Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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entgegeii, daß Oesterreich gewillt sei, die von
ihm vorgenommenen kriegerischen Rüstungcn
rückgängig zu machen, nnd erklärt stch jeiner-
seits bereit, in deln Maße, wid dieS geschieht,
auch die von ihm in Folge dcr österreichischen
Trrippenconcentratioueii angeordneten militäri-
schen Maßregeln zu contreinandiren. Mm
wikd also hier di« Nachricht über üen Rück-
marsch der nach Böhmeu und Galizien gezoge-
nen Regimenter abzuwarten haben, nm alsdann
auch die Besehle znr Entlassnng der im Bereich
des schlestschen, brandenbnrgischen nnd sstchst-
schen Armeecorps einbernfenen Reservemann-
schaften ergehen zu laffen.

Wicn, 22. April. Wegen der üiachrichten
anS Jtalien fanden gestern und heiile groste
militärifche Berathnngen stalt. Jm Börienver-
kehr herrscht Panik.

Brünn, 2l. Ahril. Bei den hcutigen Ge-
meindewahlen hat die UnionSxarlei gegen die
Separalisten nnd Ezcchcn glSnzend gestegl.
Dr. Vvn der Straß ist gegkn Dr. Prazak mil
großer Maforität geivählt worden.

F r a n k r e i ch.

Paris. 21. April. Der gesetzgebende
Körper genehmigte gestern in namentlicher
Abstimmung das Ganze des' Gesetzentwurfes
über die Handelsvereine mit 202 gegen 28.
Stimmen.

Z t a k i e n.

Mailand, 17. April. Die „Allg. Ztg."
bringt von hier eiiu'N allarinirend>.'n Artikcl,
dem wir FolgkndeS entnchmen: Dcr Kricg mird
als unvcrmeidlich bctrachtet, nnd hier ist man
dcr Ansicht. daß sch»n im Mai die Armec den
Mincio nbcrschreiten werde. Dic Getreidepreije
gingen am gestrigcn Markt somohl hicr als in
Turin bedeutcnd in die Höhc, d^in obwohl die
Regiernng officiös erklären läßt, daß ihre Pro-
viantinagazine anßcrordentlich-gut vcrsehcn slnd,
läßt sic doch mrtcv dcr Hand vicl Gctreide und
Mehl aiikailfcn. Äagcgcn vcrlautet nichtS von
Pferdcaiikäilfetr, wahrlcheinliH wcil der Caval-
lerie im Veiietianischcn kcilic bed-cutcnde Rvlle
zugethcilt werdcn kann. Sv viel steht sest- daß
General Lamarmora vdn Fraukrcich die Zu-
stcherung erlanzt hst, catz daßelbe' keine Zcr-
stückeluiig Jtaliens z,ulasten werde; IlÄlicn vc-
ginnt sömit den Krieg liiiter relativ günstrgcll
Verhältnisscn. Das Schweigen deS Einsiedlcrs'
von Caprera ift gewiß aNch nicht ohne aüe
Bedeutung. Man versicherl. oie Ncgtcruug habe i
ihm crn Commando anbieten lassen, Garibaldi
habe dasselbe aber förinkich ansgejchlageii; es
sind zur Stundk Untörhandlniigcli zwijchen ihm
und dcr Negievung iin Znge. Jm Faü deS
Krieges werdcn st.h dic Prtnzcn Hninbctt urrd ^
AmadeuS, Crstercr an die Spitze seiner Divi-
sion, Letzterer seines Negiurents slellen. Jn dcr
Kanouengießerei vou-Parmü sind jo cbcn 150
Äeschützc velleuddt wokdeü, die nach Ancona
und Äologtia gejanbt wurden. Ein großer Thcil
der Flotle ist berciis in Brindisii eingetrosten.
Das Publikiun bezeugt das grötzte Vertra-ueu.
und sollte dcr Kricg loöbrechcn, jo werden öie
Speuden in weit größerm Maßstab zuströincn,
als ;um Nationalconjortium. Das Wich-
tigste abcr ist, daß der König vor Allem seinen
Ministcrn crklart: datz, wie auch die Dinge sich
iii Deutschland gestalten inögcn, die Chancen
für Jtakicn außcrvrdeUtlich günstig für cinen
Angriff stehen.

