Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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errungen.... Es würde heute, nach der Ein-
führung der weittragendcn gezogencn Geschütze.
kcinem Feldherrn mehr emfallen, daS von do-
minirenden Hötzcn auf allen Seiten umgebcne
DreSden zu ciner Festung machen zu urollen,
oder felbst nur mit Feldbcfestigungen zu ver-
sehen wie dies Napoleon I. vor der Schlacht
von DreSden gethan. um sich den Ucbergang
auf daö rechte Elb-Ufer zu sichern und daS
Debouchircn seiner Truppen aus der Stadt zu
dccken. Sclbst wenn den Prcußen noch die Zeit
bliebe, die Höhen von DrcSdcn mit Feldschan-
zcn zu versehen, wozu mindestenS cin Zeitraum
von cinem Monat und 30- bis 40,000 Arbciter
gehören wnrdcn, vcrlöre dieser Platz jede Wich-
tigkcit und wäre dessen Festhaltung im höchsteu
Grade gcfährlich, wcun cin Stoß gegen die
OperationSbasis der Preußcn von irgcnd einer
andercn Seite hxr gcführt würde. Das Verblei-
ben dcr sachsischen Armee in oder vor Drcsden,
um djese Stadt zu vertheidigen und zu halten,
würdc höchstens dazu geführt haben, den Sachseu
einc Niederlagc zu bereiten, da ein Erfolg der
30,000 Sachscn gegen cinc prcußische Ärmee
von 120,000 Mann doch nicht als möjBch an-
gesehcn werden kann. Eine Verstärkung der
Sachsen durch ein österrcichssches Corps wäre
ein Aufgcbcn aller Vorthcsle gewesiu, welche
dic conce-ltrirte Stellung uusercr NordarMe
in sich scbließt, und hätte nur wieder das alte
Cordonssystcm und das grundfalsche Prinzip,
jeden Fußbreit Landcs bcsetzen zu wollcn, zu
einer höchst zweifclhaften Gcltung gebracht. Wer
Alles vertheidigcn wifl, verthcidigt gar nichtS,
das ist ein stratcgischcr uud tactischcr Gruud?
satz, bcr sich stetö bewährt und scine Jflustra-
tionen in allen Niederlagen gefunden hat, die
noch immer alle Jenc erlitten, welche gegey ihu
fehltcn.

Prag, 23. Juni. Der Köuig von Sachsen
erläßt heute einc Proclamation an sesn Volk,

— Die Bahcrn sind iu Plauey (über Hof hiu-
aus in Sachsen gelcgen) eingcrückt und mit
Jubel von der Bcpölkerung cmpfangcn worden.

— Die Einrückung dcr Prcußen in Rumburg
uud Warnsdorf bestätigt sich.

Ju einem VorPojtengefecht bei Witzenhaufen
zwischen HannoveraneM (40—70 Mann) und
Preußen (1Z Maun) wurden sechs der letzteren
gefangen, einer gelödtet. Nach der „N.F.Z."
hätte auch bei Wgldkappel (auf der alten Leip-
ziger Straße zwischen Kaffel und Eisenach) ein
kleines Vorpostellgefecht statlgefunden, wobei
preußischer und hannöverischer Seits einige
Mann getödtet und verwundet wurden.

Gotka. 2,4. Juni. Der Oberbefehlshaber
der hannover'schen Armee hat erklärt, daß er
bereit sei, fich den Preußeu zu ergeben, sobald
die Officiere sich persönlich davon überzeugt
hätteu, daß die Armee von überlegenen preußi-
schen Streitkräften eingeschlossen sei.

Bertin (über Paris), 24. Juni. Die
preußischen Truppen sind unter dem Befehl des
Prinzen Friedrich Karl heute in Reichenberg
in Böhmen eingerückt.

Krakau, 24. Juni. (Ueber Wien.) Os-
wiecim wurde heute von zwei Bataillonen
preußischer Jnfanterie und zwei Divisionen
Cavallerie angegriffen. Dieselben zogen sich
nach einem Verluste von 8 Todten und meh-
reren Verwundeten zurück, die Oesterreicher
haben keinen Verlust.

Paris, 24. Juni. Nach Berliner Nachrich-
ten vom 23. d. sind die preußischen Truppen
an diesem Tage in Böhmen eingerückt, ohne
auf den Feind zu stvßen. Alle Gernchte von
bereits slattgehabten größeren Engagements sind
unbegründet.

Paris, 25. Juni. Nach den neuesten, je-
doch bis jetzt leider noch nicht bestätigten Berichten
aus Berlin sind die Hannoveraner in's Mei-
ningen'sche gelangt, nachdem es ihnen gelungen
rvar, den sie umzingelnden Preußen zu ent-
kommen.

