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309

Die Hermunduren.
Von
Ludwig Schmidt.
Bekanntlich zerfielen die Westgermanen ursprünglich in drei
grosse Stämme, Ingwäonen, Istwäonen und Herminonen, die durch
Blutsverwandtschaft und gemeinsamen Kultus zusammengehalten
wurden; in historischer Zeit bestanden dieselben jedoch nicht
mehr. Unter den Herminonen hat sich ein Stamm, die Sweben,
abgesondert, der sich in verschiedene, anfänglich zusammen-
wohnende Völkerschaften gliederte. Das Hauptvolk waren die
Semnonen (Tac. Germ. cap. 39: Sueborum caput) zwischen der
mittleren Elbe und Oder, bei denen das swebische Bundesheiligtum
sich befand; wir dürfen in dieser Gegend die ältesten Sitze des
noch ungetrennten swebischen Stammes suchen (Tac. a. a. 0.:
inde initia gentis). Zu diesem gehörten ferner die späteren Marko-
mannen, Quaden und Hermunduren. Ueber die Zugehörigkeit zu
den Sweben differieren die Angaben der griechisch-römischen
Schriftsteller, so dass es schwer ist, zur Klarheit durchzudringen.
Am weitesten geht Tacitus in der Germania, der äusser den
Herminonen (von Chatten und Cheruskern abgesehen) auch alle
ingwäonischen Völker sowie die Nord- und Ostgermanen dazu
rechnet, d. h. wie Much1 richtig bemerkt, die vor der Erhebung
des Arminius freien Germanen. Nach Ptolemäus und Strabo
waren Sweben auch die Angeln und Langobarden, welche jedoch
nachweislich ingwäonischen Stammes waren.2 Äusser auf den
Semnonen ist auch auf den Quaden der Swebenname später allein
haften geblieben; letztere sind unzweifelhaft die Begründer des
Swebenreiches in Spanien.3 Wahrscheinlich nach dem Abzug der
1 Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur, hgg.
von E. Sievers XVII (1893) S. 50.
2 Bruckner, Die Sprache der Langobarden (1895) S. 24 ff.
3 Capitolin. vita Marei 22, 1 ist zu lesen Quadi Suebi statt Quadi,
Suebi; vgl. meinen Aufsatz im Hermes XXXIV (1898) S. 158.
Histor. Vierteljahrschrift. 1900. 3. 21
 
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