Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

Page: 665
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1866/0665
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Mlage,;m Heideltzerger Iettung.

1Ä3 Donnerstag, den 21 Jnni 1866

D e u t s <H l a »» d

Karlsruhe, 17. Juni. Das gestern rrschienmr Re-
gnrungs^t^t ^Nr. ^33 cnthLtt aiiher den bc^eits ^eniei-

benen Aiiciciiiiität aiis dem Dienst der ev.-pron Landes-
kirche enllaffen. — Psarrer Zi!Nmer in Linr u. Pfarrcr
E. L. Rott in Diersbnrg wurden auf Ansuchen in
Ruhestand vcrjetzt. — Von drei vorgejchlagcnen Bewer-
bern wurde Pfarrer I. GuI in Schwerzcu auf die kath.
Pfarrer Oberschopfheim defignit! niid am 24. Mai kirch-
tich eingesetzt. — Dem auf die kaih. Psarrei Nippberg
präscnlirten Pfarrverweser daselbst, F. Hukterei,

in Hilsbach nuf die ev. Pfarrei Neiheu die kirchenobrig-
k-itlich- Bestätignitg -rhalt-n. — I» Folge getrossencr
Uedereiiilun'! können die Aiigehörigcn beider ^Staaleii

Nolar A. Kaiser in Langensteinbach wnrde der Nöta-
rialSdistrict Kork übertragen. Assistcnt G. Hochste t-
ter in Eppingen wurde zmn Notar sür den District
Mosbach ernannt. — Dem Notar Th. Ti eszer in Lei-
men wnrde der Notariatsdistrict Mannheini 4l., dem

in Säikingen wnrde znm Rolar sür den Diflriit Mei-
senheim ernannt. — Äiif der Uiiiveifität Heidelberg sind
im Sonimeichalbfahre 1866 zufammen f^99; austcer Ilni-

Iind H. Jakobh in Berlin, für die von ihm erfundene
Vcrbefjeruttg des PerknfsionsschlosjeS für Fcuerwaffen
jeder Ärt. — Am 15. Juni wurde die neu errichtete
Vereiiislelegraphen-Station Ernstlhal mit beschränkteni
Tagesdienst eröffnet. — Ferner enthäll das Regbl. die
Verordnung zum Vollzug des Gesetzes über die Bc-

Äarlsruhe, 1k. Juiri. 20. öffentl. Sitz-
ung der ersten Kammer. Tagesordnung: 1)Be-
rathung des Vereinsgesetzes. 2) Beraihung der
Berichte der Zollcommissitm. 3) Erstattung
und Berathung don Commissionsberichten. Die
Freiherren v. Falkcnstein und v. Gem-
mingen und Graf Helmstädt nahmen ihre,
Sitze im Hause ein, nachdem die Wahlen als
gültig vou der Kammer geuehmigt worden.
Hofrath ischmidt erstattet Bericht über den
Gesetzentwurf, das Vereins- und Versammlungs-
rccht betreffend, Die Eommisflon sei von der
Ansicht ausgegangen, iu den jetzigen schwieri-
gen Zeiten sich dem Entivuüfe und den Anschau;
ungeii der zweiten Kammer möglichst anzu-
schließen, aber auch die Regierung zu siärken.
Nach der Specialdiscussion, dic indessen keine
neuen GesichtsPiinkte zu der Berathung der
zweiten Kammer liefert, nimmt das Haus den
Gesetzeutwurf mit den schon früher rnitgetheil-
tcu Abänderungen der zweiten Kammer an;
nur bei §§ 4 und 9 kehrt das Hans zum Re-
gierungsentwurfe zurück. Bei § 4 überläßt
Ministerialrath Dr. Jolly Nameus der Re-
gieruug der Kammer, ob sie nicht lieber wieder
zur Fassung der zweiten Kammer zurückgehen
wolle, da ein erhcblicher Unterschied zwischen
beiden Fassungen nicht vorhanden sei.—Ber-
thegu, Bluntschli und dcr Berichterstat-
ter sprechen für den Commissionsantrag (die
Wiederherstellung des Regierungsentwurfs), der
angenommen wird, Die Abänderung des Art.

9, Ivornach eine Volksversammlung unter freiem
Himmel 48 Stunden vorhcr der Polizeibehörde
augezeigt werden müsse, wird ohne Besprechuug
genehmigt und das Gesetz einstimmig gutge-
heißen. Beim zweiien Gegenstande der Tagcs-
ordnnng findet eine Disciisston überhanpt nicht
statt und werden folgende Borlagen angenom-
men: -> üier den Gesetzesentwurf in Betreff
der Herabsetzung d-r Taravergütung für R°h-
zucker und Farin; b. über die provisorischen
Gesetze vom: 1) 27. Mai 186S, einige Abän-
derungen des Vereinszolltarifs beir. (Reqbl.
Nr, 24), 2) 15. Zuni 1865, den Einschluß
der Kreuzlinger VorstM nebst dem Paradies

