Heidelberger Zeitung — 43.1901 (Juli bis Dezember)

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davon nicht, wollen sie zu seiner Erwählung nichts bei-
tragen, so müssen die Wähler sich der Stimmabgabe
enthalten und können auch nicht für die beiden anderen
Kandidaten eintreten, so gerne sie es thun würden!
Aehnlich liegt die Sache in Mannheim. Die Gegen-
sätze unter den bürgerlichen Parteien bei dieser Zwangs-
wahl kommen lediglich der Sozialdemokratie
zu gut, mit oder ohne volksparteiliches Anhängsel. Bei
Durchführung der Bezirkswahl dürste man darauf rech-
nen, daß in Mannheim mindestens 1 und in Karl s-
ruhe mindestens 2 Abgeordnete der bürgerlichen
staatserhaltenden Parteien gewählt würden. Bei dein
bestehenden Wahlsystem ist es fast ganz gewiß, daß in
jeder der beiden Städte je 3 Sozialdemokraten gewählt
werden, zusammen 6, statt (^Sozialdemokraten
und 3bürgerli che Abgeordnete. In einigen
anderen Städten wäre es ebenso, und bei dem Umstand,
daß. in der zweiten Kammer beinahe Stimmengleichheit
besteht, würde der Ausschlag durch die Städte gegeben
werden können. Die nationalliberale Partei hat darum
ganz recht gethan, für das direkte Wahlrecht und eine
Aenderung der Klumpenwahl in den Städten auf ir-
gend eine Weise einzutreten. Die Regierung sollte ihrem
Beispiel folgen und dm bisherigen Standpunkt aufge-
ben, der nicht staatserhaltend wirkt. Würde sie das
direkte Wahlrecht mit entsprechenden Bedingungen für
die Wahl in den Städten bewilligen, so wäre die politische
Lage geklärt und könnte auf die Regierungsmehrheit
in der zweiten Kammer eher gerechnet werden als in
den jetzigeil Wirrnisseil, in denen sogar die national-
liberale Partei wegen der Wahlrechtsfrage in die Oppo-
sition der Regierung gedrängt ist und die Aussichten
auf eine Regierungspartei lediglich auf den paar Kon-
servativen beruhen, deren Erwählung noch erheblichen
Ungewißheiten unterliegt!

Aus der Karlsruher Zeitung.
— Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben
dem Königlich Preußischen Oberleutnant R o ch l i y, Rcgi-
mentsadjutanten des 3. Badischen Feldartillerie-Regimcnts
Nr. SO, das Ritterkreuz zweiter Klasse mit Eichenlaub des
Ordens vom Zähringer Löwen verliehen.
— Dem Schulkandidaten Friedrich Rapp an der Ober-
realschule in Mannheim wurde die ctatSmäßige Amisstelle
eines Reallehrers (Gehaltsklasse li) an der Realschule in
Sinsheim übertragen.
— Obergartenwächter Wilhelm Kirs ch n e r im boü.ni-
schcn Garten zu Karlsruhe wurde wegen vorgerückten AllcrS
und leidender Gesundheit auf den t. Juli d. I. in den Ruhe-
stand versetzt.

Ausland.
Wien, 31. Jnli. Das klerikal-feudale „Vaterland",
das heute zum ersten Male den deutschen Zolltarif-
rnt Wurf bespricht, warnt davor, anzunehmen, daß die
deutsche Reichsregierung den Entwurf, den sie soeben
dem Bundesrat unterbreitet habe, erheblich ändern
werde. Für Oesterreich wäre eine solche Selbsttäuschung
nicht nur lhöricht, sondern geradezu gefährlich, es dürfte
seine großen wirtschaftlichen Interessen nicht dem Spiele
der Parteien überantworten, sondern müßte danach trachten,
sich alsbald auf den neue» deutschen Zolltarif einzurichten.
Pest, 31. Juli. Der frühere Minister Desider v.
SziILghyi ist gestern Nacht Plötzlich gestorben.
