Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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nition nirgends verschossen wurde. Dagegen
kehrten viele Leute mit dem bloßen Gcwehrlaufe
und dem Bajonnet in der Hano aus der Schkicht
zurück, da sie die Kolben an dcn Schädeln ihrer
Feinde zerschlagen hatlen. Namentlich einige
dentsche und ungarische Negimenter sollen fürch-
terlich mit dem Bajonnet und Kolbcn gcwirth-
schafket haben.

Die feindliche Artillerie scheint sehr schlecht
geschofsen zu haben, da vcrhältnißmäßig schr
wenige Geschütztresicr vorkamcn.

Die Verwundungen an dcn Oesterreichern
rühren mcist von Gewchrkugeln her und befin-
den sich beinahe durchgehends in dcn Beinen.
Oberleib-Vcrwundungen kommen selten vor.
Die feindlichen Verwundungen dagegen hgben
viele Bajonnetsiiche, SLbelhrebe und fürchtertiche
Kolbenschläge.

Das 13. Ulanenregim.ent, welcheS mehrers
Carre's sprengte, soll fürchterlich gewirthschaftet
haben, davon gcbcn die ungeheuren Säbclhiebe
an den Köpfcu der eiugebrachten Verwun-deten
lebhaft Zengniß.

Mit wclch' grauenhafter Wuth gekämpft
wurde, beweist, daß z. B. Verwundete einge-
bracht wurtzkn, deuen ganze GesichMhcilo fehl-
ten, die ihyen im Kampfe. Verwundcte gegen
Verwundete, mitwahrhaft cannibalischem Grimm
ausgerissen'wurden — die Jtalicner sollen sich
in diescr Nichtnng mit der empörendsten Grau-
samkeit benommcn haben.

Wie heiß der Kampsi an einzelnen Pnnklen
wüthete, geht z. B. daraus hervor, daß Valeg-
gio, wclches füufmal genpmmcn, füufmal ver-
lassen, somit zehnmal geskürmt wurde, ein voll-
kommener Schutlhaufen ist.

Wie löwenmuthig die österreichischen Truppen
kämpften, crhellt aus mchrfachen Zngcn, die
uach und uach bekannt werden. So hatte z. B.
ein ungarisches Znfantcrieregiment, welches von
früh Morgens bis Abends kämpfte, cinen Sturm
auf die Höhen von Cuftozza gegen 5 Uhr Nach-
mittagS gemacht, welcher abgeschlagen wurde.
Ganz erschöpft sammclte sich das hcrrliche Ne-
gimeut wieder am Fuße der Höhcn. „Herr
Oberst, lasien Sie unö eincn Augenblick auS-
schnaufen und d inn werden wir diese verdamm-
ten Wälschen schon herunterkriegen". Zehn Mi-
nuten lang war ungcfähr gerastet worden; da
sprangen die tapfern Ungarn plötzlich wic von
einer Feder cmporgeschncÜl auf:

„Sturmstreich" I „Fäüt daS Bajonnet"! „Hur- >
rah"! und die Höhen waren genommen. Aber ^
auch die Jtaliener haben schr tapfcr gcfochten. >

Aus Florenz wir>d unterm 30. Jnni Abends !
telegraphirt: Man glaubt, daß die militärischcn !
Operationen nicht so rasch, wie man gemeint, i
wieder beginncn werden. In einem lange danern- !

gen im Feldzugsplane vorgenonimen. Die jetzt j
vorgcnommcnen Aufstellungsveränderungen im !
Heere Cialdini's hängen mil diesen neuen Com- !
binationen zusammen

Bresciu. Die Oefterrcichcr sind durch daS j
Camouica-Thal bis Vezzia vorgedrungen.

Jnnsbruck, 1. Jnni. Vom Commando j
der Südarmce aN den Fürsten Lobkowitz, Statt- i
halter in Jnnsbruck. Bulletin Nr. 9. Gari- j
baldi hat sich mit seinem Corps von der Ty-
roler Grenzc zurückgezogen. Das Gros der
feindlichcn Armee scheint jo zwischen Cremona
und Piaceuza bereitS concentrirt und mehrere
Divisioneu Po abwärtS am rcchten User eche-
lonirt zu haben. Die eigene Armce hat enge
Cantonnirungen bezogen; UNsere leichte Caval-
lerie streift über den Mincio.

Florenz, 1. Juli. Aus dem Hauptquartier
vom 30. Iuni Abends: „Nichts Neues von
Bedeutung. Feindliche Patronillen machen häu-
fige NccognoScirungcn auf bcidcn Mincio Ufern,
wobei sie von unsercr Cavallerie beobachtet
werdcn. Vier EScadronS österrcichischcrHusaren,
welche übcr den Mincio kamen, wurden von
unseren Lancicrs in die Flucht gcschlagen und
dabei einige Husaren getöotet, eiuige gefangen."

