Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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stkhendr charolteristische Stelle hier Platz sin<
den. Redner sagt:

^Die rigentUche Frage ist sehr rinsach: Hr. Koloman

nich! z'u dem Berufe dieser Körperschafk. welche da ist,
friedlich zu wirken und Gesetze zu briugen." (Minu-
lenlangeS donnerndeS Eljen im Hause und auf den
Galerien. Einzelne Deputirte schwenken die Hüte be-
geistert qegen den Redner.)

Graz, 12. Dec. Erzherzvg Albrecht hat
h-ut- den F.--Z.-M. Ritter v. Bencdek besucht.
Der Besuch währte 1 Atnnde.

F- r a n k r e i ch

Paris, 12. Dec. Der „Mouiteur" vcr-
öffentlichl heute den von dem Constitutionnel
in allen scinen wesentlichen Punkten bereits
dargclegten Heeresreformentwurf. Der-
s-lbe lautet: „Die von dcm Kaiscr präfldirte
Commisflvn hat nunmehr ihre Ilrbeiten been-
digt. Der Entwurf der Heeresneugestaltung
wird an den StaatSrath gehen. Wiewohl meh-
rere untergeordnete Punktr dieics Entwurfs
nicht endgültig sestgestellt flnd, so halten wir
cs doch, um der gerechten Ungeduld des Publi-
kmns zu entsprechen, sür nützlich, jetzt schon
die Hanptgruudzüge der Ncugestaltung zur
Kenntniß zu bringen. Dicsc Neugeftaltung
stützt sich auf die Erwäguug, daß Frankreich,
um seincn Rang in Europa beizubchalten, ein
Hcer von 800000 Mann muß auf die Beine
tringen kvnuen. I» diese Zahl stnd mit ein-
begriffen dic in den DepotS ausgebildeten Re-
Irutsn, die Hilfsmannschasten, wie Gendarme-
rie, Lazarethwärter, Militärhandwerker, Fuhr-
wesen und cndlich noch der Ausfall von Leuten,
die sich in Gefängnissen, Spitälern rc. befin-
den. Einc cbenso vffenbare Nothwendigkeit war
es, diesen 800,000 Mann -ine Militärmacht
beizugeben, die mit-der Aufrechchaltung der
Ordnung im Jnnern und mit der Vertheidi-
gigung der Küsten und Festunge» beaustragt
ist, während das Hecr an de» Grenzen steht.
Dic zu lösende Aufgabe war eine drr entwickelt-
sten. Es handeltc sich nämlich darum, mit
Beibehaltung ciner erprobten militärischen Ein-
richtung ein Mittel ausfindig zu machcn, um
in ernsten Verhältnissen unscre Heerbestände
mil eingeübten Mannschasten zu vermehrcn,
ohne jedoch die Staatsfinanzcn zu überbürdeu

oder der Bevölkerung eine zu schwere Last auf-
zulegen. Jndcm man dic Verpflichtung eincS
Jcden, im Fallc cincs Kriegcs da» Baterland
zu vertheidigen, al» Grundlage der Gleichheit
und der Gerechtigkcit ausstclltc, kam es auch
darauf an, nicht allzu schroff gcgen die bcste-
hcnden Gebräuche anzustoßen und in FricdenS-
zeiten die jungen Leute, welche sich einer sreien
Laufbah» widmen, vo» ihrcm Beruse abzuzie-
hen. Der von der hohen Commission ange-
nommene Entwurf entipricht dicsen vcrschiede-
ncn Ansorderungeu. Er theilt dic militärischen
Kräfte Frankreich« in drci Kategorien ein: 1)
das active Hecr, 2) die Reservi, 3) die beweg-
liche Nationalgarde. Die Dienstzcit im Heer,
wie in der Reserve, ist auf 6 Zahre sestgesetzt.
Die ausgedientin Soldaten gchören für 3 Jahre
der beweglichen Nationalgarde an. (Forls. folgt.)
Z t a l i e n.

Florenz, 13. Decbr. Man vcrsichert, dcr
Papst werde morge» Tonello cmpfangen. Den
Cardinälcn »nd dcm diplomatischen Körper sind
Actenstücke, betreffend die Versolgung der katho-
lischen Religion in Polcn durch die Russen,
ausgetheilt worden. Dcr Papst wird glcichzeitig
unt d-r Rede Victor EmanuelS bei Eröffnung
deS Parlaments eine Ansprache an das Const-
storium halten.

Aus Badcn. Dic bciden Jndividucn,
welche vor Kurzem inMannhcim auf einer
dcr Promenaden eincn hicsigen Lehrer auf die
frechste Wcise der Uhr und Börsc beraubten,
stnd in den Pcrjonen cines Schneidergesellen
Siebel und cineS Franzoscn Namens De-
lcssc constatirt. Dcr Erstcre ist bercits in
Wiesbaden aufgegrisfen und inhaftirt, der An-
dere hat sich jcdoch bis jctzl der Habhaftwer-
dung zu entzichen gewuht.

