Österreichische Handschriften des XII. Jahrhunderts.
183
Johannes Cuspinianus (geb. 1473 zu Schweinfurt, gest. 19. April 1519 zu Wien), dessen Bibliothek später der Wiener Bischof Johannes Fabri
(1530—1541) erwarb, der seine Bücher der Bibliothek des Collegium apud sanctum Nicolaum vermachte, die in die alte Universitäts-
bibliothek überging, aus der die Handschrift 1756 in die Hofbibliothek kam.
Initiale P in derselben Weise mit sepiabraunen Füllungen
Der Codex zerfällt in zwei Teile, von denen der
erste (f 1—42') der ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts,
auf hellrotem Grund. Alle drei Initialen erinnern an Salz-
burger Arbeiten aus der Mitte des XII. Jahrhunderts.
der zweite (f. 43—134) dem Anfang des XI. Jahrhunderts
angehört.
f. 1—2: Praefatio.
f. 1: Oben von der Hand Cus-
pinians: ,,Ex cenobio Lambacensi
1301.“
In sepiabrauner Tinte gezeich-
nete Initiale I, umschlangen von
Spiralranken mit lappigen Blättern
auf sepiabraunem Grund, um-
schlossen von einem roten Rahmen.
f. 2: „Incipit apologiticus pro-
logus Sedulii rethoris. Domino
meo sancto ac beatissimo patri Mace-
donio presbitero Sedulius in Christo
salutem.“
Die verblaßte Schrift im folgen-
den vielfach von späterer Hand
überfahren.
f. 2': In sepiabrauner Tinte ge-
zeichnete Initiale P auf hellrotem
Grund, verziert mit Spiralranken und
stilisierten mehrlappigen Ranken-
blättern. [Fig. 111.]
f. 3: „Explicit prologus.“
f. 39': „Versus
Asterii qui collegit r. s.“ (i. e. reli-
quias Sedulii).
„Carmen de mediatore Sedulii.“
f. 41': „Ymnus sancti Sedulii
presbyteri.“
f. 42': Versus memoriales
de avibus, quadrupedibus et
arboribus. Über den lateinischen
Namen die deutschen Bezeich-
nungen; vgl. Denis a. u. a. O. Sp. 357.
Die Beschreibung des zwei-
ten, dem Anfang des XI. Jahr-
hunderts angehörenden Teiles
f. 43—/^unterNr. 1 diesesVer-
zeichnisses.
f. 43: Oben von der Hand Cus-
pinians: „Ex cenobio Lambacensi
1301.“
Literatur:
Denis II, i. Sp. 352, Nr. CCXXIV, saec. XI.
Graff, Diutiska III, S. 183t.
Endlicher, S. 236, Nr. CCCXXXIX, saec.
XI.; daselbst Hinweise auf Editionen
der deutschen Glossen.
f. 3 : Sepiabraun konturierte
Fig. 111. Initiale P. Nr. 104. Cod. 85, f 2'.
Tabulae codicum I, S. 12, saec. XI.
1065 [Theol. 421]. S. Ambrosius, Hexatneron. Lateinisch, Quart, XII. Jahrhundert.
Deutsches m., i5oX23°- I54- E- Deutsche Bücherminuskel in einer Spalte zu 29 Zeilen, f 1—<4 und f T24—148 kleinere Minuskel zu
34—36 Zeilen. Rote Überschriften. Quaternionenbezeichnung mit römischen Ziffern. Astronomische Zeichnungen und 5 Initialen. Einband:
Gebräunter weißer Lederband über Holzdeckeln (St. Florian, Anfang des XV. Jahrhunderts, 1913 restauriert). Beide Deckel mit einem Rahmen aus
zwei gestrichenen Linien verziert; das Innenfeld war — soweit aus Spuren ersichtlich ist — in Rautenfelder geteilt. Die Schließe, die in der Mitte
des Vorderdeckels in einen vierpässigen (jetzt fehlenden) Beschlag einhakte, fehlt; auf dem Hinterdeckel war oben eine Kette oder ein Haken
befestigt. Auf dem Vorderdeckel oben in roten gotischen Lettern: „Tractatus -S- Ambrosii (Hex)ameron“ von einer Hand des XV. Jahrhunderts;
darunter — leider vielfach zerstörter — Vermerk über den Inhalt: „. . . versus Hainrici Augustensi magistri . . .“ anscheinend von der Hand des
Wolfgang Lazius, unten genauere Inhaltsangabe von der Hand Tengnagels, ebenso von der Hand Tengnagels: „Nr. XXXVIX“ (siel). Auf dem
dreiteiligen, mit braunem Papier überklebten Rücken mit doppelten Bünden oben nahezu völlig zerstörten Etikette mit Inhaltsangabe, darunter „Cod.
