Heerwagen, Heinrich
Die Lage der Bauern zur Zeit des Bauernkrieges in den Taubergegenden — Nürnberg: Mohr & Zimmer, 1899

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Dritter Teil.

Das Gerichtswesen.

1. Abschnitt.
Uebersicht der Gerichtsverfassung.

Die Gerichte, die zur Reformationszeit für die Territorien an
der Tauber bestehen, lassen sich in folgende Klassen bringen:
; 1. Das kaiserliche Landgericht des Herzogtums Franken
zu Würzburg.
2. Oberste Land- und oberste Zentgerichte. -
3. Niedere Land- und Zentgerichte.
4. Ortsgerichte, und zwar Gerichte der Städte und Märkte
einerseits, Dorf- und Vogteigerichte anderseits.
(Vgl. namentlich die Darlegung von L. Fries bei Rockinger 224.)
Daneben finden sich als „besondere“ Gerichte die
sogenannten Gast- oder Kaufgerichte. Es sind das ausser-
ordentliche Gerichte, die auf Ansuchen der Parteien zur Erledigung
dringender Fälle besonders abgehalten werden und so im Gegen-
satze zu den regelmäßigen oder Frei-Gerichten stehen. Namentlich
Fremden soll hier zu Recht verholfen werden, denen ein „Schaden
zu frischer That“ geschehen ist.
; In Hilkartshausen ruft der Richter die Schöffen dann schon
2 bis 3 Tage vorher zusammen (Dorf-0.). Vgl. Weist. v. Höhefeld $ 5:
„Item so ein gemeinsmann den andern zu keinem kaufgericht hat
zu dringen, es betreffe dann ein handel, den der richter mit
etlichen des gerichts achten möchte des gemein gerichts nit zu
erleiten.“ Die Kosten solcher besonderen Gerichte sind von
yornherein vom Kläger zu erlegen. .Die Taxe war zumeist 1 fi.,
wie in Wenkheim (Dorf-0.) und am Weikersheimer Untergericht
(0. A. B. 805). Dgl. zu Edelfingen: „Da aber auf ansuchen der
paͤrteien Gast- oder Kaufsgericht zu halten begert werden, welches
dann einem jeden billig zuzulassen und zu Velstatten so soll die
Klagende partei, wan sie also drum ansucht, ehe wann das Gericht
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