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Hottenroth, Friedrich
Trachten, Haus-, Feld- und Kriegsgeraethschaften der Voelker alter und neuer Zeit: mit 120 Taf. u. zahlr. Holzschnitten (Band 1) — Stuttgart, 1884

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https://doi.org/10.11588/diglit.12994#0165
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sind den Chinesen die Mittel bekannt, durch welche dem allzu raschen Erhitzen der Rohre und
dem hierdurch bedingten Zerspringen derselben vorgebeugt werden kann. Die Belagerungs-
werkzeuge der Chinesen bestehen zumeist in zwei-, vier- oder sechsräderigen Kasten mit Haken
und Leitern ausgerüstet oder mit unlöschbaren Brennstoffen angefüllt (108. 47. 48. 50. 51). Noch sei
erwähnt, dass die Chinesen einen ausgiebigen Gebrauch von Feldzeichen aller Art belieben. Ein
Wald von Wimpeln und Fahnen überweht das in Schlachtordnung aufgestellte Heer. Die Tataren
sind kenntlich an ihren gelben, weissen, rothen und blauen Standarten; auch führen dieselben gelbe
Standarten mit weissen oder rothen Fransen, rothe Standarten mit weissen, und blaue Standarten
mit rothen Fransen. Die Fahnen der rein chinesischen Truppen aber sind grün. Die Signale
werden mit Conchmuscheln sowie mit trichter- und kolbenartigen Trompeten gegeben (107. ig).

Es ist den Soldaten verboten, ausserhalb des Dienstes Waffen zu tragen; die Soldaten
müssen die freie Zeit mit ihrem Handwerke oder mit Feldbau ausfüllen. Vor dem Kaiser darf
kein Officicr mit seinem Schwerte erscheinen. Die Polizisten führen Peitschen und Bambus-
stöcke; ihre Uniform ist eine anliegende Jacke, die je nach dem Range des Trägers schwarz oder
roth, einfarbig oder bordirt ist; Polizisten gewissen Ranges tragen an den Kniegelenken eigen-
thümliche Stulpen, welche den Kacheln unserer alten Rüstungen ähnlich (100. 23. 101. s). Durch
nichts kennzeichnet sich ein Volk so scharf, als durch seine Strafgesetze. Die Bastonnade wird in
China nahezu für alle geringeren Ausschreitungen verhängt; sie gilt wegen ihrer Allgemeinheit
nicht für demüthigend. Schwerer ist die Strafe des Prangers. Der Pranger gleicht einer Tisch-
platte oder einer Tonne, die mit einer grossen Oeffnung für den Kopf und zwei seitlichen Löchern
für die Hände versehen; ein aufgeklebter Zettel enthält die Angabe des Vergehens; der Schuldige
wird, mit seinem Pranger angethan, durch die Strassen geführt und am Orte seines Vergehens zur
Schau gestellt; er muss wie ein Kind gefüttert werden. Es gibt Leute, .welche ihr Lebenlang eine
Art von Pranger, der einem Rahmen gleicht und wie ein Kragen um den Hals gelegt wird, mit
sich herum tragen müssen; doch können sie gegen Bezahlung sich den Schandrahmen von einem
Diener nachtragen lassen. Das Ausbrennen der Augen, das Zerschlagen der Fussknöchel und das
Zerschneiden der Achillessehne sind in China althergebrachte Strafen. Erdrosselung gilt für ehren-
hafter als Enthauptung. Frauen erhalten ihre Streiche auf die Wangen und zwar mit einer Bratsche,
welche aus Leder geflochten und von birnförmiger Gestalt ist. Statt dem Gefängnisse werden die
Frauen der Obhut ihrer Verwandten anvertraut. Im Gefolge eines jeden höheren Kwane befinden
sich einige Polizisten, welche vorausschreitend das Volk mit Peitsche und Bambuspritsche in Ordnung
halten. Die Uniform derselben besteht in einem rothen Knierocke ohne Aermel (100. 4) und einem
ebenso gefärbten hohen Schirmhute, auf dessen oberer Fläche eine abgestumpfte kegelige Spitze
sichtbar ist; der Schmuck des Hutes sind zwei lange Fasanenfedern. Dem Kwan zur Seite gehen die
übrigen Officiere mit strenger Miene einher ; der eine trägt den Sonnenschirm, der andere trommelt
auf einem kupfernen Becken, wieder andere tragen Stöcke mit eisernen Ketten. Das Gefolge eines
Vicekönigs, gross genug um eine ganze Strasse auszufüllen, starrt von Waffen aller Sorten; einige
Officiere tragen platte Schaufeln mit dem Rangzeichen des Königs in Goldbuchstaben (101. 5);
andere schlagen die Pauken.

Die chinesische Priesterschaft zerfällt in vier Klassen: in zwei niedere, welche in
Schwarz und Weiss gekleidet sind, und in zwei höhere mit rothen und gelben Gewändern; auch
ein Rundkragen ist üblich. Die höheren Klassen, die Lama und Bonzen, haben den Kopf völlig rasirt
(IOI.14.15) und bedecken ihn mit einem runden Schirmhute. Die Priester niederen Ranges tragen eine
sechseckige Krone, welche mit einer Kegelmütze ausgefüttert und mit kleinen Götzenbildern und
Todtenköpfen geschmückt ist (110. 5. 111. 24). Es giebt auch cylindrische Mützen und solche,
welche den Mützen unserer Köche gleichen (111. 23). Die Gelehrten tragen eckige Mützen, runde,
die mit zwei vergoldeten Zweigen besteckt, diejenigen Studenten, welche im Examen begriffen sind

(101. 17).
 
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