Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 23.1912

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INNEN-DEKORATION

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PROFESSOR CARL SIEBEN IN AACHEN

GARTENANLAOE. HAUS N. CASPARY—TRIER

NEUE ARBEITEN VON CARL SIEBEN-AACHEN.

Ä

ls im Vorjahre an gleicher Stelle das Haus Hupertz-—
Aachen von Professor Sieben veröffentlicht wurde,
gaben wir im Zusammenhange damit unserer Freude
darüber Ausdruck, daß in Aachen auch die Zeit der Mo-
derne angebrochen sei und ihren Siegeszug antreten werde.
Umfaßte das Haus Hupertz im wesentlichen einen wohl-
gelungenen größeren Umbau im Palaisstil, dessen Räume
in vornehmstem Charakter auch dieser monumentaleren
Architektur angepaßt waren unter voller Betonung des
modernen Grundklanges, so bieten die Abbildungen dieses
Heftes vom gleichen Urheber nunmehr Beispiele des
eigentlichen Landhauses. Wir wissen ja nur zu gut,
daß die neuere architektonische Entwicklung in unsern
Großstädten eigentlich mehr das Geschäfts- und Waren-
haus, Hotels, Schulen und andere öffentliche Gebäude,
ferner Vergnügungsetablissements aller Art in ihren Be-
reich zog, wodurch das Privathaus, das eigentliche Wohn-
haus etwas vernachlässigt worden ist. Je mehr eine Stadt
sich industriell oder geschäftlich auswächst, desto mehr
fragen ihre Bewohner Verlangen, dem unruhigen Getriebe
zu entfliehen und ihre Wohnstätten in die Natur hinein zu
bauen. Die Bauordnung der Verkehrs- und Geschäfts-
straßen läßt ja kaum ein Wohnhausgepräge zu, und in den
eigentlichen Wohnhausvierteln fehlt es auch bereits am
nötigen Gelände, um einem Wohnhause etwas mehr als den
üblichen kleinen Vorgarten geben zu können. Unsere mo-

derne Wohnhaus-Architektur hat demgemäß auch außer-
halb der Städte ihre besten Aufgaben erhalten und dafür
auch ihre zeitgemäßesten und schönsten Lösungen gefun-
den. Immer mehr klärt sich das Bauprinzip unserer deut-
schen Wohnstätten, immer mehr scheint es von einheit-
lichen Gestaltungsmomenten gefestigt zu werden; man
möchte sagen, daß es immer deutscher wird, immer
freier von fremden und alten Einflüssen. Mehr denn je
besinnen wir uns wieder auf unsere deutsche Eigen-
art, auf deutsches Wetter und auf heimatliche Bauspuren
wie sie im deutschen Dache, in Giebeln und Erkern auf-
erstehen. Auch Professor Sieben liefert uns in seinen
neueren Arbeiten in vorliegendem Hefte dafür wert-
volle Beiträge; er ist seiner von mir in der früheren Ver-
öffentlichung herausgeschälten Baugesinnung und Woh-
nungsgestaltung durchaus treu geblieben, ja, hat sogar
einige historische Fesseln, die ihn durch andere Bauauf-
gaben noch immer an die Vergangenheit knüpften, ganz
abgestreift. Auch er hilft, den deutschen Wohnhaus-
charakter nationalisieren und ihn nach jener Seite, dank
ihm zur Verfügung stehender größerer Baumittel, zu ver-
feinern, — was so mancher allzu schnell hochwachsen-
den Gartenstadt-Siedelung noch abgeht, nochzumal diese
hier und da doch häufig der Schablone verfallen. Noch
immer bleibt das Einzel werk des Architekten mit wech-
selndem Auftraggeber aus den verschiedensten Gesell-

ig. II. 2.
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