ziegelhausen, 4. Septbr. Trotz der
großen Anstrengung der Rückschrittspartei bei
der Wahlmännerwahl der Kreisabgeordneten
hat doch dic liberale Partei ihren Sieg davon-
getragen.

K TViesloch, b.Sept. Die Kreiswahlmän-
nerwahlen in hicsiger Stadt sind in entschieden
liberalem Sinne ausgefalleu. Die 12 Gewähl-
ten sind Bürgermeister Schweinfurth, Domä-
nenverwalter Breitenberger, 'Dreikönigwirth
Kircher, Kronenwirth Zutavern, Gerichtsnotar
Schneckenburger, Heinrich ' Burkhardt, Carl
Bronner, Posthalrer Greiff, Lammwirth Bolle-
rer, Bezirksförster Bleibimhaus, Verwalter
Mcier und Seifensieder Heinrich Sieber. Jm
gleichen Sinne wählte Walldorf seine 11 Wahl-
männer. Das Totalergebniß der Wahlen des
Amtsbezirkes Wiesloch zeigt 33 Liberale gegen
42 Ultramontane. Der Bezirk ist bekanntlich
in 2 Districte, welche je einen Abgeordneten in
die Kreisvcrsammlung zu wählen haben, ge-
theilt; der eiue Malsch am Letzenberge, der
andcre Wiesloch. Ersterer wird voraussicht-
lich einen Schwarzcn zu Tage fördern; vom
Wahldistrict Wiesloch ist mit Sicherheit eine
gute Wahl zu erwarten. Bei der Zusammen-
setzung dieser beiden Districte ist eine Täu-
schung in obigen Erwartungen nicht möglich.

§ Weinbeim, 5. L>eplbr. Das Nesultat
der Wahlen in der Stadt ist wie in der Alt'-
stadt ein der liberalen Sache günstiges.

x Mosbacb, 5. Sept. Auch wir können
vou Wahlergebnissen in liberalem Sinnc be-
richten. Hier hat die liberale Partei einen
glänzenden Sieg davongetragen. Jn dem Amts-
bezirke Mosbach ist bis jetzl das Resultat aus
Asbach und Mörtelstein bekannt. Jn bciden
Orten wurden freisinnige Männer gcwählt.

'f'j' Ösfenburg, 5. Sept. Ueber dasEr-
gebniß der gestern stattgehabten Wahlmänner-
wahlen zur Kreisversammlung kann ich Zhnen
soviel berichten, daß das Totalcrgebniß im
Amtsbezirke ein dem Fortschrilt entschieden
günstiges ist, obgleich in den Landgemeinden
die katholische Geistlichkeit Alles aufgebolen hat,
das belhörte Volk irre zu führeu und mit

Baden, 31. Aug. Vom herrlichsten Wekter be-

zahlretchen vornehmsten Badegästen bcmerkte man
den Prinzen Friebrich von Hessen-Kassel, S. D.
Küvst zu Fürstenberg und den Herrn v. Bismarck.
Nach 2 Uhr begann das Rennen um den Preis i
vom Schloffe Favorite (1500 Frcs., 25 Fr. Ein- !
satz, Entfcrnung 1500 Mcter). Von 12 Pferden ^
erschienen 5, wclchc anfänglich in gleicher Linie i
waren, schlicßlich aber A. Lupins Fuchshengst !
„Vaucresson" siegte; bes Grafen von Dampierre
dunkelbrauner Hengst „Jarnicoton" erhielt als
zweites Pferb bie Einsätze. — Folgt Preis des
Schwarzwalkes (2000 Frcs., 25 Fr. Einsatz, Ent-
sernung 2400 Meter). Es erschienen von 6 Pfer-
ben vier auf bem Platze; gleich beim Abgang !
nahm bes Grafen Lehnborff brauner Hengst „Said" !
die Spitze, behauptcte solchr und siegte; diesem !
solgte als zweitcs Pferd dks Herrn Delamarre !
Fuchsstnte „Colvquinte". — Prcis von Jffezhcim !
(3000 Frcs., 100 Fr. Einsatz, Entfcrnung 3200 i

Continental-St.-Leger (10,000 Krcs., .500 Fr.
Einsatz, Entfernung 3000 Meter). Es erschienen

1500 Frcs., 50 Fr. Einsatz, Entfernung 1200

Frankfurt, 2. Sept. Die glücklichen Hochhei-
mer, welche ein braunes Coupe mit Sckimmel ge-

Fuhrwerk nickt weit. Der Schimmel war von einem
Dienstmann zu kurz gespannt worden und wurbe
hierdurch, da ihm bas vordere Gcstell auf die


! lange wirthschaftete, bis der Kutsckerfitz und die
beiben Vorderräder davon geflogkn waren. Mit

! haben. (Fr. Ä.)

(Der heilige Theophilus.) Aus Linz am
Rbein, 26. Aug., wird gemeldet: Hier herrscht
! große Freude. Der vollständige Leib bes heiligen
Theophilus, welcher im dritten Aahrhundert das
Zeitliche scgnete und im vorigen Aahrhunbert in den
Katakomben zu Rom aufgefunden wurde, ist uns
von Sr. Heiligkeit zum Geschenk gemacht worben.
Dem Vernehmcn nach soll der beilige TheophiluS
wohlverpackt von Rom über Marseille dirigirt sein
und soll ihm sein neues Logis biS zum 20. Sep-
temder in der Capelle auf dem Kaiserberg in ge-
ziemenber hochfeierlicher Wetse angewiesrn werden'
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