Hildebrand, Adolf von
Das Problem der Form in der bildenden Kunst — Straßburg, 1910

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Verhältnisse ausbilden können. Letztere sind das
notwendige Produkt einer feststehenden Gesamt-
anlage. Fällt diese weg, so sind auch die Pro-
portionen der Einzelglieder hinfällig und müssen
in ihrem neuen Zusammenhang neu gefunden
werden. Andererseits erklärt sich aber aus dem
Obigen, daß bei der Plastik die Formverhältnisse
einer Ansicht zuweilen für die Wirkung der Haupt-
ansicht geopfert werden müssen, wie es z. B. der
zu kurze Fuß des Praxitelischen Fauns illustriert.

III.

Die Raumvorstellung und ihr Aus-
druck in der Erscheinung.

Wir haben das Verhältnis von Erscheinung zu
räumlicher Vorstellung in den vorigen Kapiteln
vor allem im Hinblick auf Gegenstände verfolgt.
Es ist nun nötig, dasselbe in bezug auf die Natur
als Raumganzes zu tun. Unter einem Raumganzen
verstehen wir den Raum als dreidimensionale
Ausdehnung, das «nach den drei Dimensionen
sich bewegen-können oder bewegen» unserer Vor-
stellung; sein Wesentliches ist die Kontinuität.
Stellen wir uns deshalb das Raumganze vor wie
eine Wassermasse, in die wir Gefäße senken und
dadurch Einzelvolumina abgrenzen als die be-
stimmten geformten Einzelkörper, ohne die Vor-
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