Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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BankhauS cinc grißere Summe der Sprocenl.
badischeu Anleihe übernehme» wollten. — Das
mililärische Schauspiel ouf dem großen Exer-
cierplatz hatte etwa 14.lXX> Mann Soldaten
und mindesten« eben sv viel, wo nicht mehr
Schaulustige vcrsammelt. (Schw. M.)

Kartsruhe, .9. Aug. DaS Ergedniß deS
jüngsten SteueranlkhenS üdertrisst, wie wir hi-
ren. die in AuSjicht genommcnc Summe. und
dürfte poransjichtiich hinter 4 Mill. Gulden
uicht zurückbleibeu.

ok Bo»» Nectar, 9. August. Daß die
napoleonischc Politik in der dcutschen
Angelegcnheit eincn Fehlschuß gcthan. daß die
Ereigniffe weit über die Absichten NapoleonS
hinauSgegangcn sind und ihn zu beherrjchen
anfangrn. statt daß er der neuen Gestaltung
der Dinge Grenzen zieht — dicS wird in PariS
allmählig immer offener eingestandcn. Glcich-
zeitig st-igklt sich aber von Seitcn der kaiscr-
lichen Regieruug die Erbitterung gegen jene
Orgaue der öffentlichen Meinung, welche den
Muth habe», diesen Mißersolg der napoleoni-
schen Politik zu constatiren und bloSzulegen.
Der „Courier du Dimanche" hat dies bercilS
mit jeiner Existenz büßen müssen. Theilweise
sollen deshalb sogar dic Entschließnngen dcS
KaiserS Napoleon eine den prcußischen Ersol-
gen günstige Richlung annehmen, da die Agi-
tation gegen Preußen vorzugswcisc von den
eisrigste» Feinden dcr jetzigen sranzösischeu Re-
gierung auS dcn alten Parteieu unterhaltc»
wird. Jn der That bietet die französtsche Preffe
daS mcrkwürdige Schauspiel eincS vollen Rol-
lenwcchsels. Die sonst immer sür den Frieden
eiscrnden altliberalen Blätter (z. B. die or-
leanistijchen) prcdigcn jctzt d-n Krieg, während
die früher kriegSlustigen Organc der impcria-
listischen Demokratic zur FriedcnSpscise greifen
und daS Bcste übcr die künstige Neugestaltung
Europas prophczeicn. Von mancher >seite
tröstct man sich auch, daß die Niederlage in
der auSwärtigen Politik dcr inncren zu gut
kommcn werde. Tcr kaiscr, so heißt es, werde
jetzt scine ganze Ausmerksamkeit den heimiichen
Angelcgcnheitc», namentlich der matericllcn
Wohlsahrt deS BolkeS zuwenden; mit der Grün-
dung einer Arbeiter-Jnvalidenkasse sei hierzu
der Ansang gcmacht wordeu. Der grötzcre
Thcil dcr Franzosen frcilich scheint diesen Trost
zicmlich schwach zu finden und hicrüber nicht
zu vergeffen, daß die äußere Politik eine Nie-
derlage crlitten hat und daß Frankreich nicht
mehr die erste Militärmacht ist. Wenn endlich
Manche von einer französisch-preußi-
schen Allianz, etwa durch Ztalicn verstärkt,
sprechen, so erscheint dieS nach der Angabe
dcr maßgebenden lskeßorgane doch zu srüb, da
eS ungewiß sei, ob ein weiterer Act der einge-
rissenen Zerwürfnisse Frankreich an der Seite
Preußcns oder seines alten GegnerS Oester-
reich finden wcrde.

GieKen, 1. Ang. Einer am 30. Juli hier
angeschlagenen Bckanntmachung znsvlge ist der
preußische Landrath v. Bricßen zum Civilgou-
verueur für die Provinz Hcssen bcstellt.

Wiesbaden, 7. Aug. So eben, AbendS
kurz nach 7 llhr, flog das PnlverhauS auf der

(Elnem Geschütz wurde zuiesi di- Peotze zer-
schoffcn, daffelbe dann an ein andereS Gesckütz be-
sestlgt, betm Wenden umgeworfen und an Laffkte
und Rad fo brschädtgt, daß eS nicht weiter tranS-
portlrt werdrn konnte. Dcr Verschluß dkS GeschützeS
wurde abgenommrn.)

