Heidelberger Zeitung — 1865 (Juli bis Dezember)

Seite: 305
DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1865a/0305
Lizenz: Public Domain Mark Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Grindbrunnen statt. Das erste Treffen bildeten
die JugondniehreN, das zweire die Wehrvercine
von Frankfurl, Gvrnheim, Darmfkäö't und
Stuttgart. DaS erfte Treffen kommandirte Hr.
Wiegand und das zwcite Hr. Penne aus Frank-
surt. Des Mittags fand bei Bornheim ein
gut ausLeführtcs Manöver statt und wurde
dassclbe mit Berücksichtignng der Grenzverhält-
uiffe des Gebiets der Stadt Frankfurt ohne
Gegner abgehaltcn. Die Franksurter Jugend-
wehr stand au den Riedcrhösen auf Vorposten,
den Rieder Spieß hattcn die Heidelberger, beide
unter dem Kommando des Hrn. Wieaand, bc-
setzt; däs Rideau bei Bornhci.n hattcn der
Frankfurtcr Wehrverein und die Frankfurter
und Bornheimer Turncrwchr, die Friedberger
Warte die Darmstädter unter dem Kommando
dcs Hrn. Penne besetzt. Die Stuttgarter standen
iu Reserve am Hanauer Bahnhof. Auf den
Höhen des BrucheS standen 3, an dem Riedhof
ein Gcschütz. Das Objekt, um das sich der
Haupt- und letzte Kampf drehte, waren die
Riedhöfe, und ging das ganze Manöver, wozu
die Dispositionen von Htn. Jng.-Hauptmalni
A. v. Gäisberg gemacht worden waren und-
unter dessen Oberbefehl die sämmtlichen Trup-
pen standen, trefflich von stattcn.

Koblenz- 16. Sept. Die Wahl des Hrn.
Max Bruch zum Rachfolger des Hrn. Joseph
Lenz als Directors des Mnsikinstituls ist, wie
die „Cobl. Ztg." vernimmt, von der königl.
Rcgierung bestätigd worden.

Altona, l'i. Sept. Die „Schleswig-Hol-
stein'schc Zcitung meldet, daß der Kriegsminister
v. Roon auf der Reise nach Schleswig durch-
paffirt ist.

Kiel, 17. Sept. Die „Kieler Zeitung"
berichtet: Herr v. Gablenz hat sich gegenüber
oen Regierungsmitgliedern über das bezüglich
der Presse des Landes zu befolgenve Berfahren
in befriediqender Weise ausgesprochen. Aus
Schleswig wird demselben Blatt gemeldet, Hr.
v. Zedlitz habe daS Gesuch einer Abordnung
des Deputirtenkollegiums um Bclassung des
Bürgermeisters Reimers im Amte rund abge-
schlagen, und man beabsichtige daher, sich LeS-
halb direkl nach Berlin zu wenden. Das Dienst-
siegel der schleswig'schen Negierung ist mit dem
preußischen Adler versehen worden.

KLel, 17. Sept. Nach der „Flensburger
Noxdd. Zcitung" hat der Herzog von Cobnrg
den Cabinetsrath Tempeltey definitiv vom Her-
zog von Augustenbürg abberufcn.

Flensburg, 17. Scpt. Nach dcr „Nord-
deutschen Zeituug" hat dcr Polizeiministcr sein
Amt niedergclegt und ist durch Hcrrn Hoe
ersetzt worden, der bis zum Wiener Frieden
Expeditionssekretär im holstein'schen Ministerium
in Kopenhagen war.

Wiey, 14. Sept. Die preußische Diplo-
matie scheint ihren Plan eines deutsch- oder
preußisch-italienischcn Händelsvertrags nicht auf-
geben zil wollen. Denn gegenwärtig reist der
wirkliche geheime Oberregierungsrath Delbrück
zwar nach Rom, eigentlich aber nach Florenz,
um dort wo möglich die bezüglichen Vorfragen
übcr jencn projectirten Vertrag zu besprechen.
Erfolgt später wirklich der Abschluß, dann rech-
uct man in Berlin mit Sicherheit darauf, daß
sich der ganze Zollverband auch bald anschlie-
ßen werde. (Allg. Z.)

Zt a l i e n.

