Vorwort.
Der vorliegende zweite Band der Neuen Folge dieses beschreibenden Verzeichnisses enthält eine Beschreibung
der deutschen romanischen Handschriften der Nationalbibliothek. Wie schon im Vorwort zum ersten Band
hervorgehoben wurde, liegt der Schwerpunkt der Handschriftensammlung der Nationalbibliothek in den zahl-
reichen kostbaren illuminierten Handschriften des XIII.—XVI. Jahrhunderts, doch besitzt sie auch einige be-
achtenswerte Denkmäler der deutschen romanischen Buchkunst, namentlich des XII. Jahrhunderts. Von den
Handschriften des XI. Jahrhunderts seien nur Nr. 5, Cod. 573, ein bedeutendes Werk der sogenannten
Liuthargruppe der Reichenauer Schule, ferner Nr. 6, Cod. 677, ein charakteristisches Beispiel der sogenannten
Eburnantgruppe der Reichenauer Schule, endlich Nr. 20, Cod. 1845, ein vermutlich in Bamberg im 4.Viertel des
XI. Jahrhunderts ausgeführtes Missale unter Reichenauer Einfluß hervorgehoben. Reicher und vielseitiger ist
das XII. Jahrhundert vertreten. Besondere Erwähnung verdienen die in St. Blasien am Anfang des XII.Jahr-
hunderts ausgeführte Pliniushandschrift Nr. 32—33, Cod. 9—10, einige aus Weltenburg bei Regensburg stammende
Handschriften wie Nr. 44, Cod. 741 und Nr. 45, Cod. 1009, sowie die stilistisch merkwürdigen Sternbilder der in
Prüfening bei Regensburg entstandenen Handschrift Nr. 46, Cod. 12600. Größeres Interesse beanspruchen endlich
die Miniaturen des Siegburger Psalteriums Nr. 54, Cod. 1879, eines bemerkenswerten Denkmals der niederrheinischen
Schule des ausgehenden XII. Jahrhunderts. Naturgemäß besitzt die Nationalbibliothek aus dieser Zeit eine größere
Anzahl österreichischer Handschriften, unter denen die Salzburger undMondseer Handschriften die kunstgeschichtlich
interessantesten sind. Unter den Salzburger Handschriften ragen namentlich einige unter dem Erzbischof Eber-
hardt I. (1147—1164) entstandene Codices Nr. 64—8r hervor, die ^..T. für die Salzburger Schule des XII. Jahr-
hunderts charakteristische Federzeichnungen enthalten. Namentlich sei auf Nr. 59, Cod. 673, Nr. 80, Cod. 1420,
Nr. 83, Cod. 952 und Nr. 84, Cod. 428 hingewiesen. Einem Salzburger Zeichner des 3. Viertels des XII. Jahr-
hunderts gehören wohl auch die sowohl gegenständlich als auch stilistisch interessanten Illustrationen zu einer
Handschrift des Honorius von Autun, Expositio in Canticum canticorum Nr. 82, Cod. 942 an. Bedeutender sind
einige Mondseer Handschriften aus der Mitte des XII. Jahrhunderts. Gehen die Federzeichnungen der Hand-
schrift Nr. 88, Cod. 791 auf einen zwar tüchtigen, doch einer älteren Generation angehörenden Zeichner zurück,
so gehören das Passionale Nr. 92, Cod. 444 und das Evangeliar Nr. 93, Cod. 1244, beide gesicherte Arbeiten des
Mönches Liutold unter Teilnahme von Gehilfen, zu den Hauptwerken der Mondseer Schule des XII. Jahrhunderts.
Namentlich das sogenannte Eiutoldevangeliar ist als eine der bedeutendsten Schöpfungen der österreichischen
Handschriftenillustration des XII. Jahrhunderts anzusehen und unter anderem auch kunstgeschichtlich deshalb
interessant, weil sich die Verwertung italienischer und byzantinischer Vorbilder in den Miniaturen und in der
Initialornamentik nachweisen läßt. Von gegenständlichem und künstlerischem Interesse sind ferner die in Steier-
mark oder Kärnten entstandenen Federzeichnungen zu einer deutschen Paraphrase über das Buch Genesis Nr. 155,
Cod. 2721, die sich z. T. durch treffliche Linienführung, antikisierende Gewandbehandlung und lebendigen Aus-
druck in den Köpfen auszeichnen. Von den Handschriften des ausgehenden XII. Jahrhunderts verdienen die
Vollbilder mit den Darstellungen der Verfasser von Traktaten über Musik sowie die Sternbilder der Hand-
schrift Nr. 153, Cod. 51, desgleichen die Darstellung der Majestas domini in der Handschrift Nr. 156, Cod. 130
Beachtung. Durch die Möglichkeit einer näheren Datierung und genauen Lokalisierung entbehren einige unter
dem Abt Folknandus um 1180 in Sittich in Krain ausgeführte Handschriften Nr. 189 —195 nicht einiges Interesses.