(Desider v. SzilLghyi war am 1. November 1840 in
Großwardein geboren, in Wien, ans deutschen Universi-
täten und in Pest juristisch vorgebildet worden und wid-
mete sich dann der Advokatur. 1867 trat er als Se-
kretär in das Justizministerium, aus dem er 1874 wieder
schied, um an der Pester Hochschule den Lehrstuhl für
Strafrecht und Politik zu übernehmen. Seit 1871 ge-
hörte er dem Abgeordnetenhause an, zuerst als Mitglied
der liberalen Partei, daun als Führer der Opposition.
April 1889 wurde er Justizmiuister, als der er energisch
für die Zivilehe eintrat. Er behielt sein Amt auch bei
der Neubildung des Ministeriums Wekerle, mit dem er
1896 zurücktrat. Gleich darauf wurde er zum Präsi-
denten des Abgeordnetenhauses erwählt.)

Aus Stadt und Land.
Heidelberg, 1. August.
(?) Gymnasium. Die Schlußfeier des A r. G y m-
nasiums, welche am Mittwoch früh um 8 Uhr eröffnet
wurde, hatte in den Räumen der Turnhalle ein zahlreiches
Publikum versammelt. Der musikalische Teil des Programms,
eine Motette von Nägeli und „Friedrich Rotbart" von Pod-
bertsky, wobei das wackere Streichorchester der Schule mit
frohem Eifer mitwirkte, war sehr sauber durchgearbeitet, die

Westliche in der Türkei genährt wird. Daß durch die
Harems eine etwas freiheitliche Bewegung unter das
Volk kommen und sich eine Annäherung der trotz des
räumlichen Beisammenseins sich völlig fremd gegenüber-
stehenden Rassen vollziehen könnte, ist dsp panisla-i
mitischen Kreisen ebenso ein Greuel wie die jungtürkische
Bewegung. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß durch
die obenerwähnte Verfügung Hunderte von Gouvernan-
ten und Gesellschaftsdamen Plötzlich brodlos werden.
Vor der Macht einer Kaiserlichen Jrade beugt sich in
der Türkei noch alles in stummer Resignation. Außer-
dem sind für die muselmännischen Frauen noch weitere
Verordnungen ergangen. Dieselben müssen jetzt eine
Stunde vor Sonnenuntergang in ihre Harems zurück-
kehren. Mehrere ausschließlich für das türkische Publi-
kum berechnete Theater haben um diese Zeit bei sonstiger
Strafe zu schließen. Auch wurde, weil es den Sitten
widerspricht, den türkischen Frauen der Rudersport un-
tersagt. Wie sehr der Geist der Unduldsamkeit fort-
schreitet, geht auch daraus hervor, daß hohen Ortes ein
Befehl ergangen ist, der sich dagegen ausspricht, daß
viele Mohamedaner auf der meistens von Christen be-
wohnten, eine Stunde von Konstantinopel paradiesisch
gelegenen Prinzeninsel ihre Sommervillegiaturen auf-
geschlagen haben. Infolgedessen stellen in diesem Jahre
viele türkische Besitzer auf der Prinzeninsel ihre viel-
fach erst in den letzten zwei Jahren gebauten Villen
zu Spottpreisen zum Verkauf. Wenn Jzzet, der Scheik
Abn Huddah und Konsorten noch weiter in dieser Rich-
tung das Reich regieren, wird man sich über unliebsame
„Ueberraschungen" nicht wundern dürfen.