zu Constanz in den Zollverband betr. (Regbl.
Nr. 29), 3) 22. Sept. 1865, Abänderung des
Zollgesetzes hinsichtlich der Erhebung von Staats-
und Gemeindeabgaben von verzollten Gegenstin-
den betr. (Regbl. Nr. 47); über den zwi-
schen dem Zolloerein nnd der freien Hansestadt
Bremen wegen Beförderuiig der Verkehrsver-
HLltnisse abgeschlossenen Vertrag vom 14. Dez.
1865. Anf Wunsch von Geh. Rath Blunt-
schli wird von der Berathnng des dritten Ge-
genstands Abstand genommen und vertagt sich
die'Kammer auf 5 llhr Abends, um darauf
zur Berathnng der Regierungsanforderung sür
die Mobilmachung zn schreiten.

— 1k. Juni. 21. öffentl. Sitzung der ersten
Kammer. Tagesordnnng: Beraihung 1) des
oon Geh. Raih Bluntschli erstatteien Berich-
tes über die Anfordernng der Regierung von
3,813,200 fl. zur Mobilmachnng der Arniee,
2) des vom Obersieu o. Böcklin erstatieien Be-
richtes über den Gesetzesentwurf, die Einberu-
rufung der Ercapitulanten betr. Ueber beide
Gegenstände der Tagesordnung findet keine Dis-
cnssion slati und nimmt das Haus die beiden
Gesetzesentwürfe in abgekürzter Berathuug ein?
stimmig an. Damit schließt die Sitznng.

Karlsruhe, 18. Zuni. (ös.öffenli.Sitzung
der 2. Kammer.) L)ie TageSordnung führi zur
Berathung deS Bcrichts deS Abgeordneten Lr n z
über die Rechnungsnachweisungcn dcr Bad-
anstaltenverwaltung in den Jahren 1862,
und 1863 und über den GesetzeSentwurf, daS
Budget der Badanstalten für 1866 und 1867
betreffend. Die Aniräge gehen dahin: 1) Die
Einnahme sür 1862)83 mii 343,591 fl. 33 kr.
und die AnSgabe m!i 254,541 fl. 24 kr. für
gerechifcrtizi zu crliären. 2) Die Einnahme
dcS BadfondS für 1866 n. 1867 mii 764,204 st.
und die AuSgabcn inr ordentlichen Eiat mit
327,500 fl., im aüßerordentlichen Etat mit
143,642 sl. zn genehmigen nnd den Gesetzes-
cntwurf mwerändert anzmiehmen. Erstcrer An-
irag wird obne Besprcchung angenommcn, letz-
tercr wird cinstimmig genchmigt, und sprcchen
iiur SachS u. Schaass für daS Bad säckin-
gen, woraus LüaatSrath Dr. Lamcy bezüglich
künstiicher Unierstützung dcsseiben beruhigende
Erklärung abgibt. Schluß dcr Sitzung.

Bvvi Mai», 15. Zuni. Für den Fall
ernsterer Ereignisse würde eine Berlegung des
Sitzes der Biindesoersammluug wohl eintreten
müssen; man glaubt, daß für diese Eventnali-
iät die Wahl auf Regensburg (?) fallcn dürfte.
Demnächst wird Anträgen am Buude iu Be-
zug auf Holsteiu eutgegenzusehen sein. Auch
von josortiger Aufstellung cines Bundesreform-
Programms ist die Rcde. (Nürnb. Corr.)

Der Gesammtausschuß des deutschen SLnger-
buudes erläßt folgende Ansprache: Deutsche
Saiigesgenossen! Der Dämon der Zivietracht
schwingt über das thcure Vaterlaud die Braud-
fackel des Bruderkriegs. Der Genius des
deutschcn Liedes aber ruft es iu alle Ganen
hinein: „Friede sei mii Euchl" Dieser Ruf,
getrageu vou der Harmouie der oersöhiieiiden
Liebe, ireffe das Ohr der L-chuldigen, wie der
Posauneuschall des jüugsteu Gerjchts I Was wir
iu Nürnberg und Dresden uns gelobr, daran
halten wir fest für und sür. Unsere Herzen
und Hände sind dem gewcihet, was auf uuserem
Banuer geschrieben steht: „Das ganze Deutsch-
land soll es sein!" Dafür lasset nns einstehen
im gerechten, heiligen Zorn — mit der Leier
und, wemi ihrs Saiten zerrissen herabhängen,

-- mit dem Schwert! Zeigen wir in Wort und
That, daß unser Volk nicht leichifertig seine
Kultur mittelalterlichen Gelüsten preisgibt, nnd
daß noch so viel Kraft in ihm wohnt, um den
verrätherischen Frevel und die anarchische Un-
fähigkeit derer, von denen das Unheil stammt,
zu überwinden I Der Gesammiausschuß des
Deutschen Sängerbundcs. (Folgen die Unter-
schriften.)