Frankfurt, 25. Zuni. Seit heute Mor-
gen befindet sich das Hauplquartftr des Ober-
commandanten Prinzcn Alcxander von Hesien
hier im „Darmstädter Hof".

Ueber die am 24- Zuui bei Custoza statt-
gefundene Schlacht sind bis jetzt nähere Details
noch nicht eingettoffen. Alle Nachrichten be-
stätigen jedoch den Sieg der Oesterreicher über

10 Divisioncn der italieuischen Armee, welche,
wic eS scheint, von König Victor Emanuel
selbst befehligt uud etwa 68,000 Mann stark
war. Die biL jetzt nachträglich eingelaufenen
Dcpeschen laffen wir nachstehend folgen:

Wien, 25. Juni, Vormiltags. Erzherzog
Albrecht an den Kaiser: „Zerbare, den24.Juni,
Nachts. Dic österreichische Armce wurde heute
im Borrücken gcgen den Mincio von dem Kö-
nigc Victor Emanuel mil eincm Theile seines
Heeres angegriffen; sic erstürmte den Monte
Vento und schließlich nach fünf Uhr Custoza,
wobci mehrere Kanoncn erobert und viele Ge-
fangene zemacht wurden. Die Armee focht
außerordcutlich lapfer und mit großerAusdauer.
König Victor Emanuel war mil allen drei
Corps der Mincio-Armee und rnit der Reserve-
Cavallerie gegen Albaredo im Marsche, wäh-
rcnd er die österreichische Armee hinter der
Etsch vermuthete. Prinz Amadcus und viele
andere Generale siud verwundet. Dcr Feind
schesnt succ jstvc alls seine Truppcn ins Feuer
gc-drschl zu haben."

ßWien, 25. Juni, Mittags. (Offticiell.)
Der am 23. Juni früh über den Mincio ein-
gedrungeue Gegner ist seit dem 24. Juni Abends
bereits über den Mincio zurück. Unsere eigene
Armee ist in gulem Zustande uno zu neuen
Unternehmungen bcreil.

Qesterreich. Haupnzuarrier Zerbare
(über Wien), 25. Juni. Zweites Butletin:
Die kaiscrlichen Truppen drängten die seindliche
Armee nach heißem Kampfe auf allcn Punkten
zurüft, jedoch nichr ohne bedeutende Verluste.
Custoza wurde gestürmt, wcßhalb Erzherzog
Albrecht die Schlacht nach diesem Städtchen
nennl, und 2000 Mann zu Gefangenen gemacht.
Die kaiserlichen Truppeil sind vom bcsten Gciste
beseett.

Dxittes Bullctin: Dsc österreich. Fsot-
tille auf dem Gardasec hat mil 6 Kanonest?
byoteg die feindlichen Batterien und Freischgaren
ayi lombardischen Ufer des Gardasees, ohne
selber Verluste zn erleid'en, beschossen. — Am
23. Juni hat der Feind mit bedentenden Kräften
an mehreren Steflen untexhalb Polcselle den
Py überschrilten. Die kaiserlichcn Truppsy
zogen sich ohne Widerstand zurück. — Die
Bcsatzung von Mankna rpachte gegen feindliche
BeobachtungSttuppen ip der Linie von Curta-
tone eineu Ausfall, ttnh dicsclben zurstck und
machte Gefangene.

Fjorenz, 25. Juni. (Ucber PariS). Jlal.
Hauplquartier, 24. Juni, Abcnds. Heute
hat ein erbitterter Kampf, der sast den ganzen
Tag dauerte, stattgefunden. Dem ersten Ärmee-
korps, welches die Posttionen zwischen Peschiera
und Verona einnehmcn sollte, gelang dieß nicht.
Das zweite und dritte Corps vermochten das
erste Corps nicht von dem Ansturm zn befreien,
dcn dasselhs gegen überlegenc Stteitkräfte zu
bcstehen hatte. Die Corps sinh fast intact^

Breseia, 25. Juni. Das crste Armeecorps
griff heute die Positionen bei Peschiera an.
D.ie Division Cerale hat dabei schwere Verluste
erlitten. Gencral Cerale ist verwundet. Der
Kampf zog sich in die Länge. Das endgültige
Nesultat ist kein ungünstigeS, da die Corps
ihre Stellung behauptet haben. Prinz Amadeus
ift leicht verwundet und in Brescia angekommeu.

Florenz, 25. Juni. Das erste italienische
Armeecorps sollte zwischen Verona und Pes-
chiera Stellung nehmen, hat aber nicht reussirt,
trotz gesttigem blutigen Kampf vom Morgen
bis zum Abend. Das zweite und dritte Corps
haben das erste nicht degagiren können, aber
ihre Stellnngen behauptet und ihre Kräfte fast
intact bewahrt. Prinz Amadeus ist leicht oer-
wundet. — Die Oesterreicher sind zuerft über
das Stilfser Zoch von Tyrol her gekommen.