Florenz, 12. Sept. Die Gemeinde- und
Provinzialwahlen in Florenz sind zu Gunsten
der liberalen Partci ausgefallen. Die Liste des
stberalen Vereins, deffen Vorstand Ricasoli ist,
ging vollständig durch. Als Beispiel für das
Stimmenverhältniß führen wir die Wahl im
Duartier San Giovanni an, wo Ricasoli mit'
579, der Bürgermeister Graf Eambray Digny
wit 459, der Advocat T. Corst mit 501 Stim-
men gewählt wurden, während der erste Can-

didat der reactionaren Liste nur 246 Stimmen
erhielt.

B e l g i e ,i.

Brüffel, 17. Sept. Die „Jndependance
belge" veröffentlicht den Text dcr Depesche des
Grafen Russell über das Abkommen vou Ga-
stein. Darin heißt es, daß der Vertrag von
1852 in dem Abkommen vollkommen ignorirt
sei. Man sei berechtigt gewesen zu erwartcn,
daß bei derartiger Anuullirung von Verträgen
wenigstens die Volkswünschc in Deutschland
uud iu den Herzogthümern und die Meinung
der Majorität des Buudes anerkannt würden.
Aber alle alten oder neuen auf feierliche Ab-
reoungen unter Souveränen oder auf den kla-
ren und unzweideutigen Volkswillen gestützten
Rechte seien in dem Gasteiner Abkommen mit
Fnßen getreten, uur die Autorität der Gewalt
sei zu Rathe gezogen und anerkannt worden,
Gewaltthat und Eroberung seien die einzigen
Grundlagen. Graf Russell beklagt lebhaft die
auf dicse Weise bekundete Verachtung der
Grunrffätze des öffentl'ichen Nechtes und der
berechtigten Volkswünsche.

Neueste Nuchrichren.

Bertin, 18. Sept. Der König ist heute
Vormittag mit einem Extrazug nach Merseburg
abgereist. Gestern hat er dem in den Grafen-
stand erhobenen MiniftLrpräsidenlen v. Bismarck
einen längeren Gratulationsbesuch gemacht.

Kaffel, 18. Sept., Abends. Der von der
Ständeversammlung amendirte Gesetzesentwurf
über Ausübung der Jagdrechte ist heute durch
das Gesetzblatt verkündigt worden.

Altona» 18. Scpt. Heute ist die erste
Zeitungsbeschlagnahme unter dem österreichischen
Statthaltcr erfolgt. L)as Glückstadter Blättchen
Fortuna wurde wegen eincr Bcsprechung des
schleSwigholsteinischen VereinswesenS polizeilich
confiscirt.

Hamburst, 18. Sepl. Laut einem Kieler
Telegramm der „Hamb. Ztg." sind sämmtliche
preußische Marinebauten plötzlich sistirt worden.

Brüffel, 18. Sept. Gestern sand ein
stürmisches Meeting für den Professor Rogeard
statt. Die VolkSmenge zog vor dessen Woh-
nung und drückte ihm das Bedauern der Na-
tion über seine Ausweisung aus. Dabei
herrschte vollkommenc Ordnung.

Kopenhagen. 18. Sept. Generallieute-
nant de Mega ist, 73 Zahre alt, gestorben.
Der König wird am' Mittwoch zurückkehren.

* Aus Baden, 18. Sept. Die Abgeord-
neten des badischen L>ängerbundes, welche am
17. d. in Offenburg versammelt .warcn, be-
schloffen dasnächstjährige großebadischeGesangs-
fest in Freiburg abzuhalten. Auch war davon
die Rede, eine transportable Sängerhalle er-
richteu zu laffen, die leicht an Orten aufge-
schlagen werden kann, die keine stehende der-
artige Halle besitzen. — Herr Slaatsrath Dr. La-
mey, Präsidenl des Ministeriums deS Jnncrn,
ist am 16. d., Nachmittag halb 3 Uhr aus sei-
nem Urlaub wieder in Karlsruhe angekommen.
— Jn Donaueschingen haben die Ultramon-
tanen auch bei der Wahl der Wahlmänner für
einen Landtagsabgeordnetcn kläglichcs Fiasko ge-
machl. — Die Berufung der Ständekammern
steht Ende November bevor.

vermischtc Nachrichten.

