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Sehen wir uns in der Wohnung eines Chinesen um: da giebt es weder Tapeten noch Spie-
gel; der Hausrath besteht in wenigen Stühlen und Tischen, in Schemel, Spucknäpfen, Blumen-
gestellen, Kasten, Laternen, Pendeluhren und Spieldosen (108. 1-14). Bei aller Achnlichkcit, welche
die chinesischen Möbel zuweilen mit den europäischen haben, haftet ihnen immer etwas an, wodurch
sie bizarr und ganz anders erscheinen, als die unsrigen. Die Stühle sind von Bambus oder Por-
zellan ; der Rohrstuhl gleicht einem sanduhrförmigen Korbe, an welchem eine Rücklehne angebracht
ist (108. 14), der Porzellanstuhl aber ungefähr einem kleinen Fasse (108. 3. 4), das durchbrochen und
reich bemalt. Fast alle Möbel sind bunt lackirt und vergoldet. Abweichend von den übrigen
Asiaten geniessen die Chinesen, wenigstens die vornehmen, ihre Mahlzeiten auf einem Stuhle sitzend,
je zwei an einem Tischchen; statt der Messer und Gabeln handhaben sie zwei kleine Stöckchen
von Bambus oder Elfenbein, mit welchen sie die festen Stücke aus den Brühen herausfischen; alle
Speisen haben etwas Klebriges und sind für den Fremden um so widerlicher, als es im ganzen
Hause scharf nach Opium riecht. Statt der Stäbe gebraucht der ärmere Chinese seine Finger.
Als Bett dienen gewöhnlich zwei Stühle mit einigen Brettern, auf welche eine Lage von Stroh oder
eine Strohmatte und zum Zudecken eine Binsenmatte gebreitet wird. Doch giebt es auch Bett-
gestelle, welche einer liegenden Tonne ohne Boden gleichen (107. 21), auf vier kurzen Füssen in
einer Wandnische stehen und mit Vorhängen von Seide oder Baumwolle, im Sommer mit Fliegen-
netzen umgeben sind. Betttücher sind völlig unbekannt. Unter den industriellen Erzeugnissen der
Chinesen nehmen die Fayencen, Broncen, Elfenbeinschnitzereien und Filigranarbeiten
den höchsten Rang ein (102. 18-21. 103. 1-10. 104. 1-8. 105. 1-9. 106. 1-9. 107. 19. 20.22); sie sind
die Freude und Bewunderung der ganzen Welt. Der Verfasser muss hier auf die kunstgewerblichen
Schriften verweisen, in welchen sich ausreichende Belehrung über diese Sachen vorfindet. Zahlreich
sind die Musikinstrumente, so formlos auch sonst die Melodien der Chinesen sind, die völlig
unserm sogenannten Singsange gleichen. Der Chinese liebt die handgreifliche Rhythmik und darum zieht
er die Instrumente zum Schlagen allen übrigen vor. Das älteste und nationalste Schlaginstrument
ist das King (107. 15); dasselbe besteht aus 16 Klingsteinen oder auch Glöckchen, welche in zwei
Reihen übereinander aufgehängt sind und mit einem Klöppel angeschlagen werden. Beliebt sind
neben Trommeln aller Grössen (Ya-ku) gewaltige Pauken; die Pauke wird entweder zwischen zwei
Ständern aufgehängt (107. 12) oder ruht auf einer hohen Stütze (Hiuen-ku), zwischen zwei kleineren
Pauken, die rechts und links an Kettchen hängen (107. 14). Zum Taktschlagen dient das Tscheng-tu, ein
Fächer aus kleinen Holzplättchen (107. 7). Ein eigenartiges Blasinstrument ist das Tscheng: ein
Kürbis (107. 10), der als Windlade dient, zur Seite eine gänsehalsartige Röhre zum Anblasen hat
und auf der oberen Fläche dicht mit 12 bis 24 Bambuspfeifen besetzt ist; die Schalllöcher werden
vom Bläser mit den Fingern geöffnet und geschlossen. Das urälteste unter den Saiteninstrumenten
ist das Chee; es ist dies ein mit 25 Saiten überzogenes tafelartiges Psalter (107. 1); es wird stets
zugleich mit einer kleinen Handtrommel gespielt.
So fieissig der Chinese auch ist, so betrachtet er unter gewissen Verhältnissen doch das
Nichtsthun als sein Ideal. Ein Chinese von Rang wird niemals seinen Weg zu Fuss machen;
selbst bei kurzen Strecken bedient er sich des Tragestuhles, der Sänfte, des Wagens und des Schub-
karrens, bei weiteren Strecken aber des Pferdes und namentlich des Schiffes. Ehemals soll es zahl-
reiche Karossen in China gegeben haben; man sagt, sie seien von dort im IG. Jahrhundert nach Italien
gekommen, in China selbst aber wegen ihrer Kostspieligkeit ausser Gebrauch gesetzt worden.
