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478

Zur Geschichte des Rastatter Gesandtenmordes
am 28. April 1799.
Von
Karl Theodor Heigel.
Es darf wohl als allgemein bekannt vorausgesetzt werden,
unter welch rätselhaften Umständen die Gesandten Frankreichs
am Rastatter Friedenskongress in der Nacht vom 28. auf 29. April
1799 unmittelbar vor den Mauern des badischen Festungsstädt-
chens ermordet und wie verschiedenartige Schlüsse aus den dürf-
tigen Anhaltspunkten in Bezug auf Urheber und Thäter gezogen
worden sind. Das Ereignis hat ja in ähnlichem Masse wie die
Frage nach dem Manne mit der eisernen Maske oder nach der
Herkunft Kaspar Hausers die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise
auf sich gezogen und den Scharfsinn der Forscher beschäftigt.
Ich will nur in Kürze berichten, welche neuen Thatsachen zur
Aufklärung des Vorganges in jüngster Zeit zu Tage gefördert
wurden, und zu den dadurch hervorgerufenen neuen Streitfragen
Stellung nehmen.
Das Heft der „Grenzboten“ vom 22. März 1900 enthält einen
bisher unbekannten zeitgenössischen Bericht eines Diplomaten,
des Malteserritters Francois Gabriel von Bray, der sich in Rastatt
der kurbairischen Gesandtschaft als cavaliere servente angeschlossen
hatte und später in bairischen Staatsdienst trat. Bray war zwar
nicht Zeuge der eigentlichen Katastrophe, hatte aber unmittelbar
darnach Gelegenheit, die Ueberlebenden zu sehen und zu sprechen.
Die anschauliche, nicht auf einen bestimmten Zweck berechnete
Erzählung des Kavaliers bietet eine dankenswerte Ergänzung zu
dem „Gemeinschaftlichen Bericht“, den der preussische Gesandte
Dohm aus den Erzählungen Debry’s und der übrigen Leute vom
Gefolge der Minister, den Aeusserungen der österreichischen Offi-
ziere u. s. w. zusammenstellte und den alle von Rastatt nach
Karlsruhe übergesiedelten Gesandten unterzeichneten.
 
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