Heidelberger Beobachter: Kampfblatt der Nationalsozialisten für Odenwald und Bauland — 1 (September-Dezember).1931

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Montag, den 7. September 1931

Nr. 111 /1. Jahrgang

Verlag: Heidelberger Beobachter. Herausgeber: Otto Wetzel.
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Ad« Remmele im AMsU
SPD.-Bonzen gegen dieIung-sozialistischeOPPofition!

Kleine-Fritzk' contra Remmele. — Nemmeles „seichte Rede".
Zakobse« fordert Rückkehr zu ehrenhaften Grundsätzen. — Dr. Nies schmeichelt der
Bonzokratie. — „Laßt Kopfe rollen!"

„Gen. Remmele erntete für seine
tiefschürfenden Ausführungen starken
Beifall. An der sich anschließenden Aus-
sprache beteiligten sich die Gen. Fritz
Klein, Friedmann, Jakobsen
und Dr. Nies. Besonders waren es
die Gen. Friedmann und Dr. Nies, die
die Bedeutung einer Reichs- und Ver-
waltungsreform für die „sozialdemokra-
tische Partei stark Herausschälken. . ."
„Mit einem ernsten Appell an die Ge-
nossen und Genossinnen, die Zeit zu nut-
zen, für die Partei und Presse zu wer-
ben, damit die Partei jederzeit gerüstet
ist," endete Genosse Remmele.
Also schließt die Volkszeitung am Sams-
tag ihren Bericht über die „überaus zahl-
reich" besuchte Parteimitgliederversamm-
lung, die Freitag, den 4. September im
„Artushof" stattfand, auf der unser alter
Freund Genosse Adam Remmele eine
Rede redete.
Liest man diesen Versammlungsbericht,
so denken vertrauensvolle Gemüter, es sei
bei dieser Veranstaltung sozusagen alles
in Butter gewesen.
Damit in der Oeffentlichkeik kein
falscher Eindruck entsteht, wollen
wir ein wenig berichtigen und ergänzen.
„Der Wurm, der am eingeschrumpften Her-
zen der SPD. nagt", derselbe, der dem Ge-
nossen Adolf Rausch in letzter Zeit so
viel Sorgen bereitete, hatte sich freundlichst
Zur Berichterstattung über die Remmelever-
sammlung bereit erklärt.
Zunächst verzeichnen wir die überaus
deprimierende Tatsache, daß selbst der große
Genosse Adam nicht mehr als ca 120 Ge-
nossen in den Artushof zu locken ver-
mochte. Etwas kläglicher Best ch, aber
immerhin soviel wie bei einer Sc tionsver-
sammlung der NSDAP, in Heidelberg. Die
Volkszeitung nennt das „überaus zahl-
reich"; ein heroisches Beispiel schöner Be-
scheidenheit!
Anfangs gab es sofort einen bezeichnen-
den häuslichen Zwist, denn Gen. Amann,
der die Versammlung leitete, verbot zwei
jungen Genossen den Verkauf der Wochen-
schrift „Die Fackel", die v. Gen. Seydewitz
verausgegeben wird. Gen. Amann rief, als
die jugendlichen Genoss, mit der „Fackel"
entdeckte, empört in die Versammlung:
„Ich verbiete den Vertrieb dieser Zeit-

schrift; Seydewitz soll seine Zeitungen allein
verkaufen!"
Dieser sichtbare Beweis marxistischer
„Solidarität" erregte ziemlichen Aerger der
Versammelten und führte zu empörten Zwi-
schenrufen: „Regdich malnichta u f,
sei doch nicht so gehässig." Sodann
lief die Rede des Gen. Remmele vom Sta-
pel. Adam Remmele ist ja, seit er sich von
den Mühen des Ministersessels
zurückgezogen hak, vorwiegend als Histo-
riker tätig. Er teilt dieses Schicksal mit
den meisten reformistischen Genos-
sen, obwohl er ihnen nicht unbedingt zu-
zurechnen ist. Das ist so bei den Bonzen!
Entweder sie vertiefen sich in die Geschichte
der Partei und schöpfen aus ihrer Glanzzeit
Trost für den heutigen Zerfall der SPD.,
oder aber sie nehmen sich ausgespro-
chen bürgerliche oder aristokra-
tische „große Männer" aus Deutschlands
Geschichte vor und versuchen mit deren
Worten und Anschauungen ihr jetziges Ver-
halten zu rechtfertigen, den reformistischen
Kurs der SPD.-Bonzokratie „national" zu
begründen. Ein billiges Vergnügen, und
ein Verfahren, das die Hoffnung als berech-
tigt erscheinen läßt, daß der Freiherr vom
Stein, Objekt dieser Geschichtsfälschungen,
uns demnächst als erster Sozialdemo-
krat vorgestellt werden dürfte.
So ähnlich verbreitete sich auch Genosse
Remmele über den „größten Staatsmann
vor 100 Jahren". Verständlicherweise
rührte der fast ebenso große Adam erheb-
lich die Reklametrommel für eine Verwal-
tungsreform Reich-Preußen. Verständlich
deshalb, weil heute die SPD. in einer
solchen Reform die einzige Möglichkeit sieht,
sich in ihren preußischen Aemtern und Pöst-
chen zu halten. Genosse Braun soll Vize-
kanzler, Genosse Severing Reichsinnenmi-
nister werden. Diese Aussicht ist so verlok-
kend, daß selbst der Genosse Braun seine
früheren Widerstände angesichts der für
die SPD. schlechten Konjunktur
überwunden hat. Würde man indessen dem
Genossen Remmele den Vorschlag machen:
„Euere Verwaltungsreformvorschläge sind
ja sachlich ganz brauchbar, aber es wäre doch
praktischer, wenn Herr Brüning gleichzeitig
preußischer Ministerpräsident und Herr
Wirth gleichzeitig preußischer Innenminister
würden", dann würde der große Adam so-
fort schlagend beweisen, daß eine solche Ver-
waltungsreform den schlimmsten Verrat an

