Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

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203. Labyrinthus.

dagegen braucht sie nur im Singular, wenn von der Ober- oder
Unterlippe allein gesprochen wird, oder von dem kreisförmigen
Rand einer Grube oder Vertiefung, z. B. Labrum (nicht Lahium)
cartilagineum fossae glenoidalis scapulae und acetabuli, nach
Weitbrecht.

Das griechische yzCkoq, hat denselben doppelten Sinn, wie
Lahium und Labrum, und überdies noch jenen von Rüssel,
Schnauze, Schnabel, und in der Ilias von Flussufer.

203. Labyrinthus,

Nicht Win slow, wie Pier er meint, sondern der grosse
Fallopia, hat die anatomische Terminologie, mit dem Laby-
rinthus bereichert — ein zu geAvaltiges Wort, ägyptischen,
nicht griechischen Ursprungs, mit welchem er die Höhlen und
Gänge der innersten Sphäre des Gehörorgans belegte: quum
haec cavitas tot habeat meatus et cuniculos (Bogengänge '), merito
labyrinthus dicetur, in quem prospicit fenestra ovalis, clausa a
stapede etc.2). Winslow übertrug das Labyrinth auch auf die
Zellen des Siebbeins, eigentlich nur auf die zwei Conchae eth-
moidales, als Labyrinthe des narines'-^). Dieser Zellencomplex
verdient den Namen eines Labyrinths, als midtiformis, et dictu
difßcilis cavitas, wie Haller sich ausdrückt4).

') Cuniculus ist Kaninchen. Aber auch die von diesem Thiere
gegrabenen Gänge, hiessen Cimiculi, wie das cuniculos agere,
Minengräben anlegen, im J. Caesar. Der Cuniculus des
Fallopia, steht somit = Ganalis semicircularis. Im Bartho-
linus heissen die Canales semicircularcs: Semicirculi ossei excavati,
und Funiculi. Letzterer Ausdruck kann aber nur auf die Canales
semicircularcs membranacei bezogen werden.

2) Observ. anat., in Opp. omn. Vesaiii, Edit. Lugd., T. II, pag. 699.

3) Exposition anatomique, T. I, num. 247.

4) Eiern, physiol., T. V, pag. 129.
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