Hyrtl, Joseph
Die alten deutschen Kunstworte der Anatomie: mit Synonymen-Register und alphabetischem Index — Wien, 1884

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Vorherz. Wadel. Wadtsack.

bewogen haben, das Ileum mit dem Namen Volvulus, curioser
Weise auch Volvulus, zu belegen. Dieser findet sieh auch in
dem gewelczt und verwickelt darin der Glossarien.

Vorherz.

Eine wörtliche aber unsinnige Uebersetzung der lateinisehen
praecordia. Meister Hans verwechselt die Praecordia mit der
Cardia des Magens, und nennt letztere Vor herz (fol. X, b).
Auch der Herzbeutel kommt als Vorherz, Fürherz und Vier-
herz vor.

Wadel.

Ich führe dieses allbekannte Wort hier nur an, um der
Bemerkung Raum zu geben, dass der für einen Provinzialismus
geltende Wadl der Wiener, sich schon in einer Handschrift
aus dem 15. Jahrhundert blicken lässt, welche Dieffenbach,
pag. 568, bei ßura, citirt. Alt genug wäre also die Wade,
der Wade im A. Dürer, und der Wad im Oberdeutschen.
Der in einigen niederdeutschen Gegenden einheimische Wadel
= Vollmond, scheint auf dem Begriff der Rundung und
Fülle zu beruhen, welcher mit der anatomischen Wade so nahe
verbunden ist. Rabanus Maurus führt Wade alsVuado auf,
welches Wort seinen lateinischen Ursprung von vadere, gehen,
nicht verläugnen kann. Die Streckmuskeln des Fusses, welche
beim Gehen in angestrengter Verwendung stehen, liegen sämmt-
lich an der Wade. Im Schwedischen heisst jeder fleischreiche
Körpertheil Wade.

Wadtsack.

Dresser, pag. 10, hat dem grossen Netz einen Wadt-
sach angehängt. Nach dem, was bei Güdel vorgebracht wurde,
ist Wadtsack nur die nähere Bezeichnung eines Sackes, als
welcher das grosse, den Magen und Dünndarm mehrerer Thiere
wie ein Sack überziehende Netz im 16. Jahrhundert fast allge-
mein benannt wurde. Wadtsack, richtig Watsack, heisst
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