Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Ukidelbrrgtr Ieilung.

Kreisverkündigungsblatt fnr den Kreis Heidelberg und a-ntlichcs Verkündignngsblatt sür die Anits- und Amts-
Gcrichtsbezirkc Heidelberg und Wiesloch unü den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünd.

R» 218. Samstag, 16. September



Einladuug zuin Abonneiuent.

Auf das mit dem 1. Octbr. beginnende vierte
Quartal der „Heidelberger Zeitung"
laden wir anmit zum Abonnement ergebenst cin.
Die Heidelberger Zeitung ist durch Beschluß
Großh. Minifteriums des Jnnern vom 24. No-
vember v. I., Nr. 14,731, als Kreisver-
kündigungsblatt für den Kreis Heidel-
berg und als amtliches Berkündigungs-
blatt für die Amts- und Amtsgcrichtsbezirke
Heidelberg und Wiesloch und den Amts-
gerichtsbezirk Neckargewünd erklärt worden,
in Folge dessen alle Bekanntmachungen der
betreffenden Staatsstellen darin zu erscheinen
haben.

Jndem wir uns im Uebrigen auf das mehr-
fach veröffentlichte ausführliche Programm be-
ziehen, bemerken wir hier noch, daß das vier-
teljährliche Abonnement in hiesiger Stadt 1 fl.
3 kr., durch die Post bezogen 1 fl. 24 kr. be-
trägt. Znserate, welche durch unsere Zeitung
die ausgedehntefte Verbreitung finden, werden
mit 3 kr. die dreispaltige Petitzeile oder deren
Raum berechnet.

Heidelberg, im Septbr. 1865.

Die Expedition.

(Schissgcisse Nr. 4.)

^ Zum Schulwesen in Deutschland
und Frankreich

Jn Frankreich zeigt sich dieselbe Erscheinung
wie in unscrm Vaterlande Badcn. Die Ultra-
montanen erklären sich auch dort für Freigabe
des Schulbesuchs; es ist dies wohl der einzige
Fall, wo dicse Partei die Freiheit des Volkes
betont, weil sie wohl weiß, daß eine solche
Freiheit ihren eigenen Zwecken in die Hand
arbeitet. Wie sehr übrigens gerade hier ein
Zwang dem gesunden Sinne der Völker ent-
spricht, geht daraus hervor, daß sich in Deutsch-
land noch nie eine Agitation dagegen erhoben
hat, und daß man in Frankreich gerade libe-
ralerseits auf Einführung des Schulzwangs
dringt. Die Mehrheit des französischen Mini-
steriums und selbst die persönliche Ansicht des
Kaisers neigt sich hier der liberalen Anschauung

Aus Baden,11. Sept. Dcr „Oberrh. k." be-

Nacht ereignete sich im Conversationshaus etn Auf-
tritt, welcher leicht in dte scandalösen Vorfälle
des vorigen Iahres hätte ausarten können. Her-

stand und rief am Roulette: „Viertausend Francs
auf psir," ohne jedoch zu setzen. Bekanntlich gilt
die Bestimmung, daß auf blyßes Zahlungsver-
sprechen, auf Parole, kein Einsatz von der Bank
berückßchtigt wird. Die weiße Kugel lief wie ge-
wöhnlich durch das Rad, psir hatte gewonnen,
der Herzog verlangte seinen Gewinn von 4000 Fr.
Die Lroupier suchten ihm hegrciflich zu machen,
baß er keinen Anspruch auf Zahlung habe. Dirs
war jedoch taubcn Ohren gepredigt, unser Spieler
von Pryfession machte in höchst lärmender Weise

fortgesetzt. Der Herzog setzte nun wieder 4000 Fr.,
er verlor. Als der Bankhalter die Summe ein-

zu. Jn sehr ehrcnder Weise hat namentlich
der französische Minister Baudoin in cinem er-
stattelen Bericht die Leistungen der Deutschen
im Gebiete des Volksunterrichts anerkannt.
„Das deutsche Volk, so sagt der Mann, der an
der Spitze des Volksunterrichts in Frankrcich
steht", ist mit Recht stolz auf seine zahlreichen
Schulen. Nirgends wahrlich wird der Unter-
richt in solcher Verschwendung verbreitet, mit
solcher Uneigennützigkeit .gegeben, und mit sol-
cher Sorgfalt geleitet. Der kleinste Flecken hat
seine Volksschule, die kleinste Stadt ihr Gym-
nasium oder ihr-r Bürgerschule vollständig ein-
gerichtet, ausgestattct und beaufsichtigt. Jn
Deutschland interesfirt sich Jedermann für die
Jugend; hochstehende Männer und selbst Frauen
von Stand widmen denselben ihre Zcit, ihr
Vermögen, ihre Erfahrung; gute Schriftsteller
schreiben Bücher für kleine Kinder; die Dichter
haben für den Turn- und Gesangsunterricht
Lieder gedichtet, welche die berühmtesten Com-
ponisten nicht anstandeu, in Musik zu setzen.
Das gaNze deutsche Volk scheint überzeugt zu
sein, daß sich mit dem Jugendunterricht zu be-
schäftigen heißt: „eine persönliche Pflicht zu er-
füllen und an der Zukunft des Landes zu ar-
beiten." Es ist zwar nicht zu läugnen, daß
das schimmernde Bild, welches Baudoin hier
entwirft, in der Nähe betrachtet, hie und da
eincn Flecken zeigt: Allein der Gesammteindruck
ist wahr und wohlthuend. denn soweit es auf
unser Volk ankommt, werden wir nicht lcicht
einen Grund haben über Theilnahmlosigkeit oder
Kargheit gegenüber der Schule zu klagen. Wenn
dieser gute Wille bis jetzt noch nicht in dem
Umfange ausgebeutet wurde, als es der Sache
wegen geschehen sollte, dann sind nur Jene
schuld, denen die geistigen Jntereffen des Volkes
weniger gelten, als die Attribute eingebildeter
Machtstellung und einer herrschsüchtigen Ueber-
hebung über das geistige Leben des Volkes.