Gesänge wurden mit großer Sicherheit und jugendlicher
Frische eindrucksvoll zum Vortrag gebracht. Der gemischte
Chor „Frisch hinaus in Waldeshöhn", der zum Schluß ein
Jubellied der Ferienstimmung erhob, war von einem früheren
Lehrer der Anstalt, Herrn A. Steinbrenner, komponiert, der
zu aller Freude selbst anwesend war und mit anhören konnte,
wie er noch immer im Schulleben wirksam ist. Abwechslungs-
reich in Inhalt und Ton waren die Deklamationen, Abschieds-
gruß Heinrichs von Ofterdingen aus Scheffels Aventiure
trug einer der Abiturienten vor; sinnvolle Betrachtungen,
die ern Wanderer auf verfallener Römerstraße anstellcn mag,
brachte em selten noch gehörtes Gedicht von Friedrich Halm,
der in poetisch ergreifender Sprache Bilder und Gedanken,
wie sie auch auf dem alten Kulturboden unseres Landes anf-
steigen, ausgesprochen hat. Schüler aus den unteren Klassen
sprachen das frische, beziehungsreiche Gedicht von Hans Sachs
„Der Waldbruder und der Esel", und endlich ein Ober-
primaner mit fünf jüngeren Schülern eine Rückertsche Ma-
kame „Der Schulmeister von Hims", der mit ergötzlich bilder-
reicher Sprache tüftelnd seine Zöglinge in die Geheimnisse
der richtigen Aussprache und der Synonymik einführt. Die
Anwesenden folgten mit sichtlicher Freude der lebensvollen
Darstellungsweise. 21 Abiturienten, von denen die größere
Hälfte aufgrund ihrer Erfolge im Examen mit Preisen be-
dacht werden konnte, verließen diesmal die Anstalt. In ihrem
Namen sprach der Abiturient Karl Becker den Dank an
die Anstalt, die letzten Abschiedsworte und Wünsche und Ge-
löbnisse für die Zukunft ans, wobei er an die Goethe'schen
Worte: „Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch an-
wenden, es ist nicht genug zu wollen, man muß auch thun,"
die Gedanken die ihn bewegten, in gehaltvoller Rede an-
knüpfte. Direktor Böckel entnahm aus der horazischen
Lebensweisheit das Wort Nil admirari. In gedankenvoller
Deutung gab er den Scheidenden die Lehre, im Sinne des
alten Denkers nichts anzustaunen nnd zu bewundern was nur
glänzt, aber inhaltsleer ist, aber für alles Große, Edle und
Tiefe sich zu begeistern.
(1)^ Oberrealschule. Die Schlußfeierlichkeiten nahmen
letzten Samstag Nachmittag ihren Anfang mit den Schluß-
spielen, die von 5—7 Uhr auf dem Spielplatz unterhalb der
neuen Brücke, dieses Mal „unter den Augen von Alldeutsch-
land" sozusagen abgehalten wurden. Es fanden sich näm-
lich auch einige Mitglieder des Ausschusses der deutschen
Turnerschaft, die hier tagten, unter den Zuschauern ein, da-
runter Herr Hofrat Direktor Maul und selbst ein Mitglied aus
Graz. Am Montag und Dienstag folgten die mündlichen
Prüfungen in einer Hälfte der Aula, während in der anderen
die Zeichnungen der Schüler ausgestellt waren. Ein erfreu-
licher Fortschritt in Methode und in den Ergebnissen war da
wie dort zu verzeichnen. Die von Jahr zu Jahr zunehmende
Anzahl von Zeichnungen, die klassenweise geordnet auflagen,
und die immer sorgfältigere Ausführung derselben lassen
auf wachsenden Fleiß und strenge Zucht schließen. Die mathe-
matischen, naturwissenschaftlichen und namentlich die sprach-
lichen Fächer erfreuen sich eines Betriebs, der vorteilhaft gegen
frühere Zeiten absticht. Am Montag Mittag war die öffent-
liche Turnprüfung, an der sich viele Zuschauer beteiligten.
Große Präzision in sämtlichen Hebungen, die wohlgelungene
Vereinigung gesungener oder auf dem Piano gespielter Me-
lodieen mit einigen der Hebungen und die Sicherheit in einigen
Sonderleistungen verraten auch hier den frisch pulsierenden
Geist des neuen Kurses. Am Mittwoch Vormittag fand in
üblicher Weise der Schlußakt statt.
X Höhere Mädchenschule. Die unteren Klassen der Schule
(X bis VII) wurden schon ani Dienstag Nachmittag 4 Uhr mit
Wort nndTon und der so beliebten Bretzelverteilung verabschiedet.
Mittwoch 'stll Uhr fand die Schlnßfeier der obern Klassen (VI bis I)
nnd der 3 Seminarklassen statt. Frisch und sicher gesungene Chöre
der Schülerinnen und ein Klaviervortrag von Frl. L. v. Kirchen-
heim und Frl. Weinreiter belebten die Feier. Die Rede des
Direktors hatte einige Fragen des Schullebens zum Gegenstand.
