Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 15.1904

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INNEN - DEKORATION.

durch die Aufnahme der Deckenunterzüge an dieser
Stelle, dass man meint, die Decke würde gehoben.
Überall finden wir die Steigerung der Vertikal-
richtung, die Nische mit der herrlichen Aphrodite
von Arthur Volkmann, die Fenster und Türen sind
darauf gestimmt. Doch der Künstler wollte in der
Tat auch nichts anderes erzielen; der Raum als
Arbeits- und Bibiiotheksraum, ja auch als Repräsen-
tationsraum, musste an sich schon den Zug des
geistig Hohen in dem räumlich Aufstrebenden zum
Ausdruck bringen. In diesem Raum hat der Kon-
strukteur gewaltet, der sich über alles Rechenschaft
leistet in konkreter Sachlichkeit. Das abstrakt
psychische Durchdringen und Durchglühen über
das rein Stoffliche hinaus war dem Künstler damals
noch nicht zum eigentlichen Empfinden geworden.
— Aber liebevoll hat Anton Huber sich des hinter-
lassenen Werkes des Bruders angenommen; auch
seine eigenen Entwürfe zu den Kunstvergiasungen
der Fenster hat er dem untergeordnet, und die Aus-
führung des ganzen Raumes bis in alle Feinheiten
überwacht mit jener Verantwortlichkeit, die der
Künstler sonst nur eigenen Entwürfen gegenüber

übernimmt. Und die beteiligten Kräfte haben gleich-
falls an der gediegenen Vollendung des Raumes
ihr bestes Teil beigesteuert, so die Möbelfabrik
O. B. Friedrich—Dresden für die Möbel und anderen
Holzarbeiten in grau gebeiztem und lasiertem Eichen-
holz, die Wände mit grün und gelb bemaltem uni
blaugrau Leinen bespannt, Fuhrmann & Drössler—
Dresden und Arno Hahn—Dresden für die Beschläge,
A. Degner—Leipzig für die Kunstverglasung, Joh.
Odorico—Berlin für das Glasmosaik, F. G. Damm—
Leipzig für die Marmorarbeiten und die Sächsische
Bronzewaren-Fabrik A.-G., Leipzig-Würzen für die
Beleuchtungs-Körper. Also Firmen, die durch-
weg ein gutes Gelingen gewährleisteten. — Noch
einmal trat uns hier die ganze, strotzende Lebens-
kraft des jungen Künstlers entgegen, der der Hoff-
nung auf ein reiches Leben anfänglich einen Tempel
errichtet hatte. Sein Grabstein in Mainz mit seinem
Bronzebildnis trägt die bezeichnende Inschrift:

»Nach uns wird auch die Erde wieder grünen,

Der Baum wird knospen und die Blumen blühen.

Nach uns wird auch das Lied der Nachtigallen

Aus neubelaubtem Hange wieder schallen.« o. sch.-k.

PATRiz huber j (darmstädter zeit). Aus dem Bücherei-Zimmer eines Leipziger Privathauses.

Gemälde (Triptychon) von Prof. Hans Christiansen—Darmstadt.
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