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Druck und Verlag von Carl Pfeffer
in Heidelberg
Montag. 2. Dezember 1929
Geschäftsstelle und Schriftleitung: ^7 ^nBnNilNil
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Me Weite Zme meder Atter Reichshoheit
^ Tie Neiheltsseienl.
^ernachtsjubel am Deutschen Eck
»zu Koblenz.
sch; ^ 1. Dez. Das Deutsche Eck ist Zeuge
nach dem Kriege aber auch trüber
Der GM der ReWrWeAe«.
»»Möge bald dem noch besetzten Teile deutschen Landes die Stunde
der Freiheit schlagen"!
ArHat .^ deutschen Volkes gewesen. Noch keine
»^ so zahlreiche und innerlich so bewegte
Nie ^sammelt gesehen, wie in der Vefreiungs-
zweiten Zone. Obgleich die Feier am
die» § bist um Mitternacht ihren Anfang nahm,
Rheinufer schon um 10 Uhr dicht besetzt,
^de n^E Herrschte würdige Ruhe, nirgends
^t erntende Lustigkeit laut. Als um Mitter-
„Wx Signalrakete von dem Neuendorf-Ufer,
große Aufleuchten der Lichter in Rhein
--
°A-Usieucyren oer Lrcyrer ruyern
' begleitet von dem feierlichen Geläute
"j ^„^5 Kirchenglocken, den Beginn der Be-
iß^pt-» ^ verkündeten, da entblößten sich die
.Mutlose Stille trat ein und in tiefem,
^°" dauerndem Schweigen wanderten die
2 ber Versammelten noch einmal in die
des Krieges zurück, in die nach ihm
schweren Jahre der Besatzung. Wuchtig
^^voll wie ein Dankgebet klang dann
iff"^ ^Srophe des Liedes „Großer Gott, wir
D^ifs zum nächtlichen Himmel empor. Dann
"1 Uch^ Wort zu seiner Befreiungsstunde der
^
Koblenz, 30. Nov. Der Overpräsident der
Rheinprovinz sandte Heute nachmittag folgendes
Telegramm an den Reichspräsidenten: „Berichte
gehorsamst: französische Flagge vom Ehrenbreitstein
um 11.1S medergeholt. Letzte Truppen rücken ab.
Zweite Zone frei. Oberpräsident Fuchs."
Der Reichspräsident erwiderte dem
Oberpräsidenten mit folgendem Telegramm: „In
der Stunde, da die Räumung der zweiten Zone
beendet und diesem Gebiete die Freiheit wieder-
gegeben ist, gedenke ich in Dankbarkeit der treuen
rheinischen Bevölkerung. Sie hat in
den elf Jahren fremder Besatzung schweres Schicksal
erduldet, aber die Treue zum Vaterlande in Har-
ten Tagen erprobt. Das soll ihr unvergessen blei-
ben! Allen denen, die im Klange der Freiheits-
glocken sich Heute zur Erneuerung ihres Bekenntnis-
ses zum Baterlande in dem nun befreiten rheini-
schen Gebiet versammeln, entbiete ich in enger Ver-
bundenheit herzlichste Grütze. Ich verknüpfe damit
die Hoffnung, daß auch dem noch besetzten Teile
deutschen Landes bald die Stunde der Freiheit schla-
gen möge. v. Hindenburg, Reichspräsident."
Auch in rechtlichem Sinn frei.
Berlin, 1. Dez. Die Botschafterkonfe-
renz hat am Samstag der Reichsregierung durch
den deutschen Botschafter in Paris, von Hoesch,
notifiziert, dab die Besetzung der zweiten Zone
aufgehoben ist. Danach ist also auch die zweite
Zone nunmehr nicht nur militärisch, sondern auch
in politischem und rechtlichem Sinne frei, das heißt
der deutschen Souveränität zurückgegeben.
, ^ Oberbürgermeister Dr. Russell.
