Heidelberger Zeitung — 1866 (Januar bis Juni)

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ebenfalls von den Oesterreichern siegreich zu-
rückgeschlagen worden. DieseS Gcfecht scheint
indeß besonderS hartnackig gcwescn zu sein.
Die Preußen zogen sich zwar nach zehnstündi-
gem harten Kampfe mit großem Verlust über
die Weichsel zurück, doch haben dort auch die
Oesterrcicher bedeutende Verluste erlitten. —
Ueber daS Gefccht bei Münchengrätz, an dem,
wie die Telegramme sagen, auch die Sachsen
„mit Tapferkeit und Auszeichnung" theilnahmen,
verlautet bis jetzt noch am Wenigsten. Jn den
neuesten Tclegrammen wird nur im Allgemei-
nen von einem von den Verbündeten erfochte-
nen Siege gcsprochen. Die Bestätigung des-
selben laßt sich indcß faft mit Bestimmtheit aus
der Haltung einiger prcußischen Blätter, na-
mentlich der Kölner Zeitung, erwarten. Einen
wenn auch noch so zweifelhaften Erfolg der
preußischen Waffen würde letzteres Blatt in
ganz anderer Wcise ausgebeutet haben, als es
hier der Fall ist. Bezeichnend ist übrigens noch,
daß dasielbe der Gefechte bei Nachod und Os-
wiecim gar uicht erwähnt. — Wir rcihen hieran
die neuesten Nachrichten und Telegramme vom
Kriegsschauplatz:

Der Prinz Friedrich Karl hat aus dem
Hauptquartier Görlitz am 22. d. M. folgenden
Armccbefehl erlaffen:

„Arrneeberchl. ^Hau^lquarlier ^örlitz, den 22.^Junl

neral der Cavallerie Friedrich Karl."

Jn Frankfurt und in Mainz ging am 27.
das Gcrücht, daß die Preußen in der Nähe
von Bingerbrück, anf preußischem Gebiete, eine
Batterie anfgepsianzt hätten.

Frankfurt, 26. Juni. Es sind hier glaub-
würdige Nachrichten eingetroffen, welche melden,
daß die Preußen, in Folge der Manöver der
Bundestruppen, Kassel geräumt haben.

Die ^,Rhein. Ztg." bringt ein Telegramm
aus Eisenach, 27., welches „gerüchtweise meldet,
es solle bei Hof ein Zusammenstoß bayerischer
und preußischcr Truppen stattgefundcn haben.
Die Bayern, sagt das Gerücht. seien zurück-
gedrängt worden.

München. 28. Juni. Die „Bayer. Ztg."
meldet: Bayerische Ulanen waren mit dem Bri-
gadegeneral Herzog Ludwig am 26. d. ungefähr
. zwei Stunden hinter Meiningen.

^ Berlin, 27. Juni. Ein preußisches Corps
wird heute über Hof nach Bayern einrückcn.

Dresden, 25. Juni. Heute Nachmittag
begannen die preußischcn Pioniere die beiden
Elbbrücken zum Zwecke einer etwaigen Spren-
gung (an den nach der Neustädter Seite hin
gelegenen Pseilern) anzubohrcn. Äie Stadt be-
findet sich in sieberhafter Ausregung.

Gisenach, 26. Juni. Die von Sr. Maj.
dem König gestellten Kapitulationsbedingungen
sind Scitens ver Hannoveraner nicht angcnom-
men worden. , Die Feindseligkeiten sind dem-
uach seit heute früh 10 Uhr wieder eröffnct.

Frankfurt, 28. Juni. Aus zwei, zwar
nicht vollkommen verbürgten, aber bisher zu-
verlässig bcfundcnen Quellen wird gemeldct, daß
die Hannoverancr beiLangensalza einen Angriff
der Preußen siegreich znrückgeschlagen haben.
Die Verluste sollen (beiderseits) bedeutend sein.

Hanau, 25. Juni. Neisende, welche heute
früh von Weimar hier eingetroffen, theilen
mit, daß vorgestern Mittag preußische Truppcn
in die Stadt Weimar eingerückt sind.

Prag, 26. Juni. Der König von Sachsen
ist in Begleitung dcs jächsischen Ministers zur
Armee auf dcm Landweg abgereist. Eine Zu-
sammenkunft mit dem Kaiser von Ocsterreich
dürfte wahrscheinlich sein. Jn Braunau sind
die Preußen eingerückt. Der Fcind wechselt
fortwährend seine Positionen. Jn Böhmisch-
Leippa rcquirirten die Preußen als Contribu-
tion 18,000 Brode, 800 Ctr. Heu und 200
Centner Hafer.