Heutzutage begegnet man auf den Landstrassen Chinas keinem Wagen, welcher mehr als zwei Räder
hätte; diese Wagen (108. 17) sind niedrig, plump, nicht in Federn hängend und kaum so gut als
unsere elendesten Karren; die Fahrgäste nehmen mit gekreuzten Beinen auf den Kissen Platz, die am
Boden liegen; der Fuhrmann aber setzt sich auf den hinteren Theil der Gabel. Beliebt sind die Sänften
oder Palankine (108. 21); es sind dies Kasten, die, offen für die Männer, für die Frauen verschlossen,
zwischen den beiden Längsbalken einer Tragbahre hängen und von zwei Männern, Pferden oder
Sehen wir uns in der Wohnung eines Chinesen um: da giebt es weder Tapeten noch Spie-
gel; der Hausrath besteht in wenigen Stühlen und Tischen, in Schemel, Spucknäpfen, Blumen-
gestellen, Kasten, Laternen, Pendeluhren und Spieldosen (108. 1-14). Bei aller Achnlichkcit, welche
die chinesischen Möbel zuweilen mit den europäischen haben, haftet ihnen immer etwas an, wodurch
sie bizarr und ganz anders erscheinen, als die unsrigen. Die Stühle sind von Bambus oder Por-
zellan ; der Rohrstuhl gleicht einem sanduhrförmigen Korbe, an welchem eine Rücklehne angebracht
ist (108. 14), der Porzellanstuhl aber ungefähr einem kleinen Fasse (108. 3. 4), das durchbrochen und
reich bemalt. Fast alle Möbel sind bunt lackirt und vergoldet. Abweichend von den übrigen
Asiaten geniessen die Chinesen, wenigstens die vornehmen, ihre Mahlzeiten auf einem Stuhle sitzend,
je zwei an einem Tischchen; statt der Messer und Gabeln handhaben sie zwei kleine Stöckchen
von Bambus oder Elfenbein, mit welchen sie die festen Stücke aus den Brühen herausfischen; alle
Speisen haben etwas Klebriges und sind für den Fremden um so widerlicher, als es im ganzen
Hause scharf nach Opium riecht. Statt der Stäbe gebraucht der ärmere Chinese seine Finger.
Als Bett dienen gewöhnlich zwei Stühle mit einigen Brettern, auf welche eine Lage von Stroh oder
eine Strohmatte und zum Zudecken eine Binsenmatte gebreitet wird. Doch giebt es auch Bett-
gestelle, welche einer liegenden Tonne ohne Boden gleichen (107. 21), auf vier kurzen Füssen in
einer Wandnische stehen und mit Vorhängen von Seide oder Baumwolle, im Sommer mit Fliegen-
netzen umgeben sind. Betttücher sind völlig unbekannt. Unter den industriellen Erzeugnissen der
Chinesen nehmen die Fayencen, Broncen, Elfenbeinschnitzereien und Filigranarbeiten
den höchsten Rang ein (102. 18-21. 103. 1-10. 104. 1-8. 105. 1-9. 106. 1-9. 107. 19. 20.22); sie sind
die Freude und Bewunderung der ganzen Welt. Der Verfasser muss hier auf die kunstgewerblichen
Schriften verweisen, in welchen sich ausreichende Belehrung über diese Sachen vorfindet. Zahlreich
sind die Musikinstrumente, so formlos auch sonst die Melodien der Chinesen sind, die völlig
unserm sogenannten Singsange gleichen. Der Chinese liebt die handgreifliche Rhythmik und darum zieht
er die Instrumente zum Schlagen allen übrigen vor. Das älteste und nationalste Schlaginstrument
ist das King (107. 15); dasselbe besteht aus 16 Klingsteinen oder auch Glöckchen, welche in zwei
Reihen übereinander aufgehängt sind und mit einem Klöppel angeschlagen werden. Beliebt sind
neben Trommeln aller Grössen (Ya-ku) gewaltige Pauken; die Pauke wird entweder zwischen zwei
Ständern aufgehängt (107. 12) oder ruht auf einer hohen Stütze (Hiuen-ku), zwischen zwei kleineren
Pauken, die rechts und links an Kettchen hängen (107. 14). Zum Taktschlagen dient das Tscheng-tu, ein
Fächer aus kleinen Holzplättchen (107. 7). Ein eigenartiges Blasinstrument ist das Tscheng: ein
Kürbis (107. 10), der als Windlade dient, zur Seite eine gänsehalsartige Röhre zum Anblasen hat
und auf der oberen Fläche dicht mit 12 bis 24 Bambuspfeifen besetzt ist; die Schalllöcher werden
vom Bläser mit den Fingern geöffnet und geschlossen. Das urälteste unter den Saiteninstrumenten
ist das Chee; es ist dies ein mit 25 Saiten überzogenes tafelartiges Psalter (107. 1); es wird stets
zugleich mit einer kleinen Handtrommel gespielt.
So fieissig der Chinese auch ist, so betrachtet er unter gewissen Verhältnissen doch das
Nichtsthun als sein Ideal. Ein Chinese von Rang wird niemals seinen Weg zu Fuss machen;
selbst bei kurzen Strecken bedient er sich des Tragestuhles, der Sänfte, des Wagens und des Schub-
karrens, bei weiteren Strecken aber des Pferdes und namentlich des Schiffes. Ehemals soll es zahl-
reiche Karossen in China gegeben haben; man sagt, sie seien von dort im IG. Jahrhundert nach Italien
gekommen, in China selbst aber wegen ihrer Kostspieligkeit ausser Gebrauch gesetzt worden.
Heutzutage begegnet man auf den Landstrassen Chinas keinem Wagen, welcher mehr als zwei Räder
hätte; diese Wagen (108. 17) sind niedrig, plump, nicht in Federn hängend und kaum so gut als
unsere elendesten Karren; die Fahrgäste nehmen mit gekreuzten Beinen auf den Kissen Platz, die am
Boden liegen; der Fuhrmann aber setzt sich auf den hinteren Theil der Gabel. Beliebt sind die Sänften
oder Palankine (108. 21); es sind dies Kasten, die, offen für die Männer, für die Frauen verschlossen,
zwischen den beiden Längsbalken einer Tragbahre hängen und von zwei Männern, Pferden oder



