Katalog einer hervorragenden süddeutschen Sammlung von seltenen Kupferstichen, Radierungen und Holzschnitten des XV. - XVIII. Jahrhunderts in auserlesenen Abdrücken sowie einigen Handzeichnungen alter Meister: Auktion in München in der Galerie Helbing, Montag, den 22. und Dienstag, den 23. April 1907 — München: Helbing, 1907

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VORWORT.

Amoretten mit Vogel und Fackeln in brillantem Abdruck von grösster
Seltenheit, von Giovanni Antonio da Brescia zwei hochinteressante,
fast unauffindbare Seltenheiten, Kapitalblätter ersten Ranges, von Giulio
Cam pagnola die sehr geschätzte, ebenfalls eminent seltene Arbeit,,Maria,
Joseph und die Hirten bei dem neugeborenen Jesuskinde“, schliesslich von
Marc Anton Raimondi, dem oft als „Dürer Italiens“ bezeichneten
Meister eine würdige Reihe seiner bedeutendsten Hauptblätter, so die fünf
Heiligen, den Tod der Dido in einem unübertrefflich schönen Abdruck,
Galathee auf dem Meere, den Guitarrespieler, das Abendmahl Christi etc.
Zum deutschen Kupferstich zurückkehrend, begegnen wir Aldegrever
mit mehreren sehr guten Blättern (erwähnt sei nur „Das Urteil des Paris“),
ebenso Hans Brosamer, von dem der besonders brillante Druck des an
sich sehr seltenen Blattes „Christus am Kreuz“, B. 5, hervorzuheben ist.
Doch will ich von weiteren Hinweisen auf die deutschen Meister
dieser Zeit, die hier besonders mit herrlichen Ornamentstichen glänzen,
absehen und zum niederländischen Kupferstich mich wenden. Da
finden wir gleich eine bemerkenswerte Reihe von Arbeiten des Lucas
van Leyden, wobei als Trilogie von Kapitalblättern die berühmten
Stiche „Christus, dem Volke vorgestellt“, „Virgil im Korbe aufgehangen“,
und vor allem „Das Milchmädchen bei den Kühen“. Eine Anzahl ver-
tretener Künstler übergehend, weise ich hier noch auf die Erstlings- und
Ätzdrücke verschiedener Arbeiten van Dycks hin; reich an Ätzdrücken
ist in vorliegender Sammlung auch Anton Waterloo, noch besser aber
tritt uns Adrian van Ostade entgegen. Auch hier gilt das Gleiche
wie bei Rembrandt. Nur superbe Drucke vermögen die hervorragende
Stellung zu dokumentieren, die dem Hauptmeister der niederländischen
Genremalerei auch in der Geschichte der graphischen Künste gebührt.
Der französische Kupferstich ist in seinen ersten künstlerischen An-
fängen, d. h. durch Jean Duvet, und zwar ebenfalls glänzend durch
vier Raritäten in vorzüglichen Abdrücken vertreten. Aus der späteren
französischen Schule möchte ich nur noch G. Edelinck mit der „Heili-
gen Familie Franz I.“ im ersten Abdrucke nennen, unter den späteren
Italienern Andrea Meldolla hervorheben, von dem drei grosse Selten-
heiten, dabei eine Bartsch unbekannt gebliebene Radierung, verzeich-
net sind.
Schliesslich sei nur gestattet, noch eine Inkunabel der jüngsten der
in der Sammlung vertretenen Techniken, der Schabkunst, zu erwähnen:
des Prinzen Rupprecht von der Pfalz, „Fahne tragender Junker“
— wie so viele in Rede stehenden Blätter in einem prächtigen Abdruck —
ein überaus seltenes Blatt.
Ich hoffe, dass dieser flüchtige Hinweis genügt, dem Katalog bei
Interessenten eine genaue Prüfung zu sichern.
H.

ALPHONS 8RUCKMANN, MÜNCHEN.
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