* Politifche Umschau.

Auf Anregung Preußens haben die beiden
Großmächte beschloffen, keinerlei Geldsammlun-
gen zur Unterstützung der unter den politischen
Verhältnissen leidenden Patrioten in den Her-
zogthümern zu duldcn, waS namentlich gegen
die Beschlüffe der zu Neumünster versammelt
gewesenen Abgeordneten der Schlcswig-Holstein-
Vereine aerichtet ist.

Die Vertreter sämmtlicher Gemeinden der

Spiel fortgesetzt werden. Wieder eine Thatsache
mehr, welche für Abschaffung des Spirles spricht. >
— Vorgestern wurde dte Bank abermals, und zwar !
zweimal gesprcngt, das einemal durch einen Eng-- l
länder, das anderemal durch einen Brafilianer.
Der Letztere hatte heute wieder das gleiche Glück. ^
Die Sensation im Saal ist bei derartigen Vor- i
fällen keine geringe, denn die mristen Leute stellen i
sich dabei etwas ganz NngeheuerlicheS vor. Die
Sache ist sehr einfach und für den Spiclpächter bei >

Herzogthümer beabsichtigen ebenfalls einen Pro-
test gegen den Vertrag von Gastein wegen
„Vcrletzung der Rechte des Landes" zu erlaffen.

Gegen den preuß. Abg. Franz Dunkcr ist
Anklage erhoben wegen Beleidigung des Staats-
ministeriums in Bezug auf deffen Beruf. Die
Anklage gründet sich auf eine Ansprache, mit
welcher Hr. Dunker die am 25. October 1864
hier stattgefundene Versammlung der Mitglie-
der des Nationalvereins eröffnete.

Ju Königsberg hat eiu Staatsanwaltsgehülfe
Dr. Tuchen in eincm kürzlich verhandelten
Preßprozeß gcgen die Stollberg'sche Verlags-
buchhanvlung zu Gotha alles Ernstes zu be-
weisen versucht, daß eine Bcleidigung des Mini-
sters v. Bismarck in Beziehung auf sein Amt
zugleich eine Ehrfurchtsverletzung gegen den
König in sich schließe, da der König verschie-
dentlich durch Aeußcrungen, namentlich der
Dorfgemeinde Steingrund gegenüber (warum
führt der hoffnungsvolle Beamtc nicht die
Thronrede des Königs beim Schluß der vor-
letzten Landtagssession an?) sein vollstes Ein-
verständniß mit den Handlungen des Ministe-
riums kund gethan, und diese Handlungen so-
mit gleichsam zu seinen eigenen gemacht habe.
— Das Gericht vermochte sich die Logik des
Staatsanwaltes nicht anzueignen, erkannte je-
doch auf Vcrnichtung der Schrist (Vertheidi-
dungsrede des Dr. Johann Jocoby), weil dar-
in das Vcrgehen der Ministerbeleidigung und
der Aufforderung zur Steucrverweigerung ent-
halten sei.

Nach dem „Schw. M." ist Staatsrath von
Renner zum württembergischen Finanzminister
ernannt worden.

Nach der „Bank- und Handelsztg." gilt der
Rücktritt des österreichischen Staatsministers,
des Herrn Mensdorff, schon in nächster Zeit
für wahrscheinlich.

Das Ministerium Belcredi hat seinc Thätig-
keit in der Einberufung des siebenbürgischen
Landtags begonnen. Zn diesem ersten Regie-
rungsakte gelangen die Jdeen der ungarischen
Unionspartei zur vollen Geltung.

Die französische Preffe kommt in immer
schärferen Ausdrücken auf die Eulcnburg'sche
Affaire zurück. Selbst das „Journal des De-
bats" äußert sich in maßloser Weise, woraus
man auf den hohen Grad von Erbitterung
schließen kann, der in allen, selbst den gebilde-
ten Kreisen der französischen Gesellschast über

! Die Bank legt bei Beginn des SpieleS 60,000 Fr.

! winn ausgegeben, so ruft dcr Croupier: „die Bank
i ist gesxrengt." Nach eincr Unterbrechung von viel-
! leicht einer halben Stunde wird 'ein neuer Einsatz
! von gleicher Größe aufgelegt und das Spirl fängt
i von vorn an. Durch derartige Episoden wird die
! Spielwuth Vieler außerorbentlich gesteigert, fie gehen
! blindlings darauf los, und schließlich hat der Spiel-
! pächter den Gewinn davon. Zum Belege hiefür
! theile ich Ihnen dic verbürgte Thatsache mit, daß
! gestern, nachdem die Bank zweimal gesprengt war,

! bei Beendigung des Spieles 120,000 Fr. von den
Croupiers in die Kasse Benazet's gelcgt worden
! sind.

In Nr. 36 des „Münchener Punsch" war fol-
gendeS „Kaufgesuch" zu lesen: „Unterzeichnete kauft
! Länder und Unterthanen, sowte auch alte Erbrechte
i und gut erhaltene Ansprüche fortwährend zu an-
i nehmbaren Preksen. Auch werden Donaufürsten-
thümer und türkische Provinzen in Lausch gegeben."

^ Unterzetchnet: „Königl. preußische Länder- und Völ-
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