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An seinen Vormund, den Kaufmann Gottlob Rudel in Zwickau, mit der nochmaligen
inständigen Bitte, „mir bald Antwort und einen Wechsel zu schicken (. . . einen sehr bedeuten-
den) und mich aus meinen unruhigen Zweifeln zu befreien. Sie können sich keinen Begriff
von der Angst und der schrecklichen Langeweile machen, die ich jetzt hier habe. Ich bin der
einzige Student hier und irre einsam, verlassen und arm, wie ein Bettler, mit Schulden obendrein
in den Gassen und Wäldern herum ... schicken Sie mir nur diesmal Geld und Geld und nöthigen
Sie mich nicht, zu meiner Abreise Mittel zu leihen, die mir sehr schaden könnten . . ." usw. —
Abdruck: H. Erler, Sch.s Leben. Aus seinen Briefen geschildert (1887) I, 31; F. G. Jansen,
Sch.s Briefe. Neue Folge (2 1904) Nr. 20.
369 — Schumann, Robert. Eigh. Brief m. U. Leipzig, 2. März 1835. 1 eng beschriebene
Seite 4° nebst Adresse (z. T. hinterklebt).
Sehr anziehender Brief an seinen Freund, den Musiker Heinrich Panofka in Paris,
über Berlioz, Chopin und Liszt, über geplante grosse Aufsätze „die d moll Symphonie von
Beethoven, Franz Schubert, Mendelssohn u. Chopin", über Honorarsätze und Mitarbeiter der
Zeitschrift nebst Anfragen nach Pariser Musikverhältnissen u. a. m. Am Schluss: „. . . Meine
Braut [Ernestine] ist eine geborene Gräfin Zedtwitz, von einem böhmischen Baron Fricken
adoptiert, arm, glaub' ich, aber herrlich genug ..." — In den Briefsammlungen von Erler
und Jansen nicht abgedruckt.
370 — 20 eigh. Briefe m. U.: „R. Schumann" bzw. nur „R. Sch." (1 Zettel o. U.). Dresden,
2. September 1847—30. Juni 1849, und zwar je 5 Briefe aus den Jahren 1847/48 und
10 Briefe a. d. J. 1849. Zusammen 44 Seiten 8°; 11 Briefe mit Adresse.
Ein Teil von Sch.s Briefen an den Verleger F. Whist ling in Leipzig: Verlags- und
Druckverhandlungen betr. der 2. Sinfonie op. 61 und anderer Werke (für gemischten Chor und
Männerchor, op. 62, 67, 75, 27, Neuausgabe der Studien op. 56, Korrektur des Jugendalbums
op. 68 usw.), Bestellungen von Musikalien und Geldangelegenheiten, über die Vorbereitung der
Oper »Genoveva« in Leipzig nebst mancherlei persönlichen Mitteilungen über sich und seine
Familie. — Smtl. Briefe sind bei Erler und Jansen nicht abgedruckt.
371 — Eigh. Brief m. U. Leipzig, 15. November 1841. 2% Seiten gr. 4° nebst Adresse.
An den Hofkapellmeister H. C h e 1 a r d in Weimar, dem er seine und seiner Frau Abreise
anzeigt und Einzelheiten zu dem Programm des dortigen Konzerts mitteilt. Übersendet ihm
die Stimmen zur [B dur-]Sinfonie: „. . . Sehr sollte es mich freuen, das Orchester mit meiner
Symphonie schon etwas vertraut zu finden . . . Nehmen Sie sich ... des Werkes liebevoll an
und meinen herzlichen Dank für Ihre Mühe im Voraus . . ." Weist auf drei schwierige Stellen
hin, für die er besondere Nachsicht und Geduld erbitte, und notiert zwei Druckfehler in der
Stimme der 2. Klarinette. „. . . Meine Frau bittet auf dem Zeddel ihren Mädchennamen weg-
zulassen; sie will nun einmal heissen wie ich und ich habe sie nur um so lieber darum." — Ab-
druck: Erler I, 270; Jansen 2 Nr. 230.
372 — Eigh. Brief m. U.: „R. Sch." O. O. u. J. [Leipzig, April 1842.] 1 voll beschriebene
Seite gr. 4° nebst Adresse. (Angerändert).