Ms. Theol. Nr. “ von der Hand des Lambeccius, unten Etikette mit der Signatur Gentilottis: „Codex Ms. Theologicus CCCCXXI, olim 39.“ Das
Kapital mit Spagat umstochen und mit Leder gedeckt.
Im Augustiner-Chorherrenstift St. Florian in Oberösterreich im Jahre 1134 von Liutfridus im Auftrage eines Helmhuici ausgeführt. Auf
ff. 2,70' und 148' Besitzvermerke des Stiftes St. Florian aus dem XV. Jahrhundert. Die Schriftzüge einer Inhaltsangabe auf dem Vorderdeckel lassen
vermuten, daß die Handschrift sich später im Besitz des Professors der Medizin an der Wiener Universität, Wolfgang Lazius (geb. zu Wien,
31. Oktober 1534, gestorben zu Wien, 19. Juni 1565) befand und aus dessen Nachlaß wahrscheinlich in die Hofbibliothek kam. Jedenfalls war sie schon
1576 Eigentum der Hofbibliothek, denn sie trägt im Inneren des Hinterdeckels die Signatur M ['39371 von der Hand des Hugo Blotius; auf dem
Vorderdeckel und auf f 1' die Signatur XXXVIX bzw. XXXVIIII von der Hand Tengnagels, f. 1' wiederholt. Nr. 39 von der Hand des Lambeccius.
f. i: „Si cuiuslibet mensis lunam cuiuscumque ^tatis,
in quo signo sit, vis scire, eiusdem lun^ ^tatem in pos-
teriori latere huius pagin^ quere et cum invenies“.
Tabelle mit den Namen der Tierkreiszeichen und
dem Mondesalter.
f. 1'—9: Gedicht in leoninischen Versen über das
Hexameron.
f. 2, fffo’ und f. 148': Besitz vermerke des XV. Jahr-
hunderts: „Iste Uber est monasterii sancti Floriani Pata-
viensis“
105
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Johannes Cuspinianus (geb. 1473 zu Schweinfurt, gest. 19. April 1519 zu Wien), dessen Bibliothek später der Wiener Bischof Johannes Fabri
(1530—1541) erwarb, der seine Bücher der Bibliothek des Collegium apud sanctum Nicolaum vermachte, die in die alte Universitäts-
bibliothek überging, aus der die Handschrift 1756 in die Hofbibliothek kam.
Initiale P in derselben Weise mit sepiabraunen Füllungen
Der Codex zerfällt in zwei Teile, von denen der
erste (f 1—42') der ersten Hälfte des XII. Jahrhunderts,
auf hellrotem Grund. Alle drei Initialen erinnern an Salz-
burger Arbeiten aus der Mitte des XII. Jahrhunderts.
der zweite (f. 43—134) dem Anfang des XI. Jahrhunderts
angehört.
f. 1—2: Praefatio.
f. 1: Oben von der Hand Cus-
pinians: ,,Ex cenobio Lambacensi
1301.“
In sepiabrauner Tinte gezeich-
nete Initiale I, umschlangen von
Spiralranken mit lappigen Blättern
auf sepiabraunem Grund, um-
schlossen von einem roten Rahmen.
f. 2: „Incipit apologiticus pro-
logus Sedulii rethoris. Domino
meo sancto ac beatissimo patri Mace-
donio presbitero Sedulius in Christo
salutem.“
Die verblaßte Schrift im folgen-
den vielfach von späterer Hand
überfahren.
f. 2': In sepiabrauner Tinte ge-
zeichnete Initiale P auf hellrotem
Grund, verziert mit Spiralranken und
stilisierten mehrlappigen Ranken-
blättern. [Fig. 111.]
f. 3: „Explicit prologus.“
f. 39': „Versus
Asterii qui collegit r. s.“ (i. e. reli-
quias Sedulii).
„Carmen de mediatore Sedulii.“
f. 41': „Ymnus sancti Sedulii
presbyteri.“
f. 42': Versus memoriales
de avibus, quadrupedibus et
arboribus. Über den lateinischen
Namen die deutschen Bezeich-
nungen; vgl. Denis a. u. a. O. Sp. 357.
