Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

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Mlage M Hei-elberger Zettung.

M 218 Sonutag, den 18 September 186S

Deutschland

Fr inkfurt, 13. Septbr. Der Sechsund-
dreißiger - Ausschuß verössentlicht ein 13. Ver-
zeichniß der für SchleSwig.Holstein eingegan-
genen Beiträge. Vom 18. October 1864 bis
31. Angust smd an Beiträgen weiter einge-
gangen: 1) Von den schleswig-holsteinischen
Hnlfscomites und Lokalvereinen: 28,823 fi.
39 kr. (darnnter n. A. von Ellwangen 200 fl .
Böblingen 111 fl., Tübingen 600 fl., Stutt-
gart 800 fl. u. s.«.) 2) Von andern Vereinen
und Privaten 7891 fl. 41 kr. Gesammtsumme:
33,818 fl. 20 kr. Hierzu Betrag der12ersten
Bcrzeichnisse 898,488 fl. 34 kr. Ergibt bis
zum 31. Augnst 1868 die G-sammtsnmme von
631,974 fl. 84 kr. Kassenbestand 89,600 fl.
57 kr.

Trier, 1. Septbr. Jn der gestern Abend
stattgehabten öffentlichen Sitzung d-r katholi-
schcn Bereine Deutschlands ergriff Hr. Dr. ».
Moy aus Tyrol das Wort über die Schul-
srage, d. h dcn Schulzwang. Der Redner
vergleicht die Aeltern, welchc ihre Kinder in
die Staatsschule schickten, mit Mortsra, jedoch
mit dem Unterschied, daß dieser um sein Kind
kämpfte, jene jedoch AlleS gednldig ertrügen.
Jn nnsern deutschen Schnlen würden die Kin-
der zu GotteSverächtern erzogen; dagegen er-
hebe stch keine Slimmc, während wege» deS
Zndenbuben Mortara großes Gcschrei gewescn
sei. Der Schulzwang führe die Zngend einem
Zustande oberflächlicher Aftcrweisheit entgegen,
entfremde die Kinder ihren Aeltern. entserne
sie vou den Traditionen der Familie, reiße die
Gegenwart von der Vergangenheit lvS, fnhre
bei dem Volke den Zwiespalt zwischcn Gebilde-
ten und Ungebildeten herbei. da« dürse nicht
so bleiben. Redner protestirt untcr dem Bei-
iall der Versammlung im Namen dcs RechieS
gegen den kchulzwang; der Slaat habe sich in
die Erziehung nicht zu mischen, cr gründe stch
nicht auf die Lchre, sondern aus die Gewalt.
Jm Schulzwange liege dic Erklärnng ausge-
sprochen, daß dic deutschen Aeltern ihre Kinder
verkommen lassen würden, wenn er nicht bc-
stnnde. So etwaS «ürde sich kcin andereS
Bolk bieten lassen; so viel Liebe hätten die
Engländer und Franzosen auch zn ihren Kin-
dern, dieselben freiwillig etwas lernen zu lassell.
Mit der Bildung in Frankreich und England
sehe eS nicht schlechter auS als in Deutschland?
(Zurufe Za und Nein). Der Schulzwang
unterhalte künstlich den religiösen Zwiespalt.
Die Erziehnug müsse konsesstonell sein; um
dies zu crreiche», sollten die Aeltern ihrc Kindcr
uicht mehr in die Schule schicken, sich nur
strafen lassen, «ber ausharren, denn lauge
dauere dies nicht, so werde man damit auf-
hören. — Hr. Dr. Kramer aus Amsterdam
spricht sür ftärkere Betheilignng an den päpst-
lichen Anlcihen. Er habe sich in Rom selbst
übcrzeugt, daß die päpstlichen Finanzen und
die weltliche Macht des PapsteS sehr gesährdet
seien, wenn die Geldmitlel des katholischcn En-
ropaS nicht reichlicher flößcn. Dr. Hübmann
aus Münster gibt einc Ucbersicht übcr die ka-,
cholische Lit-ratur, die sich um etwa 18 Zei-
tungen und Zeitschriften seit zwei Zahren ver-
uiehrt habe. Die katholische Presse zu unter-
ftützen sei tzauptsache. Die katholischen Blät-
ler sollten stch gegenseitig die Abonnenten nicht
abspannen, diese solltcn nicht glauben, daß man
diesc Abonnenten crhaltc, vickmehr erhielten
dicse daS schl-cht- Frankfurter Journal und
die Kölnische Zcitting. Den schlüß der Si-
bung bildeten zwei spaßige Reden de» Herrn
Metzger Fulk nnd dcS Hrn. Pros. Hasner auS
Mainz, Jn der hcntigcn geschlossencn Sitznng
berichtct Hr. Bieler auS Paderboru über die
Thätigkeit der Bonisäciusvereine. Au» dem
Berichte ging hervor, daß die Vereine mit einer
Gngabc von 60,000 Thlrn. jährlich 212 Mis-
stonen unterhalten haben. Hr. Musang aus
-iiainz derichtet über den Fortgang der Samm-