Er erläuterte die Bedeutung der kürzlich vom Bürgerausschuß ge-
nehmigten staatlichen Organisation der Lehrerinnenbildungsanstalt,
gab der Freude darüber Ausdruck, daß wieder ein Fortbildungskurs
(Selekta) eingerichtet werden kann nnd sprach den Wunsch aus,
die Bildung, welche die Mädchenschule vermitteln will, nicht zum
Schaden der Schule oder Mädchen selbst durch zu späte Eintritte
und zu frühzeitige Austritte zu vereiteln. Den Schluß bildete die
Verabschiedung der austretenden Schülerinnen und Semenaristinnen.
— Von 1. bis 3. August finden die beiden Lehrerinnenprüfnngen
statt.
* Zu dem Bericht über die Verhandlungen des Bürger-
ausschusses in -er Bahnhofsfrnge erhallen wir folgende Zu-
schrift: Der von mir vorgelragene Vergleich zwischen dem Wert
des frciwerdendrn Bahnhofareals und dem Opfer, welches die
Bevölkerung bei Verlegung des Bahnhofs zu bringen hat, be-
ruht in keiner Weise auf „den Absichten der Regierung", und
sollte überhaupt nur einen vorläufigen und beiläufigen Anhalt zu
dem Wege geben, auf welchem die künftigen Verhandlungen
zwischen der Stadt und der Eisenbahnverwaltung sich zu bewegen
haben werden. - R. Baumeister, Oberbaurat.
P Burenbilder. Den Lesern wird noch erinnerlich sein, daß
anfangs Juli eine Abordnung, bestehend aus den Herren Kauf-
mann Stauch und Maler Oertel aus Mannheim und Professor
Rohrhurst von hier, dem Burenpräsidenten Krüger ihre Auf-
wartung machte. Prof. Rohrhurst fükrte dabei das Wort. Er
erbat für Hrn. Kunstmaler Oertel die Vergünstigung, eine Skizze
des Präsidenten nach dem Leben aufnehmen zu dürfe», die, zu
einer Lithographie ausgeführt, im Druck vervielfältigt und in
den Handel gebracht werden soll, damit aus tdem liebe r-
schusse des Erlöses den unglücklichenFrauen und
Kindern der Buren eine Summe zugeführt wer-
den könne. Präsident Krüger, der sehr bewegt war, dankte
den Herren herzlich für das Interesse, das sie seiner Person nnd
seinem Wolke entgegenbrächten, und erklärte, er habe zu Gott das
Vertrauen, daß er Alles zum Guten lenken werde. Hrn. Oertel
wurde alsdann die Freude zuteil, sofort eine Skizze aufnehmen
zu dürfen, die vortrefflich gelang. Das Bild Krügers ist nun
in der erwähnten Weise hergestellt und im Druck vervielfältigt
worden. Auch den Blitzgeneral Christian Dewet hat Hr. Oertel
und zwar nach einer Photographie gezeichnet. Den Dritten im
Bunde bildet der General Delarey, ebenso wie die beiden andern
ein Charakterkopf. Die Lithographien sind auch hier zu haben
und zwar in der akadem. Buchhandlung von G. Köster. Bei der
Sympathie, welche das deutsche Volk den Buren widmet, und In
Ansehung des guten Zweckes, der mit den Bildern verfolgt wird,
ist zu erwarten, daß die Bilder, die auch vom künstlerischen
Standpunkt sehr zu loben sind und Herrn Oeitel alle Ehre
machen, zahlreiche Käufer finden werden.
O Allschlaraffisches Sommerfest. Anläßlich des am 4., S.
und 8. August stattfindenden Sommerfestes der Schlaraffen wer-
den eine große Anzahl Gäste des In- und Auslandes unsere
Stadt besuchen, zu deren Unterhaltung seitens der hiesigen Mit-
glieder die umfassendsten Vorbereitungen getroffen sind. Unter
anderem findet am Dienstag Abend eine Schloßbelenchtung mit
großem Feuerwerk statt.