' !^^te u. a. aus, die Feuerprobe Ha-
bestanden und leuchtenden Auges
Hs vor unsere Volksgenossen. Ein bitterer
S^"Utstropfen aber fällt in den vouen
Uweil unsere Brüder vom Ober-
dst'^osel und der Saar immer noch nicht
^rt ^scheit des deutschen Vaterlandes zurück-
,Ihnen senden wir, die wir so lange
. Niste - d erduldet, in dieser unserer glücklichen
besonders innigen Gruß. Der Ober-
sprach dann seine Freude über den
^vle^ Reichsministers von Gusrard und
°t Ern,, ^n Ministers Dr. Bitter aus. Er gab
'stil/ÄEuung darüber Ausdruck, daß die Bevöl-
. Rr U^l -rahre lang in der Verteidigung deut-
if °hne Unterschied des Standes und des
>zusammengestanden hat, und gedachte
«der vielen Opfer dieser bösen Zeit. Er
2*Mahnung, die Reihen zu schließen
!Zukunft trotz aller Schicksalsschläge ver-
zoll ins Auge zu schauen.
A^°8 nach 11 Jahren zum ersten Male wie-
.°tkitch:„ putsche Reichsflagge auf Ehren-
Ä hoch- Freudig stimmte die Menge die
W^it rophe des Deutschlandliedes an. Hierauf
an.
^si^ ^ichsjustizminister Dr. v. Guörard
„Festfeuer spiegeln sich nach
r. .^^Wer Sitte im vaterländischen Strom. Die
bauten, und droben auf dem alten Wahr-
Zusammenflusses von Rhein und Mosel
>des Deutschen Reiches Symbol, der
" Republik Standarte, droben, wo wir einst.
Schmerz im Herzen, steigen sahen fremde Fahnen,
das Sternenbanner, dann die Trikolore, weht die
deutsche Fahnen als Zeichen der Befreiung von
fiemder Besatzung.
Nirgends ist die unlösliche nationale Verbun-
denheit des rheinischen Volkes mit dem großen
deutschen: Vaterland so erhebend in die Erscheinung
getreten wie in schwersten Stunden einer hinter
uns liegenden Vergangenheit. Gab es doch Zeiten
— ich erinnere an das Ende des Ruhrkampfes, an
die Separatistenzeit —, wo mancher im deutschen
Lande glaubte, es sinke dahin, gehe dem Abgrund
entgegen. Hierbei und an diesem Orte gedenke ich
des Wegbereiters deutscher Freiheit, dessen mutige
Tat die Beendigung des verlorenen Ruhrkampfes
war, an Gustav Stresemann. Rheinische
Treue hat nie gewankt, rheinische Kraft hat nie
versagt. Mit diesen Tatsachen mußte sich auch die
Politik unserer Gegner abfinden. Die, namentlich
in der Separatist enzeit, wach gewordenen
Träume von der Loslösung rheinischen Gebietes
vom deutschen Vaterland wurden still. Für uns ist
Heute die Stunde der Freude gekommen.
Mir ist es eine mich tief bewegende innere Genug-
tuung, daß ich Ihnen hier den Dank der Reichs-
regierung und damit den des deutschen Volkes aus-
sprechen darf für Ihre vaterländische Treue, für
Ihre opferwillige Pflichterfüllung für die
gesamtedeutscheNation. Wir wissen, daß
erst nach der Sonnenwende des nächsten Jahres un-
sere Brüder und Schwestern der dritten Zone uns
in Freiheit die Hände reichen können; aber der
Tag steht fest. Wir wissen, daß um die deutsche
Saar noch gerungen wird. Den Volksgenossen der
noch besetzten Gebiete, den Volksgenossen an der
Saar gilt unser Gruß. — Wir gehen der neuen
Zeit der Freiheit entgegen, nicht ohne Sor-
gen. Wirtschaftliche Not drückt uns als Folge des
verlorenen Krieges. Des Reiches Helfende Hand
muß cingreifen im Westen und Osten. Daß ich da-
für einstshen werde, dafür bürgt Ihnen meine
Vergangenheit, meine Gegenwart in Ihrer Mitte,
mit dem grüßenden
unser rheinisches
Lassen Sie mich schließen
Wunsch: Gott legne
Vaterland!"
Beethovens „Die Himmel rühmen des Ewigen
Ehre", vorgetragen von über 700 Mitgliedern des
Mittelrheinischen Sängerbundes, beschloß die Feier.
Langsam löste sich die gewaltige Menge auf, all-
mählich verglimmten die Freudenfeuer an den
Ufern des Rheins. Einige tausend Personen ver-
sammelten sich dann noch bei einem patriotischen
Volkskonzert im großen Saale der Stadthalle.
