Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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Mlage M Hei-elberger Ieitung.

2SL. Sonntag, den 28. Oetober 186«.

Deutschland
Karlsruhe, 2S. Octbr. Wir Iheilcn im
Folgenden die in der Sitzung vom 23. d. M.
von den Abgg. Moll und Kiefer einge-
bra^ten^ Anträge^mir ^ ^

zu^sichenr." ^ ^

mächtige Förderung der inneren Kräfle dcs
badtschen StaatS für seine nationalen Ziele
erkenne."

Darmstadt, 24. Oct. Der srüher- Rl-
dactcur dcr „Hcss. Ldsztg.", Hr. K. Winter-
stein, war wegen Wnsnahme eincs Correshon-
denz-ArtikelS, in wclchcm cin in Gandöckelheim
staltgefundcner Brand in der Wcijc gejchildert
worden, als ob die dvrtige ultramantane Par-
tei nicht in vollem Maße ihre Pflicht erfnllt
habe, in Anklagcznstand verjetzt nnd von dem
Bezirksgerichte in Mainz zu einer Geldstrase
von 50 fi. verurtheilt worden. — Auf Appcl-
lation der SlaatSbehörde hat nun daS großh.
Obergericht zu Mainz das erste Urlhcil ausge-
hoben und Herrn Winterstein zu 3 Monaten
Gefängniß und 100 fl. Geldstrafe, außer den
Kosten. vernrtheilt.

Kassel, 21. Oct. Die „H. M. Z." erin-
nert bei der jetzigen Penstonirung der Ojficierc
an die Pflicht, dicjcnigen Officicre und dcren
Hintcrbliebencn, «clche 1850 und 1851 von der
kurhejsijchen Regierung i» dic Lagc gebracht
wurden, cntwcdcr den VcrfassungSeid zu bre-
chen odcr ihrcn Abjchied z» vcrlangen, zu cnt-
jchädigen. ES ist allbckannt, daß sast daS ganze
OjfieicrcorpS den Abschied fordcrte und daß
kinc klcine Zahl nicht wiedkr angestellt wurde.
Wir «ürdcn cs nach der Lage der Dinge für
eine angemessene Ausgleichung deS g-gen diese
Männcr verübten UnrcchtS halten, wenu ihnen
eine nach Maßjabe deS StaatSdicnstgejctzeS und
unter B-rückstchtigung der Zcit seit dcr Ver-
abschicdung als Dieustzeit zu bercchnende Pen-
ston zngcbilligt würde. Die jähriiche AuSgabe
mag sich auf etwa 8000 Thlr. belaufeu; die
mcisten der Bctheiligten stchcn bereits in einem
hohcn LebenSalter. So unbedcutend dcr Ge-
genstand an stch erschrincn mag, jo großeS Gc-
wicht l-gt das hejsische Volk uud Land auf den-
jelben; hat doch die Ständeversammluug wie-
dcrhoit cinstimmig der Regicrung die erforder-
lichc» Geldmittel zur Berfügung gestellt. Volk
und Land betrachtet dcnsclben als cine Ehren- >

sache und hofft mit Zuverficht, daß die neue
Landesregicrung eiuen kaum neunenSwcrthen
Theil der bedeutenden LandcSmittel zur Abtra-
gung dieser Ehrcnschuld verweuden werde.

Berli». Dcr Quartierstaud der preußi-
sche» Armee verlheilt sich nach dcm neucn, »un-
mehr überall zur Ausführuug gcbrachteu DrS-
locationsplanc, mit AuSschluß dcr Laudwehrba-
taillonSstämme, sowie der Jnvaliden-Compag-
nicn, aus 215 Garnisonorte. Davon kommen
»ach dem „Publicist" auf Hannover 12, Hcs-
jen k, lliassau 3, auf die Elbherzogthümer 13,
und auf das Gcbiet Franksurt a. M. 1. Die
prcußischc Besetzung ocS Königreichs Sachseu
vcrthcilt sich aus 9 Städte. Anßerdem desitzcir
dic Bundesfcstungen Mainz und Lupemburg
eine preußische Bejatzung. Die stärkste Gar-
»ijon, mit nahczu 20,000 Mann, nimmt Ber-
li» aus. Hieran schli-ßcn sich mit ciuem Trup-
penstande von 5000 bis 10,000 M. die Städtc
Mainz, Hannovcr, BreSlau, Köliy KönigSberg
in Pr., Magdcburg, Stcttiu, Danzig, PotS-
dam und Luxemburg.