Mail-rnd, 19. April. Der Plan der Mo-
bilisirung und Concentrirung der italienischen
Armee ist bereits vollständig ausgearbeitet.
Diesem Plane zufolge können 16 Divisionen
binnen 3Tagcn an irgend welchem Punkte der
PEnie zusammengezogen sein. Es- ist dasür
gesorgt, daß 60,000 Wtann von einem Punkt
der italienischen Küste nach der andern trans-
portirt werden können und alle Kontrakte mit
Eisenbahn- und Dampfschifffahrtsgesellschasten
sind bereits abgeschlossen. Brücken- und Am-
bnlanz-Material, Telegraphen, topographische
Karten, Nemorquenre> LandungBbarken und
alles sonstige zur Mobilisirnng und zum An-
griff nothwendiges Material ift beftellt und
zum größten Theile bereits in Händen des
Kriegsininisteriums. Die Befehle zur Mobili-
sirung stnd im Druck begriffen, u,n eventuell
fofort än die verschiedenen Kommando's ver- !

theitt zu werden. Borerst verbleiben die bis-
I herigen Ober-Kommandanten an ihren Posten.
General Lamarmora war anfänglich sehr säumig
in den kriegerischen Vorbereitungen, jetzt ist er
aber förmlich sür den Krieg gewonnen und
namentlich soll General Cialdini in diesem
Sinne auf ihn eiugewirkt haben. In der Kam-
mer beobachtel Lamarmora ein absolutes Schwei-
gen und affektirt eine sorglose und vergnügte
Miene.

F'orenz, 19. April. Eiu königl. Decret
sichert den Officieren, welche freiwillig ihre Dc-
mission genommen und wieder in Dienst trcten
wollen, die Wiederanstellung mit ihrem frühe-
rcn Grade zu. — Garibaldi wird hier erwartel.
Die Universität von Pisa ift wegen stattgehab-
ter Unruhcn geschlossen worden.

Parma, 20. April. Gestern wurde der
Prinz Amadeus von Savoyen, als er in
offenem Wagen fuhr, aufs Pflaster geschleudert.
Er erlitt glücklicher Weise nur einige leichte
Quetschungen.

R re ß - a d.

Helflngfors, 11. April. Die Hungcrs-
noth im nördlichen Finnland tritl in immer
jchrecklicherer Gestalt aNf. Besonders schildern
die amtlicken Berichte deS KronläusmanneS dcS
Tnusnicmi-Kirchspiels im GouverncmcntKnopio
bic dort am furchtbarsten auftretenve Noty. Er
schrcibt u. a.: die hiesige Bevölkerung hal sich
größtentheils aus dre Wanderschaft begeben.
Ganze Schaaren Menschen ziehen umher und
bieten ihre Händearbeit für ein Slückchen Brov
an. Anö dem uur schwach bevölkerten Kirchspiel
sind über 500 Männer und Franen nach Schwe-
ocn und Nnßland gewandcrt, um dorl ihren
Hunger zn stillen. Noch verzweifelter ist die
Lage derjenigen, welche verheirathet, von einer
Schaar Kinder gesesselt zu Hause bleiben müs-
sen. Die hauptsächlichste Nahrung diejer Fami-
lien besteht in sein gehacktem Stroh, daS in
Salzwasser gekocht, uiit ctwas Mehl bestreut
unv der größercn Festigkeit wegeu mit Birken-
rinve verinengt ist; nnd sehr häufig fehlt selbst
dieie unnatüriiche Speije. Uuter diejer ausge-
hnngcrten Bevölkerung grajsiren noch Nervcn-
fieber und Masern. Gegeu 70 Personcn sind
biniien kuvzcr Zcit in unserm Kirchspiel dicscn
Krankheilcn erlegen und über 100 liegen dar-
nicder.

A m e r » k a.

Newyork. Am 1. Aprii bclief sich die
Nationaljchnld im Ganzen aus 2,705,646,516
Doll., waS euie Vermindcriing von 6/203,484
Doll. scit März o. I. und von 52,134,574
Doll. scit August 1865 ausmacht. — Eine
große Feuersbrunst hat aus dem Broadway und
in der Vulton-Street statlgesundcii. Der Ber-
lust wird aus etwa 1 Mill. Doll. gcschätzt.

