Hübsch, Heinrich
Bauwerke: Text zum ersten und zweiten Heft — Karlsruhe und Baden, 1838

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einander zu reissen, und die ganze Widerkehr a e h nach der Richtung e f umzuwerfen.
Es ist einleuchtend, dass auf diese Weise ziemlich grosse viereckige Räume überwölbt werden
können, ohne darum eine besondere Verstärkung ihrer Umfassungs-Mauern zu erheischen.

Schlüslich sey noch einer besonderen Gewölb-Bildung erwähnt, welche bei dem äussern
Portikm des Museums und desgleichen bei den Arcaden der Zoll-Gebäude zu Mannheim
angewendet werden.

Nach der bisherigen Weise wurde der Seiten-Schub, den die — entweder aus
Kugel-Gewölben oder aus Kreuz-Gewölben bestehende — überwölbte Decke bei Portiken
gegen aussen verursacht, durch Quer-Schlaudern nach Fig. XII. gefasst. Hierbei fallen aber
diese Schlaudern, welche gewöhnlich unmittelbar über den Säulen-Capitälen angebracht und
also vom Scheitel der Decke (verhältnissmäsig zur ganzen Höhe) sehr entfernt sind, sogar
schon von Weitem sehr missfällig ins Auge. Daher überwölbeich die Decken der Portiken nach
Fig.XIII.mit einem ganz flachen Tonnen-Gewölbe, welches erst oberhalb der vordem Bögen
beginnt und dessen (allerdings starker) Seiten-Schub durch beliebig viele Schlaudern auf-
gehoben wird. Diese Schlaudern haben darum kein so ungefälliges Ansehen, weil sie ganz nahe
an dem Decken-Gewölbe, mit welchem sie noch durch verzierte Häng-Säulchen verbunden
werden können, angebracht sind, und also in die Categorie von vorstehenden Decken-Unter-
zügen und Gewölb-Gurten treten. Zugleich wird dadurch der Säulen-Stellung dieselbe Stabilität,
welche die dahinter befindliche Mauer hat, gegeben: denn wie die Schlaudern als Zusammen-
haltung wirken, so wirkt das ganz flache Decken-Gewölbe als Auseinander-Spriessuug, was
bei einem nach dem Halb-Kreis gestalteten Gewölbe nicht der Fall wäre. Es kann demnach
bei dieser Construction den Säulen ein schlankeres Verhältniss gegeben werden, als selbst bei
einer geraden hölzernen Decke rathsam wäre.

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