Das Ausklingen des romanischen Stils veranschaulichen endlich einige Handschriften der 1.Hälfte des XHLJahr-
hunderts, namentlich solche aus Fleiligenkreuz in Niederösterreich Nr. 223—227. Die weitaus bemerkens-
wertesten unter diesen Spätwerken sind einige aus Reun in Steiermark stammende Handschriften Nr. 231—234,
denen die etwas ältere Handschrift Nr. 187, Cod. 792 verwandt ist. Unter diesen ragt sowohl durch das gegen-
Der vorliegende zweite Band der Neuen Folge dieses beschreibenden Verzeichnisses enthält eine Beschreibung
der deutschen romanischen Handschriften der Nationalbibliothek. Wie schon im Vorwort zum ersten Band
hervorgehoben wurde, liegt der Schwerpunkt der Handschriftensammlung der Nationalbibliothek in den zahl-
reichen kostbaren illuminierten Handschriften des XIII.—XVI. Jahrhunderts, doch besitzt sie auch einige be-
achtenswerte Denkmäler der deutschen romanischen Buchkunst, namentlich des XII. Jahrhunderts. Von den
Handschriften des XI. Jahrhunderts seien nur Nr. 5, Cod. 573, ein bedeutendes Werk der sogenannten
Liuthargruppe der Reichenauer Schule, ferner Nr. 6, Cod. 677, ein charakteristisches Beispiel der sogenannten
Eburnantgruppe der Reichenauer Schule, endlich Nr. 20, Cod. 1845, ein vermutlich in Bamberg im 4.Viertel des
XI. Jahrhunderts ausgeführtes Missale unter Reichenauer Einfluß hervorgehoben. Reicher und vielseitiger ist
das XII. Jahrhundert vertreten. Besondere Erwähnung verdienen die in St. Blasien am Anfang des XII.Jahr-
hunderts ausgeführte Pliniushandschrift Nr. 32—33, Cod. 9—10, einige aus Weltenburg bei Regensburg stammende
Handschriften wie Nr. 44, Cod. 741 und Nr. 45, Cod. 1009, sowie die stilistisch merkwürdigen Sternbilder der in
Prüfening bei Regensburg entstandenen Handschrift Nr. 46, Cod. 12600. Größeres Interesse beanspruchen endlich
die Miniaturen des Siegburger Psalteriums Nr. 54, Cod. 1879, eines bemerkenswerten Denkmals der niederrheinischen
Schule des ausgehenden XII. Jahrhunderts. Naturgemäß besitzt die Nationalbibliothek aus dieser Zeit eine größere
Anzahl österreichischer Handschriften, unter denen die Salzburger undMondseer Handschriften die kunstgeschichtlich
interessantesten sind. Unter den Salzburger Handschriften ragen namentlich einige unter dem Erzbischof Eber-
hardt I. (1147—1164) entstandene Codices Nr. 64—8r hervor, die ^..T. für die Salzburger Schule des XII. Jahr-
hunderts charakteristische Federzeichnungen enthalten. Namentlich sei auf Nr. 59, Cod. 673, Nr. 80, Cod. 1420,
Nr. 83, Cod. 952 und Nr. 84, Cod. 428 hingewiesen. Einem Salzburger Zeichner des 3. Viertels des XII. Jahr-
hunderts gehören wohl auch die sowohl gegenständlich als auch stilistisch interessanten Illustrationen zu einer
Handschrift des Honorius von Autun, Expositio in Canticum canticorum Nr. 82, Cod. 942 an. Bedeutender sind
einige Mondseer Handschriften aus der Mitte des XII. Jahrhunderts. Gehen die Federzeichnungen der Hand-
schrift Nr. 88, Cod. 791 auf einen zwar tüchtigen, doch einer älteren Generation angehörenden Zeichner zurück,
so gehören das Passionale Nr. 92, Cod. 444 und das Evangeliar Nr. 93, Cod. 1244, beide gesicherte Arbeiten des
Mönches Liutold unter Teilnahme von Gehilfen, zu den Hauptwerken der Mondseer Schule des XII. Jahrhunderts.
Namentlich das sogenannte Eiutoldevangeliar ist als eine der bedeutendsten Schöpfungen der österreichischen
Handschriftenillustration des XII. Jahrhunderts anzusehen und unter anderem auch kunstgeschichtlich deshalb
interessant, weil sich die Verwertung italienischer und byzantinischer Vorbilder in den Miniaturen und in der
Initialornamentik nachweisen läßt. Von gegenständlichem und künstlerischem Interesse sind ferner die in Steier-
mark oder Kärnten entstandenen Federzeichnungen zu einer deutschen Paraphrase über das Buch Genesis Nr. 155,
Cod. 2721, die sich z. T. durch treffliche Linienführung, antikisierende Gewandbehandlung und lebendigen Aus-
druck in den Köpfen auszeichnen. Von den Handschriften des ausgehenden XII. Jahrhunderts verdienen die
Vollbilder mit den Darstellungen der Verfasser von Traktaten über Musik sowie die Sternbilder der Hand-
schrift Nr. 153, Cod. 51, desgleichen die Darstellung der Majestas domini in der Handschrift Nr. 156, Cod. 130
Beachtung. Durch die Möglichkeit einer näheren Datierung und genauen Lokalisierung entbehren einige unter
dem Abt Folknandus um 1180 in Sittich in Krain ausgeführte Handschriften Nr. 189 —195 nicht einiges Interesses.
Das Ausklingen des romanischen Stils veranschaulichen endlich einige Handschriften der 1.Hälfte des XHLJahr-
hunderts, namentlich solche aus Fleiligenkreuz in Niederösterreich Nr. 223—227. Die weitaus bemerkens-
wertesten unter diesen Spätwerken sind einige aus Reun in Steiermark stammende Handschriften Nr. 231—234,
denen die etwas ältere Handschrift Nr. 187, Cod. 792 verwandt ist. Unter diesen ragt sowohl durch das gegen-