8. Delegiertentag des Gewerkvereins der graphischen
Berufe und Maler (Hirsch-Duncker). Am verflossenen Sams-
tag, Sonntag und Montag hielt der Hirsch-Duncker'sche Ge-
werkverein der graphischen Berufe und Maler hier, im Saale
von Breitels Wirtschaft, seinen 8. Vertretertag ab. Sämt-
liche 20 Vertreter waren anwesend. Das Generalratsmit-
glied Kalb-Gera berichtete über das Thema: „Wie fördern
wir die allgemeine und gewerbliche Bildung unserer Mitglie-
der?" Es wurde beschlossen, die Staatsregierungen und
Gemeindevertretungen aufzufordern, obligatorische Fort-
bildungs- und Fachschulen einzuführen. In einem weiteren

legt, wo sich das Sortiment noch heute befindet.
Tode des alten I. C. B. Mohr, der im August 1851 » P
des SOjährigen Jubiiäums seiner Firma zum vr. "RM
ernannt wurde, führte sein Sohn Ernst Mohr das Sv".«
geschäft allein weiter, der von den Söhnen gemeinsam V,-
bedeutende Verlag wurde 1878 an Paul Siebeck v er kaust' K
nach Freiburg verlegte; der unter Ernst Mohr gegründP H
wurde; nach dessen Tode nach Oberkirch verlegt, das P
mentsgeschäft 1875 an G. Koester verkauft. Die drei .Xr
alten Firma I. C. B. Mohr abstammenden Firme"
also heute den seltenen Jahrestag des hundertjährigen^ i
zu begehen. hM
X Unfall. Zwei Pferde eines Mannheimer 'V
nehmers stürzten gestern Abend zwischen 6 und 7
etwa 6 Meter tiefen Fundamcntschacht zum Neubau sNj
versitäts-Bibliothek. Die Tiere mußten mittelst eiu^r-hC
zuges an die Oberfläche gezogen werden; ob sie lebenSS
Schaden erlitten haben, ist noch nicht festgestellt.
--- Polizeibericht. Drei Kellnerinnen und
wurden wegen Umherziehens, ein Taglöhner wegen Rjel il
ein Hausbursche wegen Hausfriedensbruchs, ein K»" h»,
Trunkenheit und ein Metalldreher wegen Unfugs u
Zur Anzeige kamen 8 Personen wegen Unfugs
terson wegen Körperverletzung. . r ^,
Wiesloch, 30. Juli. (Die elektrisch e ch'I
bahn) wird außerordentlich stark benutzt. Trotz"^E0>
ten Sonntag bereits auf der ganzen Linie der j
Betrieb eingerichtet war, konnte bei dem außeror"
tzen Andrang des fahrlustigen Publikums der
im entferntesten bewältigt werden. Die Betriebs^
nach der „Wiesl. Ztg." schon in allerkürzester a>
Anhängewagen beschaffen, sondern auch von
Halbstundenbetrieb einführen. Auch eine A.
Abendanschlüsse darf man erhoffen. Der letzt

Beschluß wurde die Verkürzung der Arbeitszeit auf 9 Stund^
festgesetzt. Schließlich richtete man an den Bundesrat du
dringende Ersuchen, die im Entwurf der Reichsregier""-
über den Zolltarif vorgeschlagene Erhöhung der Getreu
zölle abzulehnen. Als nächster Vorort wurde Gera gewährt
** Hundeausstellung. Gelegentlich des Festfrühstücks ^
„Europäischen Hof" las Hr. Geh. Rat Kehrer ein reizend^"
selbstverfaßtes humoristisches Gedicht vor. welches hier im
laut folgt:
Kaum ist der Büchsen lauter Knall
Am Neckarstrand verschwunden.
Da hört man einen neuen Schall,
Mir scheint von tausend Hunden.
Im Urwald glaubt man fast zu sein,
Ein Stimmgewirr, bald tief, bald fein
Oft ist's ein schaurig Heulen.
Wo eben erst der Schütze schoß,
Sind nun der Jäger Hunde
Gar vieler edler Rassen Soroß
Vereint zu schönem Bunde.
Was ebenbürtig ward gepaart,
Tie ahnenreichsten jeder Art
Sind würdig hier vertreten.
Voran das Bernhardiner Tier,
Die Ulmer. dän'schen Doggen,
Die Hühnerhunde trifft man hier.
Der Möpse fette Brocken,
Das Windspiel mit dem langen Bein
Setzt lustig über Stock und Stein:
Leichtfertiges Gelichter.
Ter Spitz, der Hof- und Pinscherhund,
Die liegen an der Kette,
Sie bellen in der ganzen Rund
Melodisch um die Wette.