Berlin. Jm Berliner Buchdruckergehilfenvereme
wurde eiu von einem Mitgliede aufgestellter interesfanter

sich, dast in neun^Jahren 196 Buchdrucker von ungefähr
1000, ^also^eirca^2 pCl.Karben. ^ Von diescn 196 starbe^

nur zwei vorgekommen.

Frankfurt, 16. Septbr. Frankfurl hat heute Ein-
quartierung erhalten, und zwar Jugendwehr. Gegen
3 Uhr trafen die Jugendwehren von Darmstadt, Heidel-
berg, Wiesbaden, Stnttgart (Artillerie nnd Jnfanterie)
hier ein, nm den morgenden Manövern hiesiger Zugend-

Wieöbaden 28, ans Heidelberg 100 ^stitgliedkr der Ju-
genvwchr, aus Darmstadt 60 Mitglieder des Wehrver-
einS, welche mit der Fmnküirter Jngendwehr und dem

sanien Tracht recht schmuck aussehen. Der deutsche
Jugenowehrtag begann iim 5 Uhr unter Vorsitz deS
Hrn. Di^ctor^ P^aldam^s von Fnrnk^urt a. und

übungcn einführl. 3) Einstweilen und bis dabin^soll
auf dem Wegc der VereinSthärigkeit gewirkt, insbeson-
dere^ die ^richlnng von Fr^eiwilligti^-Ju^>1^,0^^n e^-

Die militärischen Uebungen sollen jedoch durchauS^ge-

Altenbach, 17. Septbr. Um vorurtheilSvolley
Menschen vas Maul zu stopfrn, bttte ich die geehrte
Rtdaction, mir zu bezeugen, daß ich der Verfassrr
deS Artikels in Nr. 216 der Heidelberger Zeitung,
datirt „Altenbach, den 11. Sept.", nicht bin. * *)
Merkel, Lehrer.

*) Geschieht hiermit. Redact. d. Heidelb. Zg.
Berichtigung. -Jn dem gestrigen Artikel üßex

den Brand in Avelsheim soll es heißen: das„Amt-
haus" statt „Rathhaus" war stark bedroht.— Uebri-
genS ist letzteres selbst nicht abgebrannt, sondern
nur die Rathhausscheuer nebst Wackthaus.

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

Häuser-Versteigerung.

Herr Bernhard Wagner, Wagnermeister da-
^er, laßt seine unten beschriebenen Liegenschaften
ourch den Unterzeichneten am

Donnerstag, den 28. d. M,
Nachmittags 3 Uhr,

p! Geschäftszimmer am Fischmarkt, Eck der
r>a>pclgasse uno Unterstraße Nr. 37 dahier, einer
!-^,^^'gen Versteigerung aussetzen, wohei der Zu-
iwlag fogleich bei annehmbarem Gebot ertheilt wird.

Beschreibung der Liegenfchaften:

Ein am Burgwegc hier gekegencs mit Nr. 6 be-
zeichnetes, 2 Stock hoch, von Stein erbautes Wohn-
haus mit kleinem Anbau und Holzschopf, die letz-
teren theilweise von Holz, sodann ern 1 Stock hohes
Wohnhaus von Stein mit gewölbtem KeUer, 19
Ruthen 4 Fuß 6 Zoll 7 Linien Heidelberger Werk-
maaß — 42 Ruthen 43 Fuß 56 Zoll n. b. Maaß
cnthaltend, etns. Kutscher Phil. Hartmann, ander-
scits Maurer Peter Pfisterer, hinten Weinhandler
Moritz Gnttenstein.

Die Versteigerung geschieht in zwei Adtheilungen:

1) ein zweistockiges WohnhauS mit Anbau und
Holzschopfmit dem dahinten befinvltLen Hof-
raum in der Breite deö Hauses r

2) ein einstöckiges Haus mit gewölbtem Keller
Mit dem Hofraum in der Breite des Hauses.

Die Bedingungen können tnzwischen 'jedcn Tag
in dem Geschäftszimmer deS Notars eingesehett
werden.

Heidelberg, den 15. September 1865.

Großb. Nvtar:

Dillinger. s2j^
loading ...