Prag, 27. Juni, 9 Uhr Abends. Sieg
dcr Bundessache durch Oesterreichs und Sach-
sens Waffcn anf der ganzcn Linie. Die Haupt-
enlscheidung crfolgte bei Nachod. Einem um
^ Uhr erschieuenen preußischen Parlamentär
wurde der angesuchte Waffenstillstand abge-
schlagen. Die Eiserne Brigade, die Brigade Ka-
lik und Gablenz' Corps bewährtcn den alten
Ruhm. An den glücklichen Erfolgen des Tages
nahmen die Sachsen rühmlichen Antheil, aber
auch die Preußen bewährten große Tapferkeit.
Es kommen noch immer starke Züge, abcr meist
leicht Verwundeter.

Die „Köln. Ztg." bringt über die,neuesten
Ercignisse anf dem Kriegsschauplatze erdichtetc
und entstellte Nachrichten, sie verschweigt dabci
natürlich die Niederlage der preuß. Armee bei
Neustadt und Oswiecim, und nimmt nur Notiz
von einem sehr zweiselhasten, bis jetzt noch nicht
aufgeklärten Erfolg der preuß. Waffen in dem
Treffen bei Münchengrätz, welches bekanntlich
zum Nachtheil der Sonderbundstruppen aus-
siel. Jn Bezug hierauf cnthält das rheinische
Blatt nachstehendes Telegramm:

„Derlin, 27. Juni. Amtlich wird gemcl-
det: Vcrgangene Nacht bis 12 Uhr hat die
(achte) Division Horn (Erfurt) ein lebhaftes
Gefccht bei Poclok (Podol?), in der Nähe von
österr. Turnau in Böhmen, mit der österreich.
Brigade Potschappel und dem 18. Jägerbataillon
gehabt. Es wurden 500 Mann Ocsterreicher
nebst 7 Officieren gefangen genommen. Auf
preußischer Seite fielen der Oberstlieutenant v.
Drigalski (vom Thüring. Jnf.-NegimentNr.31)
und der Hauptmann von Michalowski (vom
Magdcburger Jägerbataillon Nr. 4). Andere
Verluste sind noch uubckannt."

26. Juni. Ein Detachement von
der Armee dcs Kronprinzen hat einige Win-
dischgrätz-Dragoncr und Ulancn vom 10.- Ula-
nenregimente zu Gefangeuen gemacht."

„Gvtha, 26. Juni. Die Hannoveraner,
nachdem sie dic Capitulationsbedingungen aus-
geschlagen hatten, haben sich nordwärts zurück-
gezogen und werden von den Truppen des Ge-
nerals v. Falckcnstcin verfolgt."

Das nämliche Blatt berichtet weiter: Die
Eröffnung der preußischen Kammern findet am
13. Juli statt.

iOslvieeim, 27. Juni. Glänzendes Treffen;
1^/2 Bataillon Jnfanterie, 2 Escadronen Ula-
ncn; cine halbe Batterie warfen den Feind, der
aus 2 Füsiliercompagnicn, 3 Landwehrbatail-
lons, 1 Ulanenregiment und Batterie be-
stand, nach lOstündigem Kampfe mit großem
Verlust über die Weichsel.

Wien, 27. Juni. Ueber die Treffen in
Böhmen bringt die „Darmst. Ztg." folgende
Notizen: „Ein Telegramm aus Josephstadt mel-
det: Lebhaftcs Gefecht seit 10 Uhr früh zwischen
Neustadt und Nachod. Von Josephstädter Wäl-
len sah man das Geschützfeuer. Oesterreichischer
Seits kam 6. Armeccorps allein ins Gefecht.
Kampf bis 4 Uhr Nachmittags. Preußen mit
großem Verlust zurückgcs'chlagen; ihre Todtcn
und Verwundeten auf dem Schlachtfelde zurück-
gclassen. Um halb 5 Uhr Eintreffen eines preu-
ßischen Parlamentärs".

Unverbürgte Privat - Telcgramme melden:
„Zwcite Schlacht gestern Abend u. heute früh
bei Münchengrätz; Brigade Piret und sächsische
Truppen zuerst im Feuer. Dann das ganze H.
Armeecorps Clam Gallas. Brückenzugänge über
Jserfluß nach cinem Doppelsturm von Oester-
reichern besetzt. Dorf Podol erstürmt. Preußen
zurückgeworfen." (Diese Nachricht bezieht sich
wahrscheinlich auf die am 27. Nachmittags statt-
gehabten Vorgänge.)

Wien, 27. Juni. DaS Vorpostengcfecht
bei Turnau, welches am 23. Nachmittags statt-
fand, ist keineswegö, wie preußische Bcrichte
sagen„für die Oesterreicher von Nachtheil ge-
wesen, 'vielmehr wurden die preußischen Dra-

goner nebst einer Abtheilung Znfanterie von
anderthalb Schwadronen Radetzki-Husaren ge-
worfen und mußten sich eiligst auf das Cen-
trum des preußischen Armeecorps zurückziehen.
Die „amtliche" Berliner Behauptung, daß bei
dem Gefccht 500 österreichische Gefangene ge-
macht seien, ist eine Fabel.

