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2)0 Atthmlg. Beschreibung des fürstlichen
den Gebüsche, die er von dem Gebäude aus gewährt, durch einen verratherischen Muk
von der künstlichen Anlage des Berges, etwas mindert.
Will man nicht in den Weg, der in die Weide zu dem Berg hinauf führt, ein-
biegen, so locken auf der andern Seite drey schlängelnde Gänge, mit schönen Bäumen,
blühender; Sträuchern, Stauden und Blumen untermischt umgeben, mit einen; wett-
eifernden Reiz, in ihnen weiter hinauf zu irren. Mit Vergnügen fahen wir, wie das
Geisblatk und andre kletternde Pflanzen von fchöner Blüthe hie und da die Stamme
der Kastanien, Linden und andrer großem Bäume freundlich umarmten, wie die blauen
und weißen Syringen ihre Büsche überdeckten, und unter dem dunkeln zum Boden
herabströmenden Laubwerk Iris und Narcissen sich bescheiden zu verbergen schienen,
indessen die Tulpe mit ihrer stolzen Pracht sich freyer zum Anblick hervordrängte.
Diese drey Gänge irren oben nach einem schönen Rasen hinauf, und ehe sie dahin aus-
laufen, wird man noch in den Lustgebüschen von einem kleinen, runden, grünen Platz
angelockt, um hier in einer überaus lieblichen Scene zu ruhen. Man sieht um sich
her ein angenehmes Gemisch von Bäumen, die sich noch ihrer schönen Jugend freuen;
blinkende Lichter und halbe Schatten spielten umher auf den wankenden Blattern, und
mit matten Seufzern entschlummerten allmählig die Nachtigallen in den Traum
der Liebe.
In diesem Zauber genossen wir den sanften Eindruck dieser Scene, die noch eine
ihrem Charakter zustimmende Statüe aufzunehmen fähig schien, und schlichen mit
Unterhaltungen von ihrem süßen Reiz ins Freye hinaus, dem erwähnten Rasen zu.
Er ist von einer angenehmen länglichen Form, mit einzelnen Baumen und Strauch-
gruppen verschönert. Die Gänge um seinen Umkreis sind von Lustgebüschen umkränzt.
Oben an dem Rasen liegt ein Haus von einfacher Bauart, mit einem weißen Anstrich
der Wände und einem strohernen Dache; es besteht fast nur aus einem einzigen großen
Zimmer, das zur Aufnahme einer Bibliothek bestimmt ist. Die einsame Lage dieses
Gebäudes macht es feinem Gebrauch sehr angemessen. Hinten liegt eine kleine Me-
nagerie und ein Taubenhaus; zur Linken schleicht ein verdeckter Pfad nach einem ein-
geschlossenen Blumengarten und einem Glashause; und von da schlängelt sich, an
dem obern Rande des Weideplatzes weg, nach dem Lustschlosse Zu ein umpflanzter
Gang, an welchem ein anmuthiger Sitz unter Schatten nicht vergebens einladet.
Dis Baume dieses Gartens, worunter überaus viele ausländische sich erheben,
sind von einer befondern Schönheit der Form; und alle Plätze, wo sie entweder einzeln,
oder in Gruppen, oder in Verbindung mit Sträuchern blühen, sind ein reich mit
Grün
 
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