Kinsky, Georg ; Karl Ernst Henrici <Berlin> [Hrsg.]; Leo Liepmannssohn, Antiquariat [Hrsg.]
Versteigerung von Musiker-Autographen aus dem Nachlaß des Herrn Kommerzienrates Wilhelm Heyer in Köln: ... durch Karl Ernst Henrici & Leo Liepmannssohn, Antiquariat, Berlin (Band 1): Montag, den 6. und Dienstag, den 7. Dezember 1926 — Berlin, 1926

Seite: 99
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und ihrer Eindrücke von der dortigen Weltausstellung. — 3) Engagementskontrakt mit
P. F. Laporte, dem Direktor des Theätre italien zu Paris; U.: „Henriette Sontag", außer-
dem achtmal mit ihren Initialen gezeichnet. Paris, 31. März 1828. 3 Ys Seiten 4°.

508 Spohr, Louis, Komponist und Violinvirtuose, seit 1822 Hofkapellmeister in Cassel;
1784—1859.

Eigh. Manuskript: Text und Übungen zu seiner ,Violinschule' in erster Nieder-
schrift [1830/31]. 272+10 Seiten kl. 4° und 6 Seiten folio (Text) nebst 6 Seiten in
Querformat (Übungen).

Das Ms. enthält fast den gesamten Text des berühmten Studienwerks in erster grossenteils
kürzerer Fassung als in der gedruckten Ausgabe; der für die Drucklegung bestimmten
Reinschrift muss also eine eingehende Durcharbeitung des ganzen Werkes vorausgegangen
sein, die hauptsächlich eine ausführlichere Behandlung einzelner Abschnitte und stilistische
Verbesserungen des Textes bezweckte. Das Ms. ist eine erste Niederschrift und weist fast auf
jeder Stelle geänderte, durchstrichene und eingeschaltete Stellen auf. Die beiden ersten Bogen
enthalten in zwei sich ergänzenden Stücken den grössten Teil der „Vorrede für Eltern und
Lehrer". Vom musikalischen Text des Werkes sind nur die kurzen erläuternden Notenbeispiele
eingetragen. Die mit Begleitung einer zweiten Violine gesetzten Übungen sind ausgelassen und
an den betreff. Stellen durch „Folgt No. . . ." angedeutet; sie sind auf besondere Notenblätter
geschrieben, die folgende 9 Stücke (nach der Zählung der gedruckten Ausgabe) enthalten:
Nr. 12, 13, 15, 17, 18, 21, 22, 24, ferner den Schluss von Nr. 11 und den Anfang von Nr. 26.
Im Ms. sind nur 53 derartige Uebungsstücke vorgesehen, während die gedruckte Schule deren 66
bringt. Betreffs weiterer Abweichungen zwischen Ms. und Druck und der verhältnismässig
geringen Lücken der Handschrift am Schluss des Werkes vgl. die genaue Beschreibung im Heyer-
Kat. IV Seite 219.

„Im Herbst 1831", schreibt Sp. in seiner Selbstbiographie II, 189, „beendigte ich meine
Violinschule, eine Arbeit, die ich auf vielfache Aufforderungen unternommen hatte, zu der
ich aber mehr als ein volles Jahr gebrauchte, weil ich dazwischen immer wieder andere Kompo-
sitionen, die mich mehr anzogen, begann. Sie kam [1833J bei Haslinger in Wien heraus" und
trug ihrem Verfasser ein Honorar von 2000 Talern ein [vgl. Haslingers Briefe an Sp., Nr. 515]. —
Aus der Sammlung Alex. Posonyi-Wien (Kat. II Nr. 1262). Heyer-Kat. IV Nr. 249/50 (S. 218 f.).

509 — Notizbuch, teils von Spohr selbst, teils von seiner ersten Gattin D o r e 11 e geb.
S c h e i d 1 e r geschrieben. 312 Seiten kl. 8°, von denen 172 ganz oder teilweise be-
schrieben sind. In einfachem Halbleinenband mit farbigem Papierüberzug und rot
marmoriertem Schnitt.

Spohrs Reise-Taschenbuch, das er vom Oktober 1804 bis zum Jahre 1821 benutzt und
sehr sorgfältig geführt hat. Es enthält: „Verzeichniß der Empfehlungsschreiben mit angehängten
Bemerkungen" (Seite 3-20,82-109, 113—164), „Berechnung meiner Ausgaben" (Seite 21 -59,
262f.), „Berechnung meiner Einnahme" (Seite 77-79, 110-112, 170-172, 264 f.) im Verlaufe
der großen Kunstreisen, die ihn in jenen Jahren durch halb Europa führten. Unter den hunderten
Empfängern der Empfehlungsschreiben sind zahlreiche Namen bekannter Persönlichkeiten
vertreten: Fürstlichkeiten und Adelige, hervorragende Musiker, Künstler und Gelehrte, hohe
Beamte, Finanzleute usw. Musik- und kulturgeschichtlich wertvoll sind die Angaben über die
Konzerteinnahmen aus etwa 70 Städten des In- und Auslandes und die damit verbundenen
Unkosten; mit besonderer Ausführlichkeit sind hierbei die Londoner Konzerte behandelt. Die
persönlichen Ausgaben werden in den ersten Jahren bis in die kleinsten Einzelheiten ver-
zeichnet, teilweise auch noch während der Reisejahre in Italien 1816/17. — Das Buch, eine
wahre Fundgrube für die Spohrforschung, ist noch unveröffentlicht und auch inhaltlich bisher
nicht verwertet. Es stammt aus der Sammlung Alex. Posonyi-Wien (Kat. II Nr. 1261).

510 — Eigh. Brief m. U. Düsseldorf, 21. September 1817. 5 Seiten gr. 4°.

Ausführliches Schreiben an Hofrat Friedrich R o c h 1 i t z in Leipzig: „Von jeher gehörte
es zu meinen höchsten Lebensgenüssen mit Männern, die meine Kunst kennen und ehren in
Verbindung zu stehen, durch ihre Ansichten die meinigen zu berichtigen und so neben dem
Genuß, den das Austauschen der Ideen gewährt, auch noch Nutzen für meine Kunstbildung zu
gewinnen . . ." Beklagt sich über die geringe Berücksichtigung und strenge Beurteilung seines
Schaffens in der ,Allg. musik. Zeitung'; bittet, über die von C. M. v. Weber geleiteten Prager
Aufführungen seiner Oper ,Faust' einen Bericht zu bringen und ihm über die Dresdener Ver-
hältnisse Auskunft zu geben, da er sich dort um den durch die etwaige Berufung Webers nach
Berlin vielleicht freiwerdenden Kapellmeisterposten bewerben wolle.

Auktionskatalog Nachlass Wilhelm Heyer.
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