Neüeste

^tetzr, 23. Ap'ril. Die Lieieruiigs-AuS-
schrcibnngen und Rüstnngen sür die Süd-Armee
werden.fortgejctzt. Gerüchlsweise heißt cö, es
seien Frcischärler inö venetiaiiische Gebict ein-
gebrochen. Der Gras Arese ist hier angekom-
men, jedoch vom Kaiser und Grasen MenSdorff
nichk cinpfaiigen worden. Eine dilatorische Ant-
worc Preußens ist überrcicht wvrden.

Wien, 23. April. Graf Arese und Vis.
conti Venosta beftndcn sich seit zwei Tagcn hier.
Man glaubt, Gras Arese sei mit einer gehei-
men Mission belraut.

AugSbukttz, 23. April. Die Minister-
Consercnz gelangt hente zum Abschluß. Die
Conscrenzmikglleder sollen über die BnndeS-
reformsrage eiiiig scin. Sie haben verabredet,
daß bei jeoet nenen Wendnng in dicsci.- Ne-
formsrage, uud Behuss rascher Erledlgiing dcr
eilizelncn inucrhalb derjelbcn aNflauchenden
Fragen die Mitgliever zn weitercn Conserenzen
zusaminenzutrcten haben.

-j-siDie Beryaudlmrgon vor dem Gr.

Hefflfchen Nezirköstrafgerichte
Micheistadt.

(Forisetzmun)

7) Lorenz Salrkin, kalhölisch, 34 Jadre all. der-
walen Gcll-lner bei L.iiidla-iSabeZ. Büchner in Pfnng-
stadt. früher Gärluer bci Hrn. v. Dorih, gib! an: Jch
sak in dcin Garlen einen iremdeii Mann mik eincm ^

wir Hr. Llex. v. Dorth drnr Fenster deS SchlvsjeS
schoß, der Fllntenlaus war etmaS g senkt.^ Ach der

^8) Ädam Wie^Sw ^ ise' evangetts^ch,

Taglöbner, kam des^Abends gegcn^ Nbr von Heidel-
berg zurück nach Neckarsteinach. Jn der Nähe der Slein-
brüche sah er, daß zwei Parteien mit Steinen anf ein-
ander warien und sich geamseilig arg schimpften. A>s
er näher kam, sah er, daß eS Neckarsteinacher und Leute
auS dem Badischen waren, welche der Versammlung des

an nichks Böses denkeiid. vorwärks^ da umiingten sie
und sagte: .Woill Jhr den Mann geheii lassen !" Aucb

lesen worden, auch ihm warde der Vorwiirf. er sci nicbt
geachiel und verdiene wenig Glauben. Er ist zweimal
gcstrait.

Die Verlheidigung proteftirte bierauf mehrmals gegen
di.c Miiwirknng des Untersucknngsrichters bei der Fas-
sun.i des Uriheils, der Protest wurde indeß nach been-
digtei^Debatke lcoiglich zn den Aktcn genommen, woraui

iräge auf Bcstrainng zn stesten.

(Fortsetzung folgt.)

-j-f Pforzheim, 23. Avril. Obwobl im gegenwär'-
tiaen Au.-enblick die GeschLite, namentlich durch den
Mängel^deS^ baareii GeldeS. nicht mit dem ganzeu Fluß

-j-Wieblingen,19.April. (Eingesandt.) Dergestrige
und heutige Tag waren fiir die hiesige kath. Gemeinde
Tage^der und des Weinens. Gestern zog bei

Geisler in den^hiesigen Ort ein. um dre schon lange
Jahre hindurch verwaltete Pfarrei definitiv in Besitz zu
nehmen. — Heute nun nahm der letzte der Pfarrverwescr,
welcher während der Vacatur die kath. Psarrei iitteri-
mistisch versehen, nämlich Herr Thöne, auö vieser Ge-
meinde eben so herzlichen Abjchied. Strcng nach seinen
kirchlichen Funktionen sich haltend und treu seinen Pflich-
ten ergeben, war der Geschiedene andererseits eines Jeden
Freund und ließ Jeden seines Glaubens leben, daher
er auch von Jedermann hier geachlet unt» geehrt ivar.
Es ist schließlich dei Gemeinde zu Borberg. wohm Herr
Thöne versetzt wurde. zu ihrem neuen Seelsorger nur
Glück zu wünschen.

Captt. Taube, w.lckeS am 18. Mäc; V0II bier Uiid
5. dieseS, 7 Uhr Morgens, wohlbehallen in Neuyork
Hamburg. 19. April 1866.
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