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Die Beziehungen der Herzöge Karl August und Max
Joseph von Zweibrücken zu Preussen.
Von
Karl Theodor Heigel.
Karl Albert von Bayern, als Träger der kaiserlichen Dornen-
krone Karl VIL, kein Uebermensch, wie sein Zeitgenosse Friedrich,
aber wohlwollend und volksfreundlich, hatte den kurzen Kaiser-
traum mit dem Ruin seines Landes gebüsst. Die dem deutschen
Reiche aggregierten Völker des Ostens hatten Bayern in so furcht-
barer Weise verheert, dass man in der deutschen Geschichte bis
zu den Ungarnzügen des frühen Mittelalters zurückblättern muss,
um ein Beispiel ähnlicher Kriegführung zu finden. Auch in Friedens-
tagen stach gegen den Glanz des Hofes die Armut des Landes
hässlich ab. Und das Geistesleben, die Volksbildung war in gleichem
Masse zurückgegangen, wie der Volkswohlstand. König Friedrich
nennt Bayern in seinen Denkwürdigkeiten ein „von Schweinen be-
wohntes Paradies“. Das grobe Wort war vor allem von Abneigung
gegen Rom und Römlinge eingegeben, doch auch Eingeborne, wie
Westenrieder, der sowohl an seiner Kirche, wie an seiner Heimat
hing, fanden die Kulturzustände in Bayern unwürdig und beklagens-
wert. Was war aus dem Stamme geworden, dem das deutsche
Volk die erste klassische Literaturepoche, das tiefsinnigste Kunst-
epos und herrlichen Minnesang verdankte! Und kaum dass es
unter Max Joseph III. und seinen treuen Helfern, den Münchner
Akademikern, zu dämmern begann und für die Volkswirtschaft,
wie für die Schule bessere Tage kamen, vernichtete der Tod des
beliebten Fürsten diese Hoffnungen, wie Mehltau eine junge Saat.
Denn der neue Regent brachte dem Volk, in dessen Mitte er nach
den Hausverträgen fortan leben sollte, kein Herz entgegen. Karl
Theodor von der Pfalz, „der erste Kavalier des heiligen römischen
Reiches,“ wie er von seinen Höflingen genannt wurde, zog dem
 
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