der Arbeiterschaft bedeute. Tja, das wäre
etwas anderes, denn dann fiele ja für die
SPD.-Bonzokratie nichts ab!
Die Rede des Genossen Remmele gibt
die Volkszeitung ganz getreu wieder, nur
einen recht interessanten Satz unterschlägt
sie:
„Man wirft uns heute vor," so er-
klärte Genosse Remmele, „wir hätten
1918 doch die Macht gehabt. Aber stel-
len sie sich vor. Genossen, daß nicht nur
wir, sondern auch das gesamte Bürger-
tum keine Männer hatten, die nur eini-
germaßen in der Lage gewesen wären,
verwaltungstechnisch auch nur das
kleinste im Staatsbetrieb zu organisie-
ren."
Dieses Bekenntnis aus dem ministeriel-
len Munde a. D. ist uns sehr wertvoll, denn
es bestätigt uns die Behauptung, die wir
Nationalsozialisten immer aufgestellt haben.
Dem Volkszeitungsbericht nach müßte
die Diskussion am Schluß der Versammlung
sehr friedlich und harmonisch verlaufen sein.
Bekümmert müssen wir jedoch Mitteilen, daß
sie ziemlich erregt verlief.
Zunächst ritt Kleine, Fritzel, der
SPD.-Skadtverordnete hohe Schule der
Opposition. Kurz und bündig, wie das in
der Altstadt üblich ist, warf er dem Gen.
Remmele vor, man habe ernsteres zu tun in
einer Zeit ungeheurer Wirtschaftsnok, als
sich mit so „seichten Dingen", wie
Gen. Remmele, zu befassen. Es sei falsch,
der „Arzt des Kapitalismus" sein
zu wollen, wie das der Genosse Tarnow in
Leipzig propagiert habe. (Großer Beifall der
Versammlung). „Wollen wir uns
wieder so gehen lassen wie 1918",
fragt Frihl, nachdem er warnend auf die
zunehmende Agitation der KPD. und ihre
erfolgreiche Mobilisierung der Massen hin-
gewiesen hak. „Es wäre wichtiger,
Gen. Remmele hätte über die
politische Situation gesprochen
als über so etwas Nebensächli-
ch e s!"
Hier gibt es wieder einen kleinen Zwi-
schenfall, denn Gen. Remmele fährt auf und
ruft erregt:
„Unverschämtheit!"
Der Beifall, der Kleine Fritzl zu-
teil wurde, war jedenfalls größer, als der
Adam Remmele mager gespendete.
Gen. Friedmann meint: „Es gibt
nur noch eine Partei -er Demokraten und

das find die Sozialdemokraten, und diese
Demokraten stützen Brüning und seine Not-
verordnungen und kragen dadurch dazu bei,
die Lage der Arbeiterschaft täglich zu ver-
schlechtern. Es ist die höchste Zeil, daß wir
die Sozialisierung wieder in den Vorder-
grund unserer Arbeit stellen!
Zwar ist für uns diese Feststellung des
Gen. Friedmann nicht gerade erschütternd,
neu, aber aus dem Munde eines Sozialde-
mokraten immerhin ein Zeichen für die be-
ginnende Erkenntnis, daß die reformistische
Parteibonzokratie eine Politik gegen die
Interessen der deutschen Arbeiter getrieben
hat!
Genosse Iakobsen erklärt:
„Die Partei muß sich wieder zum So-
zialismus bekennen, sie muß wieder zu
Ehren und den allen Grundsätzen der
Vorkriegszeit zurückkehren. Heule sank-
tionieren die Gewerkschaften den Lohn-
abbau. Heute trägt die SPD. dazu bei,
daß die Massenbelastung der werktätigen
Genossen auf das unerhörteste steigt."
Gen. Dr. Nies säuselte auffällig zahm
ganz im Sinne der Parteibonzokratie. Sollte
er vielleicht Aemkles- oder Pöstles-Schmer-
zen haben! Wir sind überzeugt, daß sich
die Parteileitung gegenüber so viel Treue
erkenntlich zeigen wird. „Dem Mann kann
geholfen werden". Vielleicht demnächst ein
freier Bürgermeisterposten?
Nachdem die Opposition überwiegend das
Mort geführt hakte, mußte zum Schluß die
reformistische Minderheitsrichtung wie-
der zum Sprechen kommen.
Adam Remmele ergreift das Schluß-
wort:
Wir müssen schon sagen, Gen. Remmele


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