Heidelberger Volksblatt — 4.1871

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D'r Nagglmaier.

Un viele, die ganz fremd dort ſei,
Die ſtellte ſich mit Glickwinſch ei.
Die warn geriehrt, un gar net dumm,
Dann ach, die wußte ja, warum.
Hört alle an, ihr liewe Leut',
Die ſchreckliche Begewenheit!

Un als die Morddhat ehrſcht bekannt
Da gabs Diskorſcher allerhand.
E jeder Olwel hat entdeckt,
Daß hinner dere Bumb was ſteckt:
"Wie käm dann ſonſt e ſolcher Lumb
Den Morjend ſchon zu errer - Bumb?
Der Garibaldi wie mer ſegt
Der hat die Sach derr aageregt!"

Was, ſegt e An'rer, ſchwätzt err da
Die Bomb, die kimmt vom Gambetta.
Wo hätt dann der derr ſonſt geſteckt
Wann er die Sach net ausgeheckt? -
Der Rothſchild, wann ich euch net err
Js Deutſchlands greßter Märtyrer.
Hört alle an, ihr liewe Leut',
Die ſchreckliche Begewenheit.

Der Franzoos,
der ſeiner Zeit em
Rothſchild mit e
paar Orſinibumme
uff'sKontorg'ſchtig-
ge, is bekanntlich,
wie mer in d'r Zei-
tung geleſe hawe,
neilich vum Gericht
freig'ſbroche worre,
un zwar wege Gei-
ſchtesſchteerung.
Mir kann's recht
ſein. Frei g'ſchbro-
che hätt ich'n viel-
leicht unner Um-
ſchtände aach, awer
einſchberre hätt ich'n
doch loſſe, un zwar
in's Narrehaus. -
Der verrickte Fran-
zoos is iwerigens
vumme Frankforter
Dichter bereits im-
me Heldegedicht
beſunge worre, deß
ich nit verfehle
wollt, eich zum Be-
ſchte zu gewe, Männer! Es laut:

Un ſelbſt der arme Sonnemann
War an der Bomb mit Schuld daran
Dann weer der Rothſchild in Berlin
Käm ſowas dem Franzos im Sinn?
Un ging er felbſt zum Reichstag gar,
Der Herr Baron war ſelte da.
Kennt er an an der Sprach, ich wett,
Wer es ääch dort, er find en net.

Un wider Aäner ſegt derr. Rei
Mir ſcheint derſch die Comun ze ſei.
Wann mer äänſt Morjends uff werd ſteh,
Hat ſo e Kerl, ihr werd derſch ſeh,
Die Stadt bei Nacht, bevor merſch denkt.
Gauz häämlich in die Luft geſprengt!
Hört alle an, ihr liewe Leut',
Die ſchreckliche Begewenheit.

Die Bomb.

Hört all an, ihr liewe Leut'
Die ſchreckliche Begewenheit.
Da kimmt beim Rothſchild ſeim Contor
E Franzmann ſchont am Morjend vor.
Un ſegt: "Jch will vom Herr Baron,
Hie in mei Rääsdaſch vier Million.
Krieh ich ſe net gleich baar un promp'
So laß ich platze hier e Bomb!"

Un was die Bomb all aagericht,
Des geb derr ehrſcht e Mordgeſchicht.
Jm Uffruhr war die ganz Fahrgaß
Un ſchwamm im Blut faſt treppelnaß
Un wie von Zeige mer geheert,
War ääch das Haus total zerſteert!
Die Dode un Verwunde ach!
Die leihe noch bis heut'gem Dag.

Der Herr Baron war net dahaam
Was em kää Menſch net iwwl nahm.
Un wie der Franzmann krieht kää Geld
Sei Bomb er vor die Diehr hieſtellt.
Un ſo e Bomb, des is e Oos,
Die geht derr ja uff äämol los
Hört alle an, ihr liewe Leut',
Die ſchreckliche Begewenheit!

Un weil die Sach ſo tragiſch is,
Giebts Stoff zu erre Poſſ, gewiß.
Der Herr von Schweitzer is net lau
Un mecht's zu einem großen Trau-
Erſpiel. Sorgt ſchnell eich for en Platz,
Jm letzte Akt die Bomb verplatzt.
Hört alle an, ihr liewe Leut',
Die ſchreckliche Begewenheit!

Die Bomb, die dhut en Schlag ſogar
Wie's gar net an der Ordnung war.
Un ſchmeißt die Scheiwe uff die Gaſſ,
Des Perſonal ward leicheblaß.
Betracht voll Schrecke ſich nachher
Ob's net ſehr ſchwer verwundet wer
Druff dappts dem Franzmann derr im Nu
Die Löſchmannſchaſt kam grad dazu.

Un die Moral von der Geſchicht:
Der Franzmann war bei Groſche nicht
Un die Geſchicht von der Moral:
Es warn em viele ſehr egal.
Un die Moral von der Geſchicht:
Mer trau ääch kääner Bomb nie nicht!
Un die Geſchicht von der Moral:
Trau kääner Bomb ääch net emal.

Un als der Franzmann arretiert,
Da ward euch odder gratelirt,

Druck und Verlag von G. Geiſendörfer.
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