Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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großk» und zahlreichen Jnconvenienze» auSzn-
setzen. -Aber bei den herrschendcn Besürchtungen
der össenllichen Meinung müssc sie den Charak-
ter der von7ihr einzuschlagenden Politik knnd-
gebcn. Nouher cvnstatirt, daß dic Bemühnngea
Frankreichj, den Frieden erhalten zu schen, »ur
von seincm festen Willen beschränkt geblieben
stnd, keinerlei Verbindlichkeit einzugehen und
sich die ActionSfreiheit zn dewahren, Zn Fragen,
welche, im Grunde genommcn, doch die Ehre,
die Würde und die Jnlcresscn Frankreichs be-
rühren, war eS die Pslich! der Rcgierung, sich
nach dcn Regcln ciner aufrichtige» Neutralität
zu verhalten, Die Rcgierung ist cntschlosien,
die ActionSsreiheit nur zu handhabcn, um gegen
jedcn Angriff irgend einer Macht die Sicher-
heit und Freiheit FrankreichS zu schützcn, Be-
sondere Pflichten wareu unS gegenübcr Jtalien
auferlegt, Jtalie» kann flch ausgesordert sühlen,
activ in dem Conflict zwiichen Preußen und
Oesterreich zu interveniren. Jedc Nation ist
Richter über ihre Znteresien, und wir bean-
spruchen daker durchaus nicht, eine Vormund-
schaft für Jtalien auSzuübrn, bas in seinen
Entschließungcn frei ist, wcil cS allein dafür
verantwortlich ist, Aber daS Jntercsie, welcheS
wir für Ztalien fühlcn, nöthigte uns, kategorisch
zu erkläre», cS wisse, daß wir, ebcnso'wie wir
entschieden jeden Angriff OesterreichS gege»
Ztalicn mißbilligen würden, ebenso entschiedcn
WillenS seien, cs aus eigene Gefahr jedc »on
ihm etwa auSgehende Aggrcsflon gege» Oester-
rcich Ihun zu lassen, Dic Erklärung dcr Re-
gierung resuinirt sich dahin: friedliche Politik,
aufrichtige Nentralilät, vollständige ActionS-
sreiheit, (Vrifall ) ThierS greift das Ber-
sahren PreußenS an und vcrlangt, daß Frank-
reich ein cnergisches Veto nach Berlin und
Florenz richte, JnleS Favre erklärt sich mit
der Rcde von Thicrs vollkommcn einverstandcn,
mit eincr Nescrve jedoch bezüglich JtalienS,
Rouhcr spricht im Namcn der Regierung den
Wunsch auS, daß diese Disknsston über Deutsch-
land stch nicht Iveiter auSdchnen möge, Ein
Telegramm meldet, daß Ztalien sich verpflichtet,
Oestcrreich nicht anzugreifen, Hiernächst ver-
zichtct Ollivicr auf daS Wort. — Das Con-
tingenISgesetz wurde jodann mit 248 gegcn 1k
Stimmen angenommen,

Paris, 3, Mai. Die „Patrie" sagt, die
Rüstungen SachsenS seien viel bcdeutender, als
man geglaubt habe, — Eine Correspondenz
dcS „PayS" auS Florenz behauptct, daß Preu-
ßen vor zwci Monatcn cincn Vertrag mit
Jtalien geschlossen habc, aus Grund desien Preu-
ß-n der italienischen Rcgierung 200 Millionen
Franken znr Disposttion gestcllt habc, wvvon
die HLlste bereits auSgezahlt jei. Prcußen stehe
dcrärtig hinter Ztalien, daß letztcreS von ihm
die genancsten Mittheilungen über die östcr-
rcichischcn Truppenbewegiingen erhalte,

I t a l i e n.

Brcscia, 3, Mai, Laut Bcrichten auS
Vcneticn bildct das ncuntc Armeecvrps, in ciner
Stärke von 35,000 Mann, die Rcscrvc und ist
nach Vicenza dirigirt worden. Dic Cavallerie
st in Pordcnone angekommen, Man glaubt,

daß die Hauptmacht der Oesterreicher an den
Mündungen dcS Po conccntrirt wird.

Floreuz, 3, Mai. Es ist nicht richtig, daß
dic Flotte Gcnua verlasien hat, Admiral Per-
sano wird daS Oberkvmmando über dic Flotte
übernehmen, Letztere ist anf die kommcnden
Ereigniffe vollständig »orbcrcitet,

T ü r k e i,

Bukareft, 3, Mai, Die in den Städten
gewählten Depntirten gehörcn sowohl der Bo-
jaren- als der radikalen Partci an, Nur in
Bukarest haben Letztcre allein gestegt, VorauS-
stchllich wird daS liberale Bojarenthum in der
Legislaturvcrsaminlung die Majorilät sür sich
haben,

Neuesie Nnchrichten.