Kiel, 19. Oct. Die Mißhelligkeiten zwi-
schen Scheel-Piessen und ProfiWr v. Treitjchke
stnd beigclegt. Letzterer hat sich bereit -rkiärt,
in seiner AntrittSrede den SchleSwig-Holjtei-
nern cine zusricdcnstellende Erklärung zu geben.

OesteereicHische Mouarchie.

Wien, 24. Oct. Der Gencral Graf Ghu-
lay, wclcher in dem italicnischen Feldzuge von
1859 die österreichijche Armee commandirte,
ist au «incm Schlagflnssc gcstorben.

Aus Böhmeii, 24. Oct. Die böhmischen
GrcnzstLblc gegrn Sachsen und Preuhen zu jol-
lcn demnächst starte Garnijonen erhalten. Dcr
Grund dcrsciden licgt darin, daß die wichtigjten
Srädtc SachjenS mit prcußischcn Truppen be»
jetzl werden und auch dic schlesijchcn Fcstmigen
stärkere Besatzungcn erhalten sollen. Es wird
dicS keine gcringe Laft sür dicje durchans dcut-
jchen Zndustrie- und Fadrikoite jein, in dcnen
disher nis Truppen lagen, wie z. B. Reichen-
bcrg, Rumburg, Trautcnau, Böhmijch-Leipa,
Ziltau u. s. f. Auch dürfte die Maßregel mög-
Iicherweisc zu diplomatischen Verhandtungen und
zu noch stärkerer Trüdung des Verhäitnisses
mit Prenßen sühren.

Der FriedenSvertrag zwische Preu-
tzen und Snchse»

ist am 21. d. M. in Berlin zum Abschluß

^D^W-Nttttch- P uk, ^ d-S B-it S sind j l dei

nige von Preußen zu ernenneuden Gouverneur. DaS
auf der Festung bcfindliche sächfische Matenal bleibt un-
bestriltenes Eigenlhum der sächsischen Negicrung. Zur
Bewahruug desselben verbleibt ein sächsisches Artillerie-
Dctachement als Thcil der Brsatzung unter dem Ober-
befehl des preußischen Gouvernenrs in der Fcstung, mit
ihm der Unlercommandank, der Festungöingenieur, der
Adjutaut und die Handwerker.

Jn der gesammten sächsischen Armee, außer den für
die FricdenSbesatzung von Dreöden bestimmlen Truppen,

zelnen sachstschen T>uppemhcil^ mtter preußischen Qber

abgeschlossenen^ Bündnisseö schon jetzt der preußischen.
Politik fest anschließt.

An KriegSkosten zahlt Sachsen 10 Millionen Thaler
in drei Naten (am 31. December d. I., 28. Februar

tzische Civilcommissirriat" iu DreSden außer Wirksamkeit,
und die biSher geleistele tägliche Zahlung von 10,000

Der Zollvereinsverlrag vom 16. Mai 1865 tritt vor-
bchaltlich dcr weileren Negelung der Zollverhällnisse im
norddemschen Bnnde einstweilen und mit dem beider-
seitigen Necht sechsinonatlicher Kündigung wieder in
Krafl.

^Zur^Sicherung ^cs Baues^einer^Eisenbabn l)on Leipzig

greifen. ^ ^ ^ 3 g

DaS Recht zur Handhabung deö TelegrapheNwe senS
im Königreich Sachsen geht auf die prenßischc Regie-
rung über.

Wahlgcsetz sür den Reichstag des
Norddeutschrn Bundes.

Vom 15. Oclober 1866.

Wir Wilhelm, von GotteS Gnaden König von
Preußen rc. verordnen mit Zustimmung der beiden
Häuser des LandtageS der Mouarchie, was folgt:

§ 1. Zur Berathung der Verrassung und der Ein-
richkungen deS Norddeutschen Bundes soll ein NeichStag
gewädlt werden.

8 2. Wähler ist jeder unbescholtene Staatsbürger
eines der zum Bunde zusammentrelenden denlschen Skaa-
ten, welcher daS 25. Lebmsjahr zurückg elegt hat.

8 3. Von der Berechtigung znm Wählen sind auS-
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