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Einleitung.

Adler sein wollen in einem kleinen, dünn bevölkerten
Lande, wo jeglicher den Nachbar kennt und mit eifersüchtigem
Auge beobachtet und beobachtet wird, vom Hergebrachten
abweichen und hochfliegende Gedanken zu verwirklichen streben,
heißt, sich am Gitter des engen Käfigs die Flügel blutig stoßen.
Das war das Geschick Hollanda’s. Trotz hoher Begabung
und glühender Begeisterung für echte Ideale ist es ihm nicht
vergönnt gewesen, seine Kräfte zu entwickeln und das Maß
seines Könnens in bleibenden Werken zu geben. Seine künst-
lerischen Gedanken vermodern unausgeführt auf dem Papier.
Selbst von seinen Hervorbringungen auf dem Gebiete der Klein-
kunst ist so gut wie nichts übrig geblieben.
Wer, aus dem öden castilischen Hochland kommend, den
portugiesischen Küstenstrich zum erstenmale betritt, fühlt sich
beglückt durch seinen gartenartigen Charakter, die lauen Lüfte,
die milden Sitten. Weilt er jedoch länger hier, so vermisst er
bald aufs schmerzlichste inmitten der freigebigen Natur die ihr
zu Hilfe kommende Kunst, die adelnde Arbeit des Menschen-
geistes. Entdeckungen und Eroberungen haben im 15. Jahr-
hundert das beste Menschenmaterial verbraucht. Nur spät und
langsam konnte man daran denken, das Wiederaufleben von
Kunst und Wissenschaft für die Nation nutzbar zu machen.
Die Gesammtheit war und blieb unkünstlerisch bis auf den
heutigen Tag. Hollanda’s Leben aber fällt überdies in die
Zeit des politischen Niederganges. Als er in monumentalen
Bauten reden wollte, fesselte die Armut des Landes der
Regierenden Hand. Inquisition wie Jesuitismus ließen ihn nicht
zu Worte kommen. Auf dem Kunstgebiete aber gilt nicht des
Dichters Wort: »In magnis et voluisse sat est.«
 
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