Berlin, 4, Mai, Die Berlin-Anhaltische
Eisenbahn dereitet stch für größere Truppen-
transportc vor,

Be^lin, 4, Mai, Nachm, Aus Olmütz
nnrd unterm 3, Abends berichtet: Aus sicherer
Quelle wird gemeldet, daß die österreichische
Regierung den Ankauf von 60,000 Pferden
beschlossen habe, Pferdehändler übernahmen die
Verpflichtung, in Wien, Pest, Brünn und hier
je 15,000 zu stellen,

Berlin, 4, Mai, Abends, Heute srüh ist
4>ie Kriegöbereitschaft für daS zwcite, dritte,
viertr, sünfte und scchste und das Gardearmce-
korps, sowie für das Jnsanterieregimcnl Nr,
20 verfügt wordcn. Die ErsatzbataillonS werdcn
formirt: die Jnsanteric wird anf die KriegS-
stärke gcfctzt, Die Rekruten wcrden nicht cin-
gezvgen. Die Kavallerieregimcnter der ganzen
Armce erhöhen ihren Pfcrdestand uud sormiren
ErsatzeSkadronS zn 150 Pfcrden, Die Artillerie
wird mobilisirt, — Die Anhalter Bahn bcreitet
cvcnluelle größere TruppenlranSporle vor, Es
geht daS Gcrücht, daß eine Proklamation an
daS Volk erscheinen werde,

Bcrlltt. 4. Mai, Adends, Das Gcneral-
commando deS zweiten Armeecorps veröffentlicht
eine Anzcige, betreffend den Ankauf von Neit-
pscrdcn für die Covallcrie uud Zugpferden sür
die Artillerie, Die Kicuzzeitung vermuthet, an-
dere Generalcommando's würden ähnliche Maß-
rcgeln ergrcifcn, dcnn dic Erhöhnng der KriegS-
bereitschaft mchrerer ArmeecorpS sei stcher zu
erwarten, — Die Kreuzzcitung dementirt die
Nachricht der „Spcner'schen Ztg." in Betrcff der
Vorbcrcilung von Wahlcn für ein deutfchcs Par-
lament,

Wien, 4, Mai, Auf die lctzte preußische
Depksche über die AbrüstnngSsrage wird öster-
rcichischcrseils keine Notc ersvlgen, sondern Graj
Karolyi angcwicsen werden, zu crklären, Oester-
reich kvnne dem darin ausgcsprochencn Ansin-
ncn nicht entsprechcn, — Augenblicklich werdkii
lebhafte Verhandlungen zwischen Frankreich und
Ocstcrreich in Bctreff JtalienS geführt. Man
glaubt an die Erhaltung deS FriedenS in
Jtalicn,

Wien, 5. Mai, Die N. fr, Presie meldet:
Morgcn werde die Publikation der StaatSno-
tenemission im Betrag von 110 Millionen, in
Ein- und Fünf-Guldcnstücken erfolgen. Die

Emission weiterer 40 Mill, bleibt vvrbchalteu.

Pcsth, 4, Wai, „Magyar Vilag" jagt:
Die Treue, die Ritterlickkeit und der Trieb der
Selbsterhaltung ermahnen die ungarische Na-
tion, daß sie, ohne aus ihrc bercchtigten Fordi-
rungen zu verzichten, ja, indem ste stch diescl-
ben vorbehält, bis daS Wcrk der Umgestaltung
in Ersüllung gehen kann, zum Schutze der
Monarchie hcrbeieile, Die durch die pragmati-
sche Sanction gebotene gemcinschaftliche Ver-
theidigung allcin ist es, durch wclche wir unsere
Psticht gegen Kaiser und Vatcrland in einem
Augenblick wie dem gegcnwärtigen abtragen
könncn,

Tricst, 4, Mai, Der fällige Lloyddampser
mit der ostindischen Post ist eingetroffen, Laut
Nachrichten aus Bombay verweigcrt die Regie-
rung, in den Angelegenheiten vvn Afghanistan
zu intcrveniren,

PariS, 4, Mai, 12 Uhr 15 Min, 3proc.
Rente 64,90 stark offerirt, Unruhig, da man
die Redc Nouher'S fir weniger günstig beurtheilt,