lungen zur Gründung eiucr freien dentschen
katholischen Universttat. Aus dem Reserat ging
hervor, daß sich in sämmtlichen Diöcescn
Deutschland» Sammelvereine ffir die Unioerst-
tät und nnter dem Protectorat einer öst-rrei-
chischen Erzherzogin ein Frauenverein zu glsi-
chem Zwecke gebildct habe.

Krankreich.

Paris, 13. Septbr. Der Congreß dcr
deutschen Nrbeitervereine in Stuttgart hat »uf
die sranzösischen Theilnehmer desselben einen
entschieden günstigen Eindruck gemacht, und es
spricht sich in den verschiedenen Pariser Zour-
nalen, namentlich in dem „Temps", der „Presse"
nnd der „Opinion nationale", nnvcrhohleu die
Achtung vor dem Streben und den bereits cr-
zielten Resnltatcn de» deutschcn GcnossenjchastS-
wesens, sowie dcr feste Wille au», auch in
Frankreich aus derselben Bahn, wo möglich
Hand in Hand mit dcn dcutschen Arbeitern,
voranzngehen. Nicht allein übcr die eigentli-
chen Arbeiten des Cougresses, sondern auch
übcr dcn Geist, der durch di- ganze Versamm-
lung wehte, und selbst über die treffliche Be-
wirthung, welche die Gäste in dem Locale deS
Stuttgarter ConsumvereinS sanden, drückt der
Berichterstatter der „Presse" heulc seine volle
Anerkennung aus. „Zm Hintergrnnde deS
Saales (schließt der betreffende Artikel) sah ich
mit Vergnügen neben dem zweiköpfigen Reichs-
adler die Farben FrankreichS glänzen. Diese
Zdce des brüderluhen Anschlusses dcr beiden
Völker zeichnete stch anch immer schärfcr in den
Vorträgen der Hauptrcdner des Congresses ab.
Jch war ganz besonderS glücklich darüber, da
ich von j-hcr weder Gejchmack noch Bewunde-
rung sür die Menschenjagd hatte, und nur »n
d-n Fortschritt durch Friedcn und Freiheit
glaube."

A m e r i k a.

Newyork, 29. Aug. Man schreibt der
„Köln. Z.": Mit der Reducirung de» HeereS
wird jetzt Ernst gemacht. Außer dcn 30,000
Mann, die jüngst in Texas entlassen wnrden,
und außer dcn täglich noch nach Hause zurück-
kehrenden Regiuientern, stnd in voriger Woche
anch 88 Gcnerale, darunter 7 General-Ma-
jore, von denen Banks alleiu in weiteren Krei-
sen bekannt ist, verabschiedct worden, da MLN
wie e» in dcr bctreffenden Ordre heißt, ihrer
Dienste fernerhin nicht mehr bedars. Außcr
eincr dreimonatlichen GehaltSzulage haben diese
Generale keineu Anspruch mehr an die Regie-
rung. Sic waren eben nur für die Dauer
deS KriegeS engagirt und stnd d-Shalb auch
nicht cinmal pensionSberechtigt. Viele der Ent-
lassencn trifft diese Bestimmung sehr hart, stc
haben ihrc Gesundhcit geopfcrt nnd theilwcise
sogar ganz eingebüßt, stnd auS ihrcn frühcren
Stellungen h-rauSgctriten und findcn jetzt na-
türlich keine ncnc Verwendung für ihre Ta-
lente. Von Deutschen beftnden sich unter den
chrenvoll entlassenen Generalen die Herren
Alcrander Schimmelpfcnnig und Fr. Salomvn.
Mit wenigin Ausnahmeu gibt eS jetzt kaum
noch eiiien deutschcn General im activen Dienste.
Währcnd eS einem AmerikLner von halbwegS
guten Familiciiverbiiidungen leicht wird, selbst
bei den zweifelhaftestcn Verdiensten die Befvr-
derung in die Leguläre Armee zu erlangcn,
gibt man den Dcutschen kurzer Hand den Ab-
schied. „Der Mohr hat seiue Schuldigkeit ge°
than und kann geheul" Es wäre übrigcns
ungerecht, wenn man dcn Amerikanern dic
ganze Schnld an dicser Behandlung aufladen
wolllc. Zum Theil haben ste unjere LandS-
leute dnrch ihr eigeneS Betragen provocirt. —
Jn der äußeren Politik ist nichts von Beden-
tung zu berichten, eS sei denn die Thatsache,
daß Prästdent Johnson -S abgelehnt hat, -in
Beileios- und Gratulationsschreiben des mexi-
kanischen KaiserS cntgegenznnehmen, da er nur
den constitutionellen Präsidenten Juarez kcnne.
Dieser gescheiterte Vcrjiich zur Erlangnng einer

