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Heidelberger Tageblatt: unabhängige Zeitung für Nordbaden (47) — 1929 (November-Dezember)

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Nr. 256-281 (1. - 30. November)
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nAMmM Tageblall

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Nr. 256

Druck und Verlag von Carl Pfeffer
in Heidelberg

Freitag, 1. November 1929

Geschäftsstelle und Schriftleitung: /1.7 ^^r,«.^^^^»
Hauptstraße 4L und Brunnengasse 20/24 rti» ^)ui/^^^zt^

Terror WH GkWtemr in Oesterreich.
Heimwehr-Mobilisierung in Stockerau.

Wien, 31. Okt. In der Maschinenfabrik Heid
"ei Stockerau, ungefähr 20 Kilometer nördlich von
Vien an der Donau meldeten sich Donnerstag früh
>rei HeimweHrleute zur Arbeit. Die
trbeiterschaft beschloß jedoch in einer Versamm-
Üng, mit den Heimwehrleuten nicht zusam-
tenzuarbeiten. Die Heimwehrleute weiger-
sn sich, den Betrieb zu verlassen, wurden dazu aber
Hließlich gezwungen.
Einige Heimwehrführer erschienen in der
sabrik und forderten die Arbeiterschaft auf, mit
en vertriebenen,Kameraden zusammenzuarbeiten,
sie Arbeiterschaft weigerte sich jedoch neuerdings.
Daraufhin wurde von der Heimwehrabteilung
llarmbefehl ausaegeben. Heimwehrleute fuhren
lit Motorrädern in die Umgebung, um ihre An-

Will gibtdieLiWdMUMersWemWti

We große EMischiig.
Konfiskation statt Vertrausnspolitik.
London, 31. Okt. Die englische Regierung hat
gs deutsche Ersuchen um Rückgabe der Lignidations-
berschüsse gemäß den Empfehlungen des Aonngplans
bgelehnt. *
Die Ablehnung des deutfchenEr su ch ensum.
Rückgabe der Liquidationsüberschüsse durch die cng-
sche Regierung hat in Berliner politischen Kreisen
ne außerordentliche Ueberraschung Her-
ergerufen. Man konnte deutscherseits nach der Stel°
mgnahme verschiedener Hervorragender Persönlich-
sten — es sei erinnert an den Appell Gais-
Horthys — eine andere Entscheidung erwarten.
,mn auch die Verträge vielleicht England das Recht
0) en mögen, so entspricht der Standpunkt, den die
.egierung Mac Donald einnimmt, nicht dem Geiste
rr Versöhnung und ist einer Arbeiterregierung un-
würdig, die bekanntlich zu Beginn ihrer Tätigkeit Ver-
liedentlich betont hat, wie üotwendig die Gesamt-
quidierung des Weltkrieges und seiner
eigen ist.
Wenn die englische Regierung sich bei ihrer Ableh-
sing auf gewisse formale Bestimmungen des Pariser
sachverständigenplanes bezieht, so muß demgegenüber
»rauf Angewiesen werden, daß im Aoung-Plan, durch
M Artikel 243 des Versailler Vertrages und eine
ote der Alliierten vom 16. Juni 1919 ausdrücklich
Märt Wird, daß die Liquidationserlöse von den Re-
arationen abgezogen Werden müssen und hierbei eine
eutschland wirklich entlastende Gutschrift gemeint sei.
le Auslegung der englischen Regierung dürfte aber
ich durchaus dein Sinne des Noung-Planes, durch
IIeine Liquidation des Krieges herbeigeführt und das
inerläßliche allgemeine Vertrauen wieder hergestellt
erden soll", zuwiderlausen. Wenn sich die Engländer
ls den Standpunkt stellen, daß die Erlöse nicht auf
n Aoung-Plan in Anrechnung zu bringen seien, son-
rn auf die sagenhaften 132 Milliarden des Londoner
ltimatums von 1921, so dürfte das einer glatten Kon-
skation gleichkommen. Die bisher auf dem Gnaden-
ege zurückgegebenen 106 Millionen machen nur etwa
Prozent der Gesamtkonfiskation aus. Daß es sich
Misch unr eine Konfiskation handelt, darüber
irfte auch in England kaum ein Zweifel bestehen.
Das Verhalten der englischen Regierung steht in
nen Grundsätzen, vor allem aber in seiner prak-
chen Bedeutung, in Widerspruch zu der Praxis aller
nagen Gläubigerstaaten, jo zu Japan, Frankreich,
talien und auch zu verschiedenen englischen Dami-
ons selber: Es ist auch irrig, wenn die englische
egierung die Ansicht vertritt, die USA. Hätten das
lutsche Eigentum ebenso schonungslos behandelt. Tat-
ichlich Haben die Amerikaner das noch nicht liqui-
erte Eigentum zuriickgegeben. Sie befriedigen noch
igedeckte Ansprüche eigener Gläubiger im wesentlichen
is ihrem Boung-Plan-Anteili
Das englische Vorgehen dürfte wohl auch nach dem
rteil aller billig denkenden und auf Fairneß im Ge-
läft bedachten Briten recht ungünstig abstechen,
inimt man hinzu, daß diese Frage nicht nur finanz-
chnisch zu beurteilen ist, sondern im Rahmen der
roßen Politik gesehen werden muß, so ist die
Entscheidung des Schatzamtes, besonders bedauerlich
nd zu verurteilen, nicht nur um des. uns zugemute-
n materiellen Verlustes, willen, sondern von höheren
esichtspunkten aus, die sonst englische,Staatsmänner
n eines Augenblickprofits willen nicht so beflissen
ißer Acht zu lassen pflegen.
Aus dem Unterhaus.
Angebliches deutsches Eetreidedumping.
London, 31. Okt. In der Heutige«. Sitzung des
nterhaujes ersuchte Sir Edward Zlijse die Re-