II Nebcr landwirthschaftlicke Ber-
hältniffc in dcr Pfalz.

Wiedcrholt hat der Corrcsp. Aus der
Pfalz" bei Bisprechung psälzischer Landwirth-
schastSverhältniffe sehr crnste Mahnruse an den
l. Vcrein gcrichtet. Auch in Nr. 293 d. Bl,
wo dcrselbe übcr allzuhohe Güter- und Pacht-
prcise und niedrige Preisc der l. Erzengnisse,
welchc dcr weniger bemittelte Landmann öfter
wcgen niangelndcm Kapital unter dem Preise
losschlagen müßte, heißt eS:

An „Belehrungen uud schöncn Reden" lasse
c§ zwar der l. Verein nicht fehlen, aber damit
sei nichtS gehvlsen und könne hier nur dic
ernste und opferbcreite That, nämlich die Grün-
dung von Borschußkassen, helfcn.

Daß die pfälzischen Vereine oic Bcdeutung
dcr Crcditfrage sür die hiesigcn Verhältnisse
nicht unterschätzen, geht schon daraus hervor,
daß dicje Frage schon seit längerer Zeit den
Hauptgegenstand ihrer Bcrathungen bildet, und
nach Bcseitigung der entgegcnstehcndcn Schwie-
rigkciten gewiß auch ihre cndgültige practische
Lösung finden wird.

WaS aber laudw. Vorschußkassen mit den
vom Vcrsasser angedeutcten landw. Mißständen
zu schaffen haben, daS vermögen wir in der
That nicht einzujehen, und ift der Hr. Versas-
scr auf das falsche Mittel wohl nur aus dem
Grundc gekommcn, weil ihm die tiefen Gründe
der gewiß schr bcklagcnSwerthen Erscheinuugcn
völlig fremd sind.

Die oben angcdeuteten Mißstände, sowie das
ganze Misere unsercr dermaligen hiesigen Land-
wirthschaftsverhältnissc ist weiter nichts als
eine einsache und nothwendige Folge dcs mich-
tigcn UmschwungS, den die Landwirthschaft
dnrch dic naturwissenschaftliche Begründung,
sowic dnrch das gänzlich umgestaltctc Verkchrs-
lcben ersahren hat. Dcr landw. Betrieb kanu
nicht künstlich gemacht werden; er ist vielmehr
nur der AuSdruck der gcsammten auf die Land-
wirthschast einwirkenden Verhältnifse, sowie der
wiffenschaftlichen Erkcnntniß über die Gcsctze
der Natur und über die Gesctze des Verkehrs-
lebcns.

Diese können zwar zeitweisc verkannt oder
mißdeutct werdcn, aber nicmals auf die Dauer.
Mit der Zcit jchwinden unserc zur Ueberzeu-
gung giwordencn Vorstcllnngcn, und machen.
einer andern, bessern Erkenntniß Platz, welchc
zu verwirklichen unsere Anfgabe ist. Äber die
sonstigen auf uns einwirkcnden Verhältnisse

haltenMicht immer mit unscrm Vorwärtsstreben
gleichen Schritt. An dem Hergebrachten fest.
haltend, von Mißtrauen gegcn alle Neuerungen
erfüllt, fehlt unS ost das Verständniß und der
Muth, AltgewohnteS aufzugeben und NcueS
an dessen Stelle zu setzen, und die Folge da-
von ist, daß unsere biSherigen Betriedsweisea
nicht mehr im Einklang mit dcn herrschenden
Vcrhältniffen stehen, und wir mit alten unzu-
länglichen Mitteln gegen neue, gäuzlich umge-
sialtete Vcrhältnisse in einem gänzlich unglei-
chen Kampf unterliegen müffen. Jn solchen.
UebergangSstadien sühlt der Landmann gewöhn-
lich den Anstoß, aber cr ist stch deS GrundeS
und der Bedeutung deffelben nicht bewußt.

Daß es mit dem alten, auf Herkommen be-
ruhenden, eng begrenzten und einfachen Land-
wirthschaftsbetriebc zu Ende ist, daß man nicht
mchr wirthschasten könne, wie der Großvater
gcwirthschastel hat; daß dic mechanische Fer-
tigkcit, der Fleiß der Hinde allein hcutzutage
nicht mehr auöreicht ». s. w., hört man tagtäg-
lich. Die Zukunst wird noch viel deutlicher
redcn.

Unsere schr entwickelten Verhältnifsc wcrden
eine immer größere Macht übcn, und d-m Land-
wirthschaftSbetrieb immer neuere, rajch wechseln-
dcre Bahncn anweisen.