Pesckiera, 1. Juli. Leichte österreichische
Kavallerie ist von Goito biö Chiese gcstreift
und hatmehrere feindlichePosten und Patronillen
zurückgetrieben und Gefangene gemacht. Anf
dem Gardasee beschosscn zwei östcrrcichische !
Kauonenbote unter dem Korvettenkapitän Man- I
froni am See gelagcrte Frcischaaren bci Descn-
zano und Padenghe. zerstreuten dicselben und
brachten ihuen wesentliche Verluste bei.

Deutschland.

Kartsruhe, 2. Jnli. Dnrch höchften Be-
fehl vom 1. d. M. wird Generalmajor Keller
zum Commandanten der Bundcöfcstung Nastatt
ernamck; der frühcre Lieuteuant Gustav
Barth wird aus Kricgsdauer reactivirt und
dem 2. Ersatzbataillon alS Lieutenant zugcthcilt, -
uud Oberlieutenant Louis diefes Bataillons
in däs Jägcrbataillon versetzt; Negimentsarzt
Dr. Brummer vom 3. Dragonerrcgimcnt Priuz
Karl wird zum 1. Füsilierbataillon, und Ober-
arzt Wölfel vom 1. Füsilierbataillon zum
3. Dragonerregiment Priuz Karl versetzt.

Karlsruhe, 2. Juli. Jhre Königliche
Hoheit die Großherzogin hat aestcru Nachmit-
tag 20 Minuten uach 2 Ähr KarlSruhe wie-
der verlasseu, um zur Fortsetzuug dcr begoune-
nen Kur nach Nippoldsau zurückzukehren.(K.Z.)

Karlsruke- 2. Juli. Seine Großherzog-
liche Hvheü der Prinz Wilhelm, Commandant
der großh. Felddivision, hat sein Hauptquartier
zu den bereits am Main bcfindlichen Truppen
verkcgt nnd ist heute Morgen in Beglcüung
Seiner Großherzoglichen Hoheit des Prmzen
Karl dvvthin abgegangett. (KZ.)

Karlsrubs, 1. Juli. Wie versichert wird,
hat gestern eine 'Mnistcrialconfereuz in Niühl-
acker stattgefundey, als Gegenstand wird ein
mittelstaatlichcr Neformplan bczcichnet. — Heute
früh ist von hier das 3. Jiifanlcrieregiment,
sowie zwei Baltericn Artillerie abgegangen; die
Jnsanterie soll, wie Officiere melden, sofort
bis Nauheim vorgeschoben worden sein. Die
Auörüstung der Truppen ist vortresflich; die
Solvaten marschiren in dcn luftigeren Män-
teln statt in den Wasfenröcken. (S. M.)

Frankfurt, 2. Juli. Die Bundesver-
sammlnng verhandelte in ihrer heutigen Sitzung
vorzugswcise mililärischeAngelegcnhciten. Außcr-
dem erklärte der mecklcuburgischc Gesandte die
Einstcllung seiner Thätigkeit am Bunde, doch
nicht Mecklenburgs Austritl aus dem Bnnde,
sonderu die Erklärung stellte vielmehr dessen
Wicderbetheilignng an demselben nach Mäßgabe
der zu ermartenden Bundesreform in Aussicht.
i Stuttgart, 30. Juni. Prinz Friedrich
von Würtcmberg reist hcute rm Auftrage des
Köuigs über Wien in das österreichische Haupt-
quartier. (W.St.)

Müncken, 2. Juli. Jn einer heute er-
! lasienen Proclqmation bczeichnel der König als
j oas Ziel des KriegeS: Erhaltung Gesammt-
Deutschlands als eineS freien nnd mächtigen
Ganzen, gekräftigt Vurch deu Bund jeiner Fär-
sten und durch nationale Vertrctung seiner
Stämme; Erhaltung Bayerns als eincs sclbst-
. ständigen, würdigen Gliedes des großen deut-
schen Vaterlandes.

Berlin, 28. Juni. Zn der Stadt zirku-
lirte daS Gerücht, daß der Miuisterpräsidcnt
v. Bismarck und Kriegsminister v. Noon vor-
gestern ihre Demission cingereicht hätten, die
indeß nicht angenommen wordcn üst. Ueber
die Veranlasiung der Ministerkrisis verlautet
! uickts Bestimmkeö, nur soviel hören wir, daß
diesclbe mit dem iuneru Constict in durchaus
! keiuer Berbinbung steht.