Die Besatzung vdn Hobhausen, lnsbesondere deS
dorttge» FrledbosS, hat indeffen -tn Hestig-S Ti-
railleurgefrckt zu bestehen und zieht, in der rechtrn
Flank, b-droht, üb-r den Steg ab.

Die feindlichen TtrailleurS schreiten nun zum
Angriff aus Werba»; das Gesecht mtt d-n dieS-
seitigen Pläiiklrra beginnt und nimmt unter Fort-
dauer eines biöher ununterbeochcnen GranatfeuerS
on Heftigkelt stetS zu. Die Untcrstützungen werden
vorgesührt und geben Salvrn, müffrn aber unter
den vorgenannten ungünstigen Nerhältniffen schließ-
lick weickcn, und es zieht fich dte Besatzung nach
und nach in guter Ordnung grgen dte Thal-
münduug gegen Weebachhausen zurück, mehrere
Aufnahmssrellungen nehmend.

Dcr Commandirende befichlt mit RLckffcht auf !
dt- gefährliche Gituation der Divifivn tn -ng-m,
laagem Thaldefflee den Abzug auf das Plateau >

Rhsinhöhe dei Schierstei» mit einem furchlba-
re» Knall in die Lust. Der Donner rollte über
dic Stadt WieSbadeN und die Nheinufer, wie
im Jahrc 1857, al» drr Pulverthurm auf dem
KLftnch in Mainz cxplodirte. simmtliche Fen-
ster in den südwestlichen Straßen WteSbadcnS
sind gcsprungen; der Schrecken der B-völkerung
war ungeheuer. Die Flammen schlagen auS dcn
Trümmern; eine Rauchwolke, welche den gan-
zcn Hihenzug am Nh-in bedeckte, wälzt stch
über Wiesbadcn hinweg. Eine Untcrsuchung
wurde sosort eingeleitet.

Aus Hvhenzollern, 7. Ang. Gestern ift
daS Land von dcn BundcStruppcn geräumt wor-
den; fie sinb theils üder Tübingcn, theils übcr
Aulendorf nach Ulm gezogen.

Münche«, 6. Aug. Dcr „Allg. Ztg."
wird geschriebcn: „Daß bci den Friedensver-
handlungen in Berlin von Bayern nicht nur
eine KriegSkostenentjchädigung, sondern auch
cine Gebielsabtretung wenigstenS »erlangt wcr-
den wird, dürste kaum zweiselhaft jein; es wird
sich ader hiebei keineSwcgS um Bayreuth oder
um die Psalz handeln, wie hier mehrsach be-
hauptet wird, jondern um eine an das Groß-
herzogthum Hcsfen gränzende Landeöstzeecke zwi-
schcn Lohr und Aschafscnburg. Bcstimmt for-
mulirtc Foiderungen SeitcnS Prcußens sch-inen
indesscu »och nicht vorzuliegen."

München, 7. Aug. Der König hat den
StaatSministcr Frhrn. ». d. Pfordten zum Groß«
kanzler und den Reichsrath rc. Karl Frhrn. v.
Aretin zmn Vicekanzler deS HauSordens vom
heil. HubertuS ernannt.

Würzburg, 4. Aug. Folgender Armee-
besehl ist heute erschiencn:

Waffenstreckuug gezwungen, die Bayern am 4. Juli bei
Neidhaldsbauseu, Cclle unv Wiesenthal, am 10. Juli
bci Hamtnelburg, Kissingen, FriedrichShall, Hausen und

bet Ober- und UnteralterSheim mit starker Nach-
hut bei Stetnbach; aus welcher Aufstellung sowohl
mit Vortheil ein weiteres Vorgehen des Feindes
verwehrt, als auch die Division in jeder andern

(Furchtbare Wunden) hat der Krieg ein-
zelnen Familien gescklagen, aber welchks Ueber-*
maß von Schmerz und Tragtk enthält die nach-
stehende der „N. Pr. Ztg." entnommene Anzeige!
„Tiefgebeugt benachrichtige ich htermit alle Freunde
und Verwanbte, daß mein heißgeliebter'Mann
gestern früh schnell und sanft entschlief in Fslge
der gewaltigen Erschütterung, die der Tod unserer
Kinder hervorrief. Unsere fünf hoffnungsvollen
Söhne, Franz Joseph, Ernst, Georg, Leopold
und Heinrich v. StwolinSki, gaben all' ihr Herz-
blut sür ihren heißgeliebten Kaiser und Herrn.
Mit mtr trauern die vier jungen Wittwen und
einzige Schweftcr. Um stilles Beileid bttten Frau
i v. Stwolinska, geb. v. Radetzki. Iosephine v. Stwo-
! linska." (Prag.)