Mainz, 17. Juni. Die heute Nachmiitag

in der Fruchihalle stattgehabie Volksversamm-
lung nahm nach zweistündigen sehr erregten
Dcbatten folgende Resolutionen einstimmig an:
1) Dic Rheinlande stnd deuisch und wollen
deuisch blciben. Wir verwahren uns feieriich
gegenihre Abtrennung von Dentschland.2) Ganz
Deutschiand ist verpflichtet, der jetzigen preußi-
schen Rrgieruug und ihren Verbindungen mit
dem Auslande mit aller Kraft entgegenzutreten.
3) Gegen die drohende Gefahr ist sofort die
Wehrhafimachung der ganzen Bevölkerung zu
gewähren. 4) Die Opferwilligkeit deS ganzcn
VolkeS vcrlangt aber auch unverzügliche Ge-
währung aller ihm widerrcchilich entzogencn
Freiheiten aus dem politischen und reiigivsen
Gebiete, Neugeftaltung DeutschlandS durch un-
verzngliche Znsammenbcrufung eines Parla-
mcntes nach dem Wahlgcsctz von 1849 mil den
Befugniffen dcr Reichsverfafsung, und Bildung
einer Cenlralgewalt.

Dresden, 17. Zuni. Der König hat fol-
genden Aufrus erlassen: „An meine treuen
Sachseni,Ein ungerechifertigter Angriff nöihigt
Mich, die Waffen zu ergreilen l Sachseu l Weil
wir treu zur Sachc deS NcchteS eineS Bruder-
stammeS standcn, wcil wir fest hielten an dem
Band, welcheS daS große deütiche Vaterland
umschlingt, weil w!r bundcSwidrigen Fordcrun-
gen uns nicht fkgten, werden wir feindlich be-
handelt. Wie jchmcrziich auch die Opfer sein
mögcn, die daS Schicksal unS auflegen wird,
laßt unS muthig zum Kampfe gehen für die
heiligc Sachei Zwar sind wir gering an Zahl,
aber Goti ist in dcn Schwachen mächtig, die
auf ihn irauen, und der Beistand deS ganzen
bmidestreuen DeutschlandS wird nnS nichi anS-
bleiben. Bin ich auch sür dcn Augenblick geni-
ihigt, dcr Uebermacht zu weichen und Mich von
Ench zu trennen, so bleibe Zch doch in der Mitte
MeineS tapsern HeereS, wo Zch Mich immer
noch in Sachsen fühien werde, und hoffe, wenn
der Himmel unjere Waffen segnet, bald zu Euch
zurückzukehren. Fest vertraue Zch auf Eurc
Trene und Liebe. Wie wir in guten Siunden
znsammengehaiten haben, so werden wir auch
in den Siunden der Prüfung zusammenstehen;
vertrauet auch Jhr auf Mich, deren Wohl daS
Ziel Meines SlrebenS war und bleibi. Mit
Gott sür daS Rechtl DaS sei nnscr Wahlspruch.
DreSden, den 1k. Jnni 1866. Zohann."

Berlin, 16. Zuni. Die Offensivarmee ge-
gcn Sachsen nnicr dcm Prinzen Friedrich Karl
bestehi aus dem 2., 3- und 4. Armeecorps, dcm
GardecorpS und den größeren Theilen dcs 7.
und 8. Corps, im Ganzen 210,000 Mann.
Daran schüeßi sich links die schlesijche Defenstv-
armee uuter dcm Kronprinzen, aus dem 1., 5.
und 6. ArmcecorpS, der schlefljchcn und posen-
schcn Landwehr bestehend, in der Stärke von
etwa 180,000 Mann. Die sächsische und bran-
denburgische Landwehr decki dic iächsisch-bran-
dciibmgh'chen Festungen. Gegen Hannvver und
Kurhcffen vcrwcndbar stnd die 13. Diviston in
Minden, daS combinirie hoistein-schleSwig'sche
CorpS, die bisherigen Besatzungstruppen von
Mainz, Frankfuri und Rastait und daS hiestgc
ReservecorpS, gebildei auS Theiten der Garde-
Landwehr, westfälischen, pommerschen und preu-
ßisch-n Landwehr. Ständen in Hannover und
Kürhcsien jetzi Ministerien an der Spitze, welche
daö Vertrauen deS dortigen Volks besäßen, so
dnrfte es gleichwohl gewagt erscheinen, mit 30-
bis 40,000 Mann den ganzen Norden Dcutfch-
lands in Schach halten zu wollen.

Wien, 14. Juni. Der nngarische Landtag
hat gestern nach lebhaster Diskusfion den Adreß-
Entwurf Deak's abgelehnt und cine Resolution
der Linken über die Verfassungsfrage ange-
nommen. Von mehreren Mitgliedern wurde
gesagt, daß die Wiederherstellung eines ver-
faßnngsmäßigen Znstandes von dem gegenwärti-
gen Minisierium nicht zn crwarlen sei, das Heil
der Monarchie könne nur durch Einfnhrung
eines wahrhaft konstitutionellen Regime's ge-
loading ...