Heidelberger Volksblatt — 4.1871

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ſpielſt für meine Rechnung. Den Verluſt trage ich al-
lein, den Gewinn, wenn er die Summe, die ich brauche,
überſteigt, theilen wir. - Der Vorſchlag entſprach
dem Leichtſinne der Jugend, lachend machten wir uns
mit den zwanzig Lonisd'or in der Taſche auf den Weg,
und bald ſtand ich, mit Bouchard hinter mir, vor dem
grünen Tiſche, auf dem ein Goldhaufen faſt die Augen
blendete. Die Croupiers betrachteten mich mit einem
ſonderbaren, forſchenden Blick, und als ſie ſahen, daß
ich auf eine Karte einige Goldſtücke ſetzte, war ihre
Aufmerkſamkeit auf mich gerichtet. Sie mochten mich
für eine gute Priſe halten, beſonders, da ſie bemerk-
ten, daß mein Freund, den ſie bereits für einen ge-
rupften Vogel anerkannten, mir die Geſetze des Spiels
erſt zuflüſtern mußte. Der erſte Verſuch war aber
gleich ſo glänzend, daß ich nicht nöthig hatte, neue
Goldſtücke hervorzuziehen; im Gegentheil fühlte ich
meine Taſchen bald von Gold ſtrotzen. Mein Freund
hinter mir wußte ſtch vor Freuden kaum zu faſſen und
meinte, da mir das Glück heute fo gut gelaunt ſei,
ſo möchte ich unſer beider Glück pouſſiren; allein mir
wurde das Spiel langweilig und ich verließ den Saal.
Der Ertrag war anſehnlich. Jch zog meine zwanzig
Louisd'or zurück und händigte den ganzeu Gewinn an
Bouchard aus, indem ich erklärte, daß ich einzig für
ihn geſpielt habe, und ſeine Weigerung überwand ich
durch die Drohung, der ganzen Ertrag in's Findelhaus
zu tragen. Er ſah, daß es mir Ernſt damit war, und
meinte, er ſelbſt ſei Findling genug, um ſich kein Ge-
wiſſen daraus zu machen, die ſeltene Großmuth für
ſich zu benutzen. Frohgemuthet zog er von dannen,
und in wenigen Tagen ging er auf eigene Koſten mit
guten Empfehlungen, die ihm der Chevalier verſchafft
hatte, zur Armee nach Jtalien ab.
(Fortſetzung folgt.)

einer Stadt durch ein gräßliches Geheul und Geſchrei
an, welches den Negern ſehr wohl bekannt iſt, bekann-
ter und fürchterlicher aber noch ihren Weibern iſt. Al-
ſobald begiebt ſich das Volk auf den Bentang oder den
Marktplatz. Der Mombo-Jombo zögert nicht, ſich eben-
falls in ſeiner grotesken Kleidung, maskirt und mit
der verhängnißvollen Ruthe verſehen, dahin zu bege-
ben. Sobald er an Ort und Stelle iſt, wird geſungen
und getanzt bis Mitternacht, dann aber hören die
Tänze auf und an die Stelle des ausgelaſſenen Lärms
tritt ein tiefes Stillſchweigen. Der Mombo-Jombo
tritt auf eine Emporbühne und nennt die ſchuldige
Frau, die, ſo ſehr ſie ſich auch ſträuben und ſchreien
mag, vor den Geiſt geführt wird und der ſich herab-
läßt, ſie unter dem Zujauchzen des Volks ohne Barm-
herzigkeit mit der Ruthe zu peitſchen. Beſonders ſind
es die Weiber, die bei ſolchen Gelegenheiten das größte
Freudengeſchrei ausſtoßen, um dadurch den Zorn des
Mombo-Jombo gegen Diejenige, die ihm überliefert
wurde, noch mehr anzuregen. Jndem ſie der Beſtra-
fung der gegen die Autorität ihres Mannes rebelliſche
Frau aus Leibeskräften Beifall zujauchzten, glaubten
ſie in den Augen ihrer Ehemänner einen Beweis ihres
eigenen Gehorſams abzugeben, auch bildeu ſie ſich ein,
der auf dieſe Weiſe befriedigte Mombo-Jombo würde
ſich nun zurückziehen, ohne an ſie zu denken.
Man begreift wohl, daß es der Ehemann meiſtens
ſelbſt iſt, der die Rolle des Mombo-Jombo ausführt.
wenn er es nicht vorzieht, bei ſeinen Weibern, um de-
ren Argwohn nicht rege zu machen, zu Hauſe zu blei-
ben und die Sorgfalt der Züchtigung im Geheimen ei-
nem wohl unterrichteten Freunde zu übertragen.
Uebrigens hat man bemerkt, daß eine Frau nie
zum Zweitenmale dem gefürchteten Mombo-Jombo ver-
fiel, weil das erſte Rezept hinreichte, ſie zu einertreuen,
folgſamen, ſparſamen und fleißigen Ehehälfte umzuge-
ſtalten und wenn ja ſich wieder ein leiſer Anflug von
Halsſtarrigteit und Widerſpruch zeigte, ſo war die
Nennung des magiſchen Namens ſchon hinreichend, ſie
zu Vernunft und Gehorſam zurückzubringen, woraus
man zu dem Schluß berechtigt zu ſein ſcheint, daß in
dem Namen "Mombo-Jombo" allerdings eine Zaubet-
kraft verborgen liege, deren Wirkſamkeit, wie jede an-
dere Hexerei, möglicherweiſe ſich auch auf unſer civili-
ſirtes, leider aber hie und da auch noch mit böſen
Weibern geplagtes Europa ausdehnen könne, ſo zwar,
daß der große Weltumſegler Kruſenſtern, den an
dieſem Uebel leidenden Ehemännern ſchon angerathen
hat, in Ermangelung eines wirklichen Geiſtes der an-
gezeigten Art, wenigſtens den Namen Mombo-Jombo
unter den Toilettenſpiegel ihrer Frauen, unter Glas
und Goldrahmen aufhängen zu laſſen, damit dieſe
beim Aufſtehen und Schlafengehen den heilſamen Ge-
nius vor Augen hätten.

Der Mombo-Jombo.

(Ein Notabene für untreue Weiber.)

Die afrikaniſchen Neger haben ein ſonderbarer Mit-
tel, ſich der gehörigen Folgſamkeit, der Treue und Un-
terwürfigkeit ihrer Weiber zu verſichern, dies geſchieht
durch die Antorität des Mombo-Jombo. So hei-
ßen ſie nämlich einen Geiſt, ein Geſpenſt oder Genius,
der, nach ihrem Glauben, die Aufgabe hat, Ruhe und
Friede in den Haushaltungen zu erhalten und die Stö-
rerinnen zu beſtrafen. Da aber dieſer Geiſt zur Aus-
übung einer Züchtigung einer körperlichen Geſtalt be-
darf und man dazu jene eines Mannes am geeignet-
ſten hielt, ſo hat man Sorge getragen, daß fortwäh-
rend an den Thoren einer Stadt oder eines Dorfes
eine aus Baumrinde zuſammengeſetzte und mit allerhand
grellen Farben angeſtrichene Kleidung öffentlich ausge-
hängt iſt, welcher man ein furchtbares Maskengeſicht
und eine aus ſehr feſtem, aber biegſamen Holze verfer-
tigte große Ruthe befeſtigt.
Der Mombo-Jombo zeigt immer ſeine Ankuuft in
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