wenigstens indirecten Anerkennung war unter
Mithülfe dcs französischen Gcsandtsn und des
ehemaligen amerikanischen Gesandten in Merico,
Herrn Corvin, in Scene gesetzt. Gerade die
abwartende Stellung, welche dic Vereinigten
Staaten Merico gegenüber cingcnommen haben,
fängt an, Maximilian nnbcquemer zu wcrden,
als offene Feindseligkeitcn es vermocht hätten.

Vermischtr Aachrichten.

Freiburg, 13. Sept. DaS Anzeigeblatt f. d. Erzd.
Freiburg Nr. 15 rnthält: 1) Versetzungen: die Pfarr-

Christ. Schneiderhan von SLckingen als Pfarrv. nach
Altenburg, Priester Joh. Bapt. Uhlmann als Pfarrv.
nach Allmansdorf^ die Vicare Adolf Armbruster von

nach Kirchhofen, Fran; Lutz von Landa nach Neckarau,
Theod. Metzger von GLrwihl nach Bamlach. 2) An-
stellung folgender Neupriester als Vicare : Magnus
Ackermann von Hainstadt in Ersingen, Otto Anselm
von Altdorf in Nutzbach, Dec. Offenburg, Jos. Anton
Barth von Hardheim in HelmSheim, Ltldlv. Jos. Batt-

dors, Benedict Feederle von^ Stühlingen in Görwihl.
Matth. Flad von Killer in Sigmaringen, Franz Jos.
^rank von^Uilterba^lbach^ in ^Burbach^, ^Jobann Edua^rd

von Donaueschingen si, Sasbach, Joh. T^cod. Kern von
Ofienburg in Marlen, Karl Knöbel von Freibnrg in
Schwarzach, Berth. Knörr^von^Thiergarten in Kappel-

St. Leon in Ettlingen, Aug. Muckenhirn von Stanfen
in Bötzingen, Jos. AloiS Müller von Buchen in Assam-
stadt, Heinrich Pfändler von Kirchzarten in Durbach,
Jos. Rhomberg von Constanz in Todtnau, Franz Ed.
Schäfer von Stein a. K. in Walldürn, JitliuS August
Schcrer von Munzingen in Bleichheim, Andr. Schüler

Frankfurt, 13. Sept. (Ledermesse.) Das Ge-
schäft in Sohlleder nahm einen raschxn Verlauf. weil
die Zufuhren für den Herbstbedarf nicht zureichend waren;
dasfelbe war auch bei den Oberledern her Fall, so daß
schon heute in beiden Gattungen fast »ichtö mebr in
erster Hand am Markte ist. Kalbleder und leichte Wild-
raupen waren sehr gesucht, und crlitten einen merklichen
Aufschlag. dagegen waren Land-Rindleder weniger be-
gehrt, und halten, sowie Vache- und Zeugleder nur um
wenigeS bessere Preise als jüngste Ostermesse. Ohnge-
fähr 200 Centner Backnanger Öberleder sind durch ver-
spätete Ablieserung der Eisenbahn erst heute eingetroffen,
fanden indessen auch sofort Käufer. Jn Parthien sind
bezahlt wordeu für gutfa?onirte fünf- und sechshäutige
starke

Prima Wildsohlleder per Ctr. (Thaler » 90 kr.)

Thlr. 59 » 64

Prima Waare ..... , 49 » 55

dergleichen gcringere Qualitäten , 42 ä 47

Prima Zahmsohlleder schwere Waarc. , 50 » 55

dergleichen leichtere Sorten. . „ 44 s 49

Prima Vacheleder nach Qualität . . „ 42 s 56

Prima Zcugleder „ » ... 42 » 48

Prima^Rindledcr^ . ^ ^ . . ^48» 62
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