Wr'en, 28. Juni. Benedek meldet aus
Josephstadt, 27. Juni, 8 Uhr Abends:
Sechstes Armeecorps wurde auf dem Marsch
nach-Skalik (unweit östlich von Josephstadt)
heute Morgen durch Preußen von Wiskowo
und Wen z e lsbcrg her angegriffen, erstürmte
nach vierthalbstündkgem Kampf diesc Höhen und
war auf allen Punktcn siegreich. Mittags An-
griff erneuert, doch zurückgcworfeu.

Wien, 28. Juni. Sechstes Armeecorps
auf dem Marsch nach Skalik von der Armee
des Kronprinzcn angegriffcn; nach 5stündigem
Kampf alle vom Feind besetzten Höhen erstürmt.
Mittags neuer, mit überlcgenen Kräften ver-
suchter Angriff des Feindcs durch unser Ge-
fchütz zurnckgcwiesen; am Ende des Kampfes
erreichte das sechste Corps nnbehelligt die ur-
sprünglich beabsichtigte Aufstellung bci Skalik.

Wien, 26. Juni. Ueber die Schlacht von -
Custozza glaube ich Jhncn das Folgende als
zuverlässig melden zu können. Erzherzog Al-
brccht hat, auf die Gcfahr hin, daß Cialdini
über den Po hereinbreche, seine drei Armce-
corps, nur eine einzige Brigade ausgenommen,
an dem Mincio dem Feind entgegengcworfen
und stand mit 65,000 Mann im Feld. Der
Kamps ist furchtbar blutig gcwesen. Allerdings
sind nur 2000 Vcrwundcte — und darunter
auch Jtaliener — nach Verona eingebracht,
aber 4500 Todte hat die Armee auf dem Schlacht-
feld gelassen.

Äncona, 27. Juni. Die österrcichische
Flotte erschien heute Morgcn, segelte aber wie-
der ab, als sie sah, daß die italienische Flotte
sich zum Angriff vorbercitete.

Florenz, 27. Juni. Einem ausführlicheren
Telcgramme der Jndependence entnehmen wir
noch die folgenden Einzelheiten über die Schlacht
bci Custozza nach italienischen Angaben: Die
Oesterreicher warcn 60,000 Mann stark gewe-
sen, mit bedeutendcr Artillerie und Cavallerie.
Dic Division dcs General Govone habe die
Positionen von Cnstozza und Monte-Torre im
Sturm genommen und sie erst Abends gegen

sclbe 'bis zum Abend behaüptet. Es seien un-
gefähr 1000 Gefangenc gemacht. Die Verluste
der Jtalicner seien groß. Die Generale Du-
rando, Cerale, Gozzani sind verwundet.

Deutfchland.

Karlsruhe, 28. Juni.^ Se. Königl. Hoh.
der Großherzog haben Sich unter dem 24.
d. M. allergnädigst bewogen gefunden, dem
außerordentlichen Gesandten und bevollmäch-
tigten Minister am kaiserl. französischen Hofe,
Geheimen Rath 2. Klasse , Frhrn. Ferdinand
Alesina v. Schweizer, und dem großherzogl.
Bundestagsgesa^dtcn, sowie außerordentlichen
Gesandten und bevollmächtigten Minister am
großh. hessischen Hofe, Geheimen Nath 2. Klasse,
Dr. Nobert v. Mohl, die Würde von wirk-
lichen Geheimen Näthen zu verleihen.

Laut höchstem Befehl vom 27. d. M. haben
der als Lehrer beim Cadettencorps befehligte
Oberlieutenant Schneider vom (1.) Leib-
Grenadicrregiment und der als Aufsichtsofficier
beim Cadettencorps befehligte Oberlieutenant
Gempp vom 3. Inf.-Regiment in ihre Regi-
menter zurückzutretcn; dem Stabsguiden Krieg
vom Generalstab werden die Gradzeichen des
Oberlieutenants verliehen, und der in Ruhe-
stand versetzte Oberlieutenant Strohmeyer
wird rcactivirt, mit dem Dienstrang nach dem
Oberlieutenant Kar( v. Seldencck im 1. Fü-
silierbataillon, und als Aufsichtsofficier bei den
Feldhospitälern befehligt.

Karlsruhe, 28. Zuni. Jhre Königliche
Hoheit Vie Großherzogin wird heute Abend von
Nippoldsau hier eintr(sfen und gedenkt einige
Tage in der Nesidenz zu verweilen, um sich den
Angelegenheiten.des hicsigen FrauenvereinS zu
widmen, welcher während der Kriegsdauer scine
besondere Thätigkeit der Sorge für die Truppen
zuwenden wird.
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