GEORGES MICHEL
(1763 - 1843.)
Als Alfred Sensier im Jahre 1873 seine Studie über Georges Michel veröffent-
lichte, da musste er in seiner Vorrede von einem „bei der gegenwärtigen Generation
fast völlig unbekannten französischen Maler" sprechen. Und doch hatte man damals
schon das Schlagwort „Ruisdael von Montmartre" für Michel geprägt, und eine
Kollektion bedeutender Arbeiten von ihm, besonders aus dem Besitz des Monsieur
Claye, hatte im Jahre 1861, bei der Ausstellung am Boulevard des Italiens, wenn
auch nicht die Offiziellen, so doch die Feinfühligen, die der Sensationen in der Kunst
nicht bedürfen, um auf Meister und Werke aufmerksam zu werden, mit Georges Michel
wieder in Berührung gebracht. Auch hatte Theophile Thore, bekannt unter dem
Pseudonym W. Bürger, Frankreichs einsichtsvollster Kunstjournalist in den drei Jahr-
zehnten, die dem grossen Krieg vorausgingen, unermüdlich für Michel geworben, und
die Grossen von Barbizon: Rousseau und besonders Dupre, dem Sensiers Studie
gewidmet ist, hatten sich zu Michel bekannt, in dem sie einen Vorläufer ihres eigenen
künstlerischen Programms verehrten.
Indessen in jener Zeit regierten derbere Effekte, als sie der feine Michel geben
konnte; die Stunde der Kunst, und, wie der Schule von Barbizon, war auch Michel
der Kampf des Impressionismus nicht günstig — erst als dieser Most ausgegoren,
da kam auch die Generation, die denen um Manet vorausgegangen war, wieder zu
ihrem Recht. Man bestreitet heute Georges Michel seine Stellung in der Kunst-
entwicklung Frankreichs nicht mehr, und sein Name steht heute, meist mit dem nach-
gerade etwas abgegriffenen Epitheton „Ruisdael von Montmartre" verziert, in jeder Kunst-
geschichte, seit die französische Jahrhundert-Ausstellung auch Michel emporgehoben
hat aus der Vergessenheit, in die er trotz Sensiers Denkmal erneut zurückgesunken
war. Aber man hält sich immer noch an ein Klischee, wenn man Michel nennt,
denn noch immer besteht keine klare Vorstellung von seinem Werk, seiner künst-
lerischen und menschlichen Persönlichkeit. In dieser Hinsicht vermag die Ausstellung
der Galerie Heinemann, die einen stattlichen Teil der auf uns gekommenen, verbürgten
Gemälde Michels vereinigt, sicherlich segensreich und aufklärend zu wirken.
(1763 - 1843.)
Als Alfred Sensier im Jahre 1873 seine Studie über Georges Michel veröffent-
lichte, da musste er in seiner Vorrede von einem „bei der gegenwärtigen Generation
fast völlig unbekannten französischen Maler" sprechen. Und doch hatte man damals
schon das Schlagwort „Ruisdael von Montmartre" für Michel geprägt, und eine
Kollektion bedeutender Arbeiten von ihm, besonders aus dem Besitz des Monsieur
Claye, hatte im Jahre 1861, bei der Ausstellung am Boulevard des Italiens, wenn
auch nicht die Offiziellen, so doch die Feinfühligen, die der Sensationen in der Kunst
nicht bedürfen, um auf Meister und Werke aufmerksam zu werden, mit Georges Michel
wieder in Berührung gebracht. Auch hatte Theophile Thore, bekannt unter dem
Pseudonym W. Bürger, Frankreichs einsichtsvollster Kunstjournalist in den drei Jahr-
zehnten, die dem grossen Krieg vorausgingen, unermüdlich für Michel geworben, und
die Grossen von Barbizon: Rousseau und besonders Dupre, dem Sensiers Studie
gewidmet ist, hatten sich zu Michel bekannt, in dem sie einen Vorläufer ihres eigenen
künstlerischen Programms verehrten.
Indessen in jener Zeit regierten derbere Effekte, als sie der feine Michel geben
konnte; die Stunde der Kunst, und, wie der Schule von Barbizon, war auch Michel
der Kampf des Impressionismus nicht günstig — erst als dieser Most ausgegoren,
da kam auch die Generation, die denen um Manet vorausgegangen war, wieder zu
ihrem Recht. Man bestreitet heute Georges Michel seine Stellung in der Kunst-
entwicklung Frankreichs nicht mehr, und sein Name steht heute, meist mit dem nach-
gerade etwas abgegriffenen Epitheton „Ruisdael von Montmartre" verziert, in jeder Kunst-
geschichte, seit die französische Jahrhundert-Ausstellung auch Michel emporgehoben
hat aus der Vergessenheit, in die er trotz Sensiers Denkmal erneut zurückgesunken
war. Aber man hält sich immer noch an ein Klischee, wenn man Michel nennt,
denn noch immer besteht keine klare Vorstellung von seinem Werk, seiner künst-
lerischen und menschlichen Persönlichkeit. In dieser Hinsicht vermag die Ausstellung
der Galerie Heinemann, die einen stattlichen Teil der auf uns gekommenen, verbürgten
Gemälde Michels vereinigt, sicherlich segensreich und aufklärend zu wirken.


