JSehr leid hat es mir getan, dass ich bei Ihrer Durchreise
r'//nicht in Heidelberg war. Ich hätte mich ausserordentlich gefreut,
/ / Sie nach so langer Zeit wieder einmal sehen und sprechen zu dürfen.
Vor allem hätte ich sehr gerne mit Ihnen gesprochen über eine Stel-
le im II.Bande meines "Möglichkeitsgedankens", die Sie im Gespräch
mit
wie
ich
her
Herrn Geheimrat Rickert erwähnten. Erst als Rickert mir sagte,
Sie diese Stelle auffassen, wurde mir plötzlich bewusst, dass
mich dort sehr ungeschickt ausgedrückt habe. Hätte ich mir vor-
klar gemacht, wie der Ausdruck "Willkürlichkeit" wirken kann,
so würde ich ihn bestimmt vermieden^ haben; und aus Ihren Einwen-
dungen habe ich für meine späteren Arbeiten wenigstens dies schon
jetzt gelernt, dass ich mich einer erheblich vorsichtigeren und maß-
volleren Ausdrucksweise zu befleissigen habe. Die Absicht einer Takt-
losigkeit lag mir selbstverständlich vollkommen fern; und dass ich
Sie, den ich gerne zu meinen Lehrern rechne, niemals mit Bewusstsein
verletzen oder verstimmen werde, brauche ich doch wohl nicht erst
ausdrücklich zu betonen. Ich weiss sehr gut, wie viel ich Ihnen zu
verdanken habe. Ihre Freiburger Vorlesungen und die privaten Ge-
spräche, die ich als Student mit Ihnen führen durfte, haben nicht
wenig dazu beigetragen, den Widerstand gegen alle Phänomenologie
und gegen jede Existenzialphilosophie in mir zu verstärken und mich
ganz für den Deutschen Idealismus zu gewinnen. Ihr Buch "Von Kant
bis Hegel" hat diesen heilsamen Einfluss dann noch mehr bekräftigt.
Es ist mir daher ein dringendes Bedürfnis, von Ihnen entschuldigt
zu werden. Deshalb bitte ich Sie, die beanstandete Stelle in meinem
Buch durch diesen Brief erklären zu dürfen, in der Hoffnung, Sie
werden mir verzeihen, wenn Sie verstehen, wie ich zu jener Aeusse-
rung gekommen bin.
Wie wenig eine geringschätzige oder gar verletzende Kri-
tik Ihres Buches oder auch nur der Anschein einer solchen Kritik
von mir beabsichtigt war, das glaube ich eigentlich schon in den
Worten zum Ausdrucke zu bringen, mit welchen ich die beiden Verweise
auf Ihr Buch einleite: Nachdem die betreffende Stelle der Hegelschen
Logik von J.E.Erdmann und Kuno Fischer "nur ganz kurz" behandelt
worden ist, "hat neuerdings Richard Kroner eine sehr eingehende
Interpretation gegeben" und mit Hegels Lehre "spekulativ am meisten
angefangen". - - Eine ausführliche Hegel-Darstellung und erst recht
natürlich eine eingehendere Berücksichtigung der Hegel-Literatur
wird erst im III. Bande meines "Nföglichkeitsgedankens" Platz haben.
Gerade deshalb wollte ich schon im 11. Bande doch wenigstens einige
Verweise auf die wichtigste Literatur vorwegnehmen; und gerade Ihre
r'//nicht in Heidelberg war. Ich hätte mich ausserordentlich gefreut,
/ / Sie nach so langer Zeit wieder einmal sehen und sprechen zu dürfen.
Vor allem hätte ich sehr gerne mit Ihnen gesprochen über eine Stel-
le im II.Bande meines "Möglichkeitsgedankens", die Sie im Gespräch
mit
wie
ich
her
Herrn Geheimrat Rickert erwähnten. Erst als Rickert mir sagte,
Sie diese Stelle auffassen, wurde mir plötzlich bewusst, dass
mich dort sehr ungeschickt ausgedrückt habe. Hätte ich mir vor-
klar gemacht, wie der Ausdruck "Willkürlichkeit" wirken kann,
so würde ich ihn bestimmt vermieden^ haben; und aus Ihren Einwen-
dungen habe ich für meine späteren Arbeiten wenigstens dies schon
jetzt gelernt, dass ich mich einer erheblich vorsichtigeren und maß-
volleren Ausdrucksweise zu befleissigen habe. Die Absicht einer Takt-
losigkeit lag mir selbstverständlich vollkommen fern; und dass ich
Sie, den ich gerne zu meinen Lehrern rechne, niemals mit Bewusstsein
verletzen oder verstimmen werde, brauche ich doch wohl nicht erst
ausdrücklich zu betonen. Ich weiss sehr gut, wie viel ich Ihnen zu
verdanken habe. Ihre Freiburger Vorlesungen und die privaten Ge-
spräche, die ich als Student mit Ihnen führen durfte, haben nicht
wenig dazu beigetragen, den Widerstand gegen alle Phänomenologie
und gegen jede Existenzialphilosophie in mir zu verstärken und mich
ganz für den Deutschen Idealismus zu gewinnen. Ihr Buch "Von Kant
bis Hegel" hat diesen heilsamen Einfluss dann noch mehr bekräftigt.
Es ist mir daher ein dringendes Bedürfnis, von Ihnen entschuldigt
zu werden. Deshalb bitte ich Sie, die beanstandete Stelle in meinem
Buch durch diesen Brief erklären zu dürfen, in der Hoffnung, Sie
werden mir verzeihen, wenn Sie verstehen, wie ich zu jener Aeusse-
rung gekommen bin.
Wie wenig eine geringschätzige oder gar verletzende Kri-
tik Ihres Buches oder auch nur der Anschein einer solchen Kritik
von mir beabsichtigt war, das glaube ich eigentlich schon in den
Worten zum Ausdrucke zu bringen, mit welchen ich die beiden Verweise
auf Ihr Buch einleite: Nachdem die betreffende Stelle der Hegelschen
Logik von J.E.Erdmann und Kuno Fischer "nur ganz kurz" behandelt
worden ist, "hat neuerdings Richard Kroner eine sehr eingehende
Interpretation gegeben" und mit Hegels Lehre "spekulativ am meisten
angefangen". - - Eine ausführliche Hegel-Darstellung und erst recht
natürlich eine eingehendere Berücksichtigung der Hegel-Literatur
wird erst im III. Bande meines "Nföglichkeitsgedankens" Platz haben.
Gerade deshalb wollte ich schon im 11. Bande doch wenigstens einige
Verweise auf die wichtigste Literatur vorwegnehmen; und gerade Ihre



