Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 22.1911
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https://doi.org/10.11588/diglit.11722#0192
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Lang-Danoli, Hugo.: Probleme im Kunstgewerbe
DOI article:Westheim, Paul: Weltmännisches Kunstgewerbe
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INNEN-DEKORATION
ARCHITEKTSKARL BERTSCH — MÜNCHEN. HERRENZIMMER. AUSF.: DEUTSCHE WERKSTÄTTEN G. M. B. H.-BERL1N.
Korbmöbel sollte ihnen als Beweis für die Richtig- Wenn gerade die Kreise, welche die besten Käufer
keit dieser Annahme dienen. Da sind ein paar Haus- und natürlichsten Propagandisten des Kunstgewerbes
gerate entstanden, die keine andere Geste haben als sein könnten, über die oft vordringliche Plumpheit
der tadellos sitzende englische Herrenanzug, als das spötteln, so deutet das zweifellos auf ein immer lebhafter
sinnenschmeichelnde französische Frauenkleid. Sie haben werdendes Verlangen nach dem, was der Franzose
sich frei erhalten von allen Extravaganzen, die der Herr »ele'gance« nennt. Verzichten wir in unserer Sorg-
seinem Schneider nur zugestehen würde, wenn er sich losigkeit auch weiterhin darauf, diese Lücke auszufüllen,
einen Gecken schelten lassen wollte, die der Dame eine so wird eben die Macht jenes französischen Geschmackes
noch viel schlimmere Bezeichnung eintragen würden. — die unserer Meinung nach doch nur noch auf einem
Will man in der Wohnung eine Art »erweiterter Klei- konventionellen Vorurteil beruht — niemals ganz zu
dung« sehen, so sollte man doch keinesfalls auf das brechen sein. Er erscheint uns recht angejahrt, recht
Beste und Feinste, das so bezaubernd wirkt, verzichten. unzeitgemäß; aber er hat den Vorzug, nicht durch
INNEN-DEKORATION
ARCHITEKTSKARL BERTSCH — MÜNCHEN. HERRENZIMMER. AUSF.: DEUTSCHE WERKSTÄTTEN G. M. B. H.-BERL1N.
Korbmöbel sollte ihnen als Beweis für die Richtig- Wenn gerade die Kreise, welche die besten Käufer
keit dieser Annahme dienen. Da sind ein paar Haus- und natürlichsten Propagandisten des Kunstgewerbes
gerate entstanden, die keine andere Geste haben als sein könnten, über die oft vordringliche Plumpheit
der tadellos sitzende englische Herrenanzug, als das spötteln, so deutet das zweifellos auf ein immer lebhafter
sinnenschmeichelnde französische Frauenkleid. Sie haben werdendes Verlangen nach dem, was der Franzose
sich frei erhalten von allen Extravaganzen, die der Herr »ele'gance« nennt. Verzichten wir in unserer Sorg-
seinem Schneider nur zugestehen würde, wenn er sich losigkeit auch weiterhin darauf, diese Lücke auszufüllen,
einen Gecken schelten lassen wollte, die der Dame eine so wird eben die Macht jenes französischen Geschmackes
noch viel schlimmere Bezeichnung eintragen würden. — die unserer Meinung nach doch nur noch auf einem
Will man in der Wohnung eine Art »erweiterter Klei- konventionellen Vorurteil beruht — niemals ganz zu
dung« sehen, so sollte man doch keinesfalls auf das brechen sein. Er erscheint uns recht angejahrt, recht
Beste und Feinste, das so bezaubernd wirkt, verzichten. unzeitgemäß; aber er hat den Vorzug, nicht durch


