Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 20.1909

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INNEN-DEKORATION

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ARCHITEKT K. R. HENKER —CHARLOTTENBURG.

HOTEL ELITE—BERLIN. KONVERSATIONS-ZIMMER.

DAS HOTEL ELITE IN BERLIN.

Das Hotel Elite in Berlin, von dem wir einige Räume
zeigen, tritt nicht in Konkurrenz mit sensationellen
Luxushäusern wie Adlon oder Esplanade, deren oberster
Zweck das Schaugepränge zu sein scheint, nicht die
möglichst angenehme Aufnahme und Verpflegung des
Fremden. Das Hotel Elite ist kleiner dem Umfang
und dem Aufwand nach und ruhiger in seinem Wesen.
Es ist aus dem Umbau eines Wohnhauses hervor-
gegangen, von dem die Fassade kaum betroffen wurde.
Doch selbst in den neugeschaffenen Hotelräumen des
Innern ist der Wohnhauscharakter noch leise, aber
merkbar festgehalten. Er schafft eine Hotelstimmung,
die echter und dem Gast wohl auch bekömmlicher ist,
als der teure Prunk imitierter Schloßhallen.

Die eigentliche Architektur bietet keine Reize. Es
kommt uns hier mehr auf die organischen Schönheiten
an, die, nicht sofort ins Auge springend, sich erst so
recht bei der aufmerksamen Durchwanderung oder, sagen
wir, beim Studium des Hotels enthüllen und dieses aus
der Masse der Durchschnittshotels herausheben. Die
überaus sorgfältig erwogene Disposition und Anlage der
Räume und die Menge praktischer Einzelheiten, die
auf Schritt und Tritt zu beobachten sind, von diesen
soll hier etwas die Rede sein, dann aber auch von
einigen besonders glücklichen Raumbildern, die durch
eine weise Ausstattung dieses Hotels geschaffen wurden.

Die große Eingangshalle, welche den Mittelpunkt der
ganzen Anlage bildet, scheint, ähnlich wie die Diele
im Landhausbau, schon fast Konvention für das moderne
Hotel zu werden. Der Gast wird nicht direkt zur
Treppe oder zum Aufzug geführt, das Haus begrüßt
ihn erst mit einer etwas feierlichen Geste, mit einem
weit zum Empfang sich auftuenden Raum. Der Akkord
der Farben muß hier der Raumstimmung wesentliche
Dienste tun. Kalt sollen sie nicht sein, doch licht,
freundlich, doch mit einem gewissen Ernst. Man greift
da gern zu Marmor, dem schon als Material eine fest-
liche, raumweitende Wirkung zu eignen pflegt. Indes,
obligatorisch ist er darum nicht. Hier hat man rötlich
geäderten Marmor gewählt, dazu Palisanderholz in den
Möbeln und einen rötlichen Teppich. Das gibt der
Feierlichkeit eine leichte Farbnuance und willkommene
Wärme. 1 )ie lichte Höhe und Weiträumigkeit der Halle
ist hier das Wesentliche. Die Möbel haben daneben
nur akzessorische Bedeutung. Kleinere runde Tischchen
sind hier und dort hingestellt, mit ein paar gepolsterten
Stühlen darum. Man setzt sich ja hier nur, um gleich
wieder weiter zu gehen. Der Eingang wird flankiert
von Portierloge und Rezeption. An der gegenüber-
liegenden Wand öffnet sich eine hohe Glastüre zum
Restaurant, der Fensterwand gegenüber geht die Halle
in den Garderoben- und Kassenraum über: Diese Durch-
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