Freundschaftsbrief an den Organisten C. F. B e c k e r in Leipzig, der damals die Schrift-
leitung der Allg. musik. Zeitung übernommen hatte. „. . . Ich vermuthe, Sie stehen am Steuer
mit der allgem. Zeitung, und das kann mich ja nur freuen, da wir ja gewiß im Innern einem
Ziele zusteuern . . ." Bittet um Aufnahme eines Berichts über den Erfolg des 1. Kopenhagener
Konzerts seiner Gattin, „. . . weil darüber wie über alles, was wir unternehmen, vom alten
W[ieck] lauter lügenhafte Gerüchte ausgesprengt sind ..." — (Gekürzter) Abdruck: Jansen 2
Nr. 236.
373 — Eigh. Brief m. U. [Leipzig, Ende Oktober 1844; Fortsetzung:] „Fünf Wochen später
aus Dresden" [Dezember 1844]. 4 Seiten 8°.
Ergreifender Brief an seinen Freund, den Schriftsteller (Conrector) Eduard Krüger
in Emden: „. . . Sie wissen vielleicht gar nicht, wie sehr krank ich war an einem allgemeinen
Nervenleiden, das mich schon seit einem Vierteljahre heimgesucht, so dass mir vom Arzt jede
Anstrengung und wär's nur im Geiste untersagt war. Jetzt geht es mir etwas besser; das Leben
hat wieder Schimmer; Hoffnung und Vertrauen kehren allmählich wieder. Ich glaube, ich hatte
zu viel musicirt, zuletzt mich noch viel mit der Musik zum Goethe'schen Faust beschäftigt
— zuletzt versagten Geist und Körper den Dienst... Musik konnte ich in der vergangenen Zeit
garnicht hören, es schnitt mir wie mit Messern in die Nerven . . ." .....Arbeiten darf ich gar
nicht, nur ruhen und spazieren gehen — und auch zum letzten versagen mir häufig die Kräfte.
Holder Frühling, vielleicht bringst du sie wieder!..." Erwähnt seine Übersiedlung nach Dresden,
Auktionskatalog Nachlass Wilhelm Heyer. III.
An seinen Vormund, den Kaufmann Gottlob Rudel in Zwickau, mit der nochmaligen
inständigen Bitte, „mir bald Antwort und einen Wechsel zu schicken (. . . einen sehr bedeuten-
den) und mich aus meinen unruhigen Zweifeln zu befreien. Sie können sich keinen Begriff
von der Angst und der schrecklichen Langeweile machen, die ich jetzt hier habe. Ich bin der
einzige Student hier und irre einsam, verlassen und arm, wie ein Bettler, mit Schulden obendrein
in den Gassen und Wäldern herum ... schicken Sie mir nur diesmal Geld und Geld und nöthigen
Sie mich nicht, zu meiner Abreise Mittel zu leihen, die mir sehr schaden könnten . . ." usw. —
Abdruck: H. Erler, Sch.s Leben. Aus seinen Briefen geschildert (1887) I, 31; F. G. Jansen,
Sch.s Briefe. Neue Folge (2 1904) Nr. 20.
369 — Schumann, Robert. Eigh. Brief m. U. Leipzig, 2. März 1835. 1 eng beschriebene
Seite 4° nebst Adresse (z. T. hinterklebt).
Sehr anziehender Brief an seinen Freund, den Musiker Heinrich Panofka in Paris,
über Berlioz, Chopin und Liszt, über geplante grosse Aufsätze „die d moll Symphonie von
Beethoven, Franz Schubert, Mendelssohn u. Chopin", über Honorarsätze und Mitarbeiter der
Zeitschrift nebst Anfragen nach Pariser Musikverhältnissen u. a. m. Am Schluss: „. . . Meine
Braut [Ernestine] ist eine geborene Gräfin Zedtwitz, von einem böhmischen Baron Fricken
adoptiert, arm, glaub' ich, aber herrlich genug ..." — In den Briefsammlungen von Erler
und Jansen nicht abgedruckt.