Der Pudel schaut bedächtig drei«.
Ihm scheint das Bellen nimmer fein,
Er schweigt aristokratisch.
Das Bologneser Hündchen liegt
Auf einem Sammetkissen,
An seiner Herrin Hand geschmiegt.
Die es bedeckt mit Küssen.
Der Fox mit seinem schwarzen Fleck
Sieht eifersüchtig, bissig, keck
Auf andere Nachbarhunde.
Dort fitzt mit finsterm Angesicht
Der Mops in seinem Kasten,
Langweile aus den Augen spricht.
Scheint mir kein Freund vom Fasten.
Man glaubt, es hält' ihm einst ein Gaul
Getreten breit das kleine Maul,
Die Lippe ihm gespalten.
Der Schäfer schaut mit inn'rer Freud'
Nach seinem treuen Tiere.
Der Jäger denkt mit dieser Ment'
Zu jagen die Reviere;
Tort tönt des Leutnants Freudenschrei:
„Mein Schweinehund ist auch dabei",
Der alte, vielgenannte.
Fürwahr es ist ein schönes Bild,
Das uns die Züchter bieten.
Die Einen schmeichelnd, Andere wild,
Die Weiblein mit den Rüden.
Was Zuchtwahl kann, das sieht man hier
An unscrm treuen Hundetier.
Hoch leb' der alte Darwin!
Auf die abgesandtcn Bezrüßungstelegramme liefen M ^
Antworten an Herrn Oberbürgermerster Dr. Wilckens ei»!.^
Anacavri, 28. Juli. Ich danke den versammelten « /
auf das wärmste für ihr so herzlich verfaßtes Telegraui«!^
empfinde es sehr schwer, ihnen fern zu sein und das ProstO^
der Ausstellung nicht thätig ausüben zu können. Sende WA,
Wünsche und Grüße. Max, Prinz von
Bayreuth, 28. Juli. Herzlichsten Dank für sieRM
Telegramm; sende beste Wünsche für Verlauf und Ge" ,,
unserer Ausstellung. von Br» "-off
** Sportausstellung. Prämiierungsliste, l. Pj!
erhielten: A. Brechter-Heidelberg, Hill L Mllller-M»"AH>
F. Kaulmann-Mannheim, Ehr. Lauer-Nürnberg, R.
Heidelberg, K. Rumig-Heidelberg, K. Sinn-Adelsheim, K- §. »
Heidelberg, Chr. Schäfer-Kassel. C. Schönenberger G. "V
in Heidelberg, A Schuhmacher-München, W. Schwär
Wanderer-Fahrradwerke in Chemnitz, R. Weber-Haynau, Ä'AA
mann L Co.-Heidelberg; II Preise: S. Anhcgger-He^. )
Friedenberg L Knipschild-Heidelberg, H. Grosse.Ta»"«iZ
Leipzig, W. Harster-Schönau. Jos. Huber-München, W- UW
Heidelberg, Kern L Bimer-Frankfurt a. M., Edm. von 0
Heidelberg, Hch. Pfaff-Heidelberg. A. Reinehr-HeidelbstLI
Reuter-Mannheim, E. F. Wiedmann-Frankfurt; III. Psi«/
Anhegger-Heidelberg, W. Böcherer-Müachen, Photogr-Go> .
Heidelberg, A. Locherer-Mannheim. Es wurden vergebe R
I. Preise, 13 II. Preise und 4 III. Preise.
1 Ivvjiihriges Geschäftsjubiläum. Wie wir ersähe, L
geht beute, am 1- August, die Firma I. C. B. Mohr
bürg den hundertjährigen. Gründungstag ihrer Firma.
schüft ist im Jahre 1801 in Frankfurt als Hermanns
jung gegründet und 1804 von I. C. B. Mohr übernoM» ^
den, der im gleichen Jahre in Heidelberg eine Filiale KM
und 1807 das Geschäft ganz hierher verlegte. Das
ursprünglich Mohr und Zimmer lautend, befand sich. » //
der Hauptstraße zwischen der Augustiner» und Heugasse'.g ^
dann nach dem Kornmarkt und später nach Hauptstraße, ' '


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