Nach dem Niederholen der Trikolore marschier-
ten die französischen Besatzungstruppen nach dem
Moselgüterbahnhof, wo sie in die bereitstehenden
Züge verladen wurden. Um 12.55 Uhr setzte sich der
Truppentransport nach Metz in Bewegung. Später
folgte eine Autokolonne von 60 Wagen aus dem
Wege nach Mainz. Der Abmarsch der französischen
Truppen vollzog sich in voller Ruhe. Es waren
außer Pressevertretern und Photographen nur we-
nige Neugierige zugegen.
Ein Befreiungsflug.
Gladbach-Rheydt, 1. Dez. Die Flugzeuge
en akademischen Fluggrup-
pen überflogen auf dem Weg nach Aachen und den
anderen Städten der freigewordenen Aachener
Zone am Samstag um 15 Uhr die Stadt Gladbach-
Rheydt und wenige Minuten später die Stadt
der deut
Erkelenz.
Ser Jank der Stadt.
Kranzniederlegungen.
Koblenz, 1. Dez. Von der Stadt Koblenz wird
mitgeteilt: Die Stadt Koblenz hat aus Anlaß der
endlichen Befreiung der Stadt am Grabe des ver-
storbenen Reichsaußenministers Dr. Strese-
mann, dessen Verdienste um die Räumung des
Rheinlandes nie vergessen werden, am Grabe
unseres am gleichen Tage verstorbenen Regierungs-
präsidenten Dr. Brand, am Grabe und am Denk-
mal unseres größten Dichters Max von Schen-
kendorf, am Denkmal unseres berühmten rheini-
schen Publizisten Görres, des größten Sohnes der
Stadt Koblenz und auf dem städtischen Ehrenfried-
hof einen Kranz in den städtischen Farben nieder-
gelegt. Diese Spenden sollen . ein Zeichen des
Dankes und des treuen Gedenkens sein.
Die zweiter Koblenzer Feier.
Koblenz, 1. Dez. Am heutigen Tag begann um
12.30 Uhr in der dichtgefüllten Stadthalle der große
akademische Festakt. In seiner Festrede gab
Oberbürgermeister Russell
in kurzen Strichen ein Bild der hinter uns liegen-
den schweren Zeit und mahnte wiederum zur
Einigkeit und zum treuen Zusammenhalten. Er
dankte all: den: Männern, die sich in dieser Zeit um
das Rheinland und die Stadt Koblenz verdient -
gemacht haben, und ganz besonders dem OberpMi-
deuten Dr. Fuchs, dem er seine einstimmige. Er-
nennung zum Ehrenbürger der Stadt
Koblenz mitteilte. Ferner konnte er bekannt-
geben, daß der Chef der Reichswehr dem
Museum im Schloß Feldzeichen des achten Armee-
korps überwiesen hat.
Dann überbrachte der preußische
Kultusminister Dr. Becker
die Grütze der preußischen Staatsregierung an die
Bevölkerung der befreiten Zone, der er für ihre
treue deutsche Gesinnung dankte. Er betonte, daß
der Geist der Zusammengehörigkeit, Her
sich in Koblenz und im besetzten Gebiet in dem
letzten Jahrzehnt so trefflich bewährt hat, immer
stärker das öffentliche Leben durchdringen müsse,
dämit wir das deutsche Freiheitshaus von innen
Heraus ausbauen können. Nicht bramarbasieren,
nicht kritisieren, nicht verzweifeln, sondern arbei-
ten und Leistungen schaffen vom Einzelmenschen
aus, das ist es, was dem Auslands imponiert und
was uns den uns gehörenden Platz in der Welt zu-
rückgeben wird. Wir sind auf dem Weg dazu. Die
Welt schaut wieder auf Deutschland.
Aber lassen Sie uns nicht auseinanderoperieren.
Die Klassen, Stände und Parteien dürfen nicht die
Fehler wiederholen, die wir den Fürsten von ehe-
dem vorwerfen. Solche Feiern wie heute lehren
uns die großen Verpflichtung gegen
uns selbst, gegen unser Volk. Wir sind ein jun-
ges, ein aufsteigendes Volk,
Marktplatz und Rathaus iu Aachen,
das am gestrigen Sonntag die Freude über die Befreiung der Zweiten Zone in einer großen
Feier zum Ausdruck brachte,
Das Regierungsgebäude in Koblenz,
11 Jahre lang der Sitz dex interalliierten RheinlandkominWon,