Vcrschlicßt stch der Landwirth den neuen be-
rechtigten Forderungen; bringt er seineWirth-
schaft nicht in Einklang mit naturwissenjchaft-
lichen Gesetzen und den Gesctzcn deS heutigen
VerkchrSledenS, so muß nothwcndig cine Ver-
ringerung der Rente deS in Grund und Boden
angelegten Kapitals und der darauf vcrwende-
t-n Arbeit und in Folge davv» ein großcr, den
Wohlstand gefährdender Rückschlag eintreten.

Es wird also die Anfgabe eineS jeden Land-
wirlhs sein, sich mit den Stoffen und Krästcn,
mit welchcn er in jeinein Betriebe in Beziehun-
gen tritt, bekannt zu machen; er muß die Ge-
setzc kenncn lernc», nach welchen sich dic Wirk-
samkeit der Naturkräfte »ollzieht; er muß die
Gcsetze des mächtig entwickelten VerkehrslebenS
kcnnen, und über die Prapi« seiner Hcimath-
gegend hinausjehen lernen. Mit einem Wort,
es muß der Landwirth im Stande sein, den
Forderungen der Naturgesctze und der Volks-
! wirthschast nachzugcbcn. (Schluß folgt).

1 Heidelberg, ts. D-I. D-r Gasbidarf sür din
hieslgen badischen Babnhos ift ein sehr bedeutender.
Jm ab.selausenen Manat b-lief sich dt- daraui verwen-
dcli Summc aus biinahe 1100 fl. — Durch das scrt ei-
ni.ten Lagen anhaltenöe sflegenlvetter ist der Neckar be-
deutend gestiegcn und hat eine Höhe erreicht, Ivie schon
lange nicht. Nach einer hculr Morgcn eingetroffenen
Depesche aua Heilbroim isl zwar ein weilereS Skeigen
zu bestirchtrn, und wctden soeben öie Bewohner des un-
teren Stadtlherls zur Vvrficht eimahn, — da der Reqen
jedoch henrc nachgelassen, ist cine G-tahr vorerfi nich,
zu v-tiirchteu. Jn Heilbronn zligli heute früb der nn-
lcic Pegel 12', wcihreno die Pegelböhe dahier iim
11 Ubr MorgenS bereilS 7' 7- erreicht haltr.

Vrrmischte klachrichten.

^ London, 12. D-c..^Nach!S. Schreckliche Kataftrovhe.

i^euyork^ 11. D-c. ^TIi- Dachlen H^nietta, zleet-
wing und Besta werden heute ihre große Oceanwett-
fahrt antrelcn nnd um 1 Uhr nach 'Cowes abqehen:
die Einsätze belaufen sich auf 90,000 Dollars, nnd er-
hält die zuerst eint, cffende Yacht die ganze Summe. Die
Eigcnthümer der Yachten baben folgende Bckanntmachung
an Sch-.ffscapitäne erlaffen. damit der Fortgang de'r
Wettfahrl dnrch passirende Scbiffe gemeldet werden kann:
Die Henrieita wird auf dem Ocean eine blaue Flagge,
die Fleclwing cine rolhc und die Vesta eine weiße Flagge
zeigen,; Nacl'tS wird die Henrielta Blanfeuer brennen
und blaue Raketen steigen lasien, dic Flertwing rothe
Feuer und Raketen, und die Vesta weiße Feu'er und
Raketen.

Southampton, 12. Dec. DaS Postdampfschiff des

Nordd. Lloyd „Brcmen", Capit. H. A. F. Neynaber
welches am 1. Decembcr von Neuyork abgegangen war'
rst heule 1 Uhr Nachmiltags nach einer s'chncllen Reise'
von 10 Tagen wohlbehalten rmweit Cowes eingetroffen
und bat um 3 Uhr Nachmittags die Reise nach Bremen
fortgesetzt. Daffelbe bringl außcr dcr neuesten Post 77
Passagiere. volle Ladung und sür 76.000 Dollars

Mitgetheilt durch den AuSwanderungsunternehmer
Hrn. Courad Herold in Mannheim.

Beriphtigung.

^Zn dem, dcr .KarlSr. Ztg." cnknommencn Artikel
über die dcm landständischen ÄuSschuß gemachten Vor-
lagen in der gcstrigen Nummer der „Heidelb. Ztg." ist
dcr Betrag von ca. 16 Millionen Gulden irrthümlich
als Aclivbestand. statt als Passivbestand der Amorti-
sütionskaffe pro ultimo 1864 angegeben. Der Passiv-
stand hat stch demnach im Laufe deS Jahres 1865 um
mehr alS eine V2 Million vcrmindert.
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