Florenz, 4, Mai, Es bcstätigt stch, daß
Oestcrreich sich bereit erklärt hat, seine Armee
in Venctien auf den »vllen Friedenssuß zurück-
zusühren, wenn Jtalien nicht die Abstcht hat,
Ocsterreich anzugrcifen, Die Regierung Jtalien»
hat ihre Erklärung wiederholt, daß die italieni-
schcn Rüstungcn reine Defensivmaßregeln sind
und daß Jtalien nicht die Jnitiative zum Kriege
ergreifen wird,

vermischte Nachrichten

Geioiininummcr 21 cin Pscrd; 64 ciu Pferd; 111
eiii Pferd; 150 eiii Pferd; 187 cin Pferd; 203 ein cin-
spLnniges Coupc inik Wagenpferd; 226 ein Pfcrd; 270
cin Pfcrd; 311 cin Picid; 379 ein Pfcrd; 429 cin
Pfcrd; 476 cin Pferd; 520 ein Paar Wagcnvfcrdc mil
vollständiaeni Gcfchirr und cincm cleganten Landaucr;
544 ein Pfcrd; 583 cin Picrd; 619 ein Pferd; 661 rin
Pferd; 703 ein Pferd; 739 cin Pferd; 774 cin Pserd;
812 cin elcgaiiles Reilpferd mit cnglifchem Saitel und
Zanmzeua; 833 ein Pferd^ 875 ein Pierd; 904 ein
Pferd; 937 ein Pferd; 999 ein Pferd; 1032 ein Pferd
nnd 1062 cin Pfcrd.

Bertin, 4. Mai, MiNagS. Die preußische Bant
hal den Baiikdisconto und den LombardzinSfutz für

griffen hatte. vcrfiel man heute in ein ^ntgegengefitztes

71'/^-'/- zu vcrkchr!», ' » !<b

Bon österr. Wcrlhen wurden Credikactien von 116 bi-
I13>/,—1I4>/,, 1860er Lvvfe vvn 56-/« — 55>/, —-/,
umgcfsstzt, 1864er 55, 1858er 85 Br. Bankacticn 604
bis 602 bcz. . Nalional von 46a/,— 46 — 46>/g, neuc
engt. Metalliq. 51»/,—>/, gcmachl.

(2 Uhr.) Modilier 113, 1860-r Lvvse 55>/,. Ameri-
kaner 71>/,.

6 Uhr Abends. Jn dcr Effcciensocietäl war eS
Anfangs stan, am Schttisse jedoch auf friedlichcre Nach-

72 dez., 1860er Loose 55—56>/^ österr. Credilaclicn
113-116 h»

Obrigkeitliche Vekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

«5-»d-lb-rol 1 Ein mittklseiner sckwaner Tuchrock mit schwar- PrrVat-Anlehen

Sr. Maiestät des Aönigs von Iardinien
Karl Albert

v«n S^6VV,VVV

Nummern gezogen: 71.^87/128, 237? 275^ 396^42^
440. 470. 492. 520, 734, 8,0. 862, 886. 891, 959,
961. 989. was hiermit zur öffeutlichen Kenntniß ge-

Frankfurt a. M., 1. Mai 1866.
_Gebrüder Bethmann.

Au vermiethen.

Drei Zimmer uüt Zubehör auf Johanni.
Zu erfragen in der Exped. d. Z.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Nr. 10,026. Kaufmann Adam Birkel von
Bammenthal wurde als Agent drr Feuerversrche-
ruugSgeseUschaft Helvetia zu St. Gallen für den
Amtsvezirk Heidelberg bestätigt.

Heidelberg, den 2. Mai 1866.

R e n ck.

Großh. Amtsgericht Heidelberg.

^ Nr. 99'^. ^AuS einem Kaufladen dahter wurden

^ 1 Stück ^« breiter, halbseidener Damenklei--
derstvff, grau mit gelben Skrcifen;

1 Stiickbreiter Lustre, dunkelgrau, mit

d) Am 19. März d. I.

4V« EUen "/g breiter, schwarzer -seidentaffrt.

e) Am 6. April

3'/» Ellen s/« brriteS feinrs, schwarzeS Tuck,
2'/r EUen »/« breiter, grau und schwarz ge-
streifter Bukskin.

Hetdelberg, den^4. Mai ^866.

H. Süpfle.

_Keller.

Gr. Amtsgericht Neckargemünd.

Nr. 2485. Zm Hause des FärdcrS Grabenhorst
hier wurde entwendet:

1) Ein mittelfeinrr sckwarzer Tuchrock mit schwar-
zen Tuchknöpfen, zweireihig, die Aermel mit weiß-
grau. dje Flügel mit schwarzem Orleans, der Leib
mtt schwarzem Lanefas gefüttert.

2) Neue schwarze BukSkinhosen mit Schlitz und
schwarzen Beinknöpfen.

3) Ein schwarzseidenes HalStuch.

Wir bitten um Fahndung.

Neckargemünd, den 2. Mai 1866.

B eck.

Eine gesunde Amme, die schon einige Monate
geschenkt bat, zu sogleickrm Eintrttt gesucht Westl.
Hauptstr. 105. 0. Stock.

1500 Gulden bei
- (1) Friedr. Hauck.

Auszuleihen

Eitx Concessiomrtes Auswandenlngs-Bureau

nach Amerika

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Louis Köhler, westl. Hauptftraße 97,

0) Spczial-Agentnr vo» I. H. Bietefeld i» Mannhcim.
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