370 — 20 eigh. Briefe m. U.: „R. Schumann" bzw. nur „R. Sch." (1 Zettel o. U.). Dresden,
2. September 1847—30. Juni 1849, und zwar je 5 Briefe aus den Jahren 1847/48 und
10 Briefe a. d. J. 1849. Zusammen 44 Seiten 8°; 11 Briefe mit Adresse.
Ein Teil von Sch.s Briefen an den Verleger F. Whist ling in Leipzig: Verlags- und
Druckverhandlungen betr. der 2. Sinfonie op. 61 und anderer Werke (für gemischten Chor und
Männerchor, op. 62, 67, 75, 27, Neuausgabe der Studien op. 56, Korrektur des Jugendalbums
op. 68 usw.), Bestellungen von Musikalien und Geldangelegenheiten, über die Vorbereitung der
Oper »Genoveva« in Leipzig nebst mancherlei persönlichen Mitteilungen über sich und seine
Familie. — Smtl. Briefe sind bei Erler und Jansen nicht abgedruckt.
371 — Eigh. Brief m. U. Leipzig, 15. November 1841. 2% Seiten gr. 4° nebst Adresse.
An den Hofkapellmeister H. C h e 1 a r d in Weimar, dem er seine und seiner Frau Abreise
anzeigt und Einzelheiten zu dem Programm des dortigen Konzerts mitteilt. Übersendet ihm
die Stimmen zur [B dur-]Sinfonie: „. . . Sehr sollte es mich freuen, das Orchester mit meiner
Symphonie schon etwas vertraut zu finden . . . Nehmen Sie sich ... des Werkes liebevoll an
und meinen herzlichen Dank für Ihre Mühe im Voraus . . ." Weist auf drei schwierige Stellen
hin, für die er besondere Nachsicht und Geduld erbitte, und notiert zwei Druckfehler in der
Stimme der 2. Klarinette. „. . . Meine Frau bittet auf dem Zeddel ihren Mädchennamen weg-
zulassen; sie will nun einmal heissen wie ich und ich habe sie nur um so lieber darum." — Ab-
druck: Erler I, 270; Jansen 2 Nr. 230.
372 — Eigh. Brief m. U.: „R. Sch." O. O. u. J. [Leipzig, April 1842.] 1 voll beschriebene
Seite gr. 4° nebst Adresse. (Angerändert).
Freundschaftsbrief an den Organisten C. F. B e c k e r in Leipzig, der damals die Schrift-
leitung der Allg. musik. Zeitung übernommen hatte. „. . . Ich vermuthe, Sie stehen am Steuer
mit der allgem. Zeitung, und das kann mich ja nur freuen, da wir ja gewiß im Innern einem
Ziele zusteuern . . ." Bittet um Aufnahme eines Berichts über den Erfolg des 1. Kopenhagener
Konzerts seiner Gattin, „. . . weil darüber wie über alles, was wir unternehmen, vom alten
W[ieck] lauter lügenhafte Gerüchte ausgesprengt sind ..." — (Gekürzter) Abdruck: Jansen 2
Nr. 236.
373 — Eigh. Brief m. U. [Leipzig, Ende Oktober 1844; Fortsetzung:] „Fünf Wochen später
aus Dresden" [Dezember 1844]. 4 Seiten 8°.
Ergreifender Brief an seinen Freund, den Schriftsteller (Conrector) Eduard Krüger
in Emden: „. . . Sie wissen vielleicht gar nicht, wie sehr krank ich war an einem allgemeinen
Nervenleiden, das mich schon seit einem Vierteljahre heimgesucht, so dass mir vom Arzt jede
Anstrengung und wär's nur im Geiste untersagt war. Jetzt geht es mir etwas besser; das Leben
hat wieder Schimmer; Hoffnung und Vertrauen kehren allmählich wieder. Ich glaube, ich hatte
zu viel musicirt, zuletzt mich noch viel mit der Musik zum Goethe'schen Faust beschäftigt
— zuletzt versagten Geist und Körper den Dienst... Musik konnte ich in der vergangenen Zeit
garnicht hören, es schnitt mir wie mit Messern in die Nerven . . ." .....Arbeiten darf ich gar
nicht, nur ruhen und spazieren gehen — und auch zum letzten versagen mir häufig die Kräfte.
Holder Frühling, vielleicht bringst du sie wieder!..." Erwähnt seine Übersiedlung nach Dresden,
Auktionskatalog Nachlass Wilhelm Heyer. III.

