Heidelberger Volksblatt — 7.1874

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Die Wetterpropheten unter den Thieren.
Von Carl Schenkling.

Witterung mittel- oder unmittelbar ſich abhängig und
betroffen fühlt.
Dieſerhalb darf und kann es uns gar nicht Wun-
der nehmen, wenn man ſonſt wie jetzt allgemein nach
gewiſſen Merkmalen und Zeichen ſucht, an denen ſich
Stand und Gang ber Witterung nicht nur der gegen-
wärtigen, ſondern auch der näheren oder entfernteren
Zukunſt erkennen laſſe. Jeder erforſcht und beobachtet
das Wetter in ſeiner nächſten Umgebung und ſucht den
Verlauf deſſelben zu erkennen aus dem Anſehen des
Himmels, aus dem Abend- und Morgenroth, dem
Verhalten des Nebels, der Geſtalt der Wolken, dem
Brauen der Berge, den Rauchſäulen der Eſſen, dem Ver-
halten einzelner Pflanzen und Thiere u. a. m. Auf
dieſe Weiſe iſt die jetzt noch übliche, auch manche Wahr-
heit enthaltende lokale Witterungskunde unſerer Schif-
fer, Jäger, Hirten und Landleute entſtanden, und zahl-
loſe Volkswetterregeln ſprechen das Reſultat der Er-
fahrungen und Beobachtungen ungelehrter Leute aus.
Dürfte es ſchon ſehr unterhaltend ſein, dieſe Volks-
witterungskunde einer eingehenden Betrachtung zu wür-
digen, ſo ſoll gegenwärtig doch nur derjenigen Thiere
gedacht werden, welche von Alters her im Anſdhen gu-
ter Wetterpropheten geſtanden haben und zum Theil
noch ſtehen.

(Fortſetzung folgt.)

(Eingeſandt.)

Unter den vielfachen Erſcheinungen, wodurch die
Natur ihre ewige Kraft bekundet, iſt gewiß keine, die
ſo beſtändig und unmittelbar auf den Menſchen ein-
wirkt, als die ſogenannten meteorologiſchen oder Luft-
erſcheinungen. Das Luftmeer iſt es, das in ſeinem
ſteten Wallen und Wogen, in ſeiner ewigen Veränder-
lichkeit, ſeiner charakteriſtiſchen Unbeſtändigkeit ſo ge-
waltſam auf die übrigen Vorgänge im Erdenrund ein-
wirkt, daß dieſe nach ihm ſich regeln und richten, ſo-
wohl in Hinſicht ihrer Dauer als der Weiſe ihres
Verlaufs. Auch der Menſch iſt den Einwirkungen der
veränderlichen Lufterſcheinungen unterworfen, und zwar
weit mehr als man anzunehmen geneigt ſein dürfte.
Wie der Himmel, d. i. die Erde umſpannende Dunſt-
oder Lufthülle ausſieht, ſo alle Dinge auf der Erde,
ſo auch der Menſch. Wenn es tagelang fortregnet,
oder der Himmel wochenlang in eintönigem Grau,
einer düſtern Decke gleich, über uns hängt, dann wer-
den auch wir endlich trübe, mißmuthig, verſtimmt.
Erſt mit ſeiner Aufklärung kehrt unſer heiterer Sinn
wieder, daß es iſt, als wären wir neu geboren. Von
der Sonne freundlichen Strahlen hinaus gelockt, wer-
den wir durch den eingetretenen Witterungswechſel
praktiſcher, legensgewandter, für die Eindrücke unſerer
Umgebung empfänglicher. Ebenſo iſt es eine bekannte
Erfahrung, daß unter Herrſchaft der rauhen, austrock-
nenden Nordoſtwinde im Frühjahr, der feuchten, naß-
kalten Südweſtwinde des Herbſtes oder bei raſch ein-
tretendem ſchroffen Witterungswechſel die Zahl der
Kranken ſich ebenſo ſteigert, als ſie bei andauernd hei-
terer und beſtändiger Witterung ſich verringert. "So
ſind wir", ſagt Dove, "ein treuer Spiegel des Him-
mels über uns, wir gehen ein in ſeine Launen und
Jeder iſt in dieſem Sinne nicht nur ein Meteorologe,
ſondern ſogar die Meteorologie ſelbſt."
Aber nicht allein auf unſer geiſtiges und leibliches
Befinden ſind die zeitweiligen Witterungsverhältniſſe
von Einfluß, vielmehr regeln ſie auch unſere Beziehun-
gen zur Außenwelt, beſtimmen unſere Thätigkeit und
bedingen oft unſer ganzes materielle Wohl. Die Fahrt
des Schiffes, der Gewinn des Kaufmanns, der Fang
des Fiſchers und Jägers, die Ernte des Landmanns,
das Gedeihen der Pflanzen, das Beſinden der Thiere
und vieles Andre iſt zunächſt abhängig von der Wit-
terung. Und wie ſehr dieſes namentlich in unſerer
nördlich-gemäßigten Zone, der des veränderlichen Nie-
derſchlags, wo der Wechſel der Witterung am meiſten
vorherrſcht, empfunden wird, das ſpricht ſich deutlich
in der ſtets wiederkehrenden Gewohnheit aus, das Wet-
ter zum täglichen Anknüpfungspunkt der Unterhaltung
zu machen, als einen dem allgemeinen Jntereſſe zu-
nächſtliegendem, daher unvermeidlichem Geſprächsſtoff,
bei dem man vorausſetzen kann, daß Jeder in ſeinem
Befinden und Verhältniſſen von der eben herrſchenden

An Jacob's Feinde.

Seid ruhig, Jhr Herrn, vergeßt Euch nicht,
Die Wuth iſt Euch im Zorn entbrannt.
Nun macht's, daß der Bund bald wieder bricht
Mit Euerer Vernunft und dem Verſtand.
Vor Schrecken ſeid Jhr ganz erbleicht,
Als Jacob der Diena die Hand hat gereicht
Der Ort iſt Euch doch auch bekannt,
Ziegelhauſen, an dem Neckarſtrandt.

Wenn ihr den Mann nicht beſſer kennt
Und meint, daß ihn der Glaube trennt
Von dem, was ihn ſo lieb und gut,
Seit Jahren ſchon behandeln thut,
Wenn Jhr ihn mit Verachtung ſttaft,
Wie elend wäre dieſe Schmach.
Der Herr befiehlt in ſeinem Reich:
Recht thun macht uns Alle gleich!

O Joſephl o David! zürnet Jhm nicht;
Ueberlaſſet doch dieſes dem jüngſten Gericht!
Dort Oben vor jenem Richterthron
Empfängt er ſein verdienten Lohn.
Nun, Jhr Feinde, glaubt Jhr gewiß,
Daß er vor dem Richter der Einzige iſt?
O laſſet doch ab von Eurem Wahn,
Bei ihm hat's nur reine Liebe gethan!
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