Hildebrand, Adolf von
Das Problem der Form in der bildenden Kunst — Straßburg, 1910

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selbe. Der Unterschied liegt nur darin, daß im
ersten Fall die Mittel mannigfaltiger und willkür-
licher, im zweiten dagegen an die organische
Natur des Gegenstandes gebunden sind.

IV.

Flächen und Tiefenvorstellung.

Es handelt sich nun darum, das gegebene Ma-
terial von Bewegungsvorstellungen oder den Form-
inhalt als Gesichtseindruck zu einigen und damit
auf seine einfachste Ausdrucksform zu bringen.

Erst von einer bestimmten Distanzschicht an
sehen unsere Augen parallel und nehmen die Er-
scheinungsobjekte mit einem Blick als einheit-
liches Flächenbild oder Fernbild auf. Was in der
Mitte unseres Sehfeldes liegt, wird am stärksten
wahrgenommen, nach dem Rande zu verschwin-
det der Eindruck. Ebenso wird das, was direkt
vor der Distanzschicht, vor der eigentlichen Bühne
ist, noch als Uebergang mit wahrgenommen. Der
eigentliche Raum aber, welcher erscheint, liegt
hinter dieser Distanzschicht oder fängt mit dieser
erst eigentlich an. Unsere Vorstellung erfaßt den
Raum, indem sie in der vollen Ausdehnung un-
seres Sehfeldes eine Bewegung nach der Tiefe
ausführt, nach der Tiefe strebt. Wenn wir uns
Einzelkörper in diesen Raum gestellt denken, so
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