^ ^ Der Oberbefeblshaber der Mainarmee
v. Manteuffel.

Jnzwischen ist bekanntlich das Hauptquartier
hierher nach Frankfurt verlegt worden.

Hannover, 5. August. Gestern soll die
Erklärustg gegen die Annexion Hannovers schon
5000 Unterschriftcn gehabt haben; Hr. v. Har-
denberg hat aber die Absendung an den König
Wilhrlm untersagt, und die Zeitungen erhiel-
ten gcstern vor ihrcr Ausga'be den Wink, we-
der über diese, noch über die an dcn König
Georg entsandte Zuschrifl zu reden. (Hb- N.)

. Berlin, 6. August. Bei der gestern Abend
erfolgten Constituirung der Fraction deS linken
Centrums wurden zu Vörstandsmitgliedern ge-
wählt: Andrs, v. Bockum-Dolffs, v. Carlowitz,
Gneist, Rückert, Stavenhagen und Cornely.
Heute Abend findct eine gemeinsame Berathung
der Fraction mit der Fortschrittspartei statt.
Beide stnd entschlossen, den Abg. Grabow zum
Präsidenten zu wählen. Wie man hört, will
man in dcr Fraction der "Conservativen den
Abg. Holtzapfel (Präsident des AppellationS-
gerichtS zu Ratibor) für die Präsidentenwahl
aufstellen; in diesem Fall würde die Wahl
Grabow's mit großer Majorität gesichert sein.
— Sc. Maj. der König und die Königin, so-
wie sämmtliche anwesende Prinzen und Prin-
zessinnen erschienen heute im Öpernhause. Der
König wurde beim Eintritt unter Orchester-
tusch mit endlosem, donnerndem Lebehoch be-
grüßt und verneigte stch an die Logenbrüstung.
Nach Taubert's Lied von der Majestät wieder-
holte Ovationen; Pie Volkshymne wurde vom
Publikum stehend gesungeu.

?Berlin, 8. Aug. Jn Bezug auf daS Eisen-
bahnunglück auf der Station Wildenschwerdt
wird der „Spen. Ztg." Folgendes gemeldet:
Todt sind 4 Trainsoldaten und 12 Pferde;
schwer verwundet Z Marstallleute, unter ihnen
ein Kutscher des Königs, die deshalb auch zu-
rückgelassen werden mußten; leicht verwundet
10 Fahrgäste. DaS Oeconomiepersonal soll un-
versehrt geblieben sein.

Oesterreichifche Monarchie

Wien. Der mecklenburgische Gesandte wurde
von hicr abberufeu. Nußland übernahm den
Schutz der mecklenburgischen Staätsangehörigen
in Oesterreich. Diese Üebernahme scheint aber
nur provisorisch zu sein, da allen Anzeichen
nach Preußen die Vertrctung jener Staaten,
welche die norddeutsche Union bilden werden,
collectiv übernehmen wird.

Wien, 1. Aug. Jm Staatsministerium
beschäftigt man sich mit der AuSarbeitung eineS
Wahlgesetzes für die ReichSvertretung. welches,
entgegen dem Tchmerling'schen, auf dem 'Grund-
I satze der directen Wahlen beruhen soll, so daß

* Charade.

I. Silbe.

Gerne auch in duft'gen Felbern
' Mach' ich meine Reverenz.

Als sehr klug bin ich bekannt,

Bin in Fabeln oft genannt.

II. Silbe.

Kurz ist meine zweite Silbe,

Wichtig doch und inhaltsvoll;

Schon gar oft hat sie cntschieden
Ueber trdisch Weh' und Wohl.

Mit dem flücht'gen Augenblick
Beherrsche ich oft bas Geschick.

Ganzes.

Längst sckon als graciöse Blume
Ist das Ganze dir bekannt;

Lang ist's, daß ein deutscher Doctor
Mtch im fernen Süden sand.

Glanz und Sckönheit metner Blüthen
Erfreut nun auch das deutsche Land,
Wo ich dann gleich nach dem Namen
Meines FinderS ward benannt.
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