Berlin, 30. Juni. Dem Könige wurde
gcstern Abend die Atzrcsie der Einwohner Ber-
tins überreicht. Vor dem PalaiS wurde dem
Köuige eine Serenade gebracht. Musikcorps
und Säugcr spielten und sangen „Hcil Dir
im Swgerkranz" und „Eine feste Burg ist
unser Gott." Der König trat anf den Balcon
hinauö, uud in der wogendeu MenschcnmeuAe
erschollen entzlose Hurrah's. Die Aisipracho,
welche der Köuig au die Volksmcuge gehalten,
lautete: „Jch wciß, Jhr PatriotismuS kommt
von Herzen, daruin lhut er meinem Herzen
wohl. Golt vcrlieh unseren tapseren Armeen
den Sieg; doch ist dics nur der Anfang, Schwe-
reS bleibt noch zn vollbringen. Wie allezeit
bei unsereu Fahneu der Sieg gewcsen, wird
nsit Gottcs Hülfe auch diesmal die Zukunft
uisier sein. Msi dieser Hvffnung gehe ich mor-
gen zur Armce. Aus deuu mit Gott für Kö-
nig uud Vaterland!"

Berlin, 30.Juni. Derlin ist im vollstän-
digsten Siegcstaumel, selbst dem Grafen Bis-
uiarck, alS dem geistigen Urhcber dcr heutigen
SiegeSfeier, wurde eiue Ovation dargcbracht,
die felbst nach den Berichten der OppositionS-
blätter dieSmal nicht bloß von Hofliefcranten !
und Bcamten ins Werk gesetzt ist, sondern von j

einem großen Theil der Vevötkernng unter An-
führung verschiedener tonangebeuden Persönlich-
keiten auSging. Nach dcm Bcrichte der „Nordd.
AUgcm. Zkg." soll sogar versucht wordcn sein^
dem biederen Grasin die Pferdc auszuspannen,
um den Wagcn durch das Volk zicheu zu las-
sen, wclchcr Ehrenbezeigung er sich jedoch ,^be-
scheiden entzog". Und während in den Straßen
bcflaggt und gejubelt wird, schreibt Braß im
Hiublick auf die Operatiou des 8. Bundcsar-
meccorps dic höhnischcn Zeilcn: „Die Entwicke-
lung der Ereiguisse iu Süddeutschland schreitet
so laugsam, daß man ans jeder Bewegung den
zuckenden kopflosen Numpf erkennt " Hoffcntlich
erfolgt bald hieranf die einzig richtige Antwort
— das Einrücken dcr Buudcstruppeii in Kur-
hcsien — und vielleichl auch werden dic süd-
deutschcn Negierungcn ans dem Beispiele d-s
Feindcs bald die Lehrc ziehen, daß dcr jetzige
Krieg nur vann cinen gnten Ausgang nchmcn
kaun, weun er als Volkskrieg geführt wirtz.

Mühlhaufen, 1. Jnli. Der König vvn
Hannover ist nach Frankfurt abgereist.
Oefterrercvische MonarchLe

Von der -lalienischen Grenze. Die
Statthalterei über Venedig ist von Venedig
nach Verona vcrsetzt.

Ak u ß ! <, tt d.

Petersburg, 30. Juni. Der Kaiser
Alexander hat dem Könige von Preußen zu
den nenestcn Wgfs'cnthcrten der prenßifchcu
Armec Glück gewüuschk. (Kötn. Ztg.)

Neuefts Id,chrichren.

Wien, 2. Juli, Abends. Die „Wiener
Abendpest" mcldet: Authcntischen Nachrichten
auö dem Hanptqnartier der Nordarmce znfolge
hat Feldmarschall Bencdek aus strategischen
Nücksichten für nothwendig befunden, Stcllinrg
zwischen Königgrätz und Joscphstadt zu neh-
mcn. — Jn diescr Position ist der Marschall
nicht weiter angegriffcn worden und hat kein
weitcres Gefecht statkgefunden, was beweist. daß
auch unser Gcgner namhafte Verluste crlitten
hat und seiue Truppen schr erschöpft sind. —
DaS erste östcrreichische Armcccorps untz die
Sachsen sind bereits in die Aufstellung der
Hauptarmce eingerückt und kampfbcreit. Div
Armee ist vom vortrefflichsten Gciste bcseelt und
sieht ungebrochenen Muthes dcn Ereignisien
der nächstcn Tagc entgegcn.

1Z54 wlirden jolgende 20 Serien's ät) Stsick Loose
.gezogen:

Seric 422. 613, 779 . 875. 1048. 1248. 1290, 1398.
1417. 1435, 1953. 2022. 2156. 2331. 2546. 3747,
3095, 3097. 3352 und 3942.
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