Die Beschreibung des zwei-
ten, dem Anfang des XI. Jahr-
hunderts angehörenden Teiles
f. 43—/^unterNr. 1 diesesVer-
zeichnisses.
f. 43: Oben von der Hand Cus-
pinians: „Ex cenobio Lambacensi
1301.“
Literatur:
Denis II, i. Sp. 352, Nr. CCXXIV, saec. XI.
Graff, Diutiska III, S. 183t.
Endlicher, S. 236, Nr. CCCXXXIX, saec.
XI.; daselbst Hinweise auf Editionen
der deutschen Glossen.
f. 3 : Sepiabraun konturierte
Fig. 111. Initiale P. Nr. 104. Cod. 85, f 2'.
Tabulae codicum I, S. 12, saec. XI.
1065 [Theol. 421]. S. Ambrosius, Hexatneron. Lateinisch, Quart, XII. Jahrhundert.
Deutsches m., i5oX23°- I54- E- Deutsche Bücherminuskel in einer Spalte zu 29 Zeilen, f 1—<4 und f T24—148 kleinere Minuskel zu
34—36 Zeilen. Rote Überschriften. Quaternionenbezeichnung mit römischen Ziffern. Astronomische Zeichnungen und 5 Initialen. Einband:
Gebräunter weißer Lederband über Holzdeckeln (St. Florian, Anfang des XV. Jahrhunderts, 1913 restauriert). Beide Deckel mit einem Rahmen aus
zwei gestrichenen Linien verziert; das Innenfeld war — soweit aus Spuren ersichtlich ist — in Rautenfelder geteilt. Die Schließe, die in der Mitte
des Vorderdeckels in einen vierpässigen (jetzt fehlenden) Beschlag einhakte, fehlt; auf dem Hinterdeckel war oben eine Kette oder ein Haken
befestigt. Auf dem Vorderdeckel oben in roten gotischen Lettern: „Tractatus -S- Ambrosii (Hex)ameron“ von einer Hand des XV. Jahrhunderts;
darunter — leider vielfach zerstörter — Vermerk über den Inhalt: „. . . versus Hainrici Augustensi magistri . . .“ anscheinend von der Hand des
Wolfgang Lazius, unten genauere Inhaltsangabe von der Hand Tengnagels, ebenso von der Hand Tengnagels: „Nr. XXXVIX“ (siel). Auf dem
dreiteiligen, mit braunem Papier überklebten Rücken mit doppelten Bünden oben nahezu völlig zerstörten Etikette mit Inhaltsangabe, darunter „Cod.
Ms. Theol. Nr. “ von der Hand des Lambeccius, unten Etikette mit der Signatur Gentilottis: „Codex Ms. Theologicus CCCCXXI, olim 39.“ Das
Kapital mit Spagat umstochen und mit Leder gedeckt.
Im Augustiner-Chorherrenstift St. Florian in Oberösterreich im Jahre 1134 von Liutfridus im Auftrage eines Helmhuici ausgeführt. Auf
ff. 2,70' und 148' Besitzvermerke des Stiftes St. Florian aus dem XV. Jahrhundert. Die Schriftzüge einer Inhaltsangabe auf dem Vorderdeckel lassen
vermuten, daß die Handschrift sich später im Besitz des Professors der Medizin an der Wiener Universität, Wolfgang Lazius (geb. zu Wien,
31. Oktober 1534, gestorben zu Wien, 19. Juni 1565) befand und aus dessen Nachlaß wahrscheinlich in die Hofbibliothek kam. Jedenfalls war sie schon
1576 Eigentum der Hofbibliothek, denn sie trägt im Inneren des Hinterdeckels die Signatur M ['39371 von der Hand des Hugo Blotius; auf dem
Vorderdeckel und auf f 1' die Signatur XXXVIX bzw. XXXVIIII von der Hand Tengnagels, f. 1' wiederholt. Nr. 39 von der Hand des Lambeccius.
f. i: „Si cuiuslibet mensis lunam cuiuscumque ^tatis,
in quo signo sit, vis scire, eiusdem lun^ ^tatem in pos-
teriori latere huius pagin^ quere et cum invenies“.
Tabelle mit den Namen der Tierkreiszeichen und
dem Mondesalter.
f. 1'—9: Gedicht in leoninischen Versen über das
Hexameron.
f. 2, fffo’ und f. 148': Besitz vermerke des XV. Jahr-
hunderts: „Iste Uber est monasterii sancti Floriani Pata-
viensis“
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