'Mailand, 25., Zuni. Ein Detachement
Oestcrreicher ist vom Stilfser Zoch herabzekom-
men und hat gestern Abend Bormio besetzt.

Deutschlapd.
Karlsvuhe, 25. Zn-»i. Se. KösiA Hoh.
der Großherzyg habev unter dem 23. d. M.
Merhöchstlhren außerordentllchey Getzrndten und
bevollmächtigten Miyister am konigl. prenßischen
Hofe, Freiherrn v. Türckheim, von diesem
Posten abzuberufen gcruht und gleichzeitig dem

Minister der auswärtigen Angelcgenheiten den
Befehl erthM, dem am hiestgcn Hofe beglau-
bigten königlich prenßijchcn außerordentlichen
Gesandten vnd bevollmächtigten Minister, Gra-
fcn v. Flemming, dieS zu eröffneu, mit dem
Beifügen, daß die großh. Regierung anch seine
amtliche Thätigkeit als bcendet betrachte.

Karrsruhe, 25. Zuni Durch höchste Be-
fehle vom 22., 23. und 24. d. M. wird dem
Kriegscommissär Neßler beim Kriegscommis-
fariat die DienstauSzeichnung 2. Klasse für Of-
ficiere verliehen; Kriegscontroleur Fi scher wird
als Hospitalcommissär zum Aufnyhmshospital
bcfehligt; Hauptmann Specht wird, niiter Er-
theilung der Erlaubniß zum Tragen der Uni-
form der Officiere vom Armeecorps und Cha-
ractcrisirung zum Major, als Platzmajor bei
der Garnisvns-Commandantschaft Karlsruhe be-
fehligt; dem Pferdearzt van Poul bei der
Feldgrtillerie wird der Charatter als Ober-
Pferdearzt ertheilt, nnd Bezirks-Thierarzt Fuchs
in Mannheim zum Obcr-Pfexdearzt auf Kriegs-
dauer ernannt; für die Dancr der Kriegsauf-
stellunz des großll. Armeecorps werdcn die all-
gemeine Kriegsbioliothek, das topographische
Bureau und das Kartendepot dem Commando
des Cadettencorps untcrstellt.

Karisruhe, 25. Zuni. Se. Großherzogl.
Hoheit der Prinz Milhelm hat sich heute
Vormittag zu einer Besprechung mit deai Com-
mandanten des 8. Bundes-Armeecorps, Seiner
Großh. Hoheit dem Prinzey Alexander von
Hesscn, nach Darmstadt begeben und gedenkt
heute Abend hierher zurückzukehren.

Karlsruhe. 25. Zuni. Gutem Veryehmen
nach geht man bei den Regierungen des achten
Bundes-Armeecorps mit der Absicht um, den
Truppcii dieses Corps als gemernsamcs Erkcn-
nuygszeichen eine Ärmbinde in den deutschen
Farbc» zu geb->u (K. Ztg.)

Mannheim, 22. Juni. Der hiejige neu
gogründete Volksverein hat au die Bürger-
schaft von Mannheim folgendc Ansprache ge-
richtet:

Wrr haden nns zunächft vereittigt in der Absicht,

den Namen seines Gottes und nnsere deutsche Svrache
Mannespflicht.

wir hanerud zu erftreben haben, und dieses Ziel ist kein
anderes, als die endliche Herfteüuny eines m Freiheit
geeinigten Vaterlandes. auf den Grundlaqen der ewigen
Meiischenrechte, deren ersteS ist: die Selbßbestimmung
unseres Geschickes ^als Na^on^^^^ ^ ^ ^ Grbic e

zugefügt ward: „Jch kann nicht finden, daft ein Gegcn-
satz ift zwischen Fürßenrecht nnd Volkesrecht."

So fühlen wir uus darum auch in flebereillstiinmung

wachen, und dabin zu arbeiken, daß diese Selbstbestim-
mung des Bolkes, d. h. cben die demokratischen Grund-
fHtze, Wahrheit werden auch für's gruße gayze Vater-
land!

gefset, „was der Vergangenheü angchören muß", und
iatzt uns gemeinsam, Hoch und Nieder, Reich uud Arm,
uniere Pflicht thun in der Gegenwart, als Bürger einer
Staht, als Shhne eines Valerlandes!

Es gab eine Zeit, wo ganz Deutschland mit Stolz
und Reid auf Mannheim sah, als die Mutter der ersten
Vorkmnpser unserer politischen Freiheit, deren Ramen
für alle Dauer mit dem unserer Stadt unauflöslich ver-
knüpft siod. Dex gegenwürtige Augenblick ist so furcht-
bar ernst und groß, datz wir am Potrrotismus Desze-
nigen verzweifeln müssen, den es jetzt nicht treibt. sich
aufzuraffen und zu dem gemeinsamen Banner' zu stehen,
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