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Kleine Mitteilungen.
Das zum Orginale gewandelte Konzept einer Bulle
Calixts II. R. Davidsohn machte in seinen Forschungen zur
älteren Geschichte von Florenz S. 177 auf die Abschrift eines Pri-
vilegiums Benedikts IX. im Kapitel-Archive von Florenz aufmerksam
welche durch Ausstreichungen und Veränderungen dazu diente, den
Entwurf einer Bulle Leos IX. herzustellen. Kehr in den Nachrichten
von der K. Gesellschaft der Wissenschaft zu Göttingen (Phil. hist.
Kl.) 1898 S. 496f. erwies dann, dass die ausgedehnten Korrekturen
von der Hand des Kanzlers Petrus herrührten, der von Papst Bene-
dikt IX. bis auf Leo IX. im Amte war. Es ist dies ein interessanter
Beleg für die Art, wie im 11. Jahrhunderte bisweilen die Papst-
urkunden entstanden.
Einen ähnlichen, nicht minder bezeichnenden Fall, bietet ein
Privilegium Calixts II. für St. Maria im Contel Walde (J. 6778).
Es befindet sich unter den neuen Erwerbungen des kgl. Staatsarchivs
in Coblenz und ist meines Wissens das einzige seiner Art. Aeusser-
lich entspricht es der Form, welche ich als Mittelbullen bezeichnete.
Das Pergament der Urkunde ist nordfranzösisch-lothringisch,
breit 0,38 ■— 0,385, lang 0,38, unten c. 0,032 umgeschlagen, durch
3 Löcher in Dreieckform geht eine lockere rosa Seidenschnur, an der
das Bleisiegel hängt.
Das Ungewöhnliche dieser Bulle ist zunächst die Schrift des
Hauptkörpers. Sie zeigt nämlich nicht eine solche der päpstlichen
Kanzlei sondern gewöhnliche fränkische, fast Bücherschrift. Nur die
Verschnörkelung einiger s und ct erinnert an Urkunden. Nichts ist
hervorgehoben oder langbuchstabig, äusser das einleitende C, welches
mit, Druck, einem Hals- samt einem Fussknoten versehen ist, und
MARTE und GREGORII. Die Buchstaben reichen links und rechts
bis nahe an die Kante des Pergamentes, die Zeilenschlüsse sind un-
regelmässig, die Zeilenweite beträgt nur 0,01. Das letzte Wort des
Hauptkörpers schliesst mit der Zeile ab, als neue Zeile ist links ein
Amen gesetzt 0,045 ausgedehnt, die übrige Zeile blieb leer. Dies
alles entspricht nicht dem päpstlichen Kanzleibrauche; auch dem
 
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