hänger zu mobilisieren. Die Heimwehr erklärte,
die ganze Stadt und die Betriebe besetzen zu wollen.
Gendarmerie wurde in Ueberfallautos Herangezo-
gen und auch die Garnison in Bereitschaft versetzt.
Der republikanische Schutzbund hat noch keinen
Mobilisierungsbefehl erlassen. Die Lage wird als
ernst angesehen.
Der Konflikt ist jedoch gegen Abend bis
auf weiteres beigelegt worden. Die Di-
rektion der Maschinenfabrik Heid stellte der Arbei-
terschaft ein bis Samstag befristetes Ultimatum,
demzufolge die Fabrik gesperrt würde, wenn die
Arbeiterschaft nicht in die Zusammenarbeit mit den
drei der Heimwehr angehörenden Arbeitern ein-
willigt. Daraufhin zogen die aus der Umgebung
in Stockerau eingerückten Heimwehrverbände wie-

gierung, der Preisunterbietung durch
deutschen Weizen und andere Getreidearten
in England ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Ackerbauminister Exton erklärte, es sei nicht richtig,
daß der deutsch-englische Handelsvertrag mit sei-
nem Ablauf aufgehoben werden könne. Der Ver-
trag bestehe vielmehr fort, bis er von einer der
beiden Parteien gekündigt werde. Das komme
aber nicht in Frage, weil keine Regierung ihn zu
kündigen wünsche. Der Vertrag sei von außer-
ordentlichem Wert und gewähre England Vorteile,
die es nicht zu opfern gewillt sei.
Das Unterhaus lehnte schließlich den Antrag
Jliffes mit 26h gegen 157 Stimmen ab.
Die englische Bergbaukrise.
Die Resormvorschläge von der Regierung
angenommen.
London, 31. Okt. Das Kabinett hat am Mitt-
woch in dreistündiger Sitzung die Reformvor-

Wzim im MWuer Par!««!.
Pilsudski Provoziert erneut die Volksvertretung.

Warschau, 31. Okt. Die auf 4 Uhr nachmittags
angesetzte Eröffnung der Sejmtagung ist durch
ein völlig unerwartetes Ereignis verhindert wor-
den, das den Konflikt zwischen Regierung und Par-
lament bis aufs äußerste zuspitzt.
Kurz vor 4 Uhr erschien Marschall Pilsudski
persönlich im Sejmgebäude, wo er in der Halle von
über 10V Offizieren in voller Uniform empfangen
wurde. Dxr Sejmmarschall Daszynski sah sich ver-
anlaßt, die Offiziere aufzufordern, das Haus zu
verlassen, da er die Sitzung vorher nicht eröffnen
könne. Die Offiziere kamen dieser Aufforderung
nicht nach. Darauf wandte sich der Sejmmarschall
schriftlich an den Staatspräsidenten und bat ihn
um sein Eingreifen. Kurz vor 17)4 Uhr betrat
Pilsudski das Zimmer des Sejmmarschalls und for-
derte ihn aus, die Sitzung zu eröffnen. Der Sejm-
marschall erwiderte, daß er dieser Aufforderung
nicht nachkommen könne. Pilsudski stellte darauf
die kurze Frage: „Ist das Ihr letztes Wort?" Als
der Sejmmarschall mit „2a!" antwortete, verließ
Marschall Pilsudski den Raum und fuhr aus dein
Sejm ab. Welche Folgerungen sich aus dieser Lage
ergeben werden, läßt sich im Augenblick noch nicht
übersehen.
Nach diesem Vorfall blieb dem Sejmmarschall
auf den Rät des Staatspräsidenten nichts weiter
übrig, als die Sitzung zu vertagen. Der Ael-
testenausschutz des Sejms beschloß hierauf, die Ab-
geordneten nach Hause zu entlassen und ihnen den
Zeitpunkt der nächsten Sitzung telegraphisch mitzu-
teilen.
Der Vorfall erregte in Warschau ungeheures
Aufsehen, um so mehr als unzählige Tribünen-
besucher, alle Minister und Diplomaten die Vor-
gänge im Sejm mit größter Spannung verfolgt
Hatten Die Straßen wurden von Extrablättern
überschwemmt, die die Kenntnis von den auf-
regenden Vorgängen in der Stadt verbreiteten.
Eine Sonderausgabe des sozialistischen „Robot-
nik" wurde sofort beschlagnahmt. Die
Arbeitertrupps, die gerüchtweise im Anmarsch ge-
wesen sein sollen, sind zwar, von ein paar hundert
Neugierigen abgesehen, vor dem Parlament nicht
erschienen. Die sofortige Unterdrückung der Arbei-
terpresse deutet aber darauf Hin, daß die Regie-
rungsstellen doch noch Unruhen in den Massen

der ab. In Stockerau herrscht vollkommene Ruhe.
Morgen beginnen in Wien Verhandlungen des
Metällarbeiterverbandes mit der Direktion der
Maschinenfabrik Heid A.-G., von deren Ergebnis
es abhängen wird, ob die sozialdemokratisch organi-
sierten Arbeiter der Fabrik die Arbeitsfreiheit zu
achten gewillt sind oder ob es zu einer Sperrung
des Betriebes kommt.

Bis jetzt 8,54 Prozent.
Die Eintragungen zum Volksbegehren
Berlin, 31. Okt. Nach den beim Reichswahl-
leiter bis beute abend 8 Uhr eingegangenen Mel-
dungen stellt sich das Ergebnis wie folgt: Zahl der
Stimmberechtigten in den vorliegenden Bezirken:
34 585 389; Zahl der Eintragungen: 3299 182, mit-
hin Beteiligung: 9,54 v. H.
Gemessen an der Gesamtziffer der Stimmberech-
tigten (41 271 897) liegen die Eintragungszisfern
aus etwa 83,78 v. H. des Reichsgebietes vor.

schläge für den Bergbau gebilligt.
Sie sind am Nachmittag sowohl der Bergarbeiter-
gewerkschaft, wie der Erubenbesitzervereinigung zu-
geleitet worden. Beide Organisationen werden sich
mit den Regierungsvorschlägen beschäftigen, lieber
den Inhalt der Vorschläge verlautet, daß neben dem
bereits angekündigten Vorschlag auf Herabsetz-
ung der Arbeitszeit nächsten Lahres die
zwangsweise Schaffung einer Absätz-
organisation und die Nationalisie-
rung der Bergbaurechte vorgeschlagen wird,
während die Forderungen der Bergarbeiter auf
Alterspensionierung, Kompensation und Abschluß
eines neuen nationalen Minddstlohnabkommens
vorläufig keine gesetzliche Befriedigung finden dürf-
ten. Aus dem bisher bekanntgegebenen Inhalt er-
gibt sich unzweideutig, daß die Regierung in die-
ser außerordentlich schwierigen Lage nur mit größ-
ter Vorsicht vorgegangen ist und sich nicht an-
nähernd zu einer vollkommenen Vesriedigung der
Bergarbeiterwünsche verstand.

infolge der Vorgänge befürchten. Die Lage bleibt
jedenfalls gespannt. Was jetzt werden wird, ist
aber nach wie vor unentschieden, und neue Ueber-
raschungen sind nicht ausgeschlossen.
Schwere Bluttaten in Agram.
Zwei Polizeibeamte getötet und zwei schwer
verletzt.
Belgrad, 31. Okt. Der Innenminister
veröffentlicht ein Communiquß, in welchem er u. a.
mitteilt: Nach Mitteilung der Polizeibehörden in
Agram waren zwei Beamte beauftragt, den
Chauffeur Babit ch, der in einer Werkstatt der
Firma Siemens beschäftigt war, zur Polizei zu
bringen. Als die beiden Beamten den Hof der
Fabrik betraten und Vabitch ihre Ausweise zeigten,

Sie RGemWNWW.
Die Deutsche BolLspartei will Autzen-
und Wirtschastsmimsterium behalten.
Berlin, 31. Okt. Die Sitzung der Reichstagsfrak-
tion der Deutschen Volkspartei erstreckte sich über den
ganzen Donnerstag. Ueber den Verlauf erfährt die
Telunion, daß Reichswirtschaftsminister Dr. Cur-
tius auf Wunsch zunächst einen kurzen Bericht über
die politische- Lage unter besonderer Berücksichtigung
der schwebenden außenpolitischen und reparationspoli-
tischen Verhandlungen erstattete. Curtius sprach auch
über die bevorstehende zweite Reparationskonferenz.
Darauf bekannte sich die Fraktion zu einer Fortsetzung
ihrer bisherigen Politik. Sie ist mit der Uebernahmx
des Reichsaußenministeriums durch den bisherigen
Reichswirtschaftsminister Dr. Curtins einverstanden
und beansprucht die Besetzung des Reichswirtschafts-
ministeriums. Mit besonderer Genugtuung wurde da-
von Kenntnis genommen, daß sich der Gesundheits-
zustand des Fraktionsvorsitzenden Dr. Scholz wesent-
lich gebessert Hat.'
In der Frage der Besetzung des Reichswirtschafts-
ministeriums MMen lauf «DUZ." voraussichtlich schog

Aalies Mt.
Der Erinnerungstag des Faszismus.
(Vom Vertreter des „Heidelberger Tageblattes".)
Vr.ir.l-. Rom, 27. Oktober 1920.
Durch Italien geht wieder einmal eine Welle
von Freude und Festen. Die Erinnerungs-
tage des Faszismus werden bei ihrer all-
jährlichen Befeierung diesmal durch die Ver-
lobung des Thronfolgers gehoben, und
der Jubel der Volksmenge über das vereitelte
Attentat auf den Erben des Reichs hebt dies-
mal den allgemeinen Jubel der nationalen Feste
über das übliche Matz. Selbstverständlich kann
auch der G.ast im Lande Italien nur in die Freude
einstimmen, daß der Kronprinz dem Schüsse in
Brüssel glücklich entronnen ist, und sich nur dem
Urteil der Allgemeinheit anschlietzen, die in der
Wahl des Ortes und des Augenblicks, in dem der
Anschlag verübt wurde, eine besondere Abscheulich-
keit erblickt.
Vor allein aber ist gerade die Persönlich-
keit des Kronprinzen derart, daß auch anti-
monarchische Leute und Antifaszisten gar nicht
recht verstehen können, warum dieser Jüngling für
einen Anschlag ausersehen wurde. Wenn der
Attentäter nicht einfach ein Irrer ist, so ist die
Tat gegen diesen Prinzen ganz unverständlich. Der
Sohn Vittorio Emanueles und der schönen Helena
aus Montenegro ist ein Liebling der Italiener von
Süd bis Nord. Er imponiert durch seine über das
übliche Maß der an sich im Durchschnitt kleinen
Italiener hinausgehende Größe; er ähnelt jenem
Typus der hochgewachsenen norditalienischen Män-
ner, die meist aus langobardischem Geschlecht stam-
men. Obendrein ist er ein sehr hübscher und un-
gemein wohlerzogener junger Mann, der sich durch
die Einfachheit seines Auftretens tatsächlich überall
immer nur Sympathien erworben Hat. Wenn schon
diese persönlichen Eigenschaften die Tat verab-
scheuenswürdig erscheinen lassen, so wird der Fall
umso rätselhafter, wenn.man beachtet, daß der
Kronprinz angeblich ein Opfer der .antifaszistischen
Rache werden sollte. Hier muß.zuch mindesten ein
vollkommenes Verkennen der Persoy des Prinzen
nach seiner politischen Einstellung hin vorliegen.
Denn der Kronprinz von Italien galt von jeher
als ein nicht direkt faszistenfreundlich
denkender Militär. Selbstverständlich ver-
bot ihm seine konstitutionelle Erziehung, in irgend
einer Weise deutlich Stellung gegen oder für

zog dieser einen Revolver und feuerte auf die
Beamten Schüsse ab, durch die der eine sofort ge-
tötet, der andere schwer verletzt wurde. Der Täter
ergriff die Flucht.
Da man annahm, daß er sich bei Freunden ver-
steckt hielt, begab sich der Polizeibeamte Trom s ki
in Begleitung eines zweiten Beamten in die Woh-
nung des Mechanikers Ranilovitch, Da sie den
Gesuchten dort nicht fanden, warteten die Beamten
im Eingang des Hauses. Als Ranilovitch heim-
kehrte und die Beamten erblickte, zog er einen Re-
volver, tötete Tromski durch einen Schuß und ver-
letzte den anderen Beamten. Ranilovitch flüchtete,
konnte jedoch im Laufe des Tages festgenommen
werben.
Ein Kroatenführer verhaftet.
Der Führer der ehemaligen kroatischen Bauern-
partei, Pawelitsch, wurde bei seiner Ankunft
am Dienstag aus Italien von der Wiener Polizei
verhaftet, da er keinen richtigen Paß Hatte.
Pawelitsch hatte seinerzeit durch seine serbenfeind-
liche Rede bei der kroatisch-bulgarischen Verbrü-
derungsfeier in Sofia viel von sich reden
gemacht.

am Freitag die offiziellen Verhandlungen ausgenom-
men werden.

Sie Börse» Werde» mMer.
Ermäßigte Diskontsätze in Neuyork
und London.

Die Bank von England und die Federal Re-
servebank von Neuyork Haben gestern ihre Diskont-
sätze herabgesetzt und zwar London um ^ Prozent
auf 6 Prozent, Neuyork um 1 Prozent auf 8 Pro-
zent. Die Maßnahmen kamen völlig überraschend
und — wie man annimmt — in gegenseitigem Ein-
verständnis zwischen den beiden führenden ^Welt-
banken. Inwieweit sich daraus Rückwirkungen
für die deutsche Wirtschaft erwarten las-
sen, kann vorerst nicht übersehen werden. Wir ver-
weisen auf die Kommentare in der „Wirtschaft«-
Zeitung".
 
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