Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Metadaten

Grohmann, Johann Gottfried [Editor]
Ideenmagazin für Liebhaber von Gärten, englischen Anlagen und für Besitzer von Landgütern — 1797-1798 (Heft 13 -18)

DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.17634#0061
Overview
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
Tal. I.

Niclit feiten bildete die Natur vor einem Schlosse oder Landpallaft' einen schönen 1
grünen Rasenplatz, in der Ferne mit einer zauberifchen Einfassung von mannigfalti-
gen Bäumen und Gcfträuchen, in tausendfachen Gruppierungen: hier öffnen sich lichte
Durchsichten, da schimmert der Glanz des Tages nur zweifelhaft durch, und dort
geben dichte Gruppen einen dunkeln, kühlen Schatten. Dem Schlosse oder Pallaß
gegen über wird eine Aussicht gebildet über Wiesen und Felder hin, durch diese,
Aussicht schlängelt sich der Weg zu dem Schlosse. Am Eingang' in diesen von
Buschwerk eingefafsten Rasenplatz kann man auf kleine Erhöhungen des Rasens, oder
auf nicht allzu hohe Fufsgestelle von Stein, wie es der Herr Graf von Werth er n
in seinen geschmackvollen Anlagen um das Schlofs Eytra that, Blumentöpfe in ko-
lossischem Verhältnis, mit lebendigen Blumen bepflanzt, hinstellen, und nach Ver-
hältnifs der Jahreszeit den Abgang der frühern Blumen durch später blühende ersez-
zen. Nur einer oder höchstens zwei solcher grofsen Blumentöpfe sind für den gröfs-
ten Platz zu seiner Verzierung völlig hinreichend.

Gegenwärtiges Blatt enthält fünf Muster zu Blumentöpfen dieser Art, die,
wenn sie zu obigem Gebrauche bestimmt sind, von gebranler Erde verfertiget wer-
den. Die Verzierungen derselben können blofs gemahlt, oder auch erhoben gearbei-
tet, und dann nach Art der Hetrurischen Vasen gefärbt werden.

Von der Kunst angelegte Bowling - Greens in entfernten Gegenden des Parks
werden dadurch gleichfalls eine gute Verzierung, und sie selbst dadurch vielleicht
eine gröfsere moralische Wahrscheinlichkeit erhalten, wenn das Fufsgestelle, in Ge-
stalt eines Altars, am Fufs einer Terme steht.

Will oder kann man sich ihrer nicht auf diese Weise bedienen, so lasse man
sie in der Gröfse gewöhnlicher Blumentöpfe arbeiten, und lege der Besitzerin des
Gartens auf ihrem verschlossenen Lieblingsplätzchen ein Blumenpulpet an, worin sie,
wie die Gemahlin des schon genannten Herrn Grafen von Werthern in Eytra, die
Freuden einer philosophischen und geistreichen Leetüre geniefst.

Um diese Blumentöpfe mehr zu schonen, kann man die Blumen in gemeine
Töpfe pflanzen, und diese dann in die verzierten hinein setzen.

Tab. IL

Wir haben den Herren Interessenten unseres Ideenmagazins versprochen, ihnen
bisweilen Zeichnungen zu gröfsern und kostbarem Gebäuden zu liefern, und geben
ihnen auf diesem Blatt einen Theil der Erfüllung unseres Versprechens.

Das Gebäude selbst, von zusammen gesetzter Ordnung, mit Jonischem Ge-
sims, ist von bedeutendem Umfange; die Scene, die es umgiebt, mufs es nicht min-
der sein. Mannigfaltigkeit und Reichthum der Naturgegenstände werden immer die
schönsten Zierde^ der Gärten ausmachen, und die prächtigsten Gebäude alle Wir-
kung verHeren, wenn man fühlt, dafs sie der Eigenthümer des Gartens nur dahin
setzte, seinen Reichthum und seine Macht zu zeigen